Wo der Mensch Tage über einen Zug nachdenken darf, entsteht die tiefste Schach-Theorie der Welt — und ein ganz eigener Wettkampf.
Im Korrespondenz-Schach (Fernschach) hat man pro Zug nicht Minuten, sondern Tage. Was als Partie per Postkarte begann, ist heute ein Online-Wettkampf von größter Tiefe — und der Ort, an dem die gründlichste Analyse überhaupt stattfindet.
Mit Tagen Bedenkzeit pro Zug kann der Spieler Varianten verfolgen, die am Turnierbrett undenkbar wären. Fernschach-Partien erreichen eine Genauigkeit, die das Nahschach nie erreicht — hier wird die Wahrheit mancher Eröffnungsvariante endgültig geklärt.
Im modernen ICCF-Fernschach sind Engines erlaubt. Der Mensch wird damit nicht überflüssig, sondern zum Dirigenten: Er wählt die Pläne, lenkt die Analyse in fruchtbare Bahnen und entscheidet dort, wo die Engine mehrere fast gleichwertige Wege zeigt.
Fernschach-Datenbanken sind eine Goldgrube für die Eröffnungsvorbereitung: Wo eine Variante im Fernschach zuverlässig hält oder gewinnt, ist sie auch am Turnierbrett vertrauenswürdig. Die beiden Welten befruchten sich gegenseitig.
Selbst im Zeitalter übermächtiger Engines bleibt Fernschach ein zutiefst menschlicher Wettkampf: Geduld, Urteilskraft und strategische Planung entscheiden. Die Maschine rechnet — der Mensch versteht. Genau das war das Ziel dieser ganzen Schachschule.