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Abituraufgaben: Korrespondierende Paare

Ein Säurewäscher und eine Tüte Natron — zwei Fälle, in denen Ampholyte die Hauptrolle spielen.

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Säurewäscher im Schweinestall

AFB I–II

Die Abluft großer Ställe enthält Ammoniak. In einem Säurewäscher wird sie durch verdünnte Schwefelsäure geleitet; dabei entsteht Ammoniumsulfat, das als Dünger verkauft wird. Die Protonen werden in zwei Schritten übertragen: \(\ce{NH3 + H2SO4 -> NH4+ + HSO4-}\) und \(\ce{NH3 + HSO4- -> NH4+ + SO4^2-}\).

Abluftstromβ(NH₃) vor dem Wäscherβ(NH₃) nach dem Wäscher
20 000 m³/h15 mg/m³1,5 mg/m³
  1. Geben Sie für beide Schritte die korrespondierenden Säure-Base-Paare an.
  2. Erläutern Sie am Hydrogensulfat-Ion den Begriff Ampholyt.
  3. Berechnen Sie die Masse an Schwefelsäure, die pro Stunde verbraucht wird (\(M(\ce{NH3}) = 17{,}03\) g/mol, \(M(\ce{H2SO4}) = 98{,}08\) g/mol).
  4. Beurteilen Sie den Vorschlag, statt Schwefelsäure Natronlauge als Waschflüssigkeit einzusetzen.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Säure zuerst, Schrägstrich, Base.
Hinweis zu Aufgabe b)
Welche Rolle hat HSO₄⁻ in Schritt 1 (Rückreaktion) und in Schritt 2?
Hinweis zu Aufgabe c)
Abgeschiedene NH₃-Masse aus der Differenz; zwei NH₃ pro H₂SO₄.
Hinweis zu Aufgabe d)
Welche Rolle muss der Partner von NH₃ übernehmen?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Schritt 1: H₂SO₄/HSO₄⁻ und NH₄⁺/NH₃. Schritt 2: HSO₄⁻/SO₄²⁻ und NH₄⁺/NH₃.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

HSO₄⁻ entsteht in Schritt 1 als korrespondierende Base von H₂SO₄ (in der Rückreaktion nimmt es ein Proton auf). In Schritt 2 gibt es ein Proton an NH₃ ab und reagiert als Säure. Ein Teilchen, das je nach Partner Protonen aufnimmt oder abgibt, heißt Ampholyt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(m(\ce{NH3}) = 20\,000\,\tfrac{\text{m}^3}{\text{h}} \cdot 13{,}5\,\tfrac{\text{mg}}{\text{m}^3} = 270\,\tfrac{\text{g}}{\text{h}}\); \(n(\ce{NH3}) = 15{,}9\,\tfrac{\text{mol}}{\text{h}}\); \(n(\ce{H2SO4}) = \tfrac12 n(\ce{NH3}) = 7{,}93\,\tfrac{\text{mol}}{\text{h}}\); \(m(\ce{H2SO4}) \approx 778\,\tfrac{\text{g}}{\text{h}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Ungeeignet: NH₃ reagiert als Base und braucht einen Protonendonator. OH⁻ ist selbst eine Base (Paar H₂O/OH⁻) und kann NH₃ kein Proton liefern; im Gegenteil, es würde NH₄⁺ zu NH₃ deprotonieren. Ammoniak bliebe in der Abluft.

2

Natron zwischen Säure und Lauge

AFB II–III

Je 0,84 g Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃, \(M = 84{,}01\) g/mol) werden in zwei Versuchen gelöst. Versuch A: Zugabe von überschüssiger Salzsäure, das Gas wird in einem Kolbenprober aufgefangen (20 °C, 1013 hPa). Versuch B: Zugabe von Natronlauge, anschließend Bariumchlorid-Lösung.

VersuchBeobachtung
A (+ HCl)starkes Schäumen, V(Gas) = 228 mL
B (+ NaOH, dann BaCl₂)kein Gas; weißer Niederschlag nach BaCl₂-Zugabe
  1. Formulieren Sie für beide Versuche die Protolysegleichungen und geben Sie jeweils die Säure-Base-Paare an.
  2. Erklären Sie, warum Hydrogencarbonat in beiden Versuchen reagiert.
  3. Berechnen Sie das erwartete Gasvolumen in Versuch A (\(V_m = 24{,}0\) L/mol) und deuten Sie die Abweichung.
  4. Beurteilen Sie die Aussage auf der Packung: „Natron ist eine milde Base.“

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
In A reagiert HCO₃⁻ mit H₃O⁺, in B mit OH⁻.
Hinweis zu Aufgabe b)
Zwei Paare mit HCO₃⁻.
Hinweis zu Aufgabe c)
Ein HCO₃⁻ liefert ein CO₂.
Hinweis zu Aufgabe d)
Rolle hängt vom Partner ab.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

A: \(\ce{HCO3- + H3O+ -> H2CO3 + H2O}\), danach \(\ce{H2CO3 -> CO2 + H2O}\); Paare H₂CO₃/HCO₃⁻ und H₃O⁺/H₂O. B: \(\ce{HCO3- + OH- -> CO3^2- + H2O}\); Paare HCO₃⁻/CO₃²⁻ und H₂O/OH⁻. Nachweis: \(\ce{Ba^2+ + CO3^2- -> BaCO3 v}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

HCO₃⁻ ist ein Ampholyt: Gegenüber H₃O⁺ nimmt es über ein freies Elektronenpaar eines O-Atoms ein Proton auf (Base), gegenüber OH⁻ gibt es sein Proton ab (Säure). Es gehört zu den Paaren H₂CO₃/HCO₃⁻ und HCO₃⁻/CO₃²⁻.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(n = \tfrac{0{,}84\,\text{g}}{84{,}01\,\text{g/mol}} = 0{,}0100\,\text{mol}\); \(V = 0{,}0100\,\text{mol} \cdot 24{,}0\,\tfrac{\text{L}}{\text{mol}} = 240\,\text{mL}\). Gemessen 228 mL (−5 %): Ein Teil des CO₂ bleibt im Wasser gelöst bzw. entweicht vor dem Aufsetzen des Kolbenprobers.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Teilweise zutreffend: Gegenüber Säuren (Magensäure, Versuch A) nimmt HCO₃⁻ Protonen auf und wirkt als Base. Nach Brønsted ist HCO₃⁻ aber ein Ampholyt — gegenüber OH⁻ (Versuch B) reagiert es als Säure. „Base“ beschreibt nur die Rolle im Alltagseinsatz, nicht eine feste Eigenschaft des Teilchens; zudem ist Natron als Stoff ein Salz aus Na⁺ und HCO₃⁻.