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AbituraufgabenSchwingungen beschreiben

Zwei Aufgaben im Stil der schriftlichen Abiturprüfung — mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont zur Selbstkontrolle.

1

Blattfeder unter dem Bewegungssensor

AFB II

In einem Praktikumsversuch wird eine dünne Blattfeder am Tischrand eingespannt, kurz angetippt und dann sich selbst überlassen. Ein Bewegungssensor zeichnet die Auslenkung \(y\) des freien Endes gegenüber der Ruhelage auf und erzeugt daraus das Diagramm in Material M1. Die Reibung ist über den dargestellten Zeitraum vernachlässigbar klein.

M1Aufzeichnung des Bewegungssensors
0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 -4 -3 -2 -1 1 2 3 4 t in s y in cm Kurve 1 Kurve 2

Kurve 1 zeigt die Schwingung der unbelasteten Blattfeder, Kurve 2 dieselbe Feder nach dem Aufkleben eines kleinen Zusatzgewichts. Ein Kästchen entspricht waagerecht \(0{,}05\,\mathrm s\) und senkrecht \(0{,}5\,\mathrm{cm}\).

  1. Ermitteln Sie aus Kurve 1 in M1 die Amplitude und die Periodendauer der Schwingung und berechnen Sie daraus die Frequenz. Beschreiben Sie außerdem den Bewegungsablauf im Zeitraum \(0 \le t \le 0{,}40\,\mathrm s\) unter Verwendung der Begriffe Ruhelage und Umkehrpunkt.
  2. Berechnen Sie, wie viele vollständige Schwingungen die unbelastete Blattfeder in einer Minute ausführt, und geben Sie alle Zeitpunkte im Bereich \(0 \le t \le 0{,}40\,\mathrm s\) an, zu denen sie die Ruhelage durchläuft.
  3. Vergleichen Sie die beiden Kurven aus M1 hinsichtlich Amplitude, Periodendauer und Frequenz und beurteilen Sie die Aussage einer Schülerin: „Kurve 2 gehört zu einer schwächeren Schwingung, denn die Feder braucht dort länger für eine Schwingung."
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Amplitude ist der senkrechte Abstand vom Nulldurchgang bis zum Umkehrpunkt, nicht der Abstand zwischen oberem und unterem Umkehrpunkt. Die Periodendauer liest du zwischen zwei gleichartigen Punkten ab, z. B. von einem Maximum zum nächsten. Danach \(f=\frac{1}{T}\).„Ermitteln“ erlaubt hier das Ablesen aus dem Diagramm; das abgelesene Ergebnis muss aber mit Einheit angegeben werden.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Aus Kurve 1: Die größte Auslenkung beträgt \(\hat{y}=3{,}0\,\mathrm{cm}\) (6 Kästchen zu je \(0{,}5\,\mathrm{cm}\)). Von einem Maximum zum nächsten vergehen 8 Kästchen, also \(T=0{,}40\,\mathrm s\).

Frequenz: \(\displaystyle f=\frac{1}{T}=\frac{1}{0{,}40\,\mathrm s}=2{,}5\,\mathrm{Hz}\).

Bewegungsablauf: Zum Zeitpunkt \(t=0\) befindet sich das Federende in der Ruhelage und bewegt sich nach oben. Bei \(t=0{,}10\,\mathrm s\) erreicht es den oberen Umkehrpunkt \((y=+3{,}0\,\mathrm{cm})\), bleibt dort einen Augenblick stehen und kehrt um. Bei \(t=0{,}20\,\mathrm s\) durchläuft es die Ruhelage — dort ist es am schnellsten —, bei \(t=0{,}30\,\mathrm s\) folgt der untere Umkehrpunkt \((y=-3{,}0\,\mathrm{cm})\). Bei \(t=0{,}40\,\mathrm s\) ist es wieder in der Ruhelage: eine vollständige Schwingung ist beendet.

