MINT lernen

Probeklausur

Vier Aufgaben mit Material, drei davon wählen — 120 BE in 300 Minuten, mit Erwartungshorizont und Notenpunkten wie im Abitur.

Punkte0 / 120
Notenpunkte—
Bearbeitet0 / 0
Bearbeitungszeit300 Minuten

Aufbau wie im Abitur (eA): vier materialgebundene Aufgaben, drei davon bearbeiten, je 40 Bewertungseinheiten, Bearbeitungszeit einschließlich Auswahlzeit 300 Minuten. Hilfsmittel: eingeführter Taschenrechner und die IQB-Formelsammlung. Rechnen und begründen Sie auf Papier und tragen Sie hier nur die Ergebnisse ein; bei Mehrfachauswahl gibt es für falsch gewählte Aussagen Abzug. Anders als im Abitur werden offene Teile hier als Auswahl abgefragt — vergleichen Sie Ihre schriftliche Begründung danach mit dem Erwartungshorizont.

Aufgabenauswahl

Wie in der Abiturprüfung auf erhöhtem Anforderungsniveau erhalten Sie vier Aufgaben mit je 40 BE und bearbeiten drei davon. Sichten Sie zuerst Material und Operatoren, dann wählen Sie eine Aufgabe ab. Gewertet werden die drei übrigen (120 BE).

Noch keine Aufgabe abgewählt.

Aufgabe 1

Ozeanversauerung und Kalkschalen

40 BE
1
Säure-Base, Gleichgewicht
40 BE

Die Ozeane nehmen rund ein Viertel des vom Menschen freigesetzten Kohlenstoffdioxids auf. Der pH-Wert des Oberflächenwassers ist seit Beginn der Industrialisierung von etwa 8,2 auf 8,1 gesunken. Muscheln, Korallen und Flügelschnecken bauen ihre Schalen aus Calciumcarbonat (Aragonit) auf.

M1 · Gleichgewichte im Meerwasser (25 °C, vereinfacht)

(1) \(\ce{CO2(aq) + 2 H2O}\) \(\rightleftharpoons \ce{HCO3- + H3O+}\)   \(\mathrm{p}K_{S1} = 5{,}9\)
(2) \(\ce{HCO3- + H2O}\) \(\rightleftharpoons \ce{CO3^2- + H3O+}\)   \(\mathrm{p}K_{S2} = 9{,}0\)
(3) \(\ce{CaCO3(s)}\) \(\rightleftharpoons \ce{Ca^2+ + CO3^2-}\)   \(K_L(\text{Aragonit}) = 6{,}5\cdot 10^{-7}\,\text{mol}^2/\text{L}^2\)

Die pKs-Werte sind die für Meerwasser gültigen (scheinbaren) Werte. \(c(\ce{Ca^2+}) = 10{,}3\,\text{mmol/L}\). Sättigungsgrad \(\Omega = c(\ce{Ca^2+})\cdot c(\ce{CO3^2-}) / K_L\): \(\Omega > 1\) übersättigt, \(\Omega < 1\) Aragonit löst sich.

M2 · Bestimmung der Alkalinität

100 mL Meerwasser werden mit Salzsäure (\(c = 0{,}0100\,\text{mol/L}\)) bis zum Endpunkt bei pH 4,3 titriert; Verbrauch 23,0 mL. Dabei werden Hydrogencarbonat und Carbonat vollständig zu \(\ce{CO2}\) umgesetzt. Die Alkalinität ist \(A = c(\ce{HCO3-}) + 2\,c(\ce{CO3^2-})\) (andere Basen vernachlässigt).

