Blitzgerät einer Kamera
AFB IDas Blitzgerät einer Kamera braucht für den Lichtblitz in wenigen Millisekunden sehr viel Ladung — mehr, als die kleine Batterie so schnell liefern kann. Deshalb wird vorher ein Kondensator aufgeladen, der die Ladung zwischenspeichert (Material M1). Der eingebaute Kondensator hat die Kapazität \(C = 330\,\mu\mathrm F\) und wird auf die Spannung \(U = 300\,\mathrm V\) aufgeladen. Die Ladeschaltung liefert dabei einen konstanten Strom von \(I = 25\,\mathrm{mA}\).
Die Ladeschaltung verschiebt Elektronen von der oberen auf die untere Platte. Erst beim Auslösen entlädt sich der Kondensator über die Blitzröhre.
- Geben Sie die Definitionsgleichung der Kapazität an und nennen Sie alle darin auftretenden Größen mit ihren Einheiten. Erläutern Sie, was der Zahlenwert „330 µF“ über den Kondensator aussagt.
- Berechnen Sie die Ladung, die der aufgeladene Kondensator auf einer Platte trägt, sowie die Anzahl der Elektronen, die beim Aufladen von der einen Platte zur anderen verschoben wurden.
- Berechnen Sie die Zeit, die die Ladeschaltung zum vollständigen Aufladen benötigt.
- Begründen Sie, dass der aufgeladene Kondensator trotz der gespeicherten Ladung nach außen hin elektrisch neutral ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\displaystyle C=\frac{Q}{U}\). Dabei ist \(C\) die Kapazität in Farad (F), \(Q\) der Betrag der Ladung auf einer Platte in Coulomb (C) und \(U\) die Spannung zwischen den Platten in Volt (V); es gilt \(1\,\mathrm F = 1\,\mathrm{\frac{C}{V}}\). Der Wert \(330\,\mu\mathrm F = 3{,}3\cdot 10^{-4}\,\mathrm F\) bedeutet: Pro Volt anliegender Spannung speichert der Kondensator die Ladung \(3{,}3\cdot 10^{-4}\,\mathrm C\) auf jeder Platte. Die Kapazität ist eine Eigenschaft des Bauteils und hängt nicht davon ab, wie weit es gerade aufgeladen ist.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ansatz: \(Q = C\cdot U\). Einsetzen: \(Q = 3{,}3\cdot 10^{-4}\,\mathrm{\frac{C}{V}}\cdot 300\,\mathrm V = 9{,}9\cdot 10^{-2}\,\mathrm C \approx 0{,}10\,\mathrm C\). Elektronenzahl: \(\displaystyle N=\frac{Q}{e}=\frac{9{,}9\cdot 10^{-2}\,\mathrm C}{1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C}\approx 6{,}2\cdot 10^{17}\). Es wurden also rund \(6\cdot 10^{17}\) Elektronen von der oberen auf die untere Platte verschoben.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Ansatz: \(Q = I\cdot t\), also \(\displaystyle t=\frac{Q}{I}\). Einsetzen: \(\displaystyle t=\frac{9{,}9\cdot 10^{-2}\,\mathrm C}{0{,}025\,\mathrm A}=3{,}96\,\mathrm s\approx 4{,}0\,\mathrm s\). Das entspricht der typischen Wartezeit, bis ein Blitzgerät wieder bereit ist.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Beim Aufladen verschiebt die Ladeschaltung Elektronen von der einen Platte auf die andere; sie erzeugt keine Ladung, sondern trennt nur vorhandene Ladung (Ladungserhaltung). Auf der einen Platte fehlen genau so viele Elektronen, wie auf der anderen zusätzlich sitzen: Die eine Platte trägt \(+Q\), die andere \(-Q\). Die Gesamtladung ist \((+Q)+(-Q)=0\), das Bauteil ist nach außen neutral. Mit „der Ladung \(Q\)“ eines Kondensators ist deshalb immer der Betrag der Ladung auf einer Platte gemeint.
