Aufgabenblock — AFB II
Diese Übung verlangt mehr als das Einsetzen in eine Formel: Sie verknüpfen mehrere Schritte, stellen Formeln um, lesen Diagramme und Messreihen aus, ordnen und vergleichen und begründen mit dem Induktions- und dem Lenzschen Gesetz. Das ist die Anforderungsstufe AFB II — hier wird sichtbar, ob Sie den Zusammenhang Feld → Fläche → Fluss → Änderungsrate → Spannung wirklich durchschauen. Zu jeder Aufgabe gibt es gestufte Tipps und eine vollständige Lösung. Grundlagen fehlen? Dann zuerst Übung AFB I.
Eine quadratische Spule mit der Kantenlänge 20 cm und N = 250 Windungen steht senkrecht zu den Feldlinien (α = 0°). Das Feld wird von B1 = 0,30 T gleichmäßig auf B2 = 0,10 T heruntergefahren; das dauert Δt = 0,50 s.
Berechnen Sie Schritt für Schritt: a) die Fläche A einer Windung, b) die Flussänderung ΔΦ je Windung, c) die Änderungsrate ΔΦ/Δt und d) den Betrag der Induktionsspannung U.
Vollständige Lösung
b) ΔB = 0,30 T − 0,10 T = 0,20 T; ΔΦ = ΔB · A = 0,20 T · 0,040 m² = 8,0 · 10−3 Wb = 8,0 mWb
c) ΔΦ/Δt = 8,0 · 10−3 Wb : 0,50 s = 0,016 Wb/s
d) |U| = N · ΔΦ/Δt = 250 · 0,016 Wb/s = 4,0 V
Beachten Sie: Ob B steigt oder fällt, ändert nur das Vorzeichen. Für den Betrag zählt allein, wie schnell sich der Fluss ändert — nicht, wie groß er ist.
Ein Leiterstab der Länge l = 25 cm soll in einem Feld mit B = 0,20 T eine Spannung von U = 0,60 V liefern. B, l und v stehen paarweise senkrecht aufeinander.
a) Stellen Sie U = B · l · v nach v um und berechnen Sie die nötige Geschwindigkeit. b) Rechnen Sie das Ergebnis in km/h um und beurteilen Sie, ob ein Mensch den Stab so schnell von Hand ziehen kann.
Vollständige Lösung
b) 12 m/s · 3,6 = 43,2 km/h — das ist schneller als ein Sprinter. Von Hand unmöglich; man bräuchte einen Antrieb oder ein deutlich stärkeres Feld.
Gegenprobe: U = 0,20 T · 0,25 m · 12 m/s = 0,60 V ✓
Ohne Klammer käme 0,60 : 0,20 · 0,25 = 0,75 m/s heraus — 16-mal zu klein, denn 0,25² = 0,0625.
Eine Spule mit N = 200 Windungen und der Windungsfläche A = 80 cm² liegt in einem homogenen Feld mit B = 0,25 T. Zunächst zeigt die Flächennormale genau in Feldrichtung (α = 0°). Dann wird die Spule in Δt = 40 ms gleichmäßig auf α = 60° gekippt; B bleibt dabei unverändert.
Bestimmen Sie a) den Fluss Φ1 vor und b) Φ2 nach dem Kippen, c) den Betrag der Flussänderung ΔΦ und d) die Induktionsspannung U.
Vollständige Lösung
a) Φ1 = B · A · cos 0° = 2,0 mWb · 1,00 = 2,0 mWb
b) Φ2 = B · A · cos 60° = 2,0 mWb · 0,50 = 1,0 mWb — beim Kippen auf 60° bleibt genau die Hälfte übrig
c) |ΔΦ| = 2,0 mWb − 1,0 mWb = 1,0 mWb
d) Δt = 40 ms = 0,040 s; |U| = N · |ΔΦ|/Δt = 200 · 1,0 · 10−3 Wb : 0,040 s = 5,0 V
Zwei klassische Fallen: cos 60° ist 0,50 (die 0,87 gehört zu 30°), und α wird zwischen Feld und Flächennormale gemessen, nicht zwischen Feld und Fläche.
Das Diagramm zeigt den magnetischen Fluss Φ durch eine Windung einer Spule mit N = 250 Windungen. Die Kurve besteht aus fünf geradlinigen Abschnitten I bis V. Klicken Sie einen Abschnitt an — die Anzeige nennt Anfangs- und Endwert sowie die Dauer, die Rate rechnen Sie selbst.
