Réti gegen Tartakower, Wien 1910: elf Züge, ein Damenopfer und das berühmteste Doppelschach der Schachgeschichte — Zug für Zug kommentiert in drei Akten.
Wien, 1910: Der junge Richard Réti spielt eine schnelle Partie gegen Savielly Tartakower — beide später Weltklasse. Nach nur elf Zügen ist alles vorbei, und die Schlusskombination steht bis heute in jedem Taktikbuch: ein Damenopfer, das ein Doppelschach vorbereitet. Genau das Motiv aus deiner Abzug-Lektion — hier siehst du, was es in Meisterhand anrichtet.
Caro-Kann (1…c6) ist eine grundsolide Antwort auf 1.e4 — sie steht auch in deiner Lektion Repertoire mit Schwarz. Aber mit 5…e5?! öffnet Tartakower das Zentrum, bevor sein König in Sicherheit ist. Merke: Linien öffnen hilft immer dem, der besser entwickelt ist.
Die lange Rochade bringt zwei Figuren mit einem Zug ins Spiel: Der König geht in Sicherheit, der Turm landet auf der offenen d-Linie — genau gegenüber dem schwarzen König. Damit ist die Falle gestellt: Der Springer e4 sieht ungedeckt aus, aber wer ihn nimmt, öffnet die Tür.
Spiel Akt 3 noch einmal ab und beantworte: 1. Warum muss der König die Dame auf d8 schlagen — welche Fluchtfelder fehlen ihm? 2. Nach 10.Lg5+ gibt es genau zwei Königszüge. Zeige, dass beide im nächsten Zug matt enden (10…Ke8 11.Td8 matt!). 3. Warum kann beim Doppelschach weder geblockt noch geschlagen werden — obwohl die schwarze Dame auf e5 steht?