Kapazität aus der Q-U-Geraden
AFB IIIm Praktikum soll die Kapazität eines Plattenkondensators mit kreisförmigen Platten der Fläche \(A = 490\,\mathrm{cm^2}\) bestimmt werden. Zwischen den Platten befindet sich Luft. Der Kondensator wird mit einer Hochspannungsquelle auf die Spannung \(U\) aufgeladen, anschließend wird seine Ladung \(Q\) mit einem Messverstärker gemessen (Material M1). Die Messung wird für fünf Spannungen wiederholt (Material M2). Der Plattenabstand \(d\) wurde mit Abstandshaltern eingestellt, sein Wert aber nicht notiert.
Die Quelle lädt den Kondensator auf die eingestellte Spannung; der Messverstärker bestimmt anschließend die Ladung, die von der rechten Platte abfließt.
| Messung | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
|---|---|---|---|---|---|
| \(U\) in kV | 1,0 | 2,0 | 3,0 | 4,0 | 5,0 |
| \(Q\) in µC | 0,21 | 0,44 | 0,67 | 0,87 | 1,10 |
Die Messunsicherheit der Ladung beträgt etwa 0,02 µC.
- Zeichnen Sie das \(Q\)-\(U\)-Diagramm zu Material M2 und begründen Sie anhand des Diagramms, dass Ladung und Spannung zueinander proportional sind.
- Bestimmen Sie aus dem Diagramm die Kapazität des Kondensators.
- Berechnen Sie den Plattenabstand, der im Versuch eingestellt war.
- Bei \(U = 3{,}0\,\mathrm{kV}\) wird eine Glasplatte (\(\varepsilon_r = 6\)) eingeschoben, die den Zwischenraum vollständig ausfüllt; die Quelle bleibt angeschlossen. Berechnen Sie die neue Ladung des Kondensators und erklären Sie anhand der Vorgänge im Glas, warum die Quelle zusätzliche Ladung auf die Platten bringt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Das Diagramm zeigt fünf Messpunkte, die (im Rahmen der Messunsicherheit) auf einer Geraden liegen; die Ausgleichsgerade verläuft durch den Ursprung. Eine Ursprungsgerade bedeutet: Verdoppelt sich \(U\), verdoppelt sich auch \(Q\); der Quotient \(\frac{Q}{U}\) ist konstant (z. B. \(0{,}21\,\mathrm{\frac{\mu C}{kV}}\), \(0{,}22\,\mathrm{\frac{\mu C}{kV}}\), \(0{,}223\,\mathrm{\frac{\mu C}{kV}}\), \(0{,}218\,\mathrm{\frac{\mu C}{kV}}\), \(0{,}22\,\mathrm{\frac{\mu C}{kV}}\)). Damit sind \(Q\) und \(U\) zueinander proportional.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Steigungsdreieck auf der Ausgleichsgeraden, z. B. von \(U=0\) bis \(U=5{,}0\,\mathrm{kV}\): \(\Delta Q\approx 1{,}10\,\mathrm{\mu C}\). Ansatz: \(\displaystyle C=\frac{\Delta Q}{\Delta U}=\frac{1{,}10\cdot 10^{-6}\,\mathrm C}{5{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V}=2{,}2\cdot 10^{-10}\,\mathrm F=220\,\mathrm{pF}\). (Je nach Lage der Ausgleichsgeraden sind Werte zwischen etwa 215 pF und 225 pF zu erwarten.)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Umrechnung: \(A=490\,\mathrm{cm^2}=4{,}9\cdot 10^{-2}\,\mathrm{m^2}\). Umstellen: \(\displaystyle d=\frac{\varepsilon_0\,\varepsilon_r\,A}{C}\). Einsetzen: \(\displaystyle d=\frac{8{,}85\cdot 10^{-12}\,\mathrm{\frac{F}{m}}\cdot 1\cdot 4{,}9\cdot 10^{-2}\,\mathrm{m^2}}{2{,}2\cdot 10^{-10}\,\mathrm F}=1{,}97\cdot 10^{-3}\,\mathrm m\approx 2{,}0\,\mathrm{mm}\). Im Versuch waren also 2-mm-Abstandshalter eingesetzt.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Mit Glas gilt \(C'=\varepsilon_r\cdot C=6\cdot 220\,\mathrm{pF}=1{,}32\,\mathrm{nF}\). Ansatz: \(Q'=C'\cdot U=1{,}32\cdot 10^{-9}\,\mathrm F\cdot 3{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V=4{,}0\cdot 10^{-6}\,\mathrm C=4{,}0\,\mathrm{\mu C}\) — das Sechsfache der bisherigen Ladung von 0,67 µC.
