Entladekurve am Taschenrechner auswerten
AFB IEin Kondensator mit dem Aufdruck \(C = 470\,\mu\mathrm F\) wird auf \(U_0 = 10{,}0\,\mathrm V\) aufgeladen und anschließend über einen Widerstand \(R\) entladen (Aufbau aus 1.3.3). Mit Voltmeter und Stoppuhr entsteht die Messreihe in Material M1. Für die Auswertung werden die Zeiten in die Liste L1 und die Spannungen in die Liste L2 des GTR eingegeben; die Liste L3 enthält die natürlichen Logarithmen der Spannungswerte. Eine lineare Regression über L1 und L3 liefert das Ergebnis in Material M2.
| \(t\) in s | \(U\) in V |
|---|---|
| 0 | 10,00 |
| 1 | 6,40 |
| 2 | 4,05 |
| 3 | 2,58 |
| 4 | 1,65 |
| 5 | 1,05 |
| 6 | 0,66 |
Die Spannung wurde jeweils zur vollen Sekunde abgelesen; die Anzeige des Voltmeters hat zwei Nachkommastellen.
Links der Listeneditor mit den drei Listen, rechts die Ausgabe des Befehls LinReg für die Listen L1 (Zeit) und L3 (Logarithmus der Spannung).
- Geben Sie das Gesetz für die Spannung eines Kondensators beim Entladen an und nennen Sie die Bedeutung der Zeitkonstante \(\tau\).
- Zeigen Sie mithilfe von Material M1, dass die Messreihe zu einer Exponentialfunktion passt.
- Berechnen Sie mit den Regressionswerten aus Material M2 die Zeitkonstante \(\tau\) und den Widerstand \(R\). Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Aufdruck des Widerstands.
- Erläutern Sie, warum die Werte aus L3 über der Zeit auf einer Geraden liegen, und berechnen Sie aus dem Achsenabschnitt \(b\) die Anfangsspannung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Beim Entladen gilt \(U(t)=U_0\cdot e^{-\frac{t}{\tau}}\) mit \(\tau=R\cdot C\). Dabei ist \(U(t)\) die Spannung am Kondensator zur Zeit \(t\), \(U_0\) die Anfangsspannung, \(R\) der Entladewiderstand und \(C\) die Kapazität. Die Zeitkonstante \(\tau\) legt fest, wie schnell die Entladung abläuft: Nach der Zeit \(\tau\) ist die Spannung auf \(e^{-1}\approx 37\,\%\) des Anfangswerts gefallen, nach jeder weiteren Zeitspanne \(\tau\) erneut auf 37 % des jeweiligen Werts. Ihre Einheit ist die Sekunde: \([\tau]=\Omega\cdot\mathrm F=\mathrm s\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Bei einer Exponentialfunktion führen gleiche Zeitschritte zu gleichen Quotienten aufeinanderfolgender Werte. Für \(\Delta t=1\,\mathrm s\) ergibt sich aus M1: \(\frac{6{,}40}{10{,}00}=0{,}640\), \(\frac{4{,}05}{6{,}40}=0{,}633\), \(\frac{2{,}58}{4{,}05}=0{,}637\), \(\frac{1{,}65}{2{,}58}=0{,}640\), \(\frac{1{,}05}{1{,}65}=0{,}636\), \(\frac{0{,}66}{1{,}05}=0{,}629\). Alle Quotienten liegen zwischen 0,63 und 0,64; die Abweichungen erklären sich durch das Runden auf zwei Nachkommastellen. In jeder Sekunde bleiben also rund 64 % der Spannung übrig — das ist das Kennzeichen einer Exponentialfunktion. Die Differenzen dagegen schrumpfen von 3,60 V auf 0,39 V, eine lineare Abnahme scheidet aus.