Φ-t-Diagramm — Abschnitt anklicken oder mit Pfeiltasten wählen
Bedienung: Abschnitt anklicken oder mit Pfeiltasten wechseln, Enter oder Leertaste bestätigt. Die Anzeige nennt nur Φ-Werte und Dauer — Rate und Spannung rechnen Sie selbst.
a) Bestimmen Sie die Änderungsrate im Abschnitt III in mWb/s. b) Berechnen Sie daraus die Induktionsspannung im Abschnitt III und c) im Abschnitt I. d) Nennen Sie den Abschnitt, in dem gar keine Spannung induziert wird (Zahl I = 1, II = 2, III = 3, IV = 4, V = 5).
Vollständige Lösung
a) Abschnitt III: ΔΦ = 4,0 mWb in Δt = 0,25 s → 4,0 : 0,25 = 16 mWb/s
b) 16 mWb/s = 0,016 Wb/s; |U| = 250 · 0,016 Wb/s = 4,0 V
c) Abschnitt I: 2,0 mWb in 0,50 s = 4 mWb/s = 0,004 Wb/s; |U| = 250 · 0,004 Wb/s = 1,0 V
d) Abschnitt II ist waagerecht: der Fluss ist zwar groß, ändert sich aber nicht → |U| = 0 V
Zum Vergleich: IV liefert 250 · 0,001 Wb/s = 0,25 V, V liefert 250 · 0,002 Wb/s = 0,50 V. Im Abschnitt V fällt der Fluss — das kehrt nur das Vorzeichen um, nicht den Betrag.
Kernaussage: Nicht der höchste Fluss, sondern die steilste Stelle erzeugt die größte Spannung.
Mit dem Prüfstand stellen Sie die drei Größen des Induktionsgesetzes einzeln ein. Die Anzeige gibt Ihnen nur die Änderungsrate ΔΦ/Δt — die Spannung berechnen Sie selbst mit |U| = N · ΔΦ/Δt.
Prüfstand — Regler ziehen, anklicken oder mit Pfeiltasten verstellen
Bedienung: Regler anklicken (auch direkt auf die Schiene) oder mit Tab anwählen und mit Pfeiltasten verstellen; Pos 1/Ende springen an den Anfang bzw. das Ende.
a) Stellen Sie N = 150, ΔΦ = 8,0 mWb und Δt = 20 ms ein, lesen Sie die Rate ab und berechnen Sie daraus |U|. b) Verdoppeln Sie anschließend nur die Zeitspanne auf Δt = 40 ms und geben Sie die neue Spannung an. c) Begründen Sie in der Lösung, warum mehr Zeit weniger Spannung bedeutet.
Vollständige Lösung
b) Δt = 40 ms = 0,040 s → Rate 0,20 Wb/s → |U| = 150 · 0,20 Wb/s = 30 V
c) Begründung: Δt steht im Nenner. Derselbe Flusshub wird auf die doppelte Zeit verteilt, die Änderung geschieht also nur halb so schnell — und nur die Geschwindigkeit der Änderung erzeugt Spannung. Die verbreitete Merkregel „mehr Zeit = mehr Spannung“ ist genau falsch herum.
Probieren Sie am Prüfstand: N verdoppeln verdoppelt |U| (N steht im Zähler), ΔΦ verdoppeln ebenfalls — nur Δt wirkt umgekehrt.
Ein Leiterstab der Länge l = 12 cm gleitet auf zwei Schienen durch ein homogenes Feld, dessen Flussdichte B unbekannt ist. Für sechs Geschwindigkeiten wird die Spannung gemessen:
| v in m/s | 0,50 | 1,00 | 1,50 | 2,00 | 2,50 | 3,00 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| U in mV | 26 | 49 | 77 | 100 | 127 | 151 |
a) Begründen Sie in der Lösung, warum die Messpunkte auf einer Ursprungsgeraden liegen. b) Bestimmen Sie die Steigung m = U/v in mV·s/m. c) Berechnen Sie daraus die Flussdichte B.
Vollständige Lösung
b) m = ΔU/Δv = (151 − 26) mV / (3,00 − 0,50) m/s = 125 mV : 2,50 m/s = 50,0 mV·s/m
c) m = B · l, also B = m / l = 0,0500 V·s/m : 0,12 m = 0,42 T
Gegenprobe mit einem mittleren Punkt: U = 0,42 T · 0,12 m · 2,00 m/s = 0,10 V = 100 mV ✓ — das ist genau der gemessene Wert.
Warum die Steigung und nicht ein einzelner Punkt? Die Steigung mittelt über die ganze Messreihe und ist deshalb unempfindlicher gegen einzelne Ablesefehler.
Fünf Spulenversuche unterscheiden sich in Windungszahl, Flusshub und Dauer. Ordnen Sie die Karten nach dem Betrag der Induktionsspannung — oben die kleinste, unten die größte. Rechnen Sie dazu jede Karte mit |U| = N · ΔΦ/Δt aus; ein Blick auf die Windungszahl allein genügt nicht.