M3 · Indikatoren

IndikatorUmschlagsbereich
MethylorangepH 3,1 – 4,4
MethylrotpH 4,4 – 6,2
BromthymolblaupH 6,0 – 7,6
PhenolphthaleinpH 8,2 – 10,0
a) Formulieren Sie die Gesamtgleichung für die Reaktion von gelöstem \(\ce{CO2}\) mit Carbonat-Ionen, die im Meer Carbonat „verbraucht“. 3 BE
b) Berechnen Sie, um wie viel Prozent \(c(\ce{H3O+})\) bei der pH-Abnahme von 8,2 auf 8,1 gestiegen ist. 3 BE
%
c) Bestimmen Sie mit M2 die Alkalinität der Probe. 4 BE
mmol/L
d) Begründen Sie die Wahl des Indikators für die Titration in M2. 3 BE
e) Berechnen Sie mit M1 das Verhältnis \(c(\ce{CO3^2-}) : c(\ce{HCO3-})\) bei pH 8,1. 4 BE
f) Ermitteln Sie mit den Ergebnissen aus c) und e) die Carbonat-Konzentration bei pH 8,1 (\(\ce{CO2(aq)}\) vernachlässigt). 5 BE
mmol/L
g) Berechnen Sie den Sättigungsgrad \(\Omega\) für Aragonit bei pH 8,1. 4 BE
h) Erklären Sie mit M1, warum Kaltwasser-Regionen besonders gefährdet sind. Wählen Sie alle zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 5 BE
i) Beurteilen Sie die Prognose, dass der pH-Wert bis 2100 auf etwa 7,75 sinkt (Alkalinität unverändert). Wählen Sie alle fachlich haltbaren Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 9 BE
Erwartungshorizont (nach Auswerten freigeschaltet)

a) \(\ce{CO2 + H2O + CO3^2- -> 2 HCO3-}\) — CO₂ reagiert als Säure mit dem Carbonat (Summe aus (1) und der Umkehrung von (2)).

b) \(c_2/c_1 = 10^{-8{,}1} / 10^{-8{,}2} = 10^{0{,}1} \approx 1{,}26\), also Zunahme um etwa 26 %.

c) \(n(\ce{HCl}) = 0{,}0100 \cdot 0{,}0230 = 2{,}30\cdot 10^{-4}\,\text{mol}\) in 0,100 L ⇒ \(A = 2{,}30\,\text{mmol/L}\).

d) Endpunkt pH 4,3 liegt im Umschlagsbereich von Methylorange; Methylrot schlägt zu früh um (nicht alles \(\ce{HCO3-}\) umgesetzt), Phenolphthalein und Bromthymolblau viel zu früh.

e) Henderson-Hasselbalch für (2): \(\lg\frac{c(\ce{CO3^2-})}{c(\ce{HCO3-})} = 8{,}1 - 9{,}0 = -0{,}9\) ⇒ Verhältnis \(\approx 0{,}126\).

f) \(A = c(\ce{HCO3-})\,(1 + 2\cdot 0{,}126)\) ⇒ \(c(\ce{HCO3-}) = 2{,}30 : 1{,}252 \approx 1{,}84\,\text{mmol/L}\), \(c(\ce{CO3^2-}) \approx 0{,}231\,\text{mmol/L}\).

g) \(\Omega = 0{,}0103 \cdot 2{,}31\cdot 10^{-4} : 6{,}5\cdot 10^{-7} \approx 3{,}7\) — übersättigt.

h) Exotherme Lösung: im Kalten mehr \(\ce{CO2(aq)}\) (Le Chatelier); nach a) wird Carbonat verbraucht, \(\Omega\) sinkt. Die Ca²⁺-Konzentration ist nahezu überall gleich; \(E_A\) beeinflusst nur die Geschwindigkeit, nicht \(\Omega\).

i) pH 7,75: Verhältnis \(10^{-1{,}25} \approx 0{,}056\), \(c(\ce{CO3^2-}) \approx 0{,}116\,\text{mmol/L}\), \(\Omega \approx 1{,}8\). Übersättigung bleibt, aber Kalkbildung wird energetisch teurer; bei \(\Omega < 1\) (zuerst in kalten Regionen) lösen sich Schalen. Der Puffer mildert, verhindert die Abnahme aber nicht — sein Carbonat wird dabei verbraucht. Urteil mit Kriterium (Ω, Energieaufwand) begründet.

TeilAFBBE
a)I3
b)I/II3
c)II4
d)II3
e)II4
f)II5
g)II4
h)II5
i)III9

AFB I: 4 BE · AFB II: 26 BE · AFB III: 9 BE

Aufgabe 2

Chlor und Natronlauge aus Kochsalz

40 BE
2
Elektrochemie, Energetik, Titration
40 BE

Chlor und Natronlauge gehören zu den wichtigsten Grundchemikalien. Sie entstehen gemeinsam mit Wasserstoff bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse, die heute überwiegend im Membranverfahren betrieben wird.