Erklärung: Im Feld zwischen den Platten richten sich die Moleküle des Glases aus; an den Glasoberflächen entstehen Randladungen, die den Plattenladungen gegenüberliegen und deren Feld teilweise aufheben. Bliebe die Ladung auf den Platten gleich, wäre das Feld schwächer und damit nach \(U=E\cdot d\) auch die Spannung kleiner als 3,0 kV. Die angeschlossene Quelle hält die Spannung aber fest: Sie schiebt so lange zusätzliche Ladung auf die Platten, bis die Feldstärke \(E=\frac{U}{d}\) wieder erreicht ist. Bei gleicher Spannung sitzt deshalb die sechsfache Ladung auf den Platten.
Kondensatormikrofon
AFB IIIn einem Kondensatormikrofon bildet eine hauchdünne, metallbeschichtete Membran zusammen mit einer festen, gelochten Gegenelektrode einen Plattenkondensator (Material M1). Die wirksame Plattenfläche beträgt \(A = 3{,}0\,\mathrm{cm^2}\), der Abstand in Ruhelage \(d = 25\,\mu\mathrm m\); zwischen Membran und Gegenelektrode ist Luft. Der Kondensator wird über einen sehr großen Widerstand mit der Spannung \(U_0 = 48\,\mathrm V\) aufgeladen.
Trifft Schall auf die Membran, schwingt sie hin und her. Die Schwingung ist so schnell, dass über den großen Widerstand währenddessen praktisch keine Ladung nachfließen oder abfließen kann — die Ladung auf den Platten bleibt konstant. Die dabei entstehende Spannungsänderung ist das Mikrofonsignal.
Die Membran ist die bewegliche Platte des Kondensators. Der Widerstand lässt die Ladung nur sehr langsam nachfließen — während einer Schallschwingung bleibt sie praktisch konstant.
- Berechnen Sie die Kapazität des Mikrofonkondensators in Ruhelage sowie die Ladung, die er bei \(U_0 = 48\,\mathrm V\) trägt.
- Leiten Sie her, dass bei konstanter Ladung die Spannung zwischen den Platten proportional zum Plattenabstand ist. Berechnen Sie die Spannung, wenn der Schall die Membran um \(1{,}0\,\mu\mathrm m\) zur Gegenelektrode hin drückt.
- Weisen Sie nach, dass sich die Feldstärke zwischen Membran und Gegenelektrode bei dieser Bewegung nicht ändert.
- Bei sehr lauten Geräuschen schwingt die Membran bis zu \(5{,}0\,\mu\mathrm m\) weit aus. In Luft kommt es ab einer Feldstärke von etwa \(3{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) zu einem Funkenüberschlag. Beurteilen Sie, ob im Mikrofon ein Überschlag zu befürchten ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Umrechnung: \(A=3{,}0\cdot 10^{-4}\,\mathrm{m^2}\), \(d=2{,}5\cdot 10^{-5}\,\mathrm m\). Ansatz: \(\displaystyle C=\varepsilon_0\,\frac{A}{d}=8{,}85\cdot 10^{-12}\,\mathrm{\frac{F}{m}}\cdot\frac{3{,}0\cdot 10^{-4}\,\mathrm{m^2}}{2{,}5\cdot 10^{-5}\,\mathrm m}=1{,}06\cdot 10^{-10}\,\mathrm F\approx 106\,\mathrm{pF}\). Ladung: \(Q=C\cdot U_0=1{,}06\cdot 10^{-10}\,\mathrm F\cdot 48\,\mathrm V=5{,}1\cdot 10^{-9}\,\mathrm C=5{,}1\,\mathrm{nC}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Herleitung: Aus \(C=\frac{Q}{U}\) folgt \(U=\frac{Q}{C}\). Mit \(C=\varepsilon_0\frac{A}{d}\) ergibt sich \(\displaystyle U=\frac{Q}{\varepsilon_0 A}\cdot d\). Da \(Q\), \(\varepsilon_0\) und \(A\) konstant sind, ist der Faktor \(\frac{Q}{\varepsilon_0 A}\) konstant — also \(U\sim d\).