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Regressionsgerade \(y=a\cdot x+b\) beschreibt \(\ln U\) über \(t\); ihre Steigung ist \(a=-\frac{1}{\tau}\). Daraus \(\displaystyle\tau=-\frac{1}{a}=\frac{1}{0{,}4524\,\frac{1}{\mathrm s}}=2{,}21\,\mathrm s\). Widerstand: \(\displaystyle R=\frac{\tau}{C}=\frac{2{,}21\,\mathrm s}{470\cdot10^{-6}\,\mathrm F}=4{,}70\cdot10^{3}\,\Omega=4{,}70\,\mathrm{k\Omega}\). Der Wert stimmt mit dem Aufdruck 4,7 kΩ überein; die Abweichung liegt weit unter der üblichen Toleranz von Widerständen und Kondensatoren.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Logarithmieren des Entladegesetzes: \(\ln U=\ln\!\left(U_0\cdot e^{-t/\tau}\right)=\ln U_0+\ln e^{-t/\tau}=\ln U_0-\frac{1}{\tau}\cdot t\). Das ist eine Geradengleichung in \(t\) mit der Steigung \(-\frac{1}{\tau}\) und dem Achsenabschnitt \(\ln U_0\): Trägt man \(\ln U\) (Liste L3) über \(t\) (Liste L1) auf, liegen die Punkte auf einer Geraden. Der Achsenabschnitt der Regression ist \(b=\ln U_0\), also \(U_0=e^{b}=e^{2{,}3057}\,\mathrm V=10{,}03\,\mathrm V\). Der gemessene Anfangswert 10,00 V wird bis auf 0,3 % bestätigt.
Kapazität eines Elektrolytkondensators
AFB IIEin Elektrolytkondensator trägt den Aufdruck „2200 µF, Toleranz ±20 %“. Um seine tatsächliche Kapazität zu bestimmen, wird er auf \(U_0=12{,}0\,\mathrm V\) aufgeladen und über einen Präzisionswiderstand \(R=10{,}0\,\mathrm{k\Omega}\) entladen. Ein Spannungssensor zeichnet den Verlauf mit 20 Werten pro Sekunde auf (Material M1). Der Widerstandswert gilt als exakt.
Die Kurve besteht aus 1200 dicht liegenden Messwerten und erscheint deshalb als durchgezogene Linie. Die feinen Hilfslinien liegen im Abstand von 2 s und 1 V.
- Beschreiben Sie, wie man aus Material M1 die Halbwertszeit der Entladung erhält, und bestimmen Sie ihren Wert.
- Leiten Sie aus dem Entladegesetz die Beziehung \(t_{1/2}=\tau\cdot\ln 2\) her.
- Berechnen Sie die Kapazität des Kondensators und überprüfen Sie, ob sie innerhalb der aufgedruckten Toleranz liegt.
- Eine Schülerin liest statt der Zeit für den Abfall von 12 V auf 6 V die Zeit für den Abfall von 6,0 V auf 3,0 V ab — und erhält dieselbe Kapazität. Begründen Sie, dass das kein Zufall ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Die Halbwertszeit ist die Zeit, nach der die Spannung auf die Hälfte des Anfangswerts gesunken ist. Man markiert \(\frac{U_0}{2}=6{,}0\,\mathrm V\) auf der Spannungsachse, geht waagerecht bis zum Schnittpunkt mit der Kurve und von dort senkrecht auf die Zeitachse. Ablesung: \(t_{1/2}\approx 14\,\mathrm s\) (zwischen 13,5 s und 14,5 s).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Einsetzen von \(U=\frac{U_0}{2}\) zur Zeit \(t=t_{1/2}\): \(\frac{U_0}{2}=U_0\cdot e^{-t_{1/2}/\tau}\). Kürzen von \(U_0\): \(\frac12=e^{-t_{1/2}/\tau}\). Logarithmieren: \(\ln\frac12=-\frac{t_{1/2}}{\tau}\). Mit \(\ln\frac12=-\ln 2\) folgt \(-\ln 2=-\frac{t_{1/2}}{\tau}\), also \(t_{1/2}=\tau\cdot\ln 2\approx 0{,}693\cdot\tau\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Zeitkonstante: \(\displaystyle\tau=\frac{t_{1/2}}{\ln 