M1 · Membranzelle

Anodenraum: gesättigte Kochsalzlösung, \(c(\ce{Cl-}) \approx 5{,}0\,\text{mol/L}\), pH ≈ 3, Titan-Anode mit Metalloxid-Beschichtung. Kathodenraum: Natronlauge, Nickel-Kathode. Dazwischen eine Kationenaustauscher-Membran, die nur Kationen durchlässt. Betriebsdaten je Zelle: \(U = 3{,}2\,\text{V}\), \(I = 15\,\text{kA}\), Stromausbeute 95 %.

M2 · Potenziale (25 °C)

Redoxpaar\(E^\circ\) in VÜberspannung an M1-Elektroden
\(\ce{Cl2}/\ce{Cl-}\)+1,36gering (< 0,1 V)
\(\ce{O2}/\ce{H2O}\) (pH 0)+1,23hoch (≈ 0,5 V und mehr)
\(\ce{H2O}/\ce{H2},\ce{OH-}\) (pH 14)−0,83gering
\(\ce{Na+}/\ce{Na}\)−2,71—

M3 · Gehalt der Lauge

1,00 mL der Lauge (\(\rho = 1{,}35\,\text{g/mL}\)) wird auf 100 mL verdünnt. 10,0 mL davon verbrauchen 10,7 mL Salzsäure (\(c = 0{,}100\,\text{mol/L}\)). \(M(\ce{NaOH}) = 40{,}00\,\text{g/mol}\), \(M(\ce{Cl2}) = 70{,}90\,\text{g/mol}\), \(F = 96\,485\,\text{C/mol}\).

a) Stellen Sie die Gesamtgleichung der Elektrolyse auf (Auswahl). 3 BE
b) Berechnen Sie aus den Standardpotenzialen die theoretische Zersetzungsspannung (Kathode bei pH 14). 3 BE
V
c) Bestimmen Sie mit der Nernst-Gleichung das Potenzial \(E(\ce{Cl2}/\ce{Cl-})\) im Anodenraum (\(p(\ce{Cl2})\) = Standarddruck). 4 BE
V
d) Erläutern Sie, warum an der Anode Chlor und nicht Sauerstoff entsteht. Wählen Sie alle zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 5 BE
e) Begründen Sie die Aufgabe der Kationenaustauscher-Membran. 3 BE
f) Berechnen Sie die Masse Chlor, die eine Zelle in einer Stunde erzeugt. 5 BE
kg
g) Ermitteln Sie den Bedarf an elektrischer Energie pro Tonne Chlor. 5 BE
kWh/t
h) Werten Sie M3 aus: Berechnen Sie den Massenanteil an NaOH in der Lauge. 5 BE
%
i) Beurteilen Sie die energetische Effizienz des Verfahrens. Wählen Sie alle fachlich haltbaren Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 7 BE
Erwartungshorizont (nach Auswerten freigeschaltet)

a) Anode: \(\ce{2 Cl- -> Cl2 + 2 e-}\); Kathode: \(\ce{2 H2O + 2 e- -> H2 + 2 OH-}\); gesamt \(\ce{2 NaCl + 2 H2O}\) \(\ce{-> Cl2 + H2 + 2 NaOH}\).

b) \(\Delta E = 1{,}36\,\text{V} - (-0{,}83\,\text{V}) = 2{,}19\,\text{V}\).

c) \(E = 1{,}36 + \frac{0{,}059}{2}\lg\frac{1}{c^2(\ce{Cl-})} = 1{,}36 - 0{,}059\cdot\lg 5{,}0 \approx 1{,}32\,\text{V}\).

d) O₂: \(E \approx 1{,}05\,\text{V}\) bei pH 3 < 1,32 V, also thermodynamisch bevorzugt; die Überspannung (≈ 0,5 V) macht die O₂-Bildung aber ungünstiger als die Cl₂-Bildung. Cl⁻ ist Reduktionsmittel (Elektronendonator), nicht Oxidationsmittel.

e) Na⁺ gleicht die Ladung der gebildeten OH⁻ aus; die Membran verhindert, dass OH⁻ zur Anode gelangt (\(\ce{Cl2 + 2 OH- -> Cl- + OCl- + H2O}\)) und dass sich Lauge mit Sole mischt.

f) \(n(e^-) = I\,t / F = 15\,000 \cdot 3600 : 96\,485 \approx 559{,}7\,\text{mol}\); \(n(\ce{Cl2}) = 0{,}95\cdot 559{,}7 : 2 \approx 265{,}8\,\text{mol}\); \(m \approx 18{,}8\,\text{kg}\).

