Zwölf Fehler in vier Gruppen
Materiewellen rechnen
Vier Fehler rund um Kapitel 6.1.2 und die Gleichung λ = h/p = h/(m·v). Drei davon entstehen, weil übersehen wird, dass m und v im Nenner stehen; der vierte ist ein reiner Zehnerpotenz-Fehler — und kostet in der Klausur genauso viele Punkte.
1„Gleiche Geschwindigkeit, gleiche Wellenlänge.“
„Ein Elektron und ein Proton fliegen beide mit v = 1,0·106 m/s. Weil die Geschwindigkeit dieselbe ist, haben beide auch dieselbe de-Broglie-Wellenlänge.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: In λ = h/p steht nicht die Geschwindigkeit, sondern der Impuls p = m·v. Bei gleicher Geschwindigkeit entscheidet also allein die Masse — und die steht im Nenner.
Das Proton (mp = 1,67·10−27 kg) ist rund 1800-mal schwerer als das Elektron (me = 9,11·10−31 kg). Es hat damit den rund 1800-fachen Impuls und die rund 1800-fach kleinere Wellenlänge.
Proton bei gleicher Geschwindigkeit: λ ≈ 4·10−13 m
Nur die Elektronenwellenlänge liegt damit in der Größenordnung des Netzebenenabstands im Graphit (d = 2,1·10−10 m) — deshalb funktioniert die Elektronenbeugung, mit Protonen bei gleicher Geschwindigkeit aber nicht.
Merksatz: Die Wellenlänge folgt dem Impuls, nicht dem Tempo. Mehr Impuls heißt kürzere Welle.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckElektron und Proton fliegen beide mit v = 1,0·106 m/s. Entscheiden Sie: Welches Objekt hat die größere de-Broglie-Wellenlänge?
Bedienung: Antwort anklicken oder mit Tab anspringen und mit Enter bzw. Leertaste auswählen.
2„Schneller heißt größere Wellenlänge.“
„Wird ein Elektron stärker beschleunigt, wächst seine de-Broglie-Wellenlänge mit — schnellere Teilchen haben längere Wellen.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: λ = h/(m·v) — die Geschwindigkeit steht im Nenner. λ ist also antiproportional zu v: doppelte Geschwindigkeit bedeutet halbe Wellenlänge, vierfache Geschwindigkeit ein Viertel.
v = 1,0·106 m/s → λ = 0,73 nm
v = 2,0·106 m/s → λ = 0,36 nm
v = 4,0·106 m/s → λ ≈ 0,18 nm
v = 1,0·107 m/s → λ = 0,073 nm
Genau darauf beruht das Elektronenmikroskop: Hohe Beschleunigungsspannung bedeutet hohe Geschwindigkeit, kurze Wellenlänge und damit feine Auflösung. Mit der Vorstellung „schneller = längere Welle“ ließe sich dieses Gerät gar nicht erklären.
Auch der Umkehrschluss ist eine beliebte Prüfungsfrage: Soll λ = 0,10 nm erreicht werden, so folgt aus v = h/(m·λ) die nötige Geschwindigkeit v = 7,3·106 m/s.
Merksatz: Was im Nenner steht, verkleinert das Ergebnis. Mehr v heißt weniger λ.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckBei v = 1,0·106 m/s beträgt die Wellenlänge eines Elektrons 0,73 nm. Berechnen Sie λ für v = 4,0·106 m/s.
Bedienung: Dezimalkomma benutzen, die Einheit steht schon daneben. Mit Enter im Eingabefeld prüfst du direkt.
3„Das schwerere Teilchen hat die größere Wellenlänge.“
„Das Proton ist rund 1800-mal schwerer als das Elektron. Bei gleicher Geschwindigkeit ist seine de-Broglie-Wellenlänge deshalb 1800-mal größer.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Die Masse steht im Nenner von λ = h/(m·v). 1800-fache Masse bedeutet 1800-fachen Impuls und damit eine 1800-mal kleinere Wellenlänge. Aus 7,3·10−10 m werden rund 4·10−13 m.
Der Fehler ist derselbe wie bei Karte 2, nur mit der Masse statt der Geschwindigkeit — und er fällt hier besonders auf, weil die falsche Antwort mit 1,3·10−6 m auf eine Wellenlänge im Bereich sichtbaren Lichts führen würde. Beugung an einem Kristall wäre damit unmöglich, denn beobachtbar ist Beugung nur, wenn λ höchstens etwa so groß ist wie der Netzebenenabstand d.
