Aus dem indischen Chaturanga entwickelten sich vor über 1000 Jahren mehrere Spiele, die sich in unterschiedliche Richtungen bewegten — die wichtigsten lebenden Verwandten des modernen Schachs.
Während sich das Spiel in Europa zum heutigen Schach entwickelte, gingen es in China, Japan und Südostasien ganz andere Wege. Manche Verwandte sind Schach erstaunlich ähnlich — andere wirken auf den ersten Blick wie ein anderes Spiel, teilen aber dieselben Wurzeln.
Wahrscheinlich der älteste lebende Verwandte des Schachs. Gespielt wird auf einem Brett mit 9×10 Linien — die Figuren stehen auf den Schnittpunkten, nicht in den Feldern. Quer durch die Brettmitte läuft ein „Fluss“, den manche Figuren nicht überqueren dürfen.
Der König (genannt „General“) darf sein Palast-Quadrat (3×3 Felder) nie verlassen. Es gibt Kanonen, die nur schlagen können, wenn eine andere Figur als „Bock“ dazwischen steht — eine einzigartige Mechanik, die es im Schach nicht gibt.
Shōgi wird auf 9×9 Feldern gespielt. Die wichtigste Besonderheit: Geschlagene Figuren wechseln die Seite — du kannst sie später als eigene Figuren auf dem Brett wieder einsetzen („Drops“). Dadurch enden Partien fast nie ohne Matt — Patt-Stellungen sind extrem selten.
Die meisten Figuren können sich auf der gegnerischen Hälfte „befördern“ und werden dann stärker (zum Beispiel werden Bauern zu Goldgeneralen). Shōgi ist taktisch oft komplexer als Schach, gerade weil es kaum Tausch-Vereinfachungen gibt.
Makruk ist dem ursprünglichen Schatrandsch sehr nah geblieben. Brett: 8×8 wie unser Schach, allerdings einfarbig (keine schwarz-weißen Felder). Die Bauern starten auf der dritten Reihe statt der zweiten, die „Königin“ zieht nur ein Feld diagonal — wie im mittelalterlichen Europa.
Magnus Carlsen sagte einmal, Makruk sei „ein faszinierendes Spiel mit eigener Tiefe“. Ohne starke Damen werden die Partien viel langsamer und endspielbetonter als modernes Schach.
In Myanmar (Burma) gespielt, mit einer faszinierenden Eröffnungsphase: Beide Spieler stellen ihre Figuren verdeckt nacheinander auf, bevor die eigentliche Partie beginnt. Das macht jedes Spiel zu einer kleinen Strategie-Studie schon vor dem ersten Zug.
Aus dem indischen Chaturanga entstanden die wichtigsten Familien:
Alle diese Spiele teilen also denselben Stammvater. Wer gut Schach spielt, kann mit etwas Übung auch Xiàngqí oder Shōgi schnell verstehen — die Grundprinzipien (König schützen, Figuren entwickeln, Material zählen) sind universell.