Seit 1886 gibt es den offiziellen Schach-Weltmeistertitel. Die siebzehn klassischen Weltmeister haben das Spiel jeweils auf ihre Art geprägt.
Die Geschichte des Weltmeistertitels lässt sich grob in fünf Epochen gliedern: die klassische Ära bis zum Ersten Weltkrieg, die Hypermoderne der 1920er, die Sowjet-Ära nach 1948, das FIDE-Schisma der 1990er und die moderne Ära mit Carlsen. Insgesamt gab es bisher 17 unbestrittene Champions.

Begründer der modernen Stellungslehre. Stellte Prinzipien auf: Wer einen Vorteil hat, muss angreifen — wer nicht, soll verteidigen. Der erste „wissenschaftliche“ Spieler.

Mathematiker, Philosoph und der psychologisch geschickteste Spieler seiner Zeit. Spielte gerne Züge, die seinen jeweiligen Gegner besonders unangenehm fanden.

Genannt die „Schachmaschine von Havanna“. Verlor zwischen 1916 und 1924 keine einzige Partie. Sein Stil: einfache, klare Stellungen mit perfekter Endspieltechnik.

Berühmt für seinen kompromisslosen Angriffsstil und tiefste Kombinationen. Einziger Weltmeister, der mit dem Titel verstarb (Lissabon 1946).

Mathematik-Lehrer aus Amsterdam. Einziger niederländischer Weltmeister; verlor den Titel im Rückkampf an Aljechin, blieb aber ein einflussreicher FIDE-Funktionär.

„Patriarch“ der Sowjetschule. Elektroingenieur und Begründer einer Schachakademie, aus der Karpow und Kasparow hervorgingen. Bekannt für seine wissenschaftliche Vorbereitung.

Spielte mit kristalliner Logik und besaß eine fast übersinnliche Endspieltechnik. Auch eine bemerkenswerte Opernstimme — er sang als Bariton.

Der „Magier von Riga“. Berüchtigt für wahnwitzige Opfer, oft gegen jede Logik — und die Gegner verloren trotzdem. Mit 23 Jahren der bis dahin jüngste Weltmeister.

Meister der Prophylaxe — er verhinderte gegnerische Pläne, bevor sie überhaupt entstanden. Schwer zu schlagen, weil er kaum Partien verlor.

Universalspieler — kombinatorisch wie strategisch gleichermaßen stark. Verlor 1972 in Reykjavík das berühmteste Match der Schachgeschichte gegen Bobby Fischer.

Genie und Exzentriker. Sein WM-Sieg 1972 in Reykjavík beendete die sowjetische Vorherrschaft. Zog sich danach zurück und verlor 1975 den Titel kampflos.

Positionsspieler par excellence. Bekannt dafür, kleinste Vorteile in Siege zu verwandeln. Dominierte die späten 70er und frühen 80er Jahre.

Vielleicht der stärkste Spieler aller Zeiten — 15 Jahre lang die Nummer 1. Gewann fünf WM-Matches gegen Karpow. Verlor 1997 den berühmten Match gegen Deep Blue.

Beendete Kasparows Ära mit einer perfekten Vorbereitung der „Berliner Verteidigung“. Vereinigte 2006 die durch das FIDE-Schisma getrennten Titellinien.

Erster asiatischer Weltmeister — und maßgeblich verantwortlich für den Schachboom in Indien (heute eine der stärksten Schachnationen). Universeller Stil, schnelles Berechnen.

Höchste Elo-Zahl aller Zeiten (2882). Quetscht aus scheinbar ausgeglichenen Stellungen Siege heraus. Gab 2023 den Titel freiwillig auf, weil er „die Motivation für klassische WM-Matches verloren“ hatte.

Erster chinesischer Schachweltmeister. Gewann das Match gegen Nepomnjaschtschi 2023 nach einem dramatischen Stichkampf.

Mit 18 Jahren der jüngste Weltmeister der Geschichte. Schlug Ding Liren in Singapur — die nächste Generation übernimmt.

Die erste Frauen-Weltmeisterin überhaupt. Verteidigte ihren Titel sieben Mal und spielte regelmäßig in offenen Turnieren — gegen Capablanca, Aljechin, Euwe. Kam 1944 bei einem deutschen Bombenangriff in London ums Leben.

Aus Georgien — 16 Jahre Weltmeisterin, erste Frau, die 1978 den Großmeister-Titel (im offenen Schach) erhielt. Inspiration für die Hauptfigur in „The Queen's Gambit“.

Die stärkste Schachspielerin aller Zeiten. Erreichte 2005 Platz 8 der Weltrangliste — bis heute einzige Frau in der absoluten Weltspitze. Schlug Kasparow, Karpow, Anand und Carlsen. Nahm nie an der Frauen-WM teil — sie wollte mit den Männern spielen.

Judits ältere Schwester. Erste Frau, die alle drei Männer-Titel (CM, IM, GM) auf konventionellem Weg erspielte. Heute Trainerin und Schach-Aktivistin in den USA.

Mit 16 Jahren jüngste Frauen-Weltmeisterin der Geschichte. Höchste Elo: 2686 — Top 60 der Welt insgesamt. Heute Mathematik-Professorin in Shenzhen und nur noch selten am Brett.

Aktuelle Frauen-Weltmeisterin. Hat ihren Titel viermal in Folge verteidigt. Bekannt für ihren ausgewogenen, technischen Stil — sie macht selten Fehler.
Warum gibt es eine eigene Frauen-WM? Historisch waren in den meisten Schachvereinen kaum Frauen aktiv (in Deutschland heute etwa 7 % der DSB-Mitglieder). Die separate Frauen-WM und die Titel Woman Grandmaster (WGM) und Woman International Master (WIM) sollen Förderung und Sichtbarkeit schaffen. Frauen können aber auch die offenen Titel (GM, IM) erspielen und an offenen Weltmeisterschaften teilnehmen — wie Judit Polgár es tat.
So unterschiedlich die Persönlichkeiten waren — alle Weltmeister hatten drei Dinge gemeinsam: enorme Berechnungskraft, ein tiefes Stellungsverständnis und vor allem die Fähigkeit, am Brett fokussiert zu bleiben, oft fünf Stunden lang ohne Pause. Karpow und Carlsen sagten beide einmal sinngemäß: „Schach ist 99 % Konzentration.“