Elektron, v = 1,0·106 m/s → λ = 7,3·10−10 m
Proton, v = 1,0·106 m/s → λ ≈ 4·10−13 m
Fulleren C60, m = 1,20·10−24 kg, v = 200 m/s → λ = 2,8·10−12 m
Fußball, m = 0,43 kg, v = 25 m/s → λ = 6,2·10−35 m
Die Reihe zeigt zugleich: λ = h/p gilt für jedes Objekt mit Impuls. Beim Fußball ist die Wellenlänge nur so klein, dass sie sich nicht messen lässt — „nicht messbar“ ist aber nicht dasselbe wie „nicht vorhanden“.
Merksatz: Schwerer heißt kürzer. Deshalb sind Fullerene im Interferometer viel schwieriger zu beugen als Elektronen.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckElektron und Proton fliegen mit v = 1,0·106 m/s; für das Elektron gilt λ = 7,3·10−10 m. Berechnen Sie die Wellenlänge des Protons (Massenverhältnis 1800).
Bedienung: Nur die Zahl vor der Zehnerpotenz eintragen. Überlege zuerst, ob das Ergebnis größer oder kleiner als beim Elektron sein muss.
4„2,4·10−10 m sind 2,4 nm.“
„Für ein Elektron mit v = 3,0·106 m/s ergibt sich λ = 2,4·10−10 m. Das sind 2,4 nm.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Es gilt 1 nm = 10−9 m. Also ist 2,4·10−10 m = 0,24·10−9 m = 0,24 nm — zehnmal kleiner als behauptet. Die Rechnung selbst war richtig: p = 2,73·10−24 kg·m/s, λ = h/p = 2,4·10−10 m. Nur die letzte Zeile kippt das Ergebnis.
Der Fehler ist gefährlich, weil er das physikalische Argument zerstört: Elektronenbeugung funktioniert nur, weil λ in der Größenordnung des Netzebenenabstands d = 2,1·10−10 m liegt. Mit „2,4 nm“ wäre λ mehr als zehnmal größer als d — dann käme man mit sin α = λ/d auf einen Wert über 1, und Beugung wäre gar nicht beobachtbar.
2,4·10−10 m = 0,24 nm = 240 pm
1,9·10−11 m = 0,019 nm = 19 pm (Elektron bei U = 4,0 kV)
2,8·10−12 m = 0,0028 nm = 2,8 pm (Fulleren C60)
Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckOrdnen Sie zu: Klicken Sie im Feld die richtige Umrechnung von 2,4·10−10 m an.
Bedienung: Feld anklicken — oder mit Tab anspringen und mit Enter bzw. Leertaste auswählen.
Beugung und Spannung
Drei Fehler aus Kapitel 6.1.1. Einer betrifft die Deutung des Ringmusters, zwei betreffen den Zusammenhang r ~ λ ~ 1/√U. Die Wurzel ist hier die häufigste Fehlerquelle überhaupt — sie schwächt jede Spannungsänderung ab.
5„Die Ringe entstehen durch zufälliges Abprallen.“
„Die Elektronen prallen als winzige Kugeln von den Kohlenstoffatomen der Graphitfolie ab. Das dabei entstehende Streubild sind die Ringe auf dem Leuchtschirm.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Abprallende Kugeln ergäben einen gleichmäßig auslaufenden Fleck ohne dunkle Zwischenräume. Beobachtet werden aber scharfe, konzentrische Ringe mit dunklen Bereichen dazwischen. Solche Maxima und Minima entstehen nur durch konstruktive und destruktive Interferenz — ein reines Wellenphänomen.
Die regelmäßig angeordneten Kohlenstoffatome wirken dabei wie ein Gitter; es ist dasselbe Muster, das auch Röntgenwellen an einem Kristall erzeugen. Es gilt sin α = λ/d mit dem Netzebenenabstand d = 2,1·10−10 m.
Warum Ringe und keine Punkte? Die Folie besteht aus sehr vielen winzigen Kriställchen in allen Drehlagen. Ihre Beugungsrichtungen bilden zusammen einen Kegel um die Strahlachse; dessen Schnitt mit dem Schirm ist ein Kreisring. Je Ebenenschar entsteht genau ein Ring.
Zwei häufige Anschlussfehler: Der Strahlstrom ändert nur die Helligkeit, nicht die Ringgröße. Und eine dickere Folie ändert die Geometrie ebenfalls nicht — der Gitterabstand bleibt derselbe, es wird nur heller.
