Aufgabenblock — AFB III
Hier geht es nicht mehr ums Einsetzen, sondern ums Begründen, Vergleichen und Beurteilen — die Stufe AFB III (Verallgemeinern und Reflektieren). Formuliere deine Antworten schriftlich in ganzen Sätzen, bevor du die Musterlösung öffnest; genau das wird in der Klausur verlangt. Zu jeder Aufgabe gibt es zwei gestufte Tipps. Eine Aufgabe gilt als erledigt, sobald du die Musterlösung geöffnet und mit deiner Antwort verglichen hast.
Erkläre in 3–4 Sätzen, worin sich das Feldlinienbild eines Stabmagneten grundsätzlich von dem einer einzelnen positiven Ladung unterscheidet — und welche Aussage über magnetische Pole daraus folgt.
Hinweis: Achte darauf, wo Feldlinien anfangen und wo sie aufhören.
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Musterlösung: Elektrische Feldlinien sind Quellenlinien: Sie beginnen an einer positiven und enden an einer negativen Ladung, und eine positive Ladung kann für sich allein existieren. Magnetische Feldlinien dagegen sind immer geschlossen — außerhalb des Magneten laufen sie vom Nord- zum Südpol, innerhalb des Magneten laufen sie weiter zum Nordpol zurück. Eine geschlossene Linie hat weder Anfang noch Ende, also gibt es auch keinen Punkt, an dem „magnetische Ladung“ säße. Daraus folgt: es gibt keine magnetischen Monopole — zerbricht man einen Stabmagneten, erhält man zwei vollständige Magnete mit je einem Nord- und einem Südpol.
Ein Elektron fliegt in ein homogenes Magnetfeld. Begründe, warum sich seine Geschwindigkeit dem Betrag nach nicht ändert, obwohl ständig eine Kraft auf es wirkt.
Hinweis: Denke daran, in welche Richtung die Lorentzkraft immer zeigt.
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Musterlösung: Die Lorentzkraft steht nach der Drei-Finger-Regel immer senkrecht auf der Geschwindigkeit. Arbeit wird aber nur von der Kraftkomponente längs des Weges verrichtet; steht die Kraft senkrecht zum Weg, ist die verrichtete Arbeit null. Damit bleibt die kinetische Energie ½mv² und folglich der Betrag der Geschwindigkeit unverändert. Was sich ändert, ist ausschließlich die Richtung von v — und weil die Kraft dabei immer senkrecht mitdreht, ergibt sich eine gleichförmige Kreisbewegung.
Zeige rechnerisch, dass die Umlaufzeit T eines geladenen Teilchens im homogenen Magnetfeld unabhängig von seiner Geschwindigkeit ist, und erkläre anschaulich, warum das plausibel ist.
Hinweis: Starte bei T = 2πr / v und setze den Radius ein.
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Musterlösung: Für eine Kreisbewegung gilt T = 2π·r / v. Aus dem Kräftegleichgewicht q·v·B = m·v²/r folgt r = m·v / (q·B). Einsetzen liefert T = 2π·m·v / (q·B·v) = 2π·m / (q·B) — die Geschwindigkeit kürzt sich vollständig heraus. Anschaulich heißt das: Verdoppelt man v, so verdoppelt sich auch der Radius und damit der Umfang der Bahn; das Teilchen legt die doppelte Strecke mit doppeltem Tempo zurück und braucht dafür genau gleich lange. T hängt also nur von der spezifischen Ladung q/m und von B ab — deshalb laufen alle Elektronen in einem gegebenen Feld synchron um.
Im Wien-Filter gilt v = E/B. In dieser Bedingung kommen weder die Ladung q noch die Masse m vor. Beurteile, was das für den Einsatz des Filters bedeutet — und was er im Gegensatz dazu nicht leisten kann.
Hinweis: Schau dir an, wo q in den beiden Kraftformeln steht.
