Aufgabenblock — AFB III
Auf dieser Stufe geht es ums Begründen, Verallgemeinern und Beurteilen. Rechnen allein reicht nicht mehr: Du sollst Herleitungen nachvollziehen, Grenzfälle erklären, Behauptungen widerlegen und rückwärts von der Bedingung auf die Größen schließen. Formuliere jede Antwort erst selbst — schriftlich, in ganzen Sätzen — und klappe danach die Musterlösung auf, um sie zu vergleichen. Jede aufgeklappte Musterlösung zählt als erledigt.
Begründe in 3–4 Sätzen, warum sich der Abbildungsmaßstab β = B/G auch als b/g schreiben lässt — also ohne dass man B oder G überhaupt kennt.
Hinweis: Es genügt ein ausgezeichneter Strahl. Welcher davon geht ungebrochen durch die Linse?
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Musterlösung: Der Mittelpunktstrahl trifft die Linsenmitte und läuft dort ungebrochen weiter; er ist also eine durchgehende Gerade von der Gegenstandsspitze zur Bildspitze. Vor der Linse bildet er mit der optischen Achse und dem Gegenstand ein rechtwinkliges Dreieck mit den Katheten G und g, hinter der Linse eines mit den Katheten B und b. Beide Dreiecke haben je einen rechten Winkel an der Achse, und an der Linsenmitte sind ihre Winkel Scheitelwinkel, also gleich groß — die Dreiecke sind damit ähnlich. Aus dem Verhältnis entsprechender Seiten folgt unmittelbar B : G = b : g, also β = B/G = b/g. Praktisch heißt das: Man kann β wahlweise mit dem Lineal am Schirm oder auf der optischen Bank bestimmen — beide Wege müssen denselben Wert liefern.
Aus dem Mittelpunktstrahl folgt B/G = b/g, aus dem Parallelstrahl B/G = (b − f)/f.
Leite daraus die Linsengleichung 1/f = 1/g + 1/b her und schreibe jeden Umformungsschritt auf.
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Musterlösung: Gleichsetzen ergibt b/g = (b − f)/f. Multiplikation mit g·f liefert b·f = g·(b − f) = g·b − g·f. Bringt man g·f nach links, folgt g·f + b·f = g·b. Division durch g·b·f ergibt f/(b·f) + f/(g·f) … also 1/b + 1/g = 1/f — das ist die Linsengleichung 1/f = 1/g + 1/b.
Bemerkenswert daran: Zwei rein geometrische Aussagen über ähnliche Dreiecke ergeben zusammen eine Gleichung, in der die Bildgröße gar nicht mehr auftaucht. Sind zwei der drei Größen g, b, f bekannt, ist die dritte damit bestimmt.
Erkläre auf zwei Wegen, warum bei g = f kein Bild entsteht: einmal geometrisch am Strahlengang, einmal rechnerisch an der Formel b = g·f/(g − f).
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Musterlösung: Geometrisch: Steht die Gegenstandsspitze genau im Brennpunkt, so ist der von ihr ausgehende Brennpunktstrahl gerade der, der hinter der Linse parallel zur Achse weiterläuft; der Mittelpunktstrahl läuft ungebrochen durch. Beide Strahlen verlassen die Linse parallel zueinander und schneiden sich deshalb nirgends — auch ihre Rückwärtsverlängerungen nicht. Es gibt keinen Bildpunkt, also weder ein reelles noch ein virtuelles Bild.
Rechnerisch: In b = g·f/(g − f) wird für g = f der Nenner null; der Ausdruck ist nicht definiert. Beides beschreibt dasselbe: g = f ist die Stelle, an der das Verhalten kippt — für g > f entsteht ein reelles Bild hinter der Linse, für g < f ein virtuelles davor.
Ein reelles Bild ist genau so groß wie der Gegenstand. Der Abstand zwischen Gegenstand und Bild beträgt 36 cm.
Bestimme die Brennweite f der Linse — und begründe in der Musterlösung, warum es nur diese eine Lösung gibt.