Rechnung: Neuer Abstand \(d'=24\,\mu\mathrm m\). Wegen \(U\sim d\) gilt \(\displaystyle U'=U_0\cdot\frac{d'}{d}=48\,\mathrm V\cdot\frac{24\,\mu\mathrm m}{25\,\mu\mathrm m}=46{,}1\,\mathrm V\). Die Spannung sinkt um etwa 1,9 V — diese Spannungsänderung ist das Mikrofonsignal.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Ruhelage: \(\displaystyle E=\frac{U_0}{d}=\frac{48\,\mathrm V}{2{,}5\cdot 10^{-5}\,\mathrm m}=1{,}9\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\). Ausgelenkt: \(\displaystyle E'=\frac{U'}{d'}=\frac{46{,}1\,\mathrm V}{2{,}4\cdot 10^{-5}\,\mathrm m}=1{,}9\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\). Beide Werte stimmen überein. Allgemein: \(\displaystyle E=\frac{U}{d}=\frac{Q\,d}{\varepsilon_0 A\cdot d}=\frac{Q}{\varepsilon_0 A}\) — der Abstand kürzt sich heraus. Bei konstanter Ladung hängt die Feldstärke im Plattenkondensator nur von der Ladung und der Plattenfläche ab; Spannung und Abstand ändern sich im gleichen Verhältnis.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Nach Teilaufgabe c) bleibt die Feldstärke bei jeder Auslenkung \(E=\frac{Q}{\varepsilon_0 A}=1{,}9\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\), unabhängig davon, wie weit die Membran schwingt — auch beim kleinsten Abstand von \(20\,\mu\mathrm m\). Dieser Wert liegt deutlich unter der Überschlagsfeldstärke von \(3{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) (rund 64 % davon). Ein Überschlag ist also nicht zu befürchten. Die naheliegende Rechnung \(\frac{48\,\mathrm V}{20\,\mu\mathrm m}=2{,}4\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) ist zwar ebenfalls unkritisch, aber physikalisch falsch: Bei ausgelenkter Membran liegt nicht mehr die volle Spannung von 48 V an, weil die Ladung und nicht die Spannung konstant bleibt.
Aufgewickelter Folienkondensator
AFB IIEin Folienkondensator besteht aus zwei Aluminiumfolien, die durch dünne Kunststofffolien voneinander getrennt sind. Der ganze Stapel wird spiralförmig aufgewickelt und in ein daumengroßes Gehäuse gesetzt (Material M1). Auf dem Bauteil stehen die Kapazität \(C = 470\,\mathrm{nF}\) und die höchste zulässige Betriebsspannung \(U_\text{max} = 630\,\mathrm V\).
Die Kunststofffolie aus Polypropylen hat die Dielektrizitätszahl \(\varepsilon_r = 2{,}2\) und die Dicke \(d = 6{,}0\,\mu\mathrm m\); die Folien sind \(b = 3{,}0\,\mathrm{cm}\) breit. Der Hersteller gibt an, dass die Feldstärke in der Kunststofffolie den Wert \(E_\text{zul} = 2{,}5\cdot 10^{8}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) dauerhaft nicht überschreiten darf. Für die Rechnung wird der Wickel wie ein ebener Plattenkondensator mit der gesamten Folienfläche behandelt.