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Musterlösung: Setzt man die elektrische Kraft q·E und die Lorentzkraft q·v·B gleich, steht q auf beiden Seiten und kürzt sich heraus; die Masse kommt in keiner der beiden Kräfte vor. Übrig bleibt die reine Bedingung v = E/B. Für den Einsatz bedeutet das: Der Filter lässt jedes geladene Teilchen unabgelenkt durch, das genau diese Geschwindigkeit hat — gleichgültig ob Elektron, Proton oder mehrfach geladenes Ion. Er liefert also einen Strahl mit scharf definierter Geschwindigkeit. Was er dagegen nicht kann: nach Masse oder Ladung sortieren. Genau deshalb ist er im Massenspektrometer nur die Vorstufe; die eigentliche Trennung übernimmt danach die Kreisbahn im Magnetfeld, denn dort gilt r = m·v/(q·B) — und dort steht m sehr wohl in der Formel.
Eine Schülerin rechnet die Flussdichte im Abstand r = 4,0 cm von einem Leiter mit I = 6,0 A aus und schreibt:
B = 2·10−7 · 6,0 / 4,0 = 3,0·10−7 T
Finde den Fehler, benenne ihn und gib den korrekten Wert in Mikrotesla an.
Hinweis: Vergleiche die Einheit, in der r in der Formel stehen muss, mit der Einheit im Text.
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Musterlösung: Der Fehler ist ein reiner Einheitenfehler: In B = µ0·I/(2π·r) muss der Abstand in Metern eingesetzt werden, weil µ0 die Einheit T·m/A trägt. Statt r = 4,0 cm gehört r = 0,040 m in die Formel. Korrekt gilt B = 2·10−7 · 6,0 / 0,040 = 3,0·10−5 T = 30 µT. Der falsche Wert ist genau um den Faktor 100 zu klein — dieselbe Zehnerpotenz, um die Meter und Zentimeter auseinanderliegen. Eine schnelle Plausibilitätsprüfung hilft: 30 µT liegen in der Größenordnung des Erdfeldes (50 µT), 3·10−7 T wären dagegen unrealistisch winzig.
Ein Leiter (l = 20 cm) liegt unter α = 30° zu den Feldlinien in einem Feld mit B = 0,40 T; es fließen I = 2,5 A. Ein Schüler notiert F = 0,40 · 2,5 · 0,20 = 0,20 N.
Beurteile die Rechnung und gib den korrekten Kraftbetrag an.
Hinweis: Unter welcher Bedingung darf man F = B·I·l ohne weiteren Faktor benutzen?
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Musterlösung: Die Kurzform F = B·I·l ist ein Sonderfall der vollständigen Beziehung F = B·I·l·sin α und gilt nur, wenn der Leiter senkrecht zu den Feldlinien liegt. Hier ist α = 30°, dieser Wert taucht in der Rechnung aber gar nicht auf — ein klares Warnsignal. Richtig ist F = 0,40 · 2,5 · 0,20 · sin 30° = 0,20 N · 0,5 = 0,10 N. Der Schüler hat die Kraft also um den Faktor 2 überschätzt. Merksatz für die Klausur: Steht in der Aufgabe ein Winkel, muss er auch in der Rechnung stehen — und im Grenzfall α = 0° (Leiter parallel zum Feld) muss die Formel null liefern, was die Kurzform nicht tut.
An einer langen Luftspule wird der Strom verdoppelt und gleichzeitig die Windungszahl halbiert (die Länge bleibt gleich).
Begründe, wie sich die Flussdichte im Inneren ändert, und gib den Faktor an, um den sich B ändert.
Hinweis: Schau dir an, wie N und I in der Formel zusammen auftreten.
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Musterlösung: In der Spulenformel B = µ0·µr·(N/l)·I treten Windungszahl und Stromstärke ausschließlich als Produkt N·I auf. Ersetzt man N durch N/2 und I durch 2·I, ergibt sich (N/2)·(2·I) = N·I — das Produkt ist unverändert, also bleibt auch B gleich; der gesuchte Faktor ist 1. Für die Praxis heißt das: Man kann dasselbe Feld mit wenigen Windungen und viel Strom oder mit vielen Windungen und wenig Strom erzeugen. Unterschiedlich ist dabei nur, was die Formel nicht beschreibt — vor allem die Wärmeentwicklung im Draht, die mit I² wächst. Deshalb baut man Elektromagnete lieber mit vielen Windungen als mit hohem Strom.