2}=\frac{14\,\mathrm s}{0{,}693}=20{,}2\,\mathrm s\). Kapazität: \(\displaystyle C=\frac{\tau}{R}=\frac{20{,}2\,\mathrm s}{1{,}00\cdot10^{4}\,\Omega}=2{,}02\cdot10^{-3}\,\mathrm F\approx 2{,}0\,\mathrm{mF}=2000\,\mu\mathrm F\). Toleranzbereich: \(0{,}8\cdot2200\,\mu\mathrm F=1760\,\mu\mathrm F\) bis \(1{,}2\cdot2200\,\mu\mathrm F=2640\,\mu\mathrm F\). Der gemessene Wert liegt rund 9 % unter dem Nennwert, aber innerhalb der Toleranz — der Kondensator ist in Ordnung. Die Ableseunsicherheit von etwa 0,5 s bei \(t_{1/2}\) entspricht nur rund 4 % und ändert dieses Urteil nicht.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Beginnt man die Zeitzählung zu dem Zeitpunkt \(t_1\), an dem die Spannung 6,0 V beträgt, so gilt von dort an ebenfalls \(U(t)=6{,}0\,\mathrm V\cdot e^{-(t-t_1)/\tau}\) — der Entladevorgang „weiß“ nichts von seiner Vorgeschichte, weil der Strom in jedem Augenblick nur von der momentan anliegenden Spannung abhängt. Die Anfangsspannung steht in der Exponentialfunktion nur als Vorfaktor; sie kürzt sich bei der Halbwertsbedingung heraus (siehe b). Die Zeit für den Abfall auf die Hälfte ist daher für jeden Startwert dieselbe, \(t_{1/2}=\tau\ln2\). Beide Ablesungen liefern deshalb dasselbe \(\tau\) und dieselbe Kapazität. Aus dem Diagramm: 6,0 V bei ca. 14 s, 3,0 V bei ca. 28 s — Differenz wieder 14 s.
Welche Regression ist die richtige?
AFB IIDrei Schüler werten die Messreihe aus Aufgabe 1 (Material M1 dort) mit dem GTR aus — jeder mit einem anderen Regressionstyp. Material M1 zeigt die drei Ergebnisse, Material M2 die zugehörigen Kurven zusammen mit den Messpunkten. Für die Bewertung der Anpassung gibt der Taschenrechner das Bestimmtheitsmaß \(r^2\) aus: Es liegt zwischen 0 und 1 und ist umso näher bei 1, je dichter die Messpunkte an der Kurve liegen.
| Regressionstyp | Gleichung des GTR | \(r^2\) |
|---|---|---|
| LinReg (Gerade) | \(U=-1{,}47\cdot t+8{,}18\) | 0,878 |
| QuadReg (Parabel) | \(U=0{,}308\cdot t^{2}-3{,}32\cdot t+9{,}72\) | 0,994 |
| ExpReg (Exponentialfunktion) | \(U=10{,}03\cdot 0{,}636^{\,t}\) | 0,99998 |
Alle drei Regressionen wurden mit denselben sieben Wertepaaren berechnet. Die Gleichungen sind auf drei geltende Ziffern gerundet.
Im Messbereich bis 6 s liegen Parabel und Exponentialfunktion nahezu aufeinander. Der violett hinterlegte Bereich zeigt, wie sich die drei Funktionen jenseits der letzten Messung fortsetzen.
- Begründen Sie mit dem Ablauf des Entladevorgangs, dass für die Spannung eine Exponentialfunktion zu erwarten ist — noch bevor ein einziger Messwert vorliegt.
- Zeigen Sie, dass sich die Gleichung \(U=a\cdot b^{\,t}\) der ExpReg in die Form \(U=U_0\cdot e^{-t/\tau}\) umschreiben lässt, und berechnen Sie \(\tau\) aus dem Wert \(b=0{,}636\).
- Tim meint: „Die Parabel hat \(r^2=0{,}994\) — sie passt praktisch genauso gut und ist einfacher.“ Überprüfen Sie diese Aussage, indem Sie das Verhalten von Parabel und Exponentialfunktion für Zeiten über 6 s vergleichen.
