MINT lernen

Übung — AFB III

Zehn Aufgaben zum Begründen, Verallgemeinern und Beurteilen: Warum gilt das? Was passiert, wenn …? Und wo führt der Alltagsverstand in die Irre?

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Aufgabenblock — AFB III

In dieser Stufe geht es nicht mehr ums Einsetzen, sondern ums Begründen, Verallgemeinern und Beurteilen. Schreibe deine Antworten in ganzen Sätzen und mit den Fachbegriffen auf — genau so wirst du in der Klausur bewertet. Nenne bei jeder Erklärung ausdrücklich, welches newtonsche Gesetz du benutzt. Die Aufgaben ohne Eingabefeld gelten als bearbeitet, sobald du deine eigene Lösung aufgeschrieben und danach die Musterlösung geöffnet hast — vergleiche ehrlich.

A1
Raumschiff — Masse aus der Kompensation
AFB III

Ein Raumschiff beschleunigt mit a = 22 m/s² genau nach Westen. Plötzlich wirkt zusätzlich eine Kraft von 1000 N nach Osten — danach bewegt sich das Raumschiff mit konstanter Geschwindigkeit weiter.

a) Berechne die Masse des Raumschiffs. b) Begründe, warum die Masse größer sein müsste, wenn das Raumschiff vorher mit denselben 22 m/s² nach Nordwesten beschleunigt hätte und danach genau nach Norden fliegen soll.

kg
Strategie: „Konstante Geschwindigkeit“ heißt nach dem Trägheitsprinzip: die resultierende Kraft ist null. Die neue Kraft muss also genau so groß sein wie die bisher beschleunigende Kraft — nur entgegengesetzt gerichtet.Warum so? Weil sich nur Kräfte in derselben Richtung gegenseitig aufheben können.
Lösungsskizze: m · a = 1000 N ⇒ m = 1000 N : 22 m/s² ≈ 45,45 kg. Bei einer Beschleunigung nach Nordwesten liegt nur der West-Anteil auf der Ost-West-Achse; er beträgt cos(45°) · 22 m/s² ≈ 15,56 m/s². Damit die 1000 N genau diesen Anteil aufheben, muss m größer sein.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

a) Nach dem ersten newtonschen Gesetz (Trägheitsprinzip) bewegt sich ein Körper genau dann geradlinig und gleichförmig, wenn die resultierende Kraft null ist. Die nach Osten wirkende Kraft muss also die bisher nach Westen beschleunigende Kraft aufheben: F = m · a ⇒ m = F : a = 1000 N : 22 m/s² ≈ 45,45 kg.

b) Kräfte wirken komponentenweise. Zeigt die Beschleunigung nach Nordwesten, so liegt nur der Anteil cos(45°) · 22 m/s² ≈ 15,56 m/s² auf der Ost-West-Achse; der Nord-Anteil bleibt bestehen (deshalb fliegt das Schiff danach nach Norden). Die 1000 N müssen nur diesen kleineren Anteil kompensieren: m = 1000 N : 15,56 m/s² ≈ 64,3 kg. Die Masse ist also größer — bei gleicher Kraft ist die Beschleunigung, die sie erzeugt, kleiner.

a = 22 m/s² Westen 1000 N nach Osten
Kräftegleichgewicht im All
A2
Warum man Beträge nicht addieren darf
AFB III

Begründe in 3–4 Sätzen, warum für zwei Kräfte immer |F1 + F2| ≤ |F1| + |F2| gilt, und gib an, in welchem Sonderfall das Gleichheitszeichen steht.

Prüfe deine Begründung an dem Beispiel F1 = (1500 N | 1700 N) und F2 = (1100 N | −900 N).

Strategie: Zeichne die beiden Pfeile aneinandergehängt. Die Summe ist der direkte Weg vom Anfang zum Ende — die Einzelbeträge sind der Umweg über die Ecke.Warum so? Der direkte Weg ist nie länger als der Umweg: das ist die Dreiecksungleichung.
Lösungsskizze: Gleichheit gilt nur, wenn beide Kräfte dieselbe Richtung haben (dann liegen die Pfeile auf einer Linie und es gibt keinen Umweg). Im Zahlenbeispiel: 2267,16 N + 1421,27 N = 3688,43 N, aber |F1 + F2| = 2720,29 N.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Kräfte sind Vektoren; addiert werden sie, indem man die Pfeile aneinanderhängt oder komponentenweise rechnet. Der Summenpfeil ist die direkte Verbindung vom Angriffspunkt zur Spitze des zweiten Pfeils, die Summe der Einzelbeträge dagegen die Länge des Umwegs über die Zwischenecke. Der direkte Weg ist nie länger als der Umweg, also gilt |F1 + F2| ≤ |F1| + |F2|. Gleichheit tritt nur ein, wenn beide Kräfte gleich gerichtet sind; zeigen sie in verschiedene Richtungen, „arbeiten“ die Querkomponenten teilweise gegeneinander.

