Sechzehn Fehler, die in Abiturklausuren quer durch alle Kapitel Punkte kosten — sortiert nach Rechnen, Modellen und Prüfungstechnik. Die kapiteltypischen Fehler finden Sie zusätzlich auf den Seiten „Typische Fehler“ der einzelnen Kapitel.
Fehler beim Rechnen
1ΔG und ΔE mit gleichem Vorzeichen
So steht es oft in der Klausur: Ein Daniell-Element liefert \(\Delta E = +1{,}10\,\text{V}\), also ist \(\Delta_r G = +212\,\text{kJ/mol}\) — die Reaktion ist endergonisch.
Richtig ist: \(\Delta_r G = -z\cdot F\cdot\Delta E = -2\cdot 96\,485\,\text{C/mol}\cdot 1{,}10\,\text{V} \approx -212\,\text{kJ/mol}\). Positive Zellspannung bedeutet freiwilliger Ablauf.
ΔE > 0 ⇔ ΔG < 0: Beide Größen beschreiben dieselbe Freiwilligkeit mit entgegengesetztem Vorzeichen.
Wiederholen: Kapitel 1 Energetik · Kapitel 4 Elektrochemie
2Q und K verwechselt
So steht es oft in der Klausur: Aus den Anfangskonzentrationen wird „K“ berechnet und daraus geschlossen, das Gemisch sei im Gleichgewicht.
Richtig ist: Mit Anfangs- oder Momentanwerten erhält man den Reaktionsquotienten \(Q\). Erst der Vergleich zeigt die Richtung: \(Q < K\) → Hinreaktion überwiegt, \(Q > K\) → Rückreaktion.
K gehört nur zu Gleichgewichtskonzentrationen — alles andere ist Q.
Wiederholen: Kapitel 2 Kinetik und Gleichgewicht
3Faraday ohne Ladungszahl
So steht es oft in der Klausur: Für \(\ce{Cu^2+ + 2 e- -> Cu}\) mit \(I = 2{,}0\,\text{A}\), \(t = 1\,\text{h}\): \(n = I\cdot t/F = 0{,}075\,\text{mol}\) Kupfer.
Richtig ist: \(n(\ce{Cu}) = \dfrac{I\cdot t}{z\cdot F} = \dfrac{2{,}0\cdot 3600}{2\cdot 96\,485}\,\text{mol} \approx 0{,}037\,\text{mol}\), also 2,4 g.
Erst die Elektronen zählen (z aus der Teilgleichung), dann durch z·F teilen.
Wiederholen: Kapitel 4 Elektrochemie
4Nernst: Logarithmus falsch herum
So steht es oft in der Klausur: \(E(\ce{Zn^2+/Zn})\) bei \(c = 0{,}01\,\text{mol/L}\): \(E = -0{,}76 + 0{,}059\cdot\lg 0{,}01 = -0{,}88\,\text{V}\) — Faktor \(1/z\) fehlt.
Richtig ist: \(E = E^\circ + \dfrac{0{,}059\,\text{V}}{z}\lg\dfrac{c(\text{Ox})}{c(\text{Red})} = -0{,}76 + 0{,}0295\cdot(-2) \approx -0{,}82\,\text{V}\). Feste Metalle gehen mit 1 ein.
Oxidierte Form oben, reduzierte unten — und immer durch z teilen.
Wiederholen: Kapitel 4 Elektrochemie
5pH einer schwachen Säure wie bei einer starken
So steht es oft in der Klausur: Milchsäure, \(c = 0{,}10\,\text{mol/L}\): \(\mathrm{pH} = -\lg 0{,}10 = 1{,}0\).
Richtig ist: Mit \(\mathrm{p}K_S = 3{,}86\): \(\mathrm{pH} \approx \tfrac12(3{,}86 - \lg 0{,}10) \approx 2{,}4\). Danach prüfen: Protolysegrad \(\approx 4\,\%\), die Näherung ist zulässig.