- Erklären Sie, warum die lineare Regression trotz \(r^2=0{,}88\) nicht infrage kommt, und nennen Sie zwei Merkmale der Messreihe, an denen man das schon ohne Rechner erkennt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Der Entladestrom wird von der Spannung getrieben, die am Kondensator anliegt: \(I=\frac{U}{R}\). Dieser Strom transportiert Ladung vom Kondensator weg, und mit der Ladung sinkt wegen \(U=\frac{Q}{C}\) auch die Spannung. Die Abnahme der Spannung pro Zeit ist also proportional zur Spannung selbst: Ist noch viel Spannung da, fließt ein großer Strom und die Spannung fällt schnell; ist wenig übrig, fällt sie langsam. Eine Größe, deren Änderungsrate proportional zum eigenen Bestand ist, wird durch eine Exponentialfunktion beschrieben — genau wie beim radioaktiven Zerfall. Der Funktionstyp folgt damit aus dem Aufbau des Stromkreises und steht vor der ersten Messung fest.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Jede positive Zahl lässt sich als Potenz von \(e\) schreiben: \(b=e^{\ln b}\). Damit \(b^{t}=\left(e^{\ln b}\right)^{t}=e^{t\cdot\ln b}\), also \(U=a\cdot e^{t\cdot\ln b}\). Vergleich mit \(U=U_0\cdot e^{-t/\tau}\) ergibt \(U_0=a\) und \(\ln b=-\frac{1}{\tau}\), d. h. \(\tau=-\frac{1}{\ln b}\). Zahlenwert: \(\ln 0{,}636=-0{,}4526\), also \(\displaystyle\tau=\frac{1}{0{,}4526}\,\mathrm s=2{,}21\,\mathrm s\). Das ist derselbe Wert wie aus der Linearisierung in Aufgabe 1 — kein Zufall, denn der GTR berechnet die ExpReg intern genau über die Regression der logarithmierten Werte.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Im Messbereich unterscheiden sich beide Kurven kaum, das zeigt auch das hohe \(r^2\). Jenseits davon laufen sie auseinander. Exponentialfunktion: \(U(8\,\mathrm s)=10{,}03\cdot0{,}636^{8}\,\mathrm V=0{,}27\,\mathrm V\), \(U(10\,\mathrm s)=0{,}11\,\mathrm V\) — die Spannung sinkt weiter gegen null, bleibt aber positiv. Parabel: Sie hat bei \(t_S=\frac{3{,}32}{2\cdot0{,}308}\,\mathrm s=5{,}4\,\mathrm s\) ihren Scheitel mit \(U\approx0{,}77\,\mathrm V\); danach steigt sie wieder: \(U(8\,\mathrm s)=0{,}308\cdot64-3{,}32\cdot8+9{,}72=2{,}87\,\mathrm V\), \(U(10\,\mathrm s)=7{,}3\,\mathrm V\). Ein Kondensator, der nur über einen Widerstand entladen wird, kann seine Spannung aber nicht ohne Quelle zurückgewinnen. Die Parabel widerspricht deshalb außerhalb des Messbereichs der Physik; Tims Aussage ist falsch. Ein hohes \(r^2\) beschreibt nur, wie gut die Kurve durch die vorhandenen Punkte läuft — es ersetzt nicht die Begründung des Funktionstyps.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Eine Gerade sagt gleiche Spannungsabnahmen in gleichen Zeitschritten voraus. Die Messreihe zeigt aber Differenzen von \(-3{,}60\,\mathrm V\), \(-2{,}35\,\mathrm V\), \(-1{,}47\,\mathrm V\), \(-0{,}93\,\mathrm V\), \(-0{,}60\,\mathrm V\), \(-0{,}39\,\mathrm V\) — die Abnahme wird immer kleiner, die Kurve flacht ab. Außerdem schneidet die Regressionsgerade die Zeitachse bei \(t=\frac{8{,}18}{1{,}47}\,\mathrm s=5{,}6\,\mathrm s\) und liefert danach negative Spannungen, obwohl bei 6 s noch 0,66 V gemessen wurden und die Spannung beim Entladen niemals das Vorzeichen wechselt. Merkmale ohne Rechner: (1) Die Differenzen sind nicht konstant, sondern nehmen ab; (2) die Werte werden immer kleiner, bleiben aber positiv — sie nähern sich der Zeitachse, statt sie zu durchstoßen. Auch ein Blick auf M2 genügt: Die Gerade verfehlt die ersten und letzten Punkte systematisch nach derselben Seite.