Merksatz: Dunkel zwischen hell — das kann kein Abprallen. Wo etwas ausgelöscht wird, war eine Welle am Werk.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckEntscheiden Sie: Welches der drei Schirmbilder beobachtet man tatsächlich in der Elektronenbeugungsröhre?
Bedienung: Bild anklicken — oder mit Tab anspringen und mit Enter bzw. Leertaste auswählen.
6„Doppelte Spannung halbiert den Ringradius.“
„Bei U1 = 1,5 kV misst man r1 = 2,8 cm. Verdoppelt man die Spannung auf 3,0 kV, so halbiert sich der Radius auf 1,4 cm.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Es gilt r ~ λ ~ 1/√U, also r2 = r1 · √(U1/U2). Bei Verdopplung der Spannung bleibt der Faktor 1/√2 ≈ 0,71 übrig — der Radius sinkt auf rund 71 %, nicht auf 50 %.
Halbierung auf 1,4 cm erst bei U2 = 6,0 kV (vierfache Spannung)
Die Messreihe des Kapitels bestätigt das: Für U = 2,0 / 3,0 / 4,0 / 5,0 / 6,0 kV wurden r = 2,00 / 1,64 / 1,42 / 1,26 / 1,15 cm gemessen. Das Produkt r·√U ist mit 2,83 / 2,84 / 2,84 / 2,82 / 2,82 cm·√kV konstant. Bei dreifacher Spannung (2,0 → 6,0 kV) sinkt r also nur auf 1,15 cm und nicht auf ein Drittel.
Merksatz: Die Wurzel schwächt jede Spannungsänderung ab. Prüfe dein Ergebnis mit r·√U = konstant.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckBerechnen Sie den Ringradius r2 bei U2 = 3,0 kV, wenn bei U1 = 1,5 kV der Radius r1 = 2,8 cm gemessen wurde.
Bedienung: Erst das Spannungsverhältnis bilden, dann die Wurzel ziehen, dann multiplizieren. Dezimalkomma benutzen.
7„Vierfache Spannung, also ein Viertel des Radius.“
„Von U1 = 400 V auf U2 = 1600 V ist die vierfache Spannung. Aus r1 = 3,6 cm wird deshalb ein Viertel, also 0,90 cm.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Hier wurde die Wurzel schlicht vergessen. Vierfache Spannung bedeutet den Faktor √4 = 2, also die Hälfte des Radius: r2 = 3,6 cm : 2 = 1,8 cm.
Umgekehrt gefragt: Soll der Radius auf ein Drittel sinken (3,6 cm → 1,2 cm), so braucht man den Faktor 3 unter der Wurzel — und damit die neunfache Spannung: U2 = 9 · 400 V = 3600 V.
Spannung vervierfachen → r auf 1/2
Spannung verneunfachen → r auf 1/3
Kontrolle: r · √U = 2,83 cm·√kV, also bei U = 8,0 kV → r = 1,00 cm
Dasselbe gilt für die Wellenlänge selbst: λ = h/√(2·me·e·U). Bei U = 2,5 kV → 10 kV (Verhältnis 4) halbiert sich λ, und der zugehörige Radius geht von 2,4 cm auf 1,2 cm.
Merksatz: In drei Schritten — Verhältnis bilden, Wurzel ziehen, dann teilen. Wer den zweiten Schritt vergisst, liegt immer zu weit unten.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckBei U1 = 400 V beträgt der Ringradius 3,6 cm. Bestimmen Sie die Spannung U2, bei der der Radius nur noch 1,2 cm beträgt.
Bedienung: Der Radius soll auf ein Drittel sinken — überlege, welcher Faktor dafür unter der Wurzel stehen muss.
Doppelspalt und Selbstinterferenz
Zwei Fehler aus Kapitel 6.2.1. Beide entstehen, weil das fertige Streifenmuster für ein Bild eines Elektrons gehalten wird. Tatsächlich ist es die Summe sehr vieler punktförmiger Einzeltreffer — und jedes Elektron interferiert dabei mit sich selbst.
8„Die Elektronen stoßen sich gegenseitig.“
„Das Streifenmuster am Doppelspalt entsteht, weil sich die vielen Elektronen im Strahl gegenseitig abstoßen und dadurch in Bahnen gelenkt werden.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Das Muster entsteht auch dann, wenn die Elektronen einzeln mit großem zeitlichem Abstand losgeschickt werden — es ist nie mehr als eines unterwegs. Ein Stoßpartner ist also gar nicht vorhanden.