Erst pKs ansehen: unter ≈ 1 wie stark rechnen, darüber mit der Näherungsformel oder quadratisch.
Wiederholen: Kapitel 3 Säure-Base-Reaktionen
6Stöchiometrie am Äquivalenzpunkt vergessen
So steht es oft in der Klausur: 10,0 mL Schwefelsäure verbrauchen 12,0 mL NaOH (\(c = 0{,}10\,\text{mol/L}\)): \(c(\ce{H2SO4}) = 0{,}12\,\text{mol/L}\).
Richtig ist: \(\ce{H2SO4 + 2 NaOH -> Na2SO4 + 2 H2O}\): \(n(\ce{H2SO4}) = \tfrac12\cdot 1{,}2\,\text{mmol}\), also \(c = 0{,}060\,\text{mol/L}\). Gleiches gilt für Redoxtitrationen (Permanganat: 1 : 5).
Aus der Reaktionsgleichung das Stoffmengenverhältnis ablesen — nie einfach c·V = c·V setzen.
Wiederholen: Kapitel 3 Säure-Base-Reaktionen · Kapitel 4 Elektrochemie
7J/K und kJ/mol gemischt
So steht es oft in der Klausur: \(\Delta_r G^\circ = -R\cdot T\cdot\ln K\) mit \(\Delta_r G^\circ = -20\,\text{kJ/mol}\): \(\ln K = 20 : (8{,}314\cdot 298) = 0{,}008\), also \(K \approx 1\).
Richtig ist: \(\ln K = \dfrac{20\,000\,\text{J/mol}}{8{,}314\,\text{J/(mol}\cdot\text{K)}\cdot 298\,\text{K}} \approx 8{,}07\), also \(K \approx 3{,}2\cdot 10^{3}\).
R steht in J — ΔG deshalb in J/mol einsetzen, T in Kelvin.
Wiederholen: Kapitel 1 Energetik · Kapitel 2 Kinetik und Gleichgewicht
Fehler in Modellen und Begriffen
8Katalysator als Gleichgewichts-Verschieber
So steht es oft in der Klausur: Durch den Katalysator entsteht beim Haber-Bosch-Verfahren mehr Ammoniak im Gleichgewicht.
Richtig ist: Er senkt \(E_A\) für Hin- und Rückreaktion gleich stark: Das Gleichgewicht stellt sich schneller ein, \(K\), \(\Delta_r H\) und \(\Delta_r G\) bleiben gleich. Mehr Ausbeute pro Zeit ja, mehr im Gleichgewicht nein.
Katalysator: Tempo, nicht Lage.
Wiederholen: Kapitel 2 Kinetik und Gleichgewicht · Kapitel 1 Energetik
9Mesomerie als Gleichgewicht
So steht es oft in der Klausur: Benzol wechselt ständig zwischen zwei Kekulé-Strukturen hin und her; deshalb sind alle Bindungen im Mittel gleich lang.
Richtig ist: Grenzstrukturen existieren nicht einzeln; das reale Molekül ist ein delokalisiertes System (Mesomeriepfeil \(\leftrightarrow\), kein Gleichgewichtspfeil). Seine Energie liegt um die Mesomerieenergie unter jeder Grenzstruktur.
↔ bedeutet „beschreibt gemeinsam“, ⇌ bedeutet „reagiert hin und zurück“.
Wiederholen: Kapitel 5 Organische Reaktionen
10Pole und Elektroden vertauscht
So steht es oft in der Klausur: Bei der Elektrolyse ist die Anode wie in der Batterie der Minuspol; dort werden Kationen reduziert.
Richtig ist: Anode = Ort der Oxidation, Kathode = Ort der Reduktion — immer. Die Polung wechselt: galvanische Zelle Anode (−), Elektrolyse Anode (+).
Erst Oxidation/Reduktion zuordnen, dann das Vorzeichen des Pols.