Ladung aus dem Stromverlauf
AFB IIEin Kondensator mit dem Aufdruck \(1000\,\mu\mathrm F\) wird über den Widerstand \(R=2{,}2\,\mathrm{k\Omega}\) an eine Quelle mit \(U_0=9{,}0\,\mathrm V\) angeschlossen. Ein Stromsensor zeichnet die Stromstärke während des Aufladens auf. Material M1 enthält die Werte im Abstand von einer Sekunde, Material M2 den Verlauf mit den Streifen für die Auswertung.
| \(t\) in s | \(I\) in mA |
|---|---|
| 0 | 4,09 |
| 1 | 2,60 |
| 2 | 1,65 |
| 3 | 1,05 |
| 4 | 0,66 |
| 5 | 0,42 |
| 6 | 0,27 |
Zum Zeitpunkt \(t=0\) wird der Schalter geschlossen; der Kondensator ist zu Beginn ungeladen.
Jeder Streifen ist ein Trapez: Seine schräge Oberkante verbindet zwei benachbarte Messpunkte geradlinig.
- Erläutern Sie, warum die auf den Kondensator geflossene Ladung hier nicht mit \(Q=I\cdot t\) berechnet werden kann, und beschreiben Sie, wie man sie aus dem \(I\)-\(t\)-Diagramm dennoch erhält.
- Bestimmen Sie mit der Streifenmethode die Ladung, die in den ersten 6 s auf den Kondensator fließt.
- Berechnen Sie die Ladung, die bis zur vollständigen Aufladung insgesamt fließt, sowie den Anteil davon, der nach 6 s bereits erreicht ist.
- Begründen Sie, ob der Wert aus Teilaufgabe b) eher zu groß oder zu klein ist, und beschreiben Sie, wie sich die Näherung verbessern lässt.
- Weisen Sie mit Material M1 nach, dass auch die Stromstärke exponentiell abnimmt, und bestimmen Sie daraus die Zeitkonstante und die tatsächliche Kapazität des Kondensators.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Das Produkt \(Q=I\cdot t\) gilt nur, wenn die Stromstärke während der gesamten Zeit konstant ist. Beim Aufladen nimmt \(I\) aber von 4,09 mA auf 0,27 mA ab, weil die wachsende Kondensatorspannung der Quelle immer stärker entgegenwirkt; es gibt keinen einzelnen Wert, den man für \(I\) einsetzen könnte. Im \(I\)-\(t\)-Diagramm ist \(I\cdot t\) der Flächeninhalt eines Rechtecks unter einer waagerechten Stromlinie. Bei veränderlichem Strom tritt an seine Stelle die Fläche unter der Kurve zwischen \(t=0\) und dem Endzeitpunkt. Man bestimmt sie näherungsweise, indem man die Fläche in schmale senkrechte Streifen zerlegt, jeden Streifen als Trapez berechnet und die Streifenflächen addiert.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Streifenmethode mit \(\Delta t=1\,\mathrm s\): \(Q\approx\left(\frac{4{,}09}{2}+2{,}60+1{,}65+1{,}05+0{,}66+0{,}42+\frac{0{,}27}{2}\right)\mathrm{mA}\cdot1\,\mathrm s=(2{,}045+6{,}38+0{,}135)\,\mathrm{mA\,s}=8{,}56\,\mathrm{mA\,s}\). Mit \(1\,\mathrm{mA\,s}=1\,\mathrm{mC}\): In den ersten 6 s fließen etwa \(Q\approx8{,}6\,\mathrm{mC}=8{,}6\cdot10^{-3}\,\mathrm C\) auf den Kondensator.