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Partien analysieren

Eine einzige Partie kann dir mehr beibringen als hundert Aufgaben — wenn es die richtige ist. Hier spielst du die berühmteste Lehrpartie aller Zeiten nach: Paul Morphys Opernpartie von 1858. In ihr steckt alles, was du in den Lektionen gelernt hast: Entwicklung, Fesselung, Opfer und ein unvergessliches Matt.

Paris, 1858: Der 21-jährige Amerikaner Paul Morphy sitzt in der Oper — eigentlich will er „Norma" hören. Doch der Herzog von Braunschweig und Graf Isouard drängen ihn zu einer Partie. Morphy spielt schnell, um noch etwas von der Oper mitzubekommen — und schafft dabei in 17 Zügen ein Kunstwerk, das bis heute in jedem Schachbuch steht. Spiel die Partie in drei Akten nach und lies bei jedem Zug den Kommentar.

Weiß: Paul Morphy Schwarz: Herzog von Braunschweig & Graf Isouard Ort: Pariser Oper, 1858 Dauer: 17 Züge

Akt 1 · Entwicklung schlägt Figurenjagd

Morphy entwickelt mit jedem Zug eine Figur. Seine Gegner ziehen Bauern und tauschen den Läufer gegen einen Springer — und verlieren Zug um Zug wertvolle Zeit.

Züge 1–7 · Wer entwickelt schneller?

Zwischenstand nach Akt 1

Zähle die entwickelten Figuren: Weiß hat Läufer c4 und Dame aktiv und greift schon f7 und b7 an. Schwarz hat nur den Springer f6 entwickelt — und mit 7…De7 sperrt er auch noch seinen eigenen Läufer f8 ein. Genau das meinte die Lektion Eröffnungsprinzipien: Jeder Zug ohne Entwicklung ist ein verlorener Zug.

Akt 2 · Das Springeropfer

Schwarz will mit b5 die Angreifer verjagen. Morphy antwortet mit einem Opfer — nicht aus Übermut, sondern weil er dafür etwas Konkretes bekommt: offene Linien gegen den König in der Mitte.

Züge 8–12 · Ein Springer für den Angriff

Warum ist das Opfer korrekt?

Nach 11.Lxb5+ sind beide schwarzen Springer gefesselt: Sd7 an den König (durch Lb5), Sf6 an die Dame e7 (durch Lg5). Schwarz kann sich kaum noch bewegen, während jede weiße Figur mitspielt. Ein Opfer ist gut, wenn du dafür Zeit, Linien oder den König bekommst — hier bekommt Morphy alles drei. Das war der Kern der Lektion Das Opfer.

Akt 3 · Das Finale in der Oper

Jetzt schlägt Morphy zu: Er gibt sogar einen ganzen Turm und die Dame — weil er bis zum Matt gerechnet hat. Achte darauf, wie die letzten beiden weißen Figuren zusammenarbeiten.

Züge 13–17 · Turmopfer, Damenopfer, Matt

Analyse-Fragen zum Schluss

Spiel den dritten Akt noch einmal ab und beantworte: 1. Warum darf der schwarze König den Turm auf d8 im Schlusszug nicht schlagen? 2. Welche zwei weißen Figuren geben das Matt — und was ist ihr Gesamtwert im Vergleich zur geopferten Dame und dem Turm? 3. An welcher Stelle hätte Schwarz zuletzt rochieren können — und warum ging es dann nicht mehr?

Das Wichtigste: Morphy gewinnt nicht durch Zaubertricks, sondern durch die Regeln, die du schon kennst: jede Figur entwickeln, den König in der Mitte angreifen, Fesselungen ausnutzen und nur opfern, wenn man den Gewinn konkret berechnet hat. Material zählt nichts, wenn der König matt ist — am Ende setzen Turm und Läufer matt, zusammen keine acht Punkte.
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