Die Zahlen des Kapitels zeigen, wie leer die Apparatur ist: Der Weg von der Quelle zum Schirm beträgt s = 0,45 m, die Elektronen fliegen mit v = 3,0·107 m/s. Die Flugdauer ist damit t = s/v = 1,5·10−8 s = 15 ns. Bei einer Rate von 1,0·103 1/s liegt zwischen zwei Elektronen im Mittel Δt = 1,0 ms.
Die Apparatur ist im Mittel rund 67 000-mal so lange leer, wie ein Flug dauert.
Jedes Elektron interferiert deshalb mit sich selbst, nicht mit anderen. Genau das ist die Selbstinterferenz — und deshalb ist der Versuch mit vereinzelten Elektronen (Tonomura, 1989) das entscheidende Argument.
Merksatz: Ein Elektron, zwei Wege. Wo kein Partner ist, kann auch keine Wechselwirkung das Muster erklären.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckBerechnen Sie die Flugdauer eines Elektrons von der Quelle bis zum Schirm für s = 0,45 m und v = 3,0·107 m/s. Geben Sie das Ergebnis in Nanosekunden an.
Bedienung: 1 ns = 10−9 s. Vergleiche das Ergebnis mit dem mittleren Abstand von 1,0 ms zwischen zwei Elektronen.
9„Ein einzelnes Elektron erzeugt schon ein Streifenmuster.“
„Weil sich jedes Elektron wie eine Welle verhält, zeichnet schon das erste Elektron ein — wenn auch schwaches — Streifenmuster auf den Leuchtschirm.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Ein einzelnes Elektron hinterlässt genau einen punktförmigen Leuchtfleck — nie ein Muster. Das Streifenbild ist die Summe sehr vieler solcher Einzelereignisse.
1000 Elektronen → Streifen erahnbar
100 000 Elektronen → klares Interferenzmuster
Entscheidend: Die Lage der Streifen ändert sich dabei nie. Die Punkte füllen dasselbe Muster nur immer dichter aus. Schon der erste Treffer landet an einer Stelle, an der später ein helles Band liegt — vorhersagen lässt sich das aber nicht.
Deshalb ist der Versuch so aufwendig: Eine schwache Quelle mit 60 Elektronen pro Minute liefert in 50 min nur 3000 Treffer, das Muster ist gerade erahnbar. Für ein sauberes Bild braucht man Hunderttausende Ereignisse — mit einzelnen Elektronen gelang das erst 1989.
Merksatz: Das Muster ist eine Statistik, kein Einzelbild. Der Einzeltreffer ist immer ein Punkt.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckOrdnen Sie zu: Welches Schirmbild gehört zu genau einem Elektron?
Bedienung: Bild anklicken — oder mit Tab anspringen und mit Enter bzw. Leertaste auswählen.
Deutung: Wahrscheinlichkeit und Komplementarität
Drei Fehler aus Kapitel 6.2.2 und 6.2.3. Hier geht es nicht ums Rechnen, sondern um Sprache: Was sagt die Wellenfunktion ψ — und was sagt sie ausdrücklich nicht? Formulierungen wie „verschmiert“, „doppelt so viele“ oder „gleichzeitig beobachten“ verraten in der Klausur sofort ein falsches Bild.
10„Die Wellenfunktion zeigt ein verschmiertes Elektron.“
„ψ beschreibt, wie das Elektron räumlich verschmiert ist — und sagt damit voraus, wo genau das nächste Elektron auf dem Schirm einschlagen wird.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: ψ ist keine reale, verschmierte Ladungswolke, sondern eine Wahrscheinlichkeitsamplitude. Erst |ψ|² gibt an, wie wahrscheinlich das Elektron als ganzes Teilchen an einem Ort gefunden wird. Nachgewiesen wird immer ein Punkt, nie ein verschmierter Fleck.
Und ψ sagt über das einzelne Elektron nichts aus: Der konkrete Auftreffort bleibt offen. Diese Unbestimmtheit ist grundsätzlich und keine Folge ungenauer Messgeräte — auch bei vollständiger Kenntnis von ψ lässt sich der Einzelfall nicht vorhersagen.
Der Umkehrschluss „dann lässt sich gar nichts vorhersagen“ ist aber ebenso falsch. Die Häufigkeitsverteilung vieler Ereignisse ist sehr genau vorhersagbar: Erwartungswert = P · N. In der Messreihe des Kapitels wurden für die Streifen S1 bis S5 mit P = 0,05 / 0,20 / 0,50 / 0,20 / 0,05 bei N = 20 000 die Trefferzahlen 1017 / 3962 / 10 043 / 3971 / 1007 gemessen — im Streifen S2 also 3962 statt erwarteter 4000, eine Abweichung von unter 1 %.