Zahlenbeispiel: |F1| ≈ 2267,16 N, |F2| ≈ 1421,27 N, Summe der Beträge ≈ 3688,43 N. Tatsächlich ist F1 + F2 = (2600 N | 800 N) mit dem Betrag 2720,29 N — deutlich weniger. Bei entgegengesetzter Richtung wäre die resultierende Kraft sogar null.

F₁ F₂ F₁ + F₂ direkter Weg ≤ Umweg
Dreiecksungleichung
A3
Pferd und Kutsche — das Wechselwirkungs-Paradoxon
AFB III

Aus Erfahrung wissen wir, dass ein Pferd eine Kutsche ziehen kann. In der Schule lernt man das Wechselwirkungsgesetz („actio = reactio“). Müsste sich dann nicht die Kutsche in die entgegengesetzte Richtung bewegen — und alles stehen bleiben?

a) Löse den Widerspruch auf. b) Wo macht sich die Reaktionskraft bemerkbar? c) Wäre eine solche Fortbewegung in der Schwerelosigkeit möglich?

Strategie: Frage bei jeder Kraft: Wer übt sie aus — und auf wen wirkt sie? Zeichne beide Körper einzeln und trage nur die Kräfte ein, die an dem jeweiligen Körper angreifen.Warum so? Actio und reactio greifen nie am selben Körper an — deshalb können sie sich auch nicht gegenseitig aufheben.
Lösungsskizze: Die Kraft des Pferdes wirkt auf die Kutsche, die Gegenkraft der Kutsche auf das Pferd. Ob sich die Kutsche bewegt, entscheidet allein die resultierende Kraft an der Kutsche. Dazu kommt die Reibung zwischen Hufen und Boden.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

a) Das Wechselwirkungsprinzip sagt: Übt das Pferd auf die Kutsche die Kraft F aus, so übt die Kutsche auf das Pferd die gleich große, entgegengesetzt gerichtete Kraft aus. Diese beiden Kräfte greifen aber an verschiedenen Körpern an und können sich deshalb nicht gegenseitig aufheben. Ob sich die Kutsche bewegt, entscheidet nur die resultierende Kraft an der Kutsche: Zugkraft minus Reibung. Ist sie größer als null, wird die Kutsche nach dem Aktionsprinzip beschleunigt.

b) Die Reaktionskraft macht sich an den Hufen des Pferdes und an den Reifen der Kutsche bemerkbar: Das Pferd drückt sich gegen den Boden ab, der Boden drückt zurück — diese Reibungskraft treibt das Gespann an.

c) In der Schwerelosigkeit gäbe es keinen Boden zum Abstoßen und praktisch keine Reibung. Pferd und Kutsche würden aufeinander zutreiben und sich in der Mitte treffen — der Schwerpunkt des Gesamtsystems bliebe in Ruhe. Fortbewegung „am eigenen Zopf“ ist unmöglich.

F (auf Kutsche) −F (auf Pferd) Reibung am Boden
Kräfte an verschiedenen Körpern
A4
Fliegen im Glas — was zeigt die Waage?
AFB III

Ein Schwarm Fliegen befindet sich in einem verschlossenen Glas. Du stellst das Glas auf eine Waage. Die Waage zeigt das größte Gewicht an, wenn die Fliegen …

(1) … auf dem Boden sitzen.   (2) … im Glas herumfliegen.   (3) … weder noch — die Anzeige ist immer gleich.

Entscheide dich und begründe deine Antwort mit einem der newtonschen Gesetze.

Strategie: Frage: Womit halten sich die fliegenden Tiere in der Luft? Sie drücken Luft nach unten — und die Luft drückt zurück.Warum so? Betrachte Glas + Luft + Fliegen als ein System; alle inneren Kräfte treten paarweise auf.
Lösungsskizze: Die Kraft, mit der die Flügel die Luft nach unten drücken, wird über die Luft an den Glasboden weitergegeben. Nach dem Wechselwirkungsprinzip ist sie genauso groß wie die Auftriebskraft, die die Fliegen trägt.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Richtig ist (3): Die Anzeige bleibt gleich. Begründung mit dem Wechselwirkungsprinzip: Um zu schweben, müssen die Fliegen mit ihren Flügeln Luft nach unten beschleunigen. Die Luft übt dann auf die Fliegen eine gleich große Kraft nach oben aus, die genau ihre Gewichtskraft ausgleicht. Der nach unten gerichtete Anteil wird über die eingeschlossene Luft auf den Glasboden übertragen. Da das Glas verschlossen ist, bleibt die Summe aller Gewichtskräfte im System gleich — die Waage zeigt in beiden Fällen denselben Wert.