Links der Schichtaufbau, rechts der Querschnitt durch den fertigen Wickel: Die beiden Aluminiumfolien (rot und blau) liegen sich auf ihrer ganzen Länge gegenüber, getrennt durch die Kunststofffolie.
- Berechnen Sie die Fläche der Aluminiumfolie und daraus die Länge der Folie, die für diesen Kondensator aufgewickelt wurde.
- Erläutern Sie anhand der Gleichung \(C=\varepsilon_0\varepsilon_r\frac{A}{d}\), warum Kondensatoren mit großer Kapazität als Wickel aus sehr dünnen Folien gebaut werden.
- In einer neuen Baureihe wird bei gleicher Folienfläche eine nur \(3{,}0\,\mu\mathrm m\) dicke Kunststofffolie verwendet. Bestimmen Sie die neue Kapazität und beurteilen Sie, ob der neue Kondensator weiterhin mit \(U_\text{max} = 630\,\mathrm V\) betrieben werden darf.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Umstellen: \(\displaystyle A=\frac{C\cdot d}{\varepsilon_0\,\varepsilon_r}\). Einsetzen: \(\displaystyle A=\frac{4{,}7\cdot 10^{-7}\,\mathrm F\cdot 6{,}0\cdot 10^{-6}\,\mathrm m}{8{,}85\cdot 10^{-12}\,\mathrm{\frac{F}{m}}\cdot 2{,}2}=0{,}145\,\mathrm{m^2}\) — also etwa \(1450\,\mathrm{cm^2}\), fast ein DIN-A4-Blatt (\(624\,\mathrm{cm^2}\)) zweimal. Länge: \(\displaystyle l=\frac{A}{b}=\frac{0{,}145\,\mathrm{m^2}}{0{,}030\,\mathrm m}=4{,}8\,\mathrm m\). Im daumengroßen Bauteil stecken also rund 4,8 m Folie.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die Kapazität wächst mit der Fläche \(A\) und mit \(\varepsilon_r\) und sinkt mit dem Abstand \(d\). \(\varepsilon_r\) ist durch das Material festgelegt und lässt sich bei Kunststoffen nur um einen kleinen Faktor (etwa 2 bis 4) verändern. Die beiden anderen Stellschrauben bieten dagegen viel mehr Spielraum: Der Abstand steht im Nenner, sodass eine Folie von wenigen Mikrometern Dicke die Kapazität gegenüber Abständen im Millimeterbereich um den Faktor 1000 vergrößert; und die Fläche lässt sich durch die Folienlänge fast beliebig groß machen. Beides zusammen liefert die große Kapazität. Ein ebener Plattenkondensator mit \(0{,}145\,\mathrm{m^2}\) Fläche wäre aber unhandlich groß — erst das Aufwickeln bringt die riesige Fläche in ein kleines Volumen, ohne dass sich die gegenüberliegenden Folien berühren, weil die Kunststofffolie sie überall auf Abstand hält.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Wegen \(C\sim\frac{1}{d}\) verdoppelt sich die Kapazität bei halbem Abstand: \(C'=2\cdot 470\,\mathrm{nF}=940\,\mathrm{nF}\). Feldstärke in der Folie bei \(U_\text{max}=630\,\mathrm V\): bisher \(\displaystyle E=\frac{630\,\mathrm V}{6{,}0\cdot 10^{-6}\,\mathrm m}=1{,}05\cdot 10^{8}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\), neu \(\displaystyle E'=\frac{630\,\mathrm V}{3{,}0\cdot 10^{-6}\,\mathrm m}=2{,}1\cdot 10^{8}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\). Beurteilung: Die Feldstärke verdoppelt sich, bleibt mit \(2{,}1\cdot 10^{8}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) aber unter dem zulässigen Wert \(2{,}5\cdot 10^{8}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) (etwa 84 % davon). Der neue Kondensator darf also weiterhin mit 630 V betrieben werden — allerdings ist die Sicherheitsreserve deutlich kleiner geworden; eine noch dünnere Folie würde bei dieser Spannung die Grenze überschreiten, sodass die Nennspannung dann herabgesetzt werden müsste.