Sortierbrett — Karte wählen, dann verschieben
Bedienung: Karte anklicken oder mit Pfeiltasten anwählen (Enter/Leertaste wählt aus), dann mit den Schaltflächen oder mit Umschalt + Pfeiltaste verschieben.
Vollständige Lösung
B: 100 · 5,0 mWb / 100 ms = 5 V
C: 200 · 10 mWb / 200 ms = 10 V
D: 200 · 10 mWb / 50 ms = 40 V
E: 400 · 20 mWb / 40 ms = 200 V
Richtige Reihenfolge: A · B · C · D · E. Zwischen der kleinsten und der größten Spannung liegt der Faktor 200.
Was man daran sieht: C und D haben dieselbe Windungszahl und denselben Flusshub. Allein die viermal kürzere Zeit macht aus 10 V die 40 V. Die Zeitspanne ist der wirksamste Hebel, weil sie im Nenner steht.
Ein Stabmagnet wird in eine Spule geschoben, deren Stromkreis geschlossen ist. Sechs Aussagen beschreiben, was dabei nacheinander geschieht — allerdings durcheinander.
Bringen Sie die Aussagen in die richtige Reihenfolge, indem Sie zu jedem Schritt die passende Aussage auswählen.
Vollständige Lösung
2) Der Fluss durch die Spule nimmt zu.
3) Nach dem Induktionsgesetz wird eine Spannung induziert; da der Kreis geschlossen ist, fließt ein Strom.
4) Dieser Strom baut ein Magnetfeld auf, das dem ankommenden Pol gleichnamig gegenübersteht.
5) Der Magnet wird abgestoßen — man muss gegen diese Kraft drücken.
6) Die dabei verrichtete Arbeit erscheint als elektrische Energie in der Spule.
Warum nicht andersherum? Ein Induktionsstrom, der die Bewegung unterstützt, würde den Magneten immer schneller machen — Energie aus dem Nichts. Genau das schließt das Minuszeichen in Uind = −N · ΔΦ/Δt aus.
Und bei offenem Kreis? Dann endet die Kette nach Schritt 3: Spannung ja, Strom nein — also kein Gegenfeld, keine Kraft, keine Arbeit.
Fünf Situationen, fünf Begründungen. Ordnen Sie jeder Situation die physikalisch richtige Aussage zu. Ein Klick auf eine Karte gibt sofort Rückmeldung.
Vollständige Lösung
2) Herausziehen: Der Fluss nimmt ab. Die Spule versucht ihn zu halten, die zugewandte Seite bildet den entgegengesetzten Pol → Anziehung.
3) Aufgeschlitzter Ring: Die Spannung wird trotzdem induziert, aber der unterbrochene Kreis lässt keinen Strom zu — ohne Strom kein Gegenfeld, keine Kraft und keine Arbeit.
4) Aluminium statt Kupfer: Entscheidend ist die elektrische Leitfähigkeit, nicht der Ferromagnetismus. Aluminium leitet schlechter als Kupfer, bremst also spürbar, aber schwächer.
5) Eisenkern: Er bündelt die Feldlinien, dadurch steigt der Fluss durch die Spule.
Roter Faden: „Entgegenwirken“ heißt nicht „verhindern“ — die Bewegung geht weiter, sie kostet nur Arbeit.
Fünf typische Anordnungen, jeweils mit der Flächennormale in Feldrichtung (α = 0°):
| Anordnung | B | A |
|---|---|---|
| Erdfeld | 50 µT | 100 cm² |
| schwacher Elektromagnet | 0,050 T | 40 cm² |
| Hufeisenmagnet | 0,40 T | 50 cm² |
| starker Labormagnet | 1,2 T | 60 cm² |
| Kernspintomograph | 1,5 T | 400 cm² |
a) Berechnen Sie den Fluss beim Erdfeld in Mikroweber. b) Berechnen Sie den Fluss im Kernspintomographen in Milliweber. c) Geben Sie an, um welchen Faktor dieser Fluss den des Hufeisenmagneten (2,0 mWb) übertrifft.
Vollständige Lösung
b) A = 400 cm² : 10 000 = 0,040 m²; Φ = 1,5 T · 0,040 m² = 0,060 Wb = 60 mWb
c) 60 mWb : 2,0 mWb = 30
Die ganze Reihe: Erdfeld 0,0005 mWb · Elektromagnet 0,2 mWb · Hufeisenmagnet 2,0 mWb · Labormagnet 7,2 mWb · Kernspintomograph 60 mWb. Zwischen dem kleinsten und dem größten Wert liegen mehr als fünf Zehnerpotenzen.
Wichtig: Ein großer Fluss allein induziert nichts. Der Kernspintomograph liefert nur dann Spannung, wenn sich sein Feld ändert — und genau das tun die Gradientenspulen im Betrieb.
Wie war es?
Wie sicher fühlen Sie sich nach diesen 10 AFB-II-Aufgaben zur Induktion?
