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AbituraufgabenDie Änderungsrate zählt

Zwei Aufgaben im Stil der schriftlichen Abiturprüfung — mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont zur Selbstkontrolle.

1

Prüfstand für Induktionsspulen

AFB II

In einem Prüfstand steht eine Messspule mit \(N=400\) Windungen und der Querschnittsfläche \(A=25\,\mathrm{cm^2}\) im homogenen Feld eines Elektromagneten (Material M1). Die Spulenachse liegt parallel zu den Feldlinien, das Feld durchsetzt die Spule also senkrecht zur Querschnittsfläche.

Der Strom im Elektromagneten wird nach einem festen Programm gesteuert; Material M2 zeigt den zeitlichen Verlauf der Flussdichte im Spuleninneren. Die Spule bleibt während des gesamten Vorgangs an ihrem Platz.

M1Aufbau des Prüfstands
Elektromagnethomogenes Feld BMessspule: N = 400, A = 25 cm²VSpannungsmessung

Das Feld zwischen den Polschuhen kann im Bereich der Messspule als homogen angesehen werden.

M2Zeitlicher Verlauf der Flussdichte
0,00,10,20,30,40,50,600,10,20,30,40,50,60,7t in sB in TAbschnitt IAbschnitt IIIII

Der Verlauf besteht aus drei Abschnitten: gleichmäßiges Hochfahren, konstantes Feld und schnelles Abschalten.

  1. Berechnen Sie den magnetischen Fluss durch eine Windung der Messspule bei \(B=0{,}60\,\mathrm{T}\).
  2. Berechnen Sie den Betrag der Induktionsspannung im Abschnitt I.
  3. Ermitteln Sie die Induktionsspannung in den Abschnitten II und III und begründen Sie den Wert im Abschnitt II.
  4. Skizzieren Sie den zeitlichen Verlauf des Betrages der Induktionsspannung für \(0\le t\le 0{,}60\,\mathrm{s}\) und erläutern Sie daran, warum eine große Induktionsspannung nicht unbedingt ein starkes Magnetfeld voraussetzt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der Fluss durch eine einzelne Windung ist \(\Phi=B\,A\), da die Fläche senkrecht vom Feld durchsetzt wird. Rechne \(A\) zuerst in \(\mathrm{m^2}\) um; das Ergebnis liegt in der Größenordnung von Milliweber.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(A = 25\,\mathrm{cm^2}=25\cdot10^{-4}\,\mathrm{m^2}=2{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{m^2}\)

\(\Phi = B\,A = 0{,}60\,\mathrm{T}\cdot 2{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{m^2} = 1{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{Wb}=1{,}5\,\mathrm{mWb}\)

Hinweis zu Aufgabe b)
Verwende \(|U|=N\,\dfrac{\Delta\Phi}{\Delta t}\). Lies \(\Delta t\) für Abschnitt I aus M2 ab und benutze für \(\Delta\Phi\) das Ergebnis aus a). Die Windungszahl wird mit multipliziert — sie steht im Zähler.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Im Abschnitt I wächst der Fluss von 0 auf \(1{,}5\,\mathrm{mWb}\), also \(\Delta\Phi=1{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{Wb}\) in \(\Delta t=0{,}30\,\mathrm{s}\).

\(|U|=N\,\dfrac{\Delta\Phi}{\Delta t}=400\cdot\dfrac{1{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{Wb}}{0{,}30\,\mathrm{s}}=2{,}0\,\mathrm{V}\)

Hinweis zu Aufgabe c)
Anschaulich ist die Induktionsspannung die Steigung der \(\Phi\)-\(t\)-Geraden, mal \(N\). Überlege für Abschnitt II, wie steil die Gerade dort verläuft. In Abschnitt III ändert sich derselbe Fluss, aber in deutlich kürzerer Zeit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Abschnitt II: \(B\) und damit \(\Phi\) sind konstant, also \(\Delta\Phi=0\) und \(|U|=0\,\mathrm{V}\). Begründung: Induziert wird nur bei einer Änderung des Flusses. Das Feld ist hier zwar am stärksten, ändert sich aber nicht — die \(\Phi\)-\(t\)-Gerade verläuft waagerecht, ihre Steigung ist null.

