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Textaufgaben im Abiturformat

5.3.1 Funktionsweise des Projektors

Zwei Aufgaben im Abiturformat — mit Operatoren-Erklärung, gestuften Hinweisen und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Der Beamer im Klassenraum

AFB II

Ein Projektor wirft das Bild einer Vorlage auf eine Leinwand. Die Vorlage ist 3,0 cm breit, das Bild auf der Leinwand 1,50 m. Die Leinwand steht 4,00 m vom Objektiv entfernt.

M1Angaben
GrößeWert
Breite der Vorlage G3,0 cm
Breite des Bildes B1,50 m
Bildweite b4,00 m
  1. Berechnen Sie den Abbildungsmaßstab.
  2. Bestimmen Sie daraus die Gegenstandsweite und die Brennweite des Objektivs.
  3. Erklären Sie, warum die Vorlage auf dem Kopf in den Projektor eingelegt werden muss.
Hinweis zu Aufgabe a)
β = B : G — beide Größen in derselben Einheit.
Hinweis zu Aufgabe b)
Aus β = b : g folgt g = b : β. Danach die Linsengleichung anwenden.„Bestimmen“ verlangt den Rechenweg, nicht nur das Ergebnis.
Hinweis zu Aufgabe c)
Welche Bildart entsteht bei f < g < 2f, und was folgt daraus für die Orientierung?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

β = B : G = 150 cm : 3,0 cm = 50

Das Bild ist also 50-mal so groß wie die Vorlage.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

g = b : β = 400 cm : 50 = 8,0 cm

1 : f = 1 : 8,0 cm + 1 : 400 cm = 50 : 400 cm + 1 : 400 cm = 51 : 400 cm

f = 400 : 51 cm ≈ 7,8 cm

Die Vorlage steht damit nur 0,2 cm außerhalb der Brennweite — ein sehr enger Bereich, und genau daher rührt die starke Vergrößerung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mit f ≈ 7,8 cm und g = 8,0 cm liegt der Aufbau im Bereich f < g < 2f. Dort entsteht ein reelles, vergrößertes und umgekehrtes Bild.

Umgekehrt heißt: Oben und unten sowie links und rechts sind vertauscht, weil sich die Strahlen hinter der Linse kreuzen. Damit das Bild auf der Leinwand richtig herum erscheint, muss die Vorlage bereits verkehrt eingelegt werden — das Gerät dreht sie dann zurück.

Anders gesagt: Nicht der Projektor stellt das Bild auf den Kopf, sondern jede Abbildung durch eine Sammellinse tut das. Die Einlegevorschrift gleicht diesen unvermeidlichen Effekt aus.

2

Ein größeres Bild

AFB III

Der Projektor aus Aufgabe 1 (f ≈ 7,8 cm) soll ein doppelt so breites Bild liefern.

M1Zwei Vorschläge
VorschlagMaßnahme
V1Die Leinwand wird auf 8,00 m Entfernung gerückt und neu scharfgestellt.
V2Ein Objektiv mit doppelter Brennweite wird eingesetzt, die Leinwand bleibt bei 4,00 m.
  1. Berechnen Sie für Vorschlag V1 die neue Gegenstandsweite und den neuen Abbildungsmaßstab.
  2. Überprüfen Sie, ob Vorschlag V2 zum Ziel führt.
  3. Vergleichen Sie die beiden Vorschläge und berücksichtigen Sie dabei auch die Helligkeit des Bildes.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erst b = 8,00 m in die Linsengleichung einsetzen, dann β = b : g bilden.
Hinweis zu Aufgabe b)
Berechnen Sie mit f = 15,6 cm und b = 4,00 m die Gegenstandsweite — und prüfen Sie, ob sie sinnvoll ist.
Hinweis zu Aufgabe c)
Die Lichtmenge, die durch das Objektiv fällt, bleibt gleich. Auf welche Fläche verteilt sie sich?„Vergleichen“ verlangt Gemeinsamkeiten und Unterschiede, gewichtet.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

1 : g = 1 : f − 1 : b = 1 : 7,8 cm − 1 : 800 cm

1 : g = 0,12821 : cm − 0,00125 : cm = 0,12696 : cm, also g ≈ 7,88 cm

β = b : g = 800 : 7,88 ≈ 102

Das Bild wird also gut doppelt so breit: rund 3,0 m statt 1,50 m. Die Vorlage muss dazu nur um etwa 1 mm näher an den Brennpunkt rücken.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Mit f = 15,6 cm und b = 400 cm ergibt sich

1 : g = 1 : 15,6 cm − 1 : 400 cm = 0,06410 : cm − 0,00250 : cm = 0,06160 : cm, also g ≈ 16,2 cm.

β = 400 : 16,2 ≈ 24,7 — das Bild wäre nur noch etwa 0,74 m breit, also nur halb so groß wie vorher.

Vorschlag V2 führt damit nicht zum Ziel, sondern bewirkt das Gegenteil. Der Grund: Bei fester Bildweite ist β ungefähr b : f − 1; eine größere Brennweite verkleinert den Maßstab. Ein größeres Bild bei gleichem Abstand verlangt umgekehrt eine kleinere Brennweite.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Gemeinsam ist beiden Vorschlägen, dass sie die Bildgröße über den Abbildungsmaßstab β = b : g steuern wollen und dass die Vorlage in beiden Fällen dicht an der Brennweite bleibt.

Unterschied: V1 erreicht das Ziel, V2 verfehlt es und müsste in „Objektiv mit halber Brennweite“ geändert werden. Mit f ≈ 3,9 cm und b = 400 cm käme man auf β ≈ 101 — dasselbe Ergebnis wie V1, ohne die Leinwand zu verschieben.

Helligkeit: Beide Wege haben denselben Preis. Durch das Objektiv fällt unverändert viel Licht, es verteilt sich aber auf die vierfache Fläche, denn bei doppelter Breite ist auch die Höhe doppelt so groß. Das Bild wird also auf ein Viertel der ursprünglichen Beleuchtungsstärke abfallen und wirkt deutlich blasser.

Fazit: V1 ist ohne zusätzliche Ausrüstung umsetzbar und deshalb vorzuziehen; V2 in der vorgeschlagenen Form ist falsch. In beiden Fällen muss man für ein doppelt so breites Bild einen dunkleren Raum oder einen lichtstärkeren Projektor in Kauf nehmen.