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Textaufgaben im Abiturformat

5.2.3 Die Linsengleichung — Herleitung und Anwendung

Zwei Aufgaben im Abiturformat — mit Operatoren-Erklärung, gestuften Hinweisen und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Drei Aufbauten rechnerisch erfassen

AFB II

Mit einer Sammellinse werden drei Aufbauten untersucht. In jedem fehlt genau eine Größe.

M1Messwerte
Aufbauf in cmg in cmb in cm
I12,036,0?
II?60,020,0
III8,0?24,0

Alle Größen beziehen sich auf dieselbe Dünne-Linsen-Näherung.

  1. Nennen Sie die Linsengleichung an und stellen Sie sie nach der Bildweite b um.
  2. Berechnen Sie die drei fehlenden Werte.
  3. Geben Sie für Aufbau III, in welchem Bereich der Fallübersicht der Gegenstand steht und welche Eigenschaften das Bild hat.
Hinweis zu Aufgabe a)
Kehrwerte auf einen gemeinsamen Nenner bringen, dann den Kehrwert des Ergebnisses bilden.
Hinweis zu Aufgabe b)
Rechnen Sie in jeder Zeile mit Kehrwerten und bilden Sie erst ganz am Schluss den Kehrwert zurück.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Zwischenschritt und Ergebnis mit Einheit.
Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie das berechnete g mit f und 2f.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Linsengleichung lautet 1 : f = 1 : g + 1 : b.

Umstellen: 1 : b = 1 : f − 1 : g = (g − f) : (g · f), also b = g · f : (g − f).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Aufbau I: b = 36,0 · 12,0 : (36,0 − 12,0) cm = 432 : 24 cm = 18,0 cm

Aufbau II: 1 : f = 1 : 60,0 + 1 : 20,0 = 1 : 60,0 + 3 : 60,0 = 4 : 60,0, also f = 60,0 : 4 cm = 15,0 cm

Aufbau III: 1 : g = 1 : 8,0 − 1 : 24,0 = 3 : 24,0 − 1 : 24,0 = 2 : 24,0, also g = 24,0 : 2 cm = 12,0 cm

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mit f = 8,0 cm ist 2f = 16,0 cm. Der Gegenstand steht bei g = 12,0 cm also im Bereich f < g < 2f.

Das Bild ist damit reell, umgekehrt und vergrößert; der Abbildungsmaßstab beträgt β = 24,0 : 12,0 = 2,0. Passend dazu liegt die Bildweite mit 24,0 cm oberhalb von 2f — das ist der Projektorfall.

2

Der kleinste Abstand zwischen Gegenstand und Bild

AFB III

Auf einer optischen Bank sollen Gegenstand und Schirm so aufgestellt werden, dass ein scharfes Bild entsteht. Eine Gruppe stellt fest, dass es einen kleinsten möglichen Abstand zwischen beiden gibt.

M1Messreihe mit f = 10,0 cm
g in cmb in cmAbstand g + b
50,012,5 cm62,5 cm
30,015,0 cm45,0 cm
20,020,0 cm40,0 cm
15,030,0 cm45,0 cm
12,550,0 cm62,5 cm
  1. Beschreiben Sie die Messreihe und geben Sie, bei welcher Gegenstandsweite der Abstand am kleinsten wird.
  2. Überprüfen Sie rechnerisch, dass der kleinste Abstand 4f beträgt.
  3. Beurteilen Sie, was daraus für einen Aufbau folgt, bei dem Gegenstand und Schirm nur 30 cm auseinander stehen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Achten Sie auf die Symmetrie der Tabelle: Welche Zeilen gehören paarweise zusammen?
Hinweis zu Aufgabe b)
Setzen Sie g = 2f und b = 2f in die Linsengleichung ein und prüfen Sie, ob sie erfüllt ist. Zeigen Sie dann, dass jede andere Wahl einen größeren Abstand ergibt — die Tabelle liefert die Belege.
Hinweis zu Aufgabe c)
Vergleichen Sie 30 cm mit dem kleinsten möglichen Abstand für diese Linse.„Beurteilen“ verlangt ein begründetes Urteil, hier mit Konsequenz für die Praxis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Abstand g + b nimmt von 62,5 cm zunächst auf 40,0 cm ab und steigt danach wieder auf 62,5 cm an. Er hat also ein Minimum.

Am kleinsten ist er bei g = 20,0 cm = 2f; dort ist auch b = 20,0 cm, und der Abstand beträgt 40,0 cm = 4f.

Auffällig ist die Symmetrie: Die Zeilen 1 und 5 sowie 2 und 4 sind vertauschte Paare aus g und b. Das ist kein Zufall, sondern folgt daraus, dass die Linsengleichung in g und b symmetrisch ist — der Lichtweg ist umkehrbar.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Nachweis, dass g = b = 2f die Gleichung erfüllt:

1 : g + 1 : b = 1 : 2f + 1 : 2f = 2 : 2f = 1 : f  ✓

Der Abstand beträgt dort g + b = 2f + 2f = 4f, mit f = 10,0 cm also 40,0 cm — genau der gemessene Wert.

Dass es sich um das Minimum handelt, zeigt die Tabelle bereits: Jede Abweichung von 2f nach oben oder nach unten vergrößert den Abstand, wegen der Symmetrie sogar gleich stark.

Allgemein: Mit b = g · f : (g − f) ist der Abstand S = g + b = g + g · f : (g − f) = g2 : (g − f). Setzt man u = g − f, so wird S = (u + f)2 : u = u + 2f + f2 : u.

Die beiden veränderlichen Summanden u und f2 : u haben das feste Produkt f2. Ihre Summe ist deshalb am kleinsten, wenn beide gleich sind, also für u = f — und dann ist S = f + 2f + f = 4f, erreicht bei g = u + f = 2f.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Mit dieser Linse ist bei 30 cm Abstand kein scharfes Bild möglich.

Begründung: Der kleinstmögliche Abstand beträgt 4f = 40,0 cm. Ein geforderter Abstand von 30 cm liegt darunter; für ihn gibt es keine Lösung der Linsengleichung mit positivem g und b. Man kann den Schirm beliebig verschieben — es bleibt unscharf.

Konsequenz für die Praxis: Man braucht eine Linse mit kleinerer Brennweite. Verlangt sind 4f ≤ 30 cm, also f ≤ 7,5 cm. Umgekehrt gilt: Wer den Abstand zwischen Gegenstand und Schirm kennt, kann daraus sofort die größte brauchbare Brennweite ablesen — ein nützlicher Test beim Aufbau von Projektionen.