g) \(Q = \frac{10^6\,\text{g}}{70{,}90\,\text{g/mol}}\cdot 2 \cdot F : 0{,}95 \approx 2{,}86\cdot 10^{9}\,\text{C}\); \(W = U\,Q \approx 9{,}17\cdot 10^{9}\,\text{J} \approx 2{,}55\cdot 10^{3}\,\text{kWh/t}\).

h) \(n(\ce{NaOH}) = 0{,}100\cdot 10{,}7\cdot 10^{-3} = 1{,}07\,\text{mmol}\) in 10 mL ⇒ 10,7 mmol in 1,00 mL Lauge ⇒ \(c = 10{,}7\,\text{mol/L}\); \(w = 10{,}7 \cdot 40{,}00 : 1350 \approx 31{,}7\,\%\).

i) Spannungswirkungsgrad ≈ 68 %, Stromausbeute betrifft die Ladung (Nebenreaktionen), nicht die Spannung; höhere Stromdichte erhöht Überspannung und Widerstandsverluste. Koppelprodukte (H₂ nutzen, festes Verhältnis Cl₂ : NaOH = 1 : 2 mol) gehören zur Beurteilung.

TeilAFBBE
a)I3
b)I3
c)II4
d)II5
e)II3
f)II5
g)II5
h)II5
i)III7

AFB I: 6 BE · AFB II: 27 BE · AFB III: 7 BE

Aufgabe 3

Superabsorber in Windeln

40 BE
3
Kunststoffe, Säure-Base, Organik
40 BE

Ein Gramm Superabsorber kann ein Vielfaches seiner Masse an Wasser binden. In Windeln besteht er meist aus teilneutralisierter, schwach vernetzter Polyacrylsäure.

M1 · Herstellung

Acrylsäure (\(\ce{CH2=CH-COOH}\), \(M = 72{,}06\,\text{g/mol}\), \(\mathrm{p}K_S = 4{,}25\)) wird in Wasser zu 75 % mit Natronlauge neutralisiert. Nach Zugabe eines Vernetzers mit zwei C=C-Doppelbindungen und von Natriumperoxodisulfat \(\ce{Na2S2O8}\) als Initiator polymerisiert die Lösung radikalisch zu einem Gel, das getrocknet und gemahlen wird. \(M(\text{Natriumacrylat}) = 94{,}04\,\text{g/mol}\).

M2 · Einfluss des Vernetzers (Modellwerte)

Vernetzer in %0,050,20,5
Aufnahme dest. Wasser in g/g520330180
Aufnahme 0,9 %ige NaCl-Lösung in g/g624833
Gelfestigkeitniedrigmittelhoch

M3 · Windel

Unter der Belastung durch das Körpergewicht nimmt der Superabsorber noch 30 g Urin (≈ 0,9 %ige NaCl-Lösung) pro Gramm auf.

a) Geben Sie die Wiederholeinheit des neutralisierten Anteils an. 3 BE
b) Ordnen Sie die Teilschritte der Polymerisation zu. 4 BE
c) Berechnen Sie die Masse Natriumhydroxid, die für 100 g Acrylsäure benötigt wird. 4 BE
g
d) Bestimmen Sie den pH-Wert der teilneutralisierten Monomerlösung. 4 BE
e) Ermitteln Sie die mittlere molare Masse einer Wiederholeinheit im Polymer. 3 BE
g/mol
f) Erklären Sie die Quellung und den Einfluss von Salz. Wählen Sie alle zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 6 BE
g) Werten Sie M2 aus. 3 BE
h) Berechnen Sie mit M3 die Mindestmasse Superabsorber für 250 g Urin mit Sicherheitsfaktor 1,5. 3 BE
g
i) Beschreiben Sie einen Nachweis für restliches Monomer im Produkt. 3 BE
j) Beurteilen Sie die Entsorgung und mögliche Alternativen. Wählen Sie alle fachlich haltbaren Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 7 BE
Erwartungshorizont (nach Auswerten freigeschaltet)

a) Die Doppelbindung wird geöffnet; die Carboxylatgruppe sitzt an jedem zweiten C-Atom der Hauptkette.

b) Start: Radikalbildung aus \(\ce{S2O8^2-}\); Wachstum: Addition an C=C; Abbruch: Rekombination; Vernetzer mit zwei C=C verknüpft zwei Ketten.