Dunkle Streifen sind übrigens wirklich leer: Dort ist die Amplitude null, also P = 0 — kein Treffer, nicht „selten ein Treffer“.
Merksatz: ψ beantwortet „wie oft“, niemals „wo genau“.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckEntscheiden Sie: Was liefert die Wellenfunktion ψ für ein einzelnes Elektron am Doppelspalt?
Bedienung: Antwort anklicken oder mit Tab anspringen und mit Enter bzw. Leertaste auswählen.
11„Doppelte Amplitude, doppelt so viele Treffer.“
„An Stelle A ist die Amplitude von ψ doppelt so groß wie an B, also fallen dort doppelt so viele Elektronen ein. Und bei P = 12 % und N = 5000 erwartet man 12 · 5000 = 60 000 Treffer.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Zwei Fehler in einem Satz.
Erstens: Die Wahrscheinlichkeit ist proportional zu |ψ|², nicht zu ψ. Doppelte Amplitude bedeutet also die vierfache Trefferdichte. Gemessen wird immer das Quadrat — deshalb sind Wellenberg und Wellental gleichwertig, obwohl ψ negativ werden darf.
drei Viertel der Amplitude → 9/16, also gut die Hälfte
ein Viertel der Amplitude → 1/16
dreifache Amplitude → 9-fach
Zweitens: In Treffer = P · N muss P als Anteil eingesetzt werden, nicht als Prozentzahl: 0,12 · 5000 = 600. Mit der Zahl 12 liegt man um den Faktor 100 daneben — und erhält mehr Treffer, als überhaupt Elektronen geschickt wurden. Das ist die einfachste Plausibilitätskontrolle der ganzen Seite.
Zur Einordnung: Bei 600 erwarteten Treffern liegt die typische Schwankung bei etwa √600 ≈ 25, also rund 4 %. Eine gemessene Zahl zwischen 575 und 625 ist damit völlig unauffällig.
Merksatz: Erst quadrieren, dann als Anteil einsetzen — und zum Schluss fragen: Kann das überhaupt so viele Treffer geben?Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckBerechnen Sie beide Werte. a) Erwartete Trefferzahl für P = 0,12 und N = 5000. b) An Stelle A ist die Amplitude dreimal so groß wie an B; bei B werden 100 Treffer gezählt — wie viele erwartet man bei A?
Bedienung: Beide Felder ausfüllen — die Karte zählt erst, wenn beide Werte stimmen.
12„Mit einem guten Detektor sieht man beides.“
„Ein hinreichend empfindlicher Welcher-Weg-Detektor zeigt Interferenzmuster und Weg gleichzeitig. Und sobald er einmal gemessen hat, ist das Elektron dauerhaft in ein Teilchen verwandelt.“
Warum ist das falsch? — Richtigstellung
Richtig: Genau das verbietet die Komplementarität (Niels Bohr). Welle und Teilchen sind zwei einander ergänzende Seiten desselben Quantenobjekts; welche Seite sichtbar wird, entscheidet der Versuchsaufbau — nie beide zugleich.
Ist der Weg bekannt, verschwindet die Interferenz. Auf dem Schirm bleiben zwei breite Streifen wie von zwei Einzelspalten. Die Gesamtzahl der Treffer bleibt dabei gleich, und die Einzeltreffer bleiben punktförmig — es wird nichts vernichtet, sondern nur umverteilt.
nur Spalt 1: P 850, Q 900 · nur Spalt 2: P 870, Q 880
beide Spalte offen: P 35, Q 3520
klassische Summe an P wäre 1720 — gemessen nur rund 2 % davon.
Entscheidend ist die grundsätzliche Verfügbarkeit der Weginformation, nicht ob jemand sie abliest: Ein eingebauter, aber ausgeschalteter Detektor ändert nichts. Ein zugeklebter Spalt liefert zwar dieselbe Weginformation, doch dann fehlt auch die zweite Teilwelle — das Ergebnis ist ein Einzelspaltbild, keine zwei getrennten Streifen.