Zwei Aussagen über die Kapazität
AFB IIIIn einer Lerngruppe wird über die Bedeutung der Kapazität \(C=\frac{Q}{U}\) diskutiert. Zwei Schüler äußern die in Material M1 wiedergegebenen Aussagen.
Beide Aussagen enthalten richtige Beobachtungen — entscheidend ist, welche Schlüsse daraus gezogen werden.
- Beurteilen Sie beide Aussagen aus Material M1 physikalisch.
- Eine Mitschülerin schlägt vor, Kondensatoren mit destilliertem Wasser (\(\varepsilon_r = 81\)) statt mit Kunststofffolie als Dielektrikum zu bauen — das brächte auf einen Schlag eine vielfach größere Kapazität. Diskutieren Sie diesen Vorschlag.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Aussage 1 ist in ihrem Schluss falsch. Richtig ist: Bei höherer Spannung trägt der Kondensator mehr Ladung, denn \(Q=C\cdot U\). Ladung und Spannung sind aber zueinander proportional — verdoppelt man \(U\), verdoppelt sich auch \(Q\), und der Quotient \(C=\frac{Q}{U}\) bleibt unverändert. Die Kapazität ist eine Eigenschaft des Bauteils: Sie hängt nach \(C=\varepsilon_0\varepsilon_r\frac{A}{d}\) nur von Plattenfläche, Plattenabstand und Dielektrikum ab, nicht von der angelegten Spannung. Auch die Formulierung „wie viel Ladung ein Kondensator speichern kann“ ist ungenau: Die Kapazität gibt an, wie viel Ladung er pro Volt speichert — die tatsächlich speicherbare Ladung wird erst durch die höchste zulässige Spannung begrenzt.
Aussage 2 ist zur Hälfte richtig. Nach dem Trennen von der Quelle bleibt die Ladung \(Q\) auf den Platten erhalten. Vergrößert man den Abstand, sinkt die Kapazität wegen \(C\sim\frac{1}{d}\), und nach \(U=\frac{Q}{C}\) steigt die Spannung — dieser Teil stimmt. Falsch ist „ohne Energiezufuhr“: Die entgegengesetzt geladenen Platten ziehen sich an. Wer sie auseinanderzieht, muss gegen diese Anziehungskraft eine Kraft längs des Weges aufbringen und führt dabei Energie zu („Kraft mal Weg“). Genau diese Energie wird dem Kondensator zugeführt; die höhere Spannung entsteht also nicht „aus dem Nichts“.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Für den Vorschlag spricht: Nach \(C=\varepsilon_0\varepsilon_r\frac{A}{d}\) würde Wasser mit \(\varepsilon_r=81\) die Kapazität gegenüber Kunststofffolie (\(\varepsilon_r\approx 2\) bis 3) auf etwa das 30-Fache steigern — bei gleicher Fläche und gleichem Abstand. Der Effekt ist real und wird bei der Auswahl von Dielektrika tatsächlich ausgenutzt (z. B. durch Keramiken mit sehr großem \(\varepsilon_r\)).
Dagegen spricht: Ein Dielektrikum muss ein Isolator sein. Selbst destilliertes Wasser enthält stets einige Ionen und nimmt aus der Luft und den Elektroden schnell weitere auf; es leitet daher merklich, sodass sich der Kondensator über das Wasser selbst entlädt und keine Ladung dauerhaft speichern kann. Außerdem ist Wasser bei hohen Feldstärken nur schlecht durchschlagfest, es verdunstet, gefriert unter 0 °C, und ein flüssiges Dielektrikum lässt sich nicht wie eine Folie auf wenige Mikrometer Dicke bringen — der Gewinn durch \(\varepsilon_r\) würde durch den größeren Abstand \(d\) wieder aufgezehrt. Fazit: Der Vorschlag nutzt zwar die richtige Stellschraube, scheitert aber an den übrigen Anforderungen an ein Dielektrikum; praktisch werden feste Stoffe mit großem \(\varepsilon_r\) und guter Isolierfähigkeit eingesetzt.
