MINT lernen

Übung AFB III

Zehn gemischte Aufgaben zum Beurteilen und Verallgemeinern: Funktionenscharen, Gegenbeispiele, Randextrema und der Vergleich zweier Lösungswege.

0 / 0 Aufgaben

Zehn gemischte Aufgaben auf Anforderungsbereich III: Hier wird beurteilt, verallgemeinert und widerlegt. Du arbeitest mit Parametern statt Zahlen, prüfst Behauptungen mit Gegenbeispielen, vergleichst zwei Lösungswege und begründest, warum ein Verfahren an einer Stelle versagt. Fünf Aufgaben sind interaktiv, fünf sind anspruchsvolle Textaufgaben im Klausurformat.

1

Kriterien beurteilen

A1Welches Kriterium trägt hier?AFB III
Fall: \(f(x)=x^{4}-4x^{3}\), Kandidatenstelle \(x_0=0\). Beantworte die Fragen nacheinander. Am Ende steht ein Verfahren — passt es zu diesem Fall?

    \(f'(x)=4x^{3}-12x^{2}=4x^{2}(x-3)\), also \(f'(0)=0\). \(f''(x)=12x^{2}-24x\) ist zwar leicht zu berechnen, aber \(f''(0)=0\) — das Kriterium liefert keine Entscheidung. Links und rechts von 0 ist \(4x^{2}>0\) und \(x-3<0\), also \(f'<0\) auf beiden Seiten: kein Vorzeichenwechsel, folglich ein Sattelpunkt \(S(0\mid 0)\).
    A2Eine ganze FunktionenscharAFB III

    Für jedes \(a>0\) ist eine Funktion \(f_a\) gegeben durch \(f_a(x)=x^{3}-3a^{2}x\).

    1. Bestimme in Abhängigkeit von \(a\) alle Extrempunkte von \(G_{f_a}\).
    2. Weise nach, dass der Wendepunkt für jedes \(a\) im Ursprung liegt.
    3. Untersuche, ob es ein \(a\) gibt, für das der Hochpunkt die Höhe \(16\) hat.
    4. Beurteile die Aussage: „Je größer \(a\), desto weiter liegen Hoch- und Tiefpunkt auseinander — und zwar in beide Richtungen.“
    Lösung anzeigen

    a) \(f_a'(x)=3x^{2}-3a^{2}=3\,(x-a)(x+a)\;\Rightarrow\;x=\pm a\).

    \(f_a''(x)=6x\): \(f_a''(-a)=-6a<0\) (wegen \(a>0\)) ⇒ Hochpunkt; \(f_a''(a)=6a>0\) ⇒ Tiefpunkt.

    \(f_a(-a)=-a^{3}+3a^{3}=2a^{3}\), \(f_a(a)=a^{3}-3a^{3}=-2a^{3}\).

    \(H(-a\mid 2a^{3})\) und \(T(a\mid -2a^{3})\)

    b) \(f_a''(x)=6x=0\Leftrightarrow x=0\), und \(f_a''\) wechselt dort das Vorzeichen. \(f_a(0)=0\) für jedes \(a\), also \(W(0\mid 0)\) — unabhängig vom Parameter.

    c) \(2a^{3}=16\Leftrightarrow a^{3}=8\Leftrightarrow a=2\). Da \(a=2>0\) zulässig ist, gibt es genau ein solches \(a\); der Hochpunkt lautet \(H(-2\mid 16)\).

    d) Die Aussage ist richtig, aber unpräzise formuliert. Der waagerechte Abstand beträgt \(2a\) und wächst linear, der senkrechte Abstand beträgt \(4a^{3}\) und wächst kubisch. Beide wachsen also mit \(a\), aber sehr unterschiedlich schnell: verdoppelt man \(a\), verdoppelt sich der waagerechte Abstand, der senkrechte verachtfacht sich.