c) \(n = 100 : 72{,}06 = 1{,}388\,\text{mol}\); 75 %: \(1{,}041\,\text{mol}\) NaOH ⇒ \(m \approx 41{,}6\,\text{g}\).

d) Henderson-Hasselbalch: \(\mathrm{pH} = 4{,}25 + \lg\frac{0{,}75}{0{,}25} \approx 4{,}73\).

e) \(\bar M = 0{,}75\cdot 94{,}04 + 0{,}25\cdot 72{,}06 \approx 88{,}5\,\text{g/mol}\).

f) Elektrostatische Abstoßung und Osmose (Gegenionen im Gel) treiben die Quellung; Vernetzung begrenzt sie. Salz verringert Konzentrationsgefälle und schirmt Ladungen ab (62 → 48 → 33 g/g gegenüber Wasser). Wasser wird über Wasserstoffbrücken/Hydratation gebunden, nicht kovalent.

g) Mehr Vernetzer ⇒ engere Maschen ⇒ weniger Aufnahme, dafür stabileres Gel, das unter Druck nicht „ausblutet“.

h) \(m = 250\,\text{g}\cdot 1{,}5 : 30 = 12{,}5\,\text{g}\).

i) Elektrophile Addition von Brom an die C=C-Bindung der Acrylsäure ⇒ Entfärbung; Polymer ohne C=C ⇒ keine Entfärbung.

j) Kriterien: Abbaubarkeit (C–C-Rückgrat vs. hydrolysierbare glycosidische Bindungen), Verwertbarkeit (vernetzt ⇒ nicht umschmelzbar, energetische Verwertung), Leistungsfähigkeit der Alternativen; begründetes Urteil.

TeilAFBBE
a)I3
b)I/II4
c)II4
d)II4
e)II3
f)II6
g)II3
h)II3
i)I/II3
j)III7

AFB I: 6 BE · AFB II: 26 BE · AFB III: 7 BE

Aufgabe 4

Grünes Polyethylen aus Bioethanol

40 BE
4
Energetik, Gleichgewicht, Organik
40 BE

Polyethylen lässt sich auch aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen: Ethanol aus Zuckerrohr wird an einem Aluminiumoxid-Katalysator bei etwa 400 °C zu Ethen dehydratisiert, das anschließend polymerisiert wird.

M1 · Reaktionen

(1) \(\ce{C2H5OH(g)}\) \(\rightleftharpoons \ce{C2H4(g) + H2O(g)}\)
(2) Nebenreaktion bei tieferer Temperatur (um 250 °C): \(\ce{2 C2H5OH(g)}\) \(\rightleftharpoons \ce{C2H5-O-C2H5(g) + H2O(g)}\)

M2 · Tabellenwerte (298 K)

Stoff\(\Delta_f H^\circ\) in kJ/mol\(S^\circ\) in J/(mol·K)
\(\ce{C2H5OH}\)(g)−234,8281,6
\(\ce{C2H4}\)(g)+52,4219,3
\(\ce{H2O}\)(g)−241,8188,8

M3 · Messreihe am Katalysator (400 °C)

t in s0204060
c(Ethanol) in mmol/L50,037,027,420,3
a) Berechnen Sie \(\Delta_r H^\circ\) für Reaktion (1). 3 BE
kJ/mol
b) Berechnen Sie \(\Delta_r S^\circ\) für Reaktion (1). 3 BE
J/(mol·K)
c) Bestimmen Sie die Temperatur, oberhalb derer Reaktion (1) exergonisch ist. 3 BE
°C
d) Ermitteln Sie die Gleichgewichtskonstante \(K\) bei 673 K (Näherung: \(\Delta_r H^\circ\), \(\Delta_r S^\circ\) konstant). 4 BE
e) Begründen Sie, welche Bedingungen die Ethen-Ausbeute im Gleichgewicht erhöhen. Wählen Sie alle zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 4 BE
f) Berechnen Sie mit M3 die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit im ersten Zeitintervall. 3 BE
mmol/(L·s)
g) Deuten Sie den Verlauf der Messreihe in M3. 3 BE
h) Erläutern Sie, warum die Nebenreaktion (2) bei hoher Temperatur zurücktritt. 3 BE
i) Interpretieren Sie den Befund: Leitet man das Produktgas in Bromwasser, entfärbt es sich; neben 1,2-Dibromethan entsteht vor allem 2-Bromethanol. Wählen Sie alle zutreffenden Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 5 BE
j) Berechnen Sie die Masse Ethanol für 1,00 t Polyethylen bei 96 % Ausbeute der Dehydratisierung (Polymerisation vollständig). 4 BE
t
k) Bewerten Sie „grünes“ Polyethylen. Wählen Sie alle haltbaren Aussagen. (mehrere Antworten richtig) 5 BE
Erwartungshorizont (nach Auswerten freigeschaltet)

a) \(\Delta_r H^\circ = 52{,}4 + (-241{,}8) - (-234{,}8) = +45{,}4\,\text{kJ/mol}\).