Hinweis zu Aufgabe b)
Eine Minute hat \(60\,\mathrm s\). Entweder \(n = \frac{60\,\mathrm s}{T}\) oder direkt \(n = f \cdot 60\,\mathrm s\). Die Ruhelage wird bei jedem Nulldurchgang passiert — in einer vollen Periode geschieht das zweimal.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Anzahl: \(\displaystyle n=\frac{60\,\mathrm s}{T}=\frac{60\,\mathrm s}{0{,}40\,\mathrm s}=150\) Schwingungen; gleichwertig \(n=f\cdot 60\,\mathrm s = 2{,}5\,\mathrm{Hz}\cdot 60\,\mathrm s = 150\).

Die Ruhelage wird immer dann durchlaufen, wenn \(y=0\) ist. Im angegebenen Bereich ist das bei \(t=0\), \(t=0{,}20\,\mathrm s\) und \(t=0{,}40\,\mathrm s\) der Fall — pro voller Schwingung also zweimal (der Randpunkt \(t=0{,}40\,\mathrm s\) gehört bereits zur nächsten Schwingung).

Hinweis zu Aufgabe c)
Lies zuerst beide Periodendauern ab und rechne beide Frequenzen aus. Prüfe dann getrennt: Was ändert sich wirklich, was bleibt gleich?„Beurteilen“ verlangt ein begründetes eigenes Urteil: Die Aussage muss geprüft und die Prüfung mit den abgelesenen Werten belegt werden.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Vergleich: Beide Kurven haben dieselbe Amplitude \(\hat{y}=3{,}0\,\mathrm{cm}\). Die Periodendauer ist verschieden: \(T_1=0{,}40\,\mathrm s\), \(T_2=0{,}60\,\mathrm s\). Damit sind auch die Frequenzen verschieden: \(f_1=2{,}5\,\mathrm{Hz}\), \(\displaystyle f_2=\frac{1}{0{,}60\,\mathrm s}=1{,}7\,\mathrm{Hz}\).

Beurteilung: Die Aussage ist zurückzuweisen. Sie verknüpft zwei Kenngrößen, die unabhängig voneinander sind. Wie weit die Feder ausschlägt, beschreibt allein die Amplitude — und die ist in beiden Fällen gleich groß. Die Periodendauer sagt nur, wie lange eine Schwingung dauert. Kurve 2 gehört also zu einer langsameren, nicht zu einer schwächeren Schwingung. Richtig ist lediglich der Schluss von \(T_2>T_1\) auf \(f_2<f_1\), denn \(f\) und \(T\) sind zueinander umgekehrt proportional.

2

Wie genau ist eine Handmessung?

AFB III

Eine Praktikumsgruppe soll die Schwingungsdauer eines Pendels von Hand bestimmen. Dazu stoppt sie mit einer Handstoppuhr fünfmal die Zeit \(t_{10}\) für jeweils zehn vollständige Schwingungen (Material M1). Anschließend diskutiert die Gruppe über das Messverfahren (Material M2). Die menschliche Reaktionszeit beim Starten und Stoppen der Uhr beträgt jeweils etwa \(0{,}2\,\mathrm s\).

M1Messreihe zur Schwingungsdauer
Messung12345
\(t_{10}\) in s12,812,912,713,012,8
Gestoppte Zeit \(t_{10}\) für jeweils 10 vollständige Schwingungen
M2Aussagen aus der Praktikumsgruppe
L Lena Aussage 1 Man sollte nur eine einzige Schwingung stoppen. Dann ist die Messung am schnellsten und der Fehler am kleinsten. T Tarek Aussage 2 Ich starte die Uhr genau im Umkehrpunkt. Dort steht das Pendel kurz still — das trifft man am genauesten.
  1. Berechnen Sie aus den Messwerten in M1 die Periodendauer \(T\) und die Frequenz \(f\) des Pendels.
  2. Begründen Sie, warum die Gruppe die Zeit für zehn Schwingungen und nicht für eine einzelne Schwingung stoppt, und schätzen Sie ab, wie groß die durch die Reaktionszeit verursachte Unsicherheit von \(T\) bei beiden Verfahren jeweils ist.
  3. Nehmen Sie zu den beiden Aussagen in M2 Stellung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Bilde zuerst den Mittelwert der fünf Messwerte, teile dann durch 10. Erst danach \(f=\frac{1}{T}\). Runde das Endergebnis sinnvoll — die Stoppuhr liefert nur zwei Nachkommastellen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Mittelwert der Messreihe: \(\displaystyle \bar{t}_{10}=\frac{12{,}8+12{,}9+12{,}7+13{,}0+12{,}8}{5}\,\mathrm s=\frac{64{,}2\,\mathrm s}{5}=12{,}84\,\mathrm s\).