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Musterlösung: Gleiche Größe bedeutet β = B/G = 1, wegen β = b/g also b = g. Aus der Linsengleichung 1/f = 1/g + 1/g = 2/g folgt g = 2f, und damit auch b = 2f — das ist genau der Fall g = 2f aus der Tabelle der fünf Fälle.
Der Abstand zwischen Gegenstand und Bild ist g + b = 4f. Aus 4f = 36 cm folgt f = 9 cm. Es gibt nur diese eine Lösung, weil die Bedingung β = 1 die Weiten bereits vollständig festlegt: b = g ist mit der Linsengleichung nur für g = b = 2f verträglich.
Beim Fotoapparat gilt b ≈ f, beim Projektor wird b sehr groß. Erkläre beide Grenzfälle aus der Linsengleichung und ordne sie den Fällen aus 5.1.3 zu.
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Musterlösung: Fotoapparat: Der Gegenstand ist weit entfernt, es gilt g ≫ f. Dann ist 1/g fast null, und aus 1/f = 1/g + 1/b folgt 1/b ≈ 1/f, also b ≈ f. Der Sensor sitzt deshalb ungefähr in der Brennebene. Das ist der Fall g > 2f: reell, umgekehrt, verkleinert.
Projektor: Die Vorlage steht knapp außerhalb der Brennweite, also f < g < 2f. In b = g·f/(g − f) wird der Nenner sehr klein, während der Zähler etwa f² bleibt — b wächst also stark an, und mit β = b/g auch das Bild. Das ist der Fall f < g < 2f: reell, umgekehrt, vergrößert.
Beide Geräte nutzen dieselbe Gleichung; sie unterscheiden sich nur darin, an welchem Ende der Skala sie arbeiten. Deshalb ist der Fotoapparat gewissermaßen der umgekehrte Projektor.
Eine Schülerin behauptet: „Wenn ich die obere Hälfte der Linse abdecke, sehe ich nur noch die untere Hälfte des Bildes.“
Widerlege diese Behauptung und erkläre, was stattdessen passiert — mit Bezug auf die Entstehung eines einzelnen Bildpunkts.
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Musterlösung: Die Behauptung ist falsch. Von jedem Punkt des Gegenstands geht Licht in alle Richtungen ab; das Bündel, das die Linse erreicht, nutzt deren gesamte Fläche und wird vollständig in einem Bildpunkt vereinigt. Es gibt also keine Zuordnung „obere Linsenhälfte → obere Bildhälfte“.
Deckt man die Hälfte ab, so tragen zu jedem einzelnen Bildpunkt weniger Strahlen bei. Das Bild bleibt deshalb vollständig, behält seine Lage und seine Größe — es wird nur dunkler. Geometrie und Helligkeit sind hier zwei getrennte Dinge: Die Geometrie bestimmt die Strahlrichtungen, die Fläche bestimmt, wie viel Licht ankommt. Genau darauf beruht auch die Blende des Fotoapparats.
Jemand fragt: „Welches Gerät vergrößert stärker — ein Projektor mit β = 24 oder ein Fernrohr mit V = 20?“
Erkläre, warum diese Frage so nicht beantwortbar ist, und beschreibe, welche Kenngröße jeweils die richtige ist und warum.
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Musterlösung: Die beiden Zahlen messen verschiedene Dinge. Der Projektor gehört zu den abbildenden Geräten: Er erzeugt ein reelles Bild auf einer Fläche (Schirm), das unabhängig vom Betrachter existiert und eine messbare Größe hat. Seine Kenngröße ist deshalb der Abbildungsmaßstab β = B/G = b/g — ein Verhältnis zweier Längen.
Das Fernrohr gehört zu den sehwinkelvergrößernden Geräten. Es liefert gar kein auffangbares Endbild; das eigentliche Bild entsteht erst auf der Netzhaut. Wie groß etwas dort erscheint, hängt nicht von einer absoluten Länge ab, sondern vom Sehwinkel. Seine Kenngröße ist V = tan α′ / tan α — ein Verhältnis zweier Winkel.
