Wie aus einem indischen Truppenspiel des 6. Jahrhunderts das moderne Königsspiel wurde — eine Reise durch 1500 Jahre.
Schach ist eines der ältesten Strategiespiele der Welt. Seine Wurzeln reichen über 1500 Jahre zurück — und der Weg führt einmal um die Welt: aus den Königshöfen Indiens über Persien und die islamische Welt nach Europa, von dort später wieder zurück nach Asien und schließlich auf die Bildschirme von Millionen Online-Spielern.
Als Vorläufer des Schachs gilt das indische Spiel Chaturanga (von chatur „vier“ und anga „Glied“). Es entstand vermutlich im 6. Jahrhundert n. Chr. und stellte die vier Truppengattungen einer indischen Armee dar:
Dazu kamen Raja (König) und Mantri (Berater) — letzterer wurde später zur Dame. Gespielt wurde anfangs offenbar zu viert mit Würfeln, später als Zwei-Personen-Spiel ohne Würfel.
Über die Handelsrouten gelangte Chaturanga nach Persien, wo es als Schatrandsch bekannt wurde. Aus dieser Zeit stammen die Begriffe, die wir heute noch verwenden:
Die ersten Mansuben — gestellte Aufgaben, also Vorläufer der Schachstudien — entstanden im 9. Jahrhundert in der arabisch-islamischen Welt.
Mit der maurischen Eroberung Spaniens kam Schach um das Jahr 1000 nach Europa und verbreitete sich rasch. Im Mittelalter zählte es zu den sieben Tugenden des Ritters neben Reiten, Fechten und Jagen. Doch die Figuren bewegten sich noch sehr behäbig: Die Dame zog nur ein Feld diagonal, der Läufer übersprang exakt zwei Felder.
Die entscheidende Wende kam zwischen 1475 und 1500 in Spanien und Italien. Dame und Läufer erhielten ihre heutige Reichweite — das Spiel wurde dramatisch schneller und taktischer. Diese Reform gilt als Geburt des modernen Schachs. Das erste gedruckte Schachbuch erschien 1497 (Lucena, Salamanca).
„Die Dame ist die Königin der Reform — sie verwandelte das Schach vom Höflingsspiel zum Schlachtfeld.“
Das 19. Jahrhundert machte Schach zum bürgerlichen Sport. In Pariser und Londoner Kaffeehäusern trafen sich Spieler aus aller Welt; das erste internationale Turnier fand 1851 in London statt (Gewinner: Adolf Anderssen aus Breslau).
Parallel entstanden feste Regeln, Turnierordnungen und Wertungssysteme. 1886 wurde mit dem Match Steinitz gegen Zukertort der erste offizielle Weltmeistertitel ausgespielt. Das 20. Jahrhundert war geprägt von der Sowjetschule mit Spielern wie Botwinnik, Tal, Petrosjan, Spasski und später Karpow und Kasparow — Schach war in der UdSSR Staatssport mit eigenen Trainerakademien.
Mitten im Kalten Krieg traf der Amerikaner Bobby Fischer auf den sowjetischen Weltmeister Boris Spasski. Der WM-Kampf in Reykjavík wurde zum politischen Großereignis und brachte Schach weltweit in die Schlagzeilen. Fischer gewann 12,5 zu 8,5 — und brach die sowjetische Vorherrschaft.
Schon Alan Turing entwickelte 1950 einen Schach-Algorithmus, lange bevor es Computer gab, die ihn ausführen konnten. 1997 besiegte IBMs Deep Blue Weltmeister Garri Kasparow — ein historischer Moment für Mensch und Maschine.
Seit 2017 spielen neuronale Engines wie AlphaZero auf einem Niveau, das menschlich unerreichbar ist: AlphaZero lernte das Spiel in nur vier Stunden allein durch Selbstspiel und schlug die damals stärkste klassische Engine Stockfish.
Die Pandemie ab 2020, die Netflix-Serie „The Queen's Gambit“ und Streaming-Plattformen wie Twitch sorgten für einen spektakulären Schach-Boom. Heute spielen weltweit über 100 Millionen Menschen regelmäßig online — auf Lichess, Chess.com und vielen anderen Plattformen.
Die genaue Reihenfolge der Weltmeister, ihre Spielstile und die berühmtesten Partien findest du auf der Seite Weltmeister & Legenden. Wer wissen will, wie die Vettern des Schachs in Japan und China aussehen, kann zur Seite Verwandte Spiele springen.