Abschnitt III: Derselbe Fluss von \(1{,}5\,\mathrm{mWb}\) verschwindet in nur \(\Delta t = 0{,}55\,\mathrm{s}-0{,}50\,\mathrm{s}=0{,}05\,\mathrm{s}\):

\(|U|=400\cdot\dfrac{1{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{Wb}}{0{,}05\,\mathrm{s}}=12\,\mathrm{V}\)

Hinweis zu Aufgabe d)
Da der Fluss in jedem Abschnitt gleichmäßig (linear) zu- oder abnimmt, ist die Induktionsspannung abschnittsweise konstant — dein Diagramm besteht also aus waagerechten Stücken mit Sprüngen an den Abschnittsgrenzen. Vergleiche für die Erläuterung die Abschnitte I und III miteinander.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Skizze: von \(t=0\) bis \(0{,}30\,\mathrm{s}\) eine waagerechte Linie bei \(2{,}0\,\mathrm{V}\); von \(0{,}30\,\mathrm{s}\) bis \(0{,}50\,\mathrm{s}\) auf \(0\,\mathrm{V}\); von \(0{,}50\,\mathrm{s}\) bis \(0{,}55\,\mathrm{s}\) ein schmaler Block bei \(12\,\mathrm{V}\); danach wieder \(0\,\mathrm{V}\). An den Abschnittsgrenzen springt der Wert.

Erläuterung: Die höchste Spannung tritt in Abschnitt III auf, obwohl das Feld dort gerade verschwindet und am Ende sogar null ist. Umgekehrt ist die Spannung in Abschnitt II null, obwohl das Feld dort seinen Höchstwert hat.

Maßgeblich ist nach \(U_{ind}=-N\,\frac{\Delta\Phi}{\Delta t}\) allein die Änderungsrate des Flusses. Ein schwaches Feld, das sehr schnell geändert wird, liefert eine größere Spannung als ein starkes, konstantes Feld. Zusätzlich lässt sich die Spannung über die Windungszahl \(N\) vervielfachen.

2

Leiterschleife im Feld

AFB III

Eine rechteckige Leiterschleife (\(N=1\)) mit der Breite \(l=15\,\mathrm{cm}\) und der Länge \(20\,\mathrm{cm}\) liegt zunächst vollständig in einem homogenen Magnetfeld der Flussdichte \(B=0{,}25\,\mathrm{T}\). Das Feld steht senkrecht auf der Schleifenfläche.

Die Schleife wird mit der konstanten Geschwindigkeit \(v=0{,}80\,\mathrm{\tfrac{m}{s}}\) waagerecht aus dem Feld herausgezogen (Material M1). Die Feldgrenze ist scharf; außerhalb des eingezeichneten Bereichs ist \(B=0\). Material M2 gibt zwei Aussagen aus dem Kurs wieder.

M1Leiterschleife beim Herausziehen
homogenes Feld B (in die Zeichenebene hinein)LeiterschleifelFeldgrenzevxnoch im Feld liegender Teil

Während des Herausziehens liegt nur noch der Teil der Länge \(x\) im Feld; die Breite \(l\) bleibt unverändert.

M2Aussagen aus dem Kurs
MMiraAussage 1Solange die Schleife noch vollständig im Feld liegt, ist derFluss durch sie am größten. Dann muss auch die induzierteSpannung am größten sein.TTimoAussage 2Ziehen wir doppelt so schnell, ist die Spannung zwar doppeltso groß, der Vorgang dauert aber nur halb so lang. Deshalbändert sich am Ende überhaupt nichts.
  1. Leiten Sie aus dem Induktionsgesetz her, dass beim Herausziehen der Schleife für den Betrag der Induktionsspannung \(U=B\,l\,v\) gilt.
  2. Berechnen Sie den Betrag der Induktionsspannung sowie die Zeitspanne, während der sie anliegt.
  3. Skizzieren Sie den Verlauf des magnetischen Flusses \(\Phi\) durch die Schleife während des gesamten Herausziehens und begründen Sie damit, warum die Induktionsspannung dabei konstant ist.
  4. Beurteilen Sie die beiden Aussagen aus Material M2.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der Fluss durch die Schleife ist \(\Phi=B\,A\) mit der Fläche \(A=l\cdot x\), die noch im Feld liegt. Überlege, um wie viel \(x\) in der Zeit \(\Delta t\) kleiner wird, wenn die Schleife mit \(v\) gezogen wird, und setze \(\Delta\Phi\) in das Induktionsgesetz ein. Beim „Herleiten“ zählt die lückenlose Kette der Umformungen, nicht nur das Endergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Fluss durch die Schleife ist \(\Phi = B\,A = B\,l\,x\), wobei \(x\) die noch im Feld liegende Länge ist.