β = 24 und V = 20 sind daher keine vergleichbaren Zahlen. Beim Fernrohr lautet die richtige Frage nicht „Wie groß ist das Bild?“, sondern „Um welchen Faktor wächst der Sehwinkel?“
Gegenstand und Schirm stehen fest im Abstand d = 100 cm. Dazwischen wird eine Linse mit f = 24 cm verschoben. Es gibt zwei Stellungen, in denen das Bild scharf ist.
Bestimme beide Gegenstandsweiten (die kleinere zuerst) — und erkläre in der Musterlösung, warum es genau zwei sind.
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Musterlösung: Wegen g + b = 100 gilt b = 100 − g. Einsetzen in 1/f = 1/g + 1/b ergibt 1/24 = (b + g)/(g·b) = 100/(g·(100 − g)), also g·(100 − g) = 2400 und damit g² − 100g + 2400 = 0. Die Lösungen sind g = (100 ± √(10000 − 9600))/2 = (100 ± 20)/2, also g = 40 cm und g = 60 cm.
Warum genau zwei? Weil die Linsengleichung in g und b symmetrisch ist: Vertauscht man beide, bleibt sie richtig. Zu jeder Lösung (g, b) gehört daher die gespiegelte Lösung (b, g) — hier (40, 60) und (60, 40). In der einen Stellung ist das Bild vergrößert (β = 60/40 = 1,5), in der anderen um denselben Faktor verkleinert (β = 40/60 = 2/3). Mehr als zwei Lösungen kann es nicht geben, weil die Gleichung quadratisch ist.
Ein Gegenstand steht fest in g = 60 cm Abstand. Verglichen werden zwei Linsen: f = 10 cm und f = 20 cm.
Berechne jeweils die Bildweite und begründe danach allgemein, warum bei festem g eine kleinere Brennweite immer ein kleineres Bild ergibt.
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Musterlösung: b₁ = 60·10/(60−10) = 600/50 = 12 cm, also β₁ = 12/60 = 0,2. b₂ = 60·20/(60−20) = 1200/40 = 30 cm, also β₂ = 30/60 = 0,5. Die kleinere Brennweite liefert die kleinere Bildweite und das kleinere Bild.
Allgemein: Bei festem g hängt b = g·f/(g − f) so von f ab, dass mit wachsendem f der Zähler wächst und der Nenner zugleich kleiner wird — b wächst also doppelt begünstigt. Und da β = b/g bei festem g proportional zu b ist, wächst die Bildgröße im selben Maß. Physikalisch dahinter: Eine Linse mit kleiner Brennweite ist stärker gekrümmt, bricht das Licht stärker und führt die Strahlen deshalb früher zusammen. Genau darauf beruht die Wahl des Objektivs: kurze Brennweite = weitwinklig und klein, lange Brennweite = enger Ausschnitt und groß.
In einer Klausur steht: „Aus 1/f = 1/g + 1/b folgt f = g + b. Mit g = 30 cm und b = 15 cm ist also f = 45 cm.“
Erkläre, wo der Fehler steckt, rechne richtig — und erkläre außerdem, was ein negatives Ergebnis für b bedeuten würde.
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Musterlösung: Der Fehler ist eine unzulässige Vereinfachung: Aus 1/f = 1/g + 1/b folgt nicht f = g + b. Man sieht das schon an einem Gegenbeispiel: 1/2 + 1/2 = 1, aber 1/(2+2) = 1/4. Kehrwerte darf man nicht gliedweise „umdrehen“.
Richtig: 1/f = 1/30 + 1/15 = 1/30 + 2/30 = 3/30 = 1/10, also f = 10 cm — und nicht 45 cm. Die Reihenfolge lautet immer: erst die Kehrwerte addieren, dann am Ende den Kehrwert bilden.
Zum Vorzeichen: Ein negatives b bedeutet nicht „Rechenfehler“, sondern hat eine physikalische Bedeutung: Das Bild liegt dann vor der Linse, auf der Gegenstandsseite, und ist virtuell — der Fall g < f, also die Lupe. Es ist aufrecht, vergrößert und nicht auf einem Schirm auffangbar, weil sich dort nur die rückwärtigen Verlängerungen treffen.
Wie war es?
Wie gut kamst du bei den Begründungsaufgaben zurecht?