Und es wird nichts „verwandelt“: Das Objekt bleibt dasselbe, nur die Frage des Experiments hat sich geändert. Misst der Detektor nur etwa jedes zweite Elektron, so addieren sich halbes Interferenzbild und halbes Teilchenbild, der Kontrast halbiert sich etwa — der Übergang ist stetig, nicht sprunghaft. Das Fulleren-Interferometer zeigt es an der Ofentemperatur: V ≈ 0,47 bei 900 K, 0,25 bei 2100 K, 0,12 bei 2400 K, 0,01 bei 3000 K.
Merksatz: Der Aufbau entscheidet, welche Seite sichtbar wird — das Quantenobjekt selbst bleibt dasselbe.Mini-Check gesperrt — klappe zuerst die Richtigstellung auf.
Mini-CheckBeide Spalte sind offen, der Welcher-Weg-Detektor ist eingeschaltet. Entscheiden Sie: Welches Schirmbild entsteht?
Bedienung: Bild anklicken — oder mit Tab anspringen und mit Enter bzw. Leertaste auswählen. Achte auf den Unterschied zwischen „beide Spalte offen mit Detektor“ und „ein Spalt zugeklebt“.
Acht Faustregeln für die Klausur
Wenn Sie in der Klausur nur eine halbe Minute Zeit für eine Kontrolle haben, prüfen Sie diese acht Punkte. Sie decken alle zwölf Fehlerkarten ab.
R 1Immer über den Impuls
λ = h/p = h/(m·v). Masse und Geschwindigkeit stehen im Nenner: mehr Impuls heißt kürzere Welle. Wer „schneller“ oder „schwerer“ mit „längere Welle“ verbindet, hat die Formel umgedreht.
R 2Gilt für jedes Objekt
λ = h/p gilt für Elektron, Fulleren und Fußball gleichermaßen. Beim Fußball (6,2·10−35 m) ist λ nur zu klein zum Messen — „nicht messbar“ ist nicht dasselbe wie „nicht vorhanden“.
R 3Erst Verhältnis, dann Wurzel
Für beschleunigte Elektronen gilt λ = h/√(2·me·e·U), also λ ~ 1/√U und r ~ 1/√U. Vierfache Spannung halbiert, neunfache drittelt. Kontrolle: r·√U = konstant.
R 4Zehnerpotenzen zuletzt prüfen
1 nm = 10−9 m, 1 pm = 10−12 m. Elektronenwellenlängen liegen bei einigen Zehntel Nanometern — also in der Größenordnung des Netzebenenabstands d = 2,1·10−10 m.
R 5Beugung braucht passende Größenordnung
Aus sin α = λ/d folgt: Beugung ist nur beobachtbar, wenn λ höchstens etwa so groß ist wie d. Sichtbares Licht an Graphit ergibt λ/d ≈ 2,6·103 — ein Sinus über 1, also unmöglich.
R 6Der Einzeltreffer ist ein Punkt
Ein Elektron liefert einen Leuchtpunkt, nie ein Muster. Das Interferenzbild ist die Summe aus 10, 1000, 100 000 Ereignissen — bei stets gleicher Streifenlage. Und es entsteht auch bei Vereinzelung: Selbstinterferenz.
R 7Ortsaussagen nur als Wahrscheinlichkeit
P ~ |ψ|²: erst quadrieren. Erwartungswert = P · N mit P als Anteil. Typische Schwankung √N — eine Abweichung dieser Größe widerlegt nichts, sie ist der Normalfall.
R 8Weginformation schlägt Interferenz
Sobald der Weg grundsätzlich verfügbar ist, ist das Interferenzmuster weg — kein Messfehler, sondern Komplementarität. Die Gesamtzahl der Treffer bleibt gleich: Interferenz verteilt um, sie vernichtet nicht.
Werkzeug: der Fehler-Detektor
Fehler-Detektor — die falsche Zeile finden
Sechs kurze Schülerrechnungen aus diesem Kapitel. In jeder steckt genau ein Fehler, und zwar in genau einer Zeile — manchmal in der Formel, manchmal erst in der letzten Umrechnung. Markieren Sie die fehlerhafte Zeile. Jeder Fall zählt nur beim ersten Versuch; unten läuft ein Zähler mit. Dieses Werkzeug wird nicht in die Kartenzahl eingerechnet.
Bedienung: Zeile anklicken — oder mit Tab in die Rechnung springen, mit Pfeil hoch und Pfeil runter die Zeile wechseln und mit Enter bzw. Leertaste markieren.
Weiter im Kapitel
Wenn eine Gruppe besonders gehakt hat, lohnt sich der Rücksprung ins passende Unterkapitel.