Beachte: Nur während des Startens oder Landens (also solange die Fliegen beschleunigt werden) schwankt die Anzeige kurz — im gleichmäßigen Schwebeflug nicht.

? g geschlossenes System
Innere Kräfte heben sich auf
A5
Peters Autoantrieb — Erfindung oder Unsinn?
AFB III

Peter hat eine „geniale“ Idee für einen neuen Autoantrieb: Er baut hinten am Auto eine kräftige Winde an, befestigt das Seil vorne an der Stoßstange desselben Autos und lässt die Winde ziehen. So soll sich das Auto selbst nach vorne ziehen.

Beurteile begründet, ob ein solcher Antrieb funktionieren kann. Nenne dabei ausdrücklich die verwendeten newtonschen Gesetze.

Strategie: Zeichne eine Systemgrenze um das ganze Auto. Welche Kräfte kommen von außen, welche sind innere Kräfte?Warum so? Nur äußere Kräfte können den Bewegungszustand des Gesamtsystems ändern.
Lösungsskizze: Winde und Stoßstange gehören beide zum Auto. Zugkraft und Gegenkraft sind gleich groß und entgegengesetzt — die resultierende äußere Kraft ist null. Ein echtes Auto beschleunigt dagegen, weil die Reifen sich am Boden abstoßen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Der Antrieb kann nicht funktionieren. Nach dem Wechselwirkungsprinzip zieht die Winde mit der Kraft F an der Stoßstange, und die Stoßstange zieht mit der gleich großen, entgegengesetzten Kraft an der Winde. Beide Kräfte greifen innerhalb desselben Systems (des Autos) an; ihre Summe ist null. Nach dem Aktionsprinzip F = m · a ist die Beschleunigung des Gesamtsystems damit ebenfalls null: Das Auto bleibt stehen (bzw. behält nach dem Trägheitsprinzip seinen Bewegungszustand bei).

Ein echtes Auto beschleunigt, weil die Reifen eine Kraft auf die Straße nach hinten ausüben und die Straße als Reaktion das Auto nach vorne drückt — hier greift die Gegenkraft an einem Körper außerhalb des Systems an. Genauso funktionieren Rakete (Ausstoß der Gase), Schwimmen und Gehen.

Systemgrenze „Auto“ F −F Summe der inneren Kräfte = 0
Kein Antrieb ohne Außenwelt
A6
Sicherheitsgurt und Knautschzone
AFB III

Bei der Vollbremsung aus Übung AFB II, A8 wirkte auf das Auto (1200 kg, 13,89 m/s, 1 s) eine Kraft von rund 16 700 N.

a) Erkläre mit dem Trägheitsprinzip, warum der Körper der fahrenden Person ohne Gurt nach vorne geschleudert wird. b) Begründe mit F = m · a, warum eine längere Knautschzone die Kräfte auf die Insassen verkleinert. c) Berechne zur Kontrolle die Kraft auf eine 70 kg schwere Person, wenn der Aufprall statt in 1 s in 0,1 s abgebremst wird.

N
Strategie: Die Geschwindigkeitsänderung ist fest vorgegeben (13,89 m/s → 0). Frei wählbar ist nur die Zeit, in der sie stattfindet — und über a = v : t steckt die Zeit direkt in der Kraft.Warum so? Je länger der Bremsvorgang dauert, desto kleiner ist a — und damit auch F = m · a.
Lösungsskizze: a = 13,89 m/s : 0,1 s = 138,9 m/s². F = 70 kg · 138,9 m/s² ≈ 9723 N — das ist etwa das 14-fache der eigenen Gewichtskraft.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

a) Nach dem Trägheitsprinzip behält ein Körper seinen Bewegungszustand bei, solange keine Kraft auf ihn wirkt. Das Auto wird durch die Bremskraft verzögert, auf den Körper der Person wirkt zunächst aber keine vergleichbare Kraft — er bewegt sich mit unveränderter Geschwindigkeit weiter und wird deshalb relativ zum Auto nach vorne geschleudert. Der Gurt übt diese fehlende Kraft aus und verzögert den Körper gemeinsam mit dem Auto.