Hallsonden werden aus sehr dünnen Halbleiterplättchen gebaut und nicht aus einem dicken Metallstück. Beurteile anhand der Formel, warum das sinnvoll ist.
Hinweis: Welche Größen stehen im Nenner der Formel für die Hallspannung?
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Musterlösung: Für die Hallspannung gilt UH = B·I / (n·q·d). Sowohl die Ladungsträgerdichte n als auch die Dicke d stehen im Nenner: Je kleiner beide sind, desto größer wird bei gleichem B und I die gemessene Spannung. Halbleiter haben eine erheblich geringere Ladungsträgerdichte als Metalle — bei gleichem Strom müssen sich dort also viel weniger Ladungsträger viel schneller bewegen, wodurch die seitliche Ladungstrennung deutlich stärker ausfällt. Ein dünnes Plättchen verstärkt den Effekt zusätzlich. Beurteilung: Beides zusammen macht aus einem an sich winzigen Effekt ein bequem messbares Signal. Da UH außerdem proportional zu B ist, lässt sich die Sonde einmal eichen und danach als direkt ablesbares B-Messgerät verwenden.
Im reinen elektrischen Querfeld werden langsame Teilchen stärker abgelenkt als schnelle. Im Wien-Filter dagegen fliegt genau eine Geschwindigkeit gerade durch.
Vergleiche beide Anordnungen und begründe, warum nur der Wien-Filter geschwindigkeitsselektiv ist.
Hinweis: Vergleiche, wie die beiden Kräfte von v abhängen.
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Musterlösung: Im reinen elektrischen Querfeld wirkt nur die Kraft F = q·E. Sie ist unabhängig von der Geschwindigkeit; die Ablenkung y = ½·a·(l/v0)² fällt für schnelle Teilchen nur deshalb kleiner aus, weil sie kürzer im Feld sind. Abgelenkt wird aber jedes Teilchen — die Anordnung sortiert nicht, sie fächert nur auf. Im Wien-Filter kommt die Lorentzkraft q·v·B hinzu, die der elektrischen Kraft entgegengerichtet ist und mit v wächst. Damit gibt es genau eine Geschwindigkeit, bei der sich beide Kräfte exakt aufheben: v = E/B. Ist das Teilchen langsamer, überwiegt q·E, ist es schneller, überwiegt q·v·B — in beiden Fällen wird es abgelenkt und trifft nicht auf den Spalt. Entscheidend für die Selektivität ist also, dass sich eine geschwindigkeitsunabhängige und eine geschwindigkeitsabhängige Kraft gegenüberstehen.
Drei Situationen in einem homogenen Magnetfeld:
(1) Ein Elektron ruht im Feld. (2) Ein Elektron fliegt genau parallel zu den Feldlinien. (3) Ein ungeladenes Neutron fliegt senkrecht durch das Feld.
Entscheide für jede Situation, ob eine magnetische Kraft wirkt, und begründe jeweils mit der Formel.
Hinweis: Alle drei Fälle lassen sich an F = q·v·B·sin α ablesen.
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Musterlösung: Alle drei Fälle folgen aus F = q·v·B·sin α, weil ein Produkt bereits verschwindet, sobald ein einziger Faktor null ist. (1) Das ruhende Elektron hat v = 0 — das Magnetfeld wirkt nur auf bewegte Ladungen, also F = 0. (Im elektrischen Feld wäre das anders: q·E wirkt auch auf ruhende Ladungen.) (2) Fliegt das Elektron parallel zu B, ist α = 0° und damit sin α = 0, also ebenfalls F = 0; es fliegt geradlinig weiter. (3) Das Neutron trägt keine Ladung, q = 0, also auch F = 0 — es durchquert das Feld völlig unbeeinflusst. Die drei Fälle zeigen zusammen die Bedingungen, unter denen die Lorentzkraft überhaupt auftritt: Es braucht eine Ladung, eine Bewegung und eine Richtungskomponente senkrecht zum Feld.
Wie war es?
Wie gut konntest du deine Antworten ohne die Musterlösung formulieren?
