MINT lernen

Abituraufgaben: Säure- und Basenkonstante

Sauerkraut und ein Aquarium — zweimal entscheidet die Säurekonstante, wie viel von welchem Teilchen vorliegt.

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Milchsäure im Sauerkraut

AFB I–II

Bei der Milchsäuregärung wandeln Bakterien Zucker in Milchsäure (2-Hydroxypropansäure, CH₃–CHOH–COOH, kurz HLac) um. Die Säure macht Sauerkraut haltbar. Im Labor wird eine Milchsäure-Lösung mit der Ausgangskonzentration \(c_0 = 0{,}10\) mol/L hergestellt und mit dem pH-Meter gemessen.

LösungMilchsäure, c₀ = 0,10 mol/LEssigsäure (Tabellenwert)
pH bzw. pKs (25 °C)pH = 2,43pKs = 4,75
  1. Formulieren Sie die Protolysegleichung der Milchsäure mit Wasser und stellen Sie den Ks-Ausdruck auf.
  2. Berechnen Sie Ks und pKs der Milchsäure.
  3. Berechnen Sie den pKb-Wert des Lactat-Ions und erklären Sie, was er über die Basenstärke aussagt.
  4. Vergleichen Sie die Säurestärke von Milch- und Essigsäure und erläutern Sie den Unterschied mit dem Molekülbau.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Nur das H der COOH-Gruppe wird abgegeben.
Hinweis zu Aufgabe b)
c(Lac⁻) = c(H₃O⁺); im Nenner die restliche Säure.
Hinweis zu Aufgabe c)
Korrespondierendes Paar, 25 °C.
Hinweis zu Aufgabe d)
Welche Gruppe sitzt neben der Carboxygruppe?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\ce{HLac + H2O <=> Lac- + H3O+}\); \(K_\mathrm{S} = \dfrac{c(\ce{H3O+}) \cdot c(\ce{Lac-})}{c(\ce{HLac})}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(c(\ce{H3O+}) = 10^{-2{,}43}\,\text{mol/L} = 3{,}72 \cdot 10^{-3}\,\text{mol/L} = c(\ce{Lac-})\); \(c(\ce{HLac}) = 0{,}10 - 0{,}0037 = 0{,}0963\,\text{mol/L}\); \(K_\mathrm{S} = \dfrac{(3{,}72 \cdot 10^{-3})^2}{0{,}0963}\,\text{mol/L} = 1{,}4 \cdot 10^{-4}\,\text{mol/L}\); pKs = 3,84 (Tabellenwert 3,86).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

pKb = 14 − 3,84 = 10,16. Der große pKb zeigt: Das Lactat-Ion ist eine sehr schwache Base — die Kehrseite einer relativ starken Säure.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Milchsäure (pKs 3,84) ist etwa \(10^{0{,}9} \approx 8\)-mal stärker als Essigsäure (pKs 4,75). Die OH-Gruppe am benachbarten C-Atom zieht Elektronen an (−I-Effekt): Die O–H-Bindung der Carboxygruppe wird polarer und das Lactat-Ion wird durch die Verteilung der negativen Ladung stabilisiert.

2

Giftiges Ammoniak im Aquarium

AFB II–III

Fische scheiden Stickstoff als Ammonium-Ionen aus. Im Wasser stellt sich das Gleichgewicht \(\ce{NH4+ + H2O <=> NH3 + H3O+}\) ein (pKs = 9,25 bei 25 °C). Für Fische giftig ist nur das Ammoniak-Molekül: Ab etwa 0,02 mg/L NH₃ drohen Kiemenschäden. Ein Test zeigt in einem Aquarium einen Gesamtgehalt von 1,0 mg/L (NH₄⁺ und NH₃ zusammen, als NH₃ gerechnet).

Zeitpunktmorgensnachmittags (starke Photosynthese)
pH7,08,5
  1. Leiten Sie aus dem Ks-Ausdruck eine Formel für das Verhältnis c(NH₃) : c(NH₄⁺) her.
  2. Berechnen Sie den Anteil des Ammoniaks am Gesamtgehalt morgens und nachmittags.
  3. Beurteilen Sie die Aussage des Zoohändlers: „1 mg/L Ammonium ist bei jedem pH-Wert unbedenklich.“
  4. Erklären Sie, warum der pH-Wert nachmittags steigt, und entwickeln Sie zwei Gegenmaßnahmen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Ks-Ausdruck nach dem Quotienten auflösen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Anteil = V / (1 + V).
Hinweis zu Aufgabe c)
Mit dem Grenzwert 0,02 mg/L vergleichen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Photosynthese verbraucht CO₂; CO₂ bildet mit Wasser eine Säure.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(K_\mathrm{S} = \dfrac{c(\ce{NH3}) \cdot c(\ce{H3O+})}{c(\ce{NH4+})} \Rightarrow \dfrac{c(\ce{NH3})}{c(\ce{NH4+})} = \dfrac{K_\mathrm{S}}{c(\ce{H3O+})}\) mit \(K_\mathrm{S} = 10^{-9{,}25}\,\text{mol/L} = 5{,}6 \cdot 10^{-10}\,\text{mol/L}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

pH 7,0: \(V = 5{,}6 \cdot 10^{-10} / 10^{-7} = 5{,}6 \cdot 10^{-3}\), Anteil \(\approx 0{,}56\,\%\). pH 8,5: \(V = 5{,}6 \cdot 10^{-10} / 3{,}16 \cdot 10^{-9} = 0{,}178\), Anteil \(= 0{,}178 / 1{,}178 \approx 15\,\%\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Morgens: 0,0056 · 1,0 mg/L ≈ 0,006 mg/L NH₃ — unter dem Grenzwert. Nachmittags: 0,15 · 1,0 mg/L ≈ 0,15 mg/L NH₃ — rund das Siebenfache des Grenzwerts. Die Aussage ist falsch: Die Giftigkeit hängt über Ks stark vom pH-Wert ab.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Pflanzen entziehen dem Wasser CO₂; damit sinkt der Gehalt an Kohlensäure, c(H₃O⁺) nimmt ab, der pH-Wert steigt, und das Gleichgewicht verschiebt sich zu NH₃. Maßnahmen: Teilwasserwechsel (senkt den Gesamtgehalt), weniger füttern bzw. Filterbakterien fördern (Nitrifikation), pH-Wert z. B. mit CO₂-Anlage stabilisieren.