In der Zeit \(\Delta t\) legt die Schleife den Weg \(\Delta x = v\,\Delta t\) zurück, die im Feld liegende Fläche nimmt also um \(\Delta A = l\,v\,\Delta t\) ab. Damit gilt:

\(|\Delta\Phi| = B\,\Delta A = B\,l\,v\,\Delta t\)

Eingesetzt in das Induktionsgesetz mit \(N=1\):

\(|U| = N\,\dfrac{|\Delta\Phi|}{\Delta t} = \dfrac{B\,l\,v\,\Delta t}{\Delta t} = B\,l\,v\)

Die Zeit \(\Delta t\) kürzt sich heraus — die Spannung hängt nur von \(B\), \(l\) und \(v\) ab. Das ist genau die Formel für den bewegten Leiter aus den Grundversuchen; beide Betrachtungsweisen führen zum selben Ergebnis.

Hinweis zu Aufgabe b)
Alle Größen sind gegeben; achte darauf, \(l\) in Metern einzusetzen. Für die Zeitspanne überlege, welchen Weg die Schleife zurücklegen muss, bis sie das Feld vollständig verlassen hat — das ist ihre Länge in Zugrichtung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(|U| = B\,l\,v = 0{,}25\,\mathrm{T}\cdot 0{,}15\,\mathrm{m}\cdot 0{,}80\,\mathrm{\tfrac{m}{s}} = 0{,}030\,\mathrm{V}=30\,\mathrm{mV}\)

Bis die Schleife das Feld ganz verlassen hat, muss sie ihre Länge von \(0{,}20\,\mathrm{m}\) zurücklegen:

\(\Delta t = \dfrac{0{,}20\,\mathrm{m}}{0{,}80\,\mathrm{\tfrac{m}{s}}} = 0{,}25\,\mathrm{s}\)

Die Spannung von 30 mV liegt also 0,25 s lang an.

Hinweis zu Aufgabe c)
Trage \(\Phi\) über \(t\) auf: Der Fluss nimmt gleichmäßig von seinem Anfangswert auf null ab. Berechne den Anfangswert mit der vollen Fläche. Erinnere dich: Die Induktionsspannung ist die Steigung der \(\Phi\)-\(t\)-Kurve, mal \(N\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Anfangswert: \(\Phi_0 = B\,l\cdot 0{,}20\,\mathrm{m} = 0{,}25\,\mathrm{T}\cdot 0{,}15\,\mathrm{m}\cdot 0{,}20\,\mathrm{m} = 7{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{Wb} = 7{,}5\,\mathrm{mWb}\).

Skizze: Der Fluss fällt von \(7{,}5\,\mathrm{mWb}\) bei \(t=0\) geradlinig auf \(0\) bei \(t=0{,}25\,\mathrm{s}\) und bleibt danach null.

Begründung: Weil die Schleife mit konstanter Geschwindigkeit gezogen wird, verschwindet in jeder gleich langen Zeitspanne die gleiche Fläche aus dem Feld. Die \(\Phi\)-\(t\)-Kurve ist deshalb eine Gerade mit konstanter Steigung, und da die Induktionsspannung gerade dieser Steigung (mal \(N\)) entspricht, ist sie während des ganzen Vorgangs konstant.

Hinweis zu Aufgabe d)
Prüfe Miras Aussage an deinem Ergebnis aus a): Von welcher Größe hängt \(U\) ab — vom Fluss selbst oder von seiner Änderung? Prüfe Timos Aussage, indem du sorgfältig trennst, welche Größe sich verdoppelt, welche sich halbiert und welche gleich bleibt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Mira: Die Aussage ist falsch. Solange die Schleife vollständig im Feld liegt, ist der Fluss zwar maximal, er ändert sich aber nicht: \(\Delta\Phi=0\) und damit \(U=0\). Erst beim Austreten aus dem Feld beginnt sich der Fluss zu ändern, und erst dann wird überhaupt eine Spannung induziert. Mira verwechselt den Fluss mit seiner Änderungsrate.

Timo: Der erste Teil stimmt: Nach \(U=B\,l\,v\) verdoppelt doppelte Geschwindigkeit die Spannung, und die Dauer \(\Delta t = \frac{0{,}20\,\mathrm{m}}{v}\) halbiert sich auf \(0{,}125\,\mathrm{s}\).

Sein Schluss ist aber falsch. Gleich bleibt nur die insgesamt verschwundene Flussänderung \(\Delta\Phi = 7{,}5\,\mathrm{mWb}\) — sie hängt von der Geschwindigkeit gar nicht ab. Die Spannung ist dagegen tatsächlich doppelt so groß, und darauf kommt es an: Ein angeschlossenes Messgerät zeigt einen doppelt so großen Wert, und an einem Widerstand fließt der doppelte Strom. „Am Ende ändert sich nichts“ gilt also nur für \(\Delta\Phi\), nicht für \(U\).