    A3Sechs Zeilen, zwei FehlerAFB III
    Eine Schülerlösung zur Aufgabe „Zylinderdose mit \(1\;\text{Liter}\) Inhalt und minimaler Oberfläche“. Der Radius heißt hier \(x\), die Höhe \(h\). Klicke eine Zeile an, wenn du sie für falsch hältst — dann klappt ein Eingabefeld für den richtigen Term auf. Schreibweise z. B. 2*pi*x^2+2000/x.
    Zeile 3: Der Mantel ist \(2\pi x h\), nicht \(\pi x h\); mit \(h=\frac{1000}{\pi x^{2}}\) wird daraus \(\frac{2000}{x}\), nicht \(\frac{1000}{x}\). Zeile 6: Beim Ableiten von \(-2000x^{-2}\) entsteht \(+4000x^{-3}\), das Vorzeichen dreht sich also. \(O''(x)=4\pi+\frac{4000}{x^{3}}\) ist für \(x>0\) immer positiv — und genau deshalb ist die Stelle ein Minimum. Mit dem falschen Vorzeichen käme man auf ein Maximum, also auf die inhaltlich unsinnige Aussage, die Dose habe dort die größte Oberfläche.
    2

    Behauptungen prüfen und widerlegen

    A4Eine Merkregel aus dem InternetAFB III

    In einem Nachhilfeforum steht folgende Merkregel:

    „Wenn \(f''(x_0)=0\) ist, dann hat der Graph von \(f\) an der Stelle \(x_0\) einen Wendepunkt.“
    1. Widerlege die Behauptung mit einem Gegenbeispiel.
    2. Formuliere die Aussage so um, dass sie richtig wird, und begründe die Änderung.
    3. Nimm Stellung zu der Frage, ob die Umkehrung („Wenn \(G_f\) bei \(x_0\) einen Wendepunkt hat, dann ist \(f''(x_0)=0\)“) ebenfalls falsch ist.
    Lösung anzeigen

    a) Gegenbeispiel \(f(x)=x^{4}\) mit \(x_0=0\): \(f'(x)=4x^{3}\), \(f''(x)=12x^{2}\), also \(f''(0)=0\). Aber \(f''(x)=12x^{2}>0\) für alle \(x\neq 0\) — die Krümmung wechselt nicht, der Graph ist überall linksgekrümmt. Bei \(x_0=0\) liegt ein Tiefpunkt, kein Wendepunkt.

    b) Richtig ist: „Wenn \(f''(x_0)=0\) und \(f''\) an der Stelle \(x_0\) das Vorzeichen wechselt (gleichwertig: \(f'''(x_0)\neq 0\)), dann hat \(G_f\) bei \(x_0\) einen Wendepunkt.“

    Begründung: Ein Wendepunkt ist definiert als Wechsel der Krümmungsrichtung. Der Wechsel der Krümmung entspricht genau dem Vorzeichenwechsel von \(f''\) — die Nullstelle allein garantiert ihn nicht, so wie bei \(f'\) die Nullstelle noch keine Extremstelle garantiert.

    c) Die Umkehrung ist richtig (für zweimal differenzierbare Funktionen): Wechselt \(f''\) an der Stelle \(x_0\) das Vorzeichen und ist \(f''\) dort stetig, so muss \(f''(x_0)=0\) gelten.

    Struktur erkennen: Das Paar „\(f'=0\) notwendig / VZW hinreichend“ für Extremstellen wiederholt sich eine Stufe höher als „\(f''=0\) notwendig / VZW hinreichend“ für Wendestellen. Wer das eine verstanden hat, kann das andere herleiten.
    A5Was folgt aus \(f'(x_0)=0\)?AFB III
    Von einer differenzierbaren Funktion \(f\) ist nur bekannt: \(f'(x_0)=0\). Ordne jede Aussage einem Bereich zu — Karte anklicken, dann Bereich anklicken (Tastatur: Enter, dann 1–3).
    1 folgt zwingend
    2 kann sein, muss aber nicht
    3 ist unmöglich
    Aus \(f'(x_0)=0\) folgt nur die waagerechte Tangente — und damit gleichbedeutend, dass \(x_0\) Nullstelle von \(f'\) und ein Kandidat ist. Hoch-, Tief- oder Sattelpunkt sind alle möglich, ebenso \(f''(x_0)=0\). Ausgeschlossen ist dagegen alles, was der Steigung 0 widerspricht.
    A6Die optimale KonservendoseAFB III

    Eine zylindrische Konservendose soll genau \(1\;\text{Liter}=1000\;\text{cm}^{3}\) fassen. Für die Herstellung wird möglichst wenig Blech benötigt, das heißt: die Oberfläche \(O=2\pi r^{2}+2\pi r h\) soll minimal werden.

