MINT lernen

Textaufgaben im Abiturformat

5.1.1 Bildentstehung an Sammellinsen

Zwei Aufgaben im Abiturformat — mit Operatoren-Erklärung, gestuften Hinweisen und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Das Bild auf dem Schirm

AFB II

Auf einer optischen Bank steht ein beleuchtetes L-förmiges Loch (der „Gegenstand“), dahinter eine Sammellinse und dahinter ein verschiebbarer Schirm. Bei einer bestimmten Schirmstellung erscheint ein scharfes Bild.

M1Beobachtungen der Schülergruppe

B1: Wird der Schirm aus der scharfen Stellung heraus verschoben, wird das Bild unscharf, verschwindet aber nicht.

B2: Wird die obere Hälfte der Linse mit Pappe abgedeckt, bleibt das Bild vollständig, wird aber merklich dunkler.

B3: Das scharfe Bild steht auf dem Kopf und ist seitenverkehrt.

  1. Beschreiben Sie, wie aus einem Punkt des Gegenstands ein Punkt des Bildes wird.
  2. Erklären Sie die Beobachtung B1.
  3. Ein Mitschüler sagt: „Wenn die halbe Linse abgedeckt ist, muss auch das halbe Bild fehlen.“ Widerlegen Sie diese Aussage mit Hilfe von B2.
Hinweis zu Aufgabe a)
Gehen Sie von einem einzelnen leuchtenden Punkt aus und verfolgen Sie das ganze Bündel, nicht nur einen Strahl.
Hinweis zu Aufgabe b)
Überlegen Sie, was auf dem Schirm zu sehen ist, wenn er vor oder hinter dem Ort der Vereinigungspunkte steht.
Hinweis zu Aufgabe c)
Ein Gegenargument genügt: Wie viele Strahlen erzeugen einen einzelnen Bildpunkt?„Widerlegen“ heißt: die Unrichtigkeit nachweisen, nicht nur „stimmt nicht“ sagen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Von jedem Punkt des beleuchteten Gegenstands geht Licht in alle Richtungen ab. Ein Teil dieses divergenten Bündels fällt auf die Öffnung der Linse.

Die Linse bricht die Randstrahlen stärker als die achsennahen und führt dadurch alle Strahlen des Bündels hinter der Linse wieder in einem einzigen Punkt zusammen — dem Bildpunkt. Weil das für jeden Gegenstandspunkt gilt, entsteht Punkt für Punkt ein vollständiges Bild.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Scharf ist das Bild nur in der Ebene, in der die Bündel ihre Vereinigungspunkte haben (der Bildebene).

Steht der Schirm davor oder dahinter, trifft er die Bündel in einem Zustand, in dem sie noch zusammenlaufen beziehungsweise schon wieder auseinanderlaufen. Statt eines Punktes entsteht dort ein Unschärfefleck. Die Flecken benachbarter Bildpunkte überlappen, und das Bild wirkt verwaschen — es verschwindet aber nicht, weil das Licht ja weiterhin ankommt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Aussage ist falsch. Sie unterstellt, dass jede Linsenhälfte für eine Bildhälfte zuständig sei. Tatsächlich trägt die gesamte Linsenfläche zu jedem einzelnen Bildpunkt bei: Jeder Bildpunkt entsteht aus einem Bündel, das die ganze Öffnung ausfüllt.

Deckt man die Hälfte ab, so fehlt aus jedem dieser Bündel die Hälfte der Strahlen. Jeder Bildpunkt entsteht also weiterhin am selben Ort, bekommt aber nur noch halb so viel Licht. Genau das beschreibt Beobachtung B2: vollständiges Bild, aber dunkler.

2

Wenn das Licht knapp wird

AFB III

Eine Kamera bildet ein Motiv über eine Linse mit 40 mm nutzbarem Öffnungsdurchmesser ab. Für eine Aufnahme mit größerer Schärfentiefe wird die Öffnung auf 20 mm verkleinert.

M1Einstellungen
AufnahmeÖffnungsdurchmesserBelichtungszeit
I40 mm1/250 s
II20 mm?

Beide Aufnahmen sollen gleich hell werden.

  1. Geben Sie an, um welchen Faktor sich die Fläche der Öffnung ändert.
  2. Bestimmen Sie die Belichtungszeit für Aufnahme II.
  3. Überprüfen Sie, ob sich durch das Abblenden auch die Größe oder die Lage des Bildes ändert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Lichtmenge hängt nicht vom Durchmesser ab, sondern von der Kreisfläche A = π · (d : 2)2.
Hinweis zu Aufgabe b)
Halb so viel Licht pro Zeit verlangt die entsprechend längere Zeit.
Hinweis zu Aufgabe c)
Überlegen Sie, welche Größen in die Linsengleichung und in den Abbildungsmaßstab eingehen — und ob der Öffnungsdurchmesser darunter ist.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Durchmesser wird halbiert, die Fläche geht deshalb auf ein Viertel zurück: A ist proportional zu d2, und (1/2)2 = 1/4.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Bei einem Viertel der Fläche fällt pro Sekunde nur noch ein Viertel der Lichtmenge auf den Sensor. Für die gleiche Gesamtlichtmenge muss die Belichtungszeit deshalb vervierfacht werden:

tII = 4 · 1/250 s = 4/250 s = 1/62,5 s, in der Praxis also die nächstliegende Stufe 1/60 s.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nein. Bildlage und Bildgröße hängen nach 1 : f = 1 : g + 1 : b und β = b : g nur von Brennweite, Gegenstandsweite und Bildweite ab. Der Öffnungsdurchmesser kommt in keiner der beiden Beziehungen vor.

Anschaulich: Die Blende nimmt aus jedem abbildenden Bündel nur Randstrahlen weg. Die verbleibenden Strahlen laufen unverändert weiter und treffen sich an genau derselben Stelle wie zuvor. Das Bild wird also weder größer noch kleiner und wandert nicht — es wird lediglich lichtschwächer.

Ein Nebeneffekt ist allerdings beobachtbar: Weil die Bündel schmaler werden, werden auch die Unschärfeflecken bei nicht exakt eingestellter Entfernung kleiner. Genau deshalb blendet man für mehr Schärfentiefe ab — und bezahlt es mit längerer Belichtungszeit.