Wiederholen: Kapitel 4 Elektrochemie
11Stärke mit Konzentration verwechselt
So steht es oft in der Klausur: „Essigsäure mit c = 1 mol/L ist eine stärkere Säure als Salzsäure mit c = 0,001 mol/L, weil ihr pH kleiner ist.“
Richtig ist: Die Säurestärke beschreibt \(K_S\) (bzw. \(\mathrm{p}K_S\)), unabhängig von der Konzentration. Der pH-Wert hängt von Stärke und Konzentration ab (hier 2,4 gegenüber 3,0).
Stark/schwach: pKs · konzentriert/verdünnt: c.
Wiederholen: Kapitel 3 Säure-Base-Reaktionen · Kapitel 5 Organische Reaktionen
12Kunststoffklasse aus einer Eigenschaft geraten
So steht es oft in der Klausur: „Der Werkstoff ist hart und spröde, also ist er ein Duroplast.“
Richtig ist: Entscheidend ist die Vernetzung: Thermoplaste (unvernetzt) können hart sein (PS), Elastomere sind weitmaschig, Duroplaste engmaschig vernetzt. Belege: Verhalten beim Erwärmen (erweicht / zersetzt sich), Quellen in Lösemitteln.
Klasse → Struktur begründen, nicht → Gefühl.
Wiederholen: Kapitel 6 Kunststoffe und Naturstoffe
13Wasser bei der Kondensation unterschlagen
So steht es oft in der Klausur: Bilanz der Polyesterbildung: \(n\) Disäure \(+\ n\) Diol \(\to\) Polyester — Masse bleibt gleich.
Richtig ist: Pro Esterbindung wird ein Molekül Wasser abgespalten: rund \(2n\) Moleküle \(\ce{H2O}\) je Kette (Endgruppen vernachlässigt). Die Polymermasse ist entsprechend kleiner.
Kondensation = Verknüpfung + Abspaltung eines kleinen Moleküls.
Wiederholen: Kapitel 6 Kunststoffe und Naturstoffe · Kapitel 5 Organische Reaktionen
Fehler in der Prüfungstechnik
14Operator überlesen
So steht es oft in der Klausur: „Erläutern Sie, warum Chlor entsteht.“ Antwort: „Wegen der Überspannung.“
Richtig ist: Erläutern verlangt einen veranschaulichten Zusammenhang: Welche Potenziale konkurrieren, warum O₂ an diesem Anodenmaterial gehemmt ist, welche Folge das für das Produkt hat. Ein Stichwort ist eine Nennung (AFB I) und bekommt nur einen Bruchteil der BE.
Operator unterstreichen, BE ansehen: 4 BE heißen nicht ein Wort.
Wiederholen: alle Kapitel — Operatoren-Übersicht
15Reaktionsgleichung ohne Ausgleich und Zustände
So steht es oft in der Klausur: \(\ce{Al + O2 -> Al2O3}\) bzw. \(\ce{MnO4- + Fe^2+ -> Mn^2+ + Fe^3+}\).
Richtig ist: \(\ce{4 Al(s) + 3 O2(g) -> 2 Al2O3(s)}\); Redox mit Elektronen- und Ladungsausgleich: \(\ce{MnO4- + 5 Fe^2+ + 8 H+}\) \(\ce{-> Mn^2+ + 5 Fe^3+ + 4 H2O}\).
Atome, Ladungen, Elektronen — und die Zustände (s), (l), (g), (aq), wenn Energetik gefragt ist.
Wiederholen: alle Kapitel
16Zwischenergebnisse zu früh gerundet
So steht es oft in der Klausur: \(n = 0{,}00107\,\text{mol} \approx 0{,}001\,\text{mol}\), weitergerechnet mit \(0{,}001\): Massenanteil 29,6 % statt 31,7 %.
Richtig ist: Im Rechner unrundet weiterrechnen (Ergebnis speichern), erst das Endergebnis sinnvoll runden — in der Regel auf die Stellenzahl der ungenauesten Messgröße.
Rundungsfehler kosten BE, obwohl der Ansatz stimmt.
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