    1. Stelle die Zielfunktion \(O(r)\) auf und gib den Definitionsbereich an.
    2. Berechne Radius, Höhe und Oberfläche der optimalen Dose (auf zwei Nachkommastellen).
    3. Weise nach, dass für die optimale Dose stets \(h=2r\) gilt — unabhängig vom vorgegebenen Volumen.
    4. Beurteile, warum reale Konservendosen trotzdem meist schlanker gebaut werden.
    Lösung anzeigen

    a) Nebenbedingung \(\pi r^{2}h=1000\Rightarrow h=\dfrac{1000}{\pi r^{2}}\). Einsetzen:

    \(O(r)=2\pi r^{2}+\dfrac{2000}{r}\), \(\;r>0\)

    b) \(O'(r)=4\pi r-\dfrac{2000}{r^{2}}=0\;\Rightarrow\;r^{3}=\dfrac{500}{\pi}\approx 159{,}15\;\Rightarrow\;r\approx 5{,}42\;\text{cm}\).

    \(O''(r)=4\pi+\dfrac{4000}{r^{3}}>0\) für alle \(r>0\) ⇒ Minimum.

    \(h=\dfrac{1000}{\pi\cdot 5{,}42^{2}}\approx 10{,}84\;\text{cm}\), \(O\approx 553{,}58\;\text{cm}^{2}\).

    c) Allgemein mit Volumen \(V\): \(O(r)=2\pi r^{2}+\dfrac{2V}{r}\), \(O'(r)=4\pi r-\dfrac{2V}{r^{2}}=0\Rightarrow r^{3}=\dfrac{V}{2\pi}\).

    Damit \(h=\dfrac{V}{\pi r^{2}}=\dfrac{2\pi r^{3}}{\pi r^{2}}=2r\). Die optimale Dose ist also immer so hoch wie breit — ihr Achsenschnitt ist ein Quadrat.

    d) Das Modell minimiert nur die Blechfläche. In der Praxis kommen Faktoren dazu, die im Modell fehlen: Deckel und Boden brauchen dickeres Blech und einen Falz, schlanke Dosen stehen stabiler, sie passen besser ins Regal und in die Hand, und Transport wie Etikett folgen eigenen Normen. Das Ergebnis \(h=2r\) ist mathematisch korrekt, beantwortet aber nur die Frage, die das Modell stellt.

    3

    Vergleichen und Stellung nehmen

    A7Die Beurteilung zusammensetzenAFB III
    Formuliere die Beurteilung zu \(f(x)=x^{4}-4x^{3}\). Ein Klick legt den Baustein auf den nächsten freien Platz, ein Klick im Bauplan legt ihn zurück. Drei Bausteine sind sachlich falsch und bleiben übrig.
    Die drei übrigen Bausteine sind die typischen Fehlschlüsse: \(f''(x_0)=0\) garantiert keinen Wendepunkt, \(f'(x_0)=0\) garantiert keine Extremstelle, und das \(f''\)-Kriterium ist nicht unzuverlässig, sondern nur an dieser einen Stelle nicht anwendbar.
    A8Extrema am RandAFB III

    Gegeben ist \(f(x)=x^{3}-3x\), betrachtet nur auf dem abgeschlossenen Intervall \([0;3]\).

    1. Bestimme alle lokalen Extremstellen von \(f\) im Innern des Intervalls.
    2. Bestimme das absolute Maximum und das absolute Minimum von \(f\) auf \([0;3]\).
    3. Erkläre, warum die Aufgabe ohne die Randbetrachtung falsch gelöst würde.
    Lösung anzeigen

    a) \(f'(x)=3x^{2}-3=0\Rightarrow x=\pm1\); im Intervall liegt nur \(x=1\). \(f''(x)=6x\), \(f''(1)=6>0\) ⇒ lokales Minimum mit \(f(1)=-2\).

    b) Alle drei Kandidaten vergleichen:

    Stelle\(x=0\) (Rand)\(x=1\) (lokales Min.)\(x=3\) (Rand)
    \(f(x)\)\(0\)\(-2\)\(18\)
    absolutes Maximum: \(18\) bei \(x=3\)
    absolutes Minimum: \(-2\) bei \(x=1\)

    c) Das absolute Maximum wird am Rand angenommen. Dort ist \(f'(3)=24\neq 0\) — die notwendige Bedingung findet diese Stelle also gar nicht. Wer nur \(f'(x)=0\) löst, übersieht sie und behauptet fälschlich, es gebe kein Maximum.