b) Die Geschwindigkeitsänderung liegt beim Aufprall fest. Über a = v : t und F = m · a gilt: Je länger der Verzögerungsvorgang dauert, desto kleiner ist die Beschleunigung und damit die Kraft. Knautschzone, Gurtstraffer und Airbag verlängern genau diese Zeit (und den Weg) — die Kraft auf die Insassen sinkt entsprechend.

c) a = 13,89 m/s : 0,1 s = 138,9 m/s²; F = 70 kg · 138,9 m/s² ≈ 9723 N. Zum Vergleich: Die Gewichtskraft dieser Person beträgt nur 686,7 N — die Belastung ist also rund 14-mal so groß.

lange Bremszeit → kleine Kraft kurz → groß v t gleiche Geschwindigkeitsänderung
Zeit verlängern = Kraft senken
A7
Herleitung — Betrag eines Vektors
AFB III

Leite die Formel für den Betrag eines Vektors v = (x | y) her: |v| = √(x² + y²). Begründe jeden Schritt.

Beantworte anschließend: Warum darf man auch bei negativen Koordinaten dieselbe Formel benutzen?

Strategie: Zeichne den Vektorpfeil und ergänze die waagerechte und die senkrechte Koordinate zu einem rechtwinkligen Dreieck.Warum so? Dann ist der Vektorpfeil die Hypotenuse — und für die gilt der Satz des Pythagoras.
Lösungsskizze: Katheten x und y, Hypotenuse |v|. Pythagoras: |v|² = x² + y². Wurzelziehen liefert |v| = √(x² + y²); die negative Lösung entfällt, weil eine Länge nicht negativ sein kann.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Musterlösung: Der Vektor v = (x | y) führt vom Angriffspunkt aus x Einheiten in waagerechter und y Einheiten in senkrechter Richtung. Ergänzt man diese beiden Strecken, entsteht ein rechtwinkliges Dreieck mit den Katheten x und y; der Vektorpfeil selbst ist die Hypotenuse, und seine Länge ist definitionsgemäß der Betrag |v|. Nach dem Satz des Pythagoras gilt |v|² = x² + y², also |v| = √(x² + y²). Die negative Wurzel entfällt, weil ein Betrag als Länge nie negativ ist.

Negative Koordinaten ändern nichts: Beim Quadrieren wird das Vorzeichen aufgehoben (x² = (−x)²). Ein Pfeil nach links ist genauso lang wie der entsprechende Pfeil nach rechts — die Formel misst nur die Länge, nicht die Richtung.

x y |v| |v|² = x² + y²
Pythagoras am Vektor
A8
Ein Einblick ins Mathematik-Studium
AFB III

Zwei Kräfte F1 und F2 greifen im selben Punkt an und schließen den Winkel α ein. Zeige, dass für den Betrag der resultierenden Kraft gilt:

FR = √(F1² + F2² + 2 · F1 · F2 · cos α)

Tipp für die Rechnung: Es gilt sin²(α) + cos²(α) = 1.

Strategie: Zerlege F1 in eine Komponente parallel zu F2 (Länge F1·cos α) und eine senkrecht dazu (Länge F1·sin α). Dann liegt wieder ein rechtwinkliges Dreieck vor.Warum so? Der Pythagoras ist auch hier das Werkzeug — man muss ihn nur an den richtigen Katheten ansetzen.
Lösungsskizze: FR² = (F2 + F1cos α)² + (F1sin α)². Ausmultiplizieren, F1² ausklammern und sin² + cos² = 1 einsetzen.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

Beweis: Wir legen F2 auf die x-Achse. Die Komponenten von F1 sind dann x1 = F1 · cos α (parallel zu F2) und x2 = F1 · sin α (senkrecht dazu).

Nach Pythagoras gilt für die Resultierende:
FR² = (F2 + F1cos α)² + (F1sin α)²
⇔ FR² = F2² + 2·F2·F1cos α + F1²cos²α + F1²sin²α
⇔ FR² = F2² + 2·F2·F1cos α + F1²·(cos²α + sin²α)
⇔ FR² = F1² + F2² + 2·F1·F2·cos α
⇒ FR = √(F1² + F2² + 2·F1·F2·cos α)

Kontrolle an bekannten Fällen: Für α = 0° (gleiche Richtung) wird cos α = 1 und FR = F1 + F2. Für α = 180° (entgegengesetzt) wird cos α = −1 und FR = |F1 − F2|. Für α = 90° bleibt der bekannte Pythagoras übrig.