Periodendauer: \(\displaystyle T=\frac{\bar{t}_{10}}{10}=\frac{12{,}84\,\mathrm s}{10}=1{,}284\,\mathrm s \approx 1{,}28\,\mathrm s\).

Frequenz: \(\displaystyle f=\frac{1}{T}=\frac{1}{1{,}284\,\mathrm s}=0{,}779\,\mathrm{Hz}\approx 0{,}78\,\mathrm{Hz}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Der Reaktionsfehler entsteht einmal pro Messung, unabhängig davon, wie viele Schwingungen dazwischenliegen. Überlege, durch welche Zahl dieser Fehler geteilt wird, wenn man ihn auf eine einzelne Schwingung umrechnet.„Abschätzen“ verlangt keine exakte Fehlerrechnung, sondern eine nachvollziehbare Überschlagsrechnung mit Größenordnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Begründung: Die Reaktionszeit verfälscht jede Zeitmessung um etwa \(0{,}2\,\mathrm s\) — und zwar unabhängig von der gestoppten Dauer. Misst man zehn Schwingungen und teilt anschließend durch 10, so wird auch dieser Fehler durch 10 geteilt. Der relative Fehler wird also um den Faktor 10 kleiner, ohne dass man ein besseres Messgerät braucht.

Abschätzung: Bei einer einzelnen Schwingung ginge der volle Fehler in \(T\) ein: \(\Delta T \approx 0{,}2\,\mathrm s\) bei \(T\approx 1{,}3\,\mathrm s\), also rund \(15\,\%\). Bei zehn Schwingungen gilt \(\displaystyle \Delta T \approx \frac{0{,}2\,\mathrm s}{10}=0{,}02\,\mathrm s\), also nur noch etwa \(1{,}5\,\%\). Das passt zur Streuung der Messwerte in M1: Sie liegen um höchstens \(0{,}2\,\mathrm s\) auseinander.

Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfe jede Aussage getrennt. Für Tarek hilft die Frage: An welcher Stelle der Schwingung ändert sich der Ort in kurzer Zeit am stärksten — und wo ist deshalb der Zeitpunkt am schärfsten bestimmt?„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene begründete Position; ein bloßes „stimmt nicht“ genügt nicht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zu Lena: Die Aussage ist zurückzuweisen. Zwar ist eine Einzelmessung schneller durchgeführt, doch der Reaktionsfehler von etwa \(0{,}2\,\mathrm s\) trifft dann die volle Schwingungsdauer und macht rund \(15\,\%\) aus (siehe Teilaufgabe b). Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus: Je mehr Schwingungen man in einer Messung zusammenfasst, desto kleiner wird der Fehler pro Schwingung. Lenas Verfahren ist das ungenaueste, nicht das genaueste.

Zu Tarek: Die Aussage klingt plausibel, ist aber ebenfalls zurückzuweisen. Im Umkehrpunkt ist das Pendel zwar gut zu sehen, doch es bewegt sich dort kaum: Der Körper verweilt scheinbar längere Zeit in der Nähe des Umkehrpunktes, sodass der genaue Zeitpunkt des Umkehrens nur ungenau festzulegen ist. Beim Durchgang durch die Ruhelage ist das Pendel dagegen am schnellsten; es passiert die Marke in sehr kurzer Zeit, und der Zeitpunkt lässt sich deshalb scharf treffen. Man startet und stoppt die Uhr daher sinnvollerweise beim Nulldurchgang, am besten mit einer festen Marke im Hintergrund.

Fazit: Die Gruppe sollte weiterhin zehn Schwingungen messen, die Uhr aber in der Ruhelage starten und stoppen und die Messung wie in M1 mehrfach wiederholen.