b) \(\Delta_r S^\circ = 219{,}3 + 188{,}8 - 281{,}6 = +126{,}5\,\text{J/(mol}\cdot\text{K)}\).

c) \(T = 45\,400 : 126{,}5 \approx 359\,\text{K} \approx 86\,°\text{C}\).

d) \(\Delta_r G^\circ(673\,\text{K}) = 45{,}4 - 673\cdot 0{,}1265 \approx -39{,}7\,\text{kJ/mol}\); \(\ln K = 39\,700 : (8{,}314\cdot 673) \approx 7{,}10\) ⇒ \(K \approx 1{,}2\cdot 10^{3}\).

e) Endotherm ⇒ hohe \(T\) erhöht \(K\); Δn(g) = +1 ⇒ niedriger Druck. Katalysator ändert die Lage nicht, Wasserdampf verschiebt nach links.

f) \(\bar v = -\Delta c/\Delta t = (50{,}0 - 37{,}0) : 20 = 0{,}65\,\text{mmol/(L}\cdot\text{s)}\).

g) Quotienten 37,0/50,0 ≈ 27,4/37,0 ≈ 20,3/27,4 ≈ 0,74: konstanter Faktor ⇒ \(v \sim c\); mit sinkender Konzentration sinkt die Geschwindigkeit (Stoßtheorie).

h) (1): Δn(g) = +1, großes \(\Delta_r S\); (2): Δn(g) = 0, kleines \(\Delta_r S\). Hohe \(T\) verstärkt den Entropieterm und damit (1).

i) Entfärbung ⇒ C=C. Elektrophile Addition: Br₂ wird polarisiert, Bromonium-Ion; im Überschuss vorhandenes Wasser greift statt Br⁻ an ⇒ 2-Bromethanol. Das Konkurrenzprodukt belegt den zweistufigen Mechanismus.

j) \(n(\ce{C2H4}) = 10^6 : 28{,}05 \approx 35\,650\,\text{mol}\); \(m(\text{Ethanol}) = 35\,650\cdot 46{,}07 : 0{,}96 \approx 1{,}71\cdot 10^{6}\,\text{g} = 1{,}71\,\text{t}\).

k) Gleiche Struktur ⇒ gleiche Eigenschaften, gleiche CO₂-Menge beim Verbrennen, nicht abbaubar, aber recycelbar. Vorteil: biogener Kohlenstoff; Nachteil: Flächen- und Energiebedarf. Werturteil mit Bezug auf Nachhaltigkeitskriterien.

TeilAFBBE
a)I3
b)I/II3
c)II3
d)II4
e)II4
f)I3
g)II3
h)II3
i)III5
j)II4
k)III5

AFB I: 8 BE · AFB II: 22 BE · AFB III: 10 BE

Ergebnis

Erreicht
0 / 120
Prozent
0 %
Notenpunkte
—
AufgabeThemaBE

Notenpunkte-Schlüssel (120 BE)

NPBEAnteil
15114 – 120 BE≥ 95 %
14108 – 113 BE≥ 90 %
13102 – 107 BE≥ 85 %
1296 – 101 BE≥ 80 %
1190 – 95 BE≥ 75 %
1084 – 89 BE≥ 70 %
978 – 83 BE≥ 65 %
872 – 77 BE≥ 60 %
766 – 71 BE≥ 55 %
660 – 65 BE≥ 50 %
554 – 59 BE≥ 45 %
448 – 53 BE≥ 40 %
340 – 47 BE≥ 33 %
233 – 39 BE≥ 27 %
124 – 32 BE≥ 20 %
00 – 23 BE< 20 %

Umrechnung nach dem Bewertungsraster der Länder (mindestens zu erreichender Anteil der BE). Eigene Übungsaufgaben — keine amtliche Prüfung.