F₂ F₁ α FR F₁·sin α
Zerlegung mit Winkel α
A9
Tauziehen — Pferde gegen Stiere
AFB III

Zwei Stiere ziehen nach links, jeder mit 3 kN; ihre Zugrichtungen schließen mit der Mittellinie jeweils 45° ein. Drei Pferde ziehen nach rechts, jedes mit 1,8 kN: eines genau auf der Mittellinie, zwei jeweils unter 15° dazu.

a) Berechne den Betrag der resultierenden Zugkraft der Stiere und der Pferde entlang der Mittellinie. b) Wer macht das Rennen? Begründe, warum die schräg ziehenden Tiere einen Teil ihrer Kraft „verschenken“.

kN
kN
Strategie: Lege die Mittellinie als x-Achse fest. Die y-Anteile der symmetrisch ziehenden Tiere heben sich paarweise auf — es zählt nur die x-Komponente cos(Winkel) · F.Warum so? Quer zur Mittellinie zieht niemand das Seil weiter — dieser Anteil geht für das Tauziehen verloren.
Lösungsskizze: Stiere: 2 · cos(45°) · 3 kN ≈ 2 · 2,12 kN = 4,24 kN. Pferde: 2 · cos(15°) · 1,8 kN + 1,8 kN ≈ 2 · 1,739 kN + 1,8 kN = 5,28 kN.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

a) Stiere: x-Anteil je cos(45°) · 3 kN ≈ 2,12 kN, zusammen ≈ 4,24 kN. Pferde: die beiden schrägen je cos(15°) · 1,8 kN ≈ 1,739 kN, dazu 1,8 kN vom mittleren Pferd, zusammen ≈ 5,28 kN. Die y-Komponenten heben sich in beiden Gruppen paarweise auf.

b) Die Pferde gewinnen, obwohl jedes einzelne Pferd schwächer zieht als ein Stier (1,8 kN gegen 3 kN) und die Stiere zusammen sogar 6 kN aufbringen. Entscheidend ist nur die Komponente entlang der Zugrichtung: Wer schräg zieht, verliert den Faktor cos(Winkel). Bei 45° bleiben nur rund 71 % der Kraft übrig, bei 15° dagegen 97 %. Das ist der Grund, warum man beim Tauziehen möglichst in einer Linie zieht.

2 × 3 kN · 45° 3 × 1,8 kN · 15° nur die x-Komponente zählt
Schräg ziehen kostet Kraft
A10
Trickaufgabe — drei Kräfte, keine Bewegung
AFB III

Auf einen Körper wirken drei Kräfte, von denen keine null ist — trotzdem bleibt der Körper in Ruhe.

a) Ist das möglich? Begründe. b) Gib ein konkretes Zahlenbeispiel mit drei Vektoren an, das die Bedingung erfüllt. c) Erkläre, warum aus „der Körper ist in Ruhe“ nicht folgt, dass keine Kräfte wirken.

Strategie: Für die resultierende Kraft zählt die Vektorsumme. Suche drei Pfeile, die aneinandergehängt einen geschlossenen Linienzug bilden.Warum so? Ein geschlossener Linienzug bedeutet: der Summenvektor hat die Länge null.
Lösungsskizze: Zum Beispiel (3 N | 0 N), (0 N | 4 N) und (−3 N | −4 N): Die Summe ist (0 N | 0 N), die Beträge sind 3 N, 4 N und 5 N — keine davon null.
Musterlösung anzeigen (zählt als erledigt)

a) Ja. Nach dem Trägheitsprinzip bleibt ein Körper in Ruhe, wenn die resultierende Kraft null ist — nicht, wenn gar keine Kräfte wirken. Drei Kräfte können sich gegenseitig vollständig aufheben, wenn ihre Vektorsumme null ergibt, ihre Pfeile also aneinandergehängt ein geschlossenes Dreieck bilden.

b) Beispiel: F1 = (3 N | 0 N), F2 = (0 N | 4 N), F3 = (−3 N | −4 N). Summe: (0 N | 0 N). Die Beträge sind 3 N, 4 N und 5 N — keine Kraft ist null. Ein Alltagsbeispiel ist die Tasche aus AFB II, A6: zwei Zugkräfte und die Gewichtskraft ergeben zusammen null.

c) „In Ruhe“ ist eine Aussage über den Bewegungszustand, nicht über die Kräfte. Aus a = 0 folgt mit F = m · a nur, dass die Summe aller Kräfte null ist. Deshalb wird bei jeder Kräfteskizze zuerst gefragt: Welche Kräfte greifen an — und heben sie sich auf?

F₁ F₂ F₃ F₁ + F₂ + F₃ = 0
Geschlossener Linienzug

Reflexion — was hast du mitgenommen?

Wie sicher fühlst du dich beim Begründen mit den newtonschen Gesetzen?