    Regel für Klausur V: Sobald ein Definitionsbereich abgeschlossen ist (eckige Klammern, „ein Brett von 3 m Länge“, „höchstens 20 Stück“), gehören die Randwerte immer in die Vergleichstabelle.
    A9Der KlausurpfadAFB III
    Ein kompletter Klausurdurchgang als Entscheidungspfad. Nur die richtige Karte bringt dich weiter.

      Genau diese sechs Entscheidungen wiederholen sich in jeder Extremwertaufgabe — egal ob Dose, Schachtel, Gehege oder Rettungsschwimmer. Die Rechnung ändert sich, das Schema nie.
      A10Anna gegen BenAFB III

      Zwei Lernende untersuchen \(f(x)=x^{4}-4x^{3}\) auf Extrempunkte.

      Anna rechnet \(f'(x)=4x^{3}-12x^{2}=4x^{2}(x-3)\), findet \(x_1=0\) und \(x_2=3\), setzt in \(f''(x)=12x^{2}-24x\) ein und schreibt: „\(f''(0)=0\), also ist \(x=0\) keine Extremstelle.“

      Ben untersucht stattdessen das Vorzeichen von \(f'\) an Probestellen \(x=-1\), \(x=1\) und \(x=4\).

      1. Führe Bens Untersuchung vollständig durch.
      2. Beurteile Annas Schlussfolgerung: Ist das Ergebnis richtig, ist die Begründung tragfähig?
      3. Bestimme alle Wendepunkte und erkläre, in welchem Verhältnis der Sattelpunkt zu ihnen steht.
      4. Nimm Stellung: Welches der beiden Verfahren würdest du in einer Klausur als Erstes ansetzen?
      Lösung anzeigen

      a) \(f'(-1)=4\cdot 1\cdot(-4)=-16<0\); \(f'(1)=4\cdot 1\cdot(-2)=-8<0\); \(f'(4)=4\cdot 16\cdot 1=64>0\).

      Bei \(x=0\) also kein Vorzeichenwechsel ⇒ Sattelpunkt \(S(0\mid 0)\). Bei \(x=3\) Wechsel von − nach + ⇒ Tiefpunkt \(T(3\mid -27)\).

      b) Annas Ergebnis ist zufällig richtig, ihre Begründung ist es nicht. Aus \(f''(x_0)=0\) folgt gar nichts: Bei \(f(x)=x^{4}\) ist ebenfalls \(f''(0)=0\), und dort liegt sehr wohl ein Extrempunkt. Das \(f''\)-Kriterium ist hinreichend, nicht notwendig — sein Versagen erlaubt keinen Umkehrschluss. In der Klausur kostet das die Begründungspunkte.

      c) \(f''(x)=12x^{2}-24x=12x\,(x-2)=0\Rightarrow x=0\) und \(x=2\). An beiden Stellen wechselt \(f''\) das Vorzeichen, also sind es Wendestellen: \(W_1(0\mid 0)\) und \(W_2(2\mid -16)\).

      Der Sattelpunkt ist der Wendepunkt \(W_1\) — genauer: ein Wendepunkt mit waagerechter Tangente. Das ist kein Zufall, sondern die Definition eines Sattelpunkts.

      d) Vertretbar sind beide Antworten, wenn sie begründet werden. Sinnvoll: zuerst \(f''\), weil es schneller ist — aber mit der festen Regel, bei \(f''(x_0)=0\) sofort auf den Vorzeichenwechsel umzuschalten, statt daraus einen Schluss zu ziehen. Der Vorzeichenwechsel entscheidet immer, das \(f''\)-Kriterium nur manchmal.