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Nach vollständiger Aufladung liegt am Kondensator \(U_0=9{,}0\,\mathrm V\): \(Q_{\text{ges}}=C\cdot U_0=1000\cdot10^{-6}\,\mathrm F\cdot9{,}0\,\mathrm V=9{,}0\cdot10^{-3}\,\mathrm C=9{,}0\,\mathrm{mC}\). Anteil nach 6 s: \(\frac{8{,}56\,\mathrm{mC}}{9{,}0\,\mathrm{mC}}=0{,}95\) — rund 95 % der Ladung sind angekommen. Das passt zu \(6\,\mathrm s\approx2{,}7\,\tau\) (mit \(\tau=2{,}2\,\mathrm s\)): Nach \(3\tau\) fehlen noch etwa 5 %.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Die Stromkurve ist nach oben gekrümmt (konvex): Sie fällt zunächst steil und dann immer flacher. Die gerade Oberkante eines Trapezes verbindet zwei Punkte der Kurve; bei einer konvexen Kurve liegt diese Sehne oberhalb des Kurvenbogens. Jeder Streifen enthält deshalb etwas mehr Fläche als die Kurve tatsächlich einschließt — der Wert aus b) ist zu groß. Rechnerische Kontrolle: Der exakte Wert beträgt \(Q=Q_{\text{ges}}\left(1-e^{-6/2{,}2}\right)=9{,}0\,\mathrm{mC}\cdot0{,}935=8{,}41\,\mathrm{mC}\); die Streifensumme liegt etwa 1,8 % darüber. Verbesserung: schmalere Streifen wählen, z. B. \(\Delta t=0{,}5\,\mathrm s\) oder \(0{,}1\,\mathrm s\) — der Stromsensor liefert die dafür nötigen Zwischenwerte ohnehin. Je schmaler die Streifen, desto dichter liegt die Sehne am Bogen, und die Abweichung fällt unter ein Promille.
Hinweis zu Aufgabe e)
Erwartungshorizont zu Aufgabe e)
Quotienten aufeinanderfolgender Werte aus M1: \(\frac{2{,}60}{4{,}09}=0{,}636\), \(\frac{1{,}65}{2{,}60}=0{,}635\), \(\frac{1{,}05}{1{,}65}=0{,}636\), \(\frac{0{,}66}{1{,}05}=0{,}629\), \(\frac{0{,}42}{0{,}66}=0{,}636\), \(\frac{0{,}27}{0{,}42}=0{,}643\). Bei gleichen Zeitschritten sind die Quotienten im Rahmen der Rundung konstant (\(k\approx0{,}636\)) — der Strom nimmt exponentiell ab: \(I(t)=I_0\cdot k^{t}=I_0\cdot e^{-t/\tau}\). Zeitkonstante: \(\tau=-\frac{1}{\ln k}=-\frac{1}{\ln0{,}636}\,\mathrm s=\frac{1}{0{,}4526}\,\mathrm s=2{,}21\,\mathrm s\). Kapazität: \(C=\frac{\tau}{R}=\frac{2{,}21\,\mathrm s}{2200\,\Omega}=1{,}0\cdot10^{-3}\,\mathrm F=1000\,\mu\mathrm F\) — der Aufdruck wird bestätigt. Kontrolle: \(I_0=\frac{U_0}{R}=\frac{9{,}0\,\mathrm V}{2200\,\Omega}=4{,}09\,\mathrm{mA}\), genau der erste Messwert.
Drei Vorschläge für die Auswertung
AFB IIIIn einer Lerngruppe soll die Kapazität eines Kondensators ohne Aufdruck bestimmt werden. Zur Verfügung stehen ein regelbares Netzgerät, ein Digitalvoltmeter mit dem Innenwiderstand \(R_V=10\,\mathrm{M\Omega}\), ein Widerstand \(R=1{,}0\,\mathrm{M\Omega}\), ein Umschalter, eine Stoppuhr und ein GTR. Die Kapazität wird im Bereich einiger Mikrofarad vermutet. Bei der Planung fallen die drei Aussagen aus Material M1.
Alle drei Aussagen betreffen die Auswertung der Entladekurve — nicht den Aufbau des Versuchs.
- Beurteilen Sie die drei Aussagen aus Material M1.
- Planen Sie mit dem genannten Material ein Experiment zur Bestimmung der Kapazität: Aufbau, Durchführung und Auswertung am GTR.
- Das Voltmeter liegt während der Entladung parallel zum Widerstand \(R\). Beurteilen Sie, ob die so bestimmte Kapazität systematisch zu groß oder zu klein ausfällt, und schätzen Sie die Abweichung ab.
- Diskutieren Sie, ob für die Auswertung die Halbwertszeit-Methode oder die lineare Regression am GTR vorzuziehen ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Aussage 1 (Mara) ist physikalisch richtig, praktisch aber ungünstig. Zu Beginn fließt der Strom \(I_0=\frac{U_0}{R}\). Wegen \(\Delta Q=C\cdot\Delta U\) sinkt die Spannung anfangs mit der Rate \(\frac{\Delta U}{\Delta t}=-\frac{I_0}{C}=-\frac{U_0}{RC}=-\frac{U_0}{\tau}\). Die Tangente bei \(t=0\) lautet also \(U=U_0-\frac{U_0}{\tau}\,t\) und schneidet die Zeitachse bei \(t=\tau\) — man liest \(\tau\) tatsächlich direkt ab. Allerdings nutzt das Verfahren nur den Kurvenanfang, eine Tangente lässt sich von Hand nur ungenau anlegen, und gerade dort fällt die Kurve am steilsten, sodass Ablesefehler stark durchschlagen. Als schnelle Kontrolle geeignet, als Hauptauswertung nicht.
Aussage 2 (Jonas) ist falsch. Beide Auftragungen ergeben zwar Geraden, aber wegen \(\lg U=\frac{\ln U}{\ln 10}\) gilt \(\lg U=\lg U_0-\frac{t}{\tau\cdot\ln 10}\). Die Steigung ist bei \(\lg\) um den Faktor \(\ln 10\approx2{,}30\) kleiner: \(m_{\lg}=-\frac{1}{\tau\ln10}\). Wer sie wie \(m_{\ln}=-\frac{1}{\tau}\) auswertet, erhält ein um den Faktor 2,3 zu großes \(\tau\) und eine 2,3-mal zu große Kapazität. Richtig wäre \(\tau=-\frac{1}{m_{\lg}\cdot\ln 10}\).
Aussage 3 (Elif) ist falsch. Startet die Stoppuhr um \(\Delta\) zu spät, sind alle gemessenen Zeiten um denselben Betrag zu klein: \(t_{\text{mess}}=t-\Delta\). In \(\ln U=\ln U_0-\frac{t_{\text{mess}}+\Delta}{\tau}=\left(\ln U_0-\frac{\Delta}{\tau}\right)-\frac{t_{\text{mess}}}{\tau}\) ändert sich nur der Achsenabschnitt, nicht die Steigung — und aus der Steigung wird \(\tau\) bestimmt. Außerdem wird der Wert bei \(t=0\) gar nicht mit der Stoppuhr gemessen: Er ist die Spannung, die vor dem Umschalten am geladenen Kondensator anliegt, und damit der zuverlässigste Punkt der Reihe. Ihn wegzulassen verschenkt Information, ohne einen Fehler zu beseitigen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Aufbau: Der Kondensator wird über den Umschalter in Stellung 1 mit dem Netzgerät verbunden (Aufladen), in Stellung 2 mit dem Widerstand \(R=1{,}0\,\mathrm{M\Omega}\) (Entladen). Das Voltmeter liegt parallel zum Kondensator und zeigt \(U_C\) an. Durchführung: Am Netzgerät wird eine gut ablesbare Anfangsspannung eingestellt, z. B. \(U_0=10{,}0\,\mathrm V\); man wartet, bis das Voltmeter diesen Wert stabil anzeigt. Beim Umschalten in Stellung 2 wird gleichzeitig die Stoppuhr gestartet (zu zweit: eine Person schaltet und startet, eine liest ab). Die Spannung wird in festen Abständen notiert, z. B. alle 2 s, bis sie auf etwa 5 % von \(U_0\) gefallen ist (rund \(3\tau\); bei einigen Mikrofarad und \(1\,\mathrm{M\Omega}\) sind das einige bis einige zehn Sekunden). Die Messung wird zwei- bis dreimal wiederholt. Auswertung: Zeiten in L1, Spannungen in L2, L3 = ln(L2). Kontrolle des Funktionstyps über die Quotienten aufeinanderfolgender Werte, dann LinReg für L1 und L3. Aus der Steigung \(a\) folgt \(\tau=-\frac{1}{a}\) und daraus \(C=\frac{\tau}{R}\). Der Achsenabschnitt \(b\) dient als Kontrolle: \(e^{b}\) muss \(U_0\) ergeben. Aus den Wiederholungen wird der Mittelwert von \(C\) gebildet und die Streuung als Maß für die Unsicherheit angegeben.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Während der Entladung liegt das Voltmeter parallel zu \(R\); der Kondensator entlädt sich über beide Wege. Ersatzwiderstand: \(\frac{1}{R_{\text{ges}}}=\frac{1}{1{,}0\,\mathrm{M\Omega}}+\frac{1}{10\,\mathrm{M\Omega}}=\frac{1{,}1}{\mathrm{M\Omega}}\), also \(R_{\text{ges}}=0{,}91\,\mathrm{M\Omega}\). Die tatsächliche Zeitkonstante ist \(\tau=R_{\text{ges}}\cdot C\), die Entladung läuft um rund 9 % schneller als mit \(R\) allein. Wer in der Auswertung mit \(C=\frac{\tau}{R}\) und \(R=1{,}0\,\mathrm{M\Omega}\) rechnet, erhält \(C_{\text{mess}}=\frac{R_{\text{ges}}}{R}\cdot C=0{,}91\,C\): Die Kapazität wird systematisch um etwa 9 % zu klein bestimmt. Abhilfe: entweder mit \(R_{\text{ges}}\) rechnen oder einen deutlich kleineren Entladewiderstand wählen (bei \(R=10\,\mathrm{k\Omega}\) läge der Fehler nur bei 0,1 %) — dann wird allerdings \(\tau\) so kurz, dass eine Stoppuhr nicht mehr ausreicht und ein Sensor nötig ist.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Für die Halbwertszeit-Methode spricht: Sie braucht keinen Rechner und keine Logarithmen, ist am Diagramm in einer Minute erledigt und lässt sich an mehreren Stellen der Kurve wiederholen (12 V → 6 V, 6 V → 3 V), was eine einfache Kontrolle liefert. Dagegen spricht: Sie nutzt nur zwei Punkte der Messreihe; ein einzelner Ablesefehler oder Ausreißer geht voll in das Ergebnis ein; die Ablesegenauigkeit ist durch das Diagrammraster begrenzt (bei 14 s etwa ±0,5 s, also ±4 %). Für die lineare Regression spricht: Sie verwendet alle Messwerte gleichzeitig, mittelt zufällige Ablesefehler heraus, liefert mit \(r^2\) und dem Vergleich \(e^{b}\) mit \(U_0\) eingebaute Kontrollen und deckt über die Linearität des \(\ln U\)-\(t\)-Diagramms auch den Funktionstyp auf. Dagegen spricht der höhere Aufwand (Listen, Logarithmieren, Rechnerbedienung) und die Gefahr, Ergebnisse unkritisch zu übernehmen — etwa eine hohe \(r^2\)-Zahl für einen falschen Funktionstyp (Aufgabe 3). Fazit: Für eine belastbare Bestimmung der Kapazität — etwa um die Toleranzangabe eines Bauteils zu prüfen — ist die Regression vorzuziehen, weil sie alle Messwerte nutzt und den Einzelfehler unterdrückt. Die Halbwertszeit eignet sich als schnelle Plausibilitätskontrolle des Regressionsergebnisses; beide zusammen sind besser als jede Methode allein.
