Kondensator im Blitzgerät
AFB IIn einem Kamerablitz liefern zwei Batterien nur eine Spannung von \(3{,}0\,\mathrm V\). Ein elektronischer Wandler erhöht diese Spannung und lädt damit einen Kondensator auf \(U=330\,\mathrm V\) auf (Material M1). Beim Auslösen entlädt sich der Kondensator innerhalb von \(1{,}5\,\mathrm{ms}\) über die Blitzröhre. Die Kenndaten des Geräts sind in Material M2 zusammengestellt. Der Wandler soll als verlustfrei angenommen werden.
Der Wandler lädt den Kondensator langsam aus den Batterien; beim Auslösen gibt der Kondensator seine Energie in einem kurzen Impuls an die Blitzröhre ab.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Kapazität des Blitzkondensators | 1200 µF |
| Ladespannung | 330 V |
| Dauer des Blitzes | 1,5 ms |
| Ladezeit aus den Batterien | ca. 6,0 s |
| Batteriespannung | 2 × 1,5 V |
Die Ladezeit ist die Zeit, nach der der Kondensator wieder die volle Ladespannung erreicht hat.
- Geben Sie die drei gleichwertigen Formen der Formel für die in einem Kondensator gespeicherte Energie an und nennen Sie die darin auftretenden Größen mit ihren Einheiten.
- Berechnen Sie die im Kondensator gespeicherte Energie und die Ladung auf einer Platte bei voller Ladespannung.
- Berechnen Sie die mittlere Leistung während des Blitzes und die mittlere Leistung während des Ladens. Erläutern Sie anhand der beiden Werte, warum die Blitzröhre nicht direkt aus den Batterien betrieben wird.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(W=\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\,Q\,U=\dfrac{Q^{2}}{2C}\). Dabei ist \(W\) die gespeicherte Energie in Joule (J), \(C\) die Kapazität in Farad (F), \(U\) die Spannung am Kondensator in Volt (V) und \(Q\) die Ladung auf einer Platte in Coulomb (C).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Umrechnung: \(C=1200\,\mu\mathrm F=1{,}2\cdot 10^{-3}\,\mathrm F\). Energie: \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\cdot 1{,}2\cdot 10^{-3}\,\mathrm F\cdot(330\,\mathrm V)^{2}=65{,}3\,\mathrm J\approx 65\,\mathrm J\). Ladung: \(Q=C\cdot U=1{,}2\cdot 10^{-3}\,\mathrm F\cdot 330\,\mathrm V=0{,}40\,\mathrm C\). (Kontrolle: \(\tfrac12\,Q\,U=\tfrac12\cdot 0{,}396\,\mathrm C\cdot 330\,\mathrm V=65{,}3\,\mathrm J\).)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Blitz: \(P_\text{Blitz}=\dfrac{W}{t}=\dfrac{65{,}3\,\mathrm J}{1{,}5\cdot 10^{-3}\,\mathrm s}=4{,}4\cdot 10^{4}\,\mathrm W=44\,\mathrm{kW}\). Laden: \(P_\text{Laden}=\dfrac{65{,}3\,\mathrm J}{6{,}0\,\mathrm s}=11\,\mathrm W\). Erläuterung: Beide Vorgänge setzen dieselbe Energie um, aber der Blitz braucht sie in einer 4000-mal kürzeren Zeit — die Leistung ist entsprechend rund 4000-mal größer. Zwei kleine Batterien können zwar über einige Sekunden etwa \(11\,\mathrm W\) liefern, aber niemals \(44\,\mathrm{kW}\); außerdem stellen sie nur \(3\,\mathrm V\) bereit, während die Blitzröhre eine hohe Spannung benötigt. Der Kondensator sammelt die Energie langsam und gibt sie schnell wieder ab — er wirkt als Leistungsspeicher, nicht als Energiespeicher großer Menge.
Energie als Fläche im U-Q-Diagramm
AFB IIEin Kondensator wird über einen Widerstand schrittweise geladen. Nach jedem Schritt werden die Spannung \(U\) am Kondensator und die bis dahin auf die Platten geflossene Ladung \(Q\) festgehalten; die Ladung wurde dabei jeweils als Fläche unter dem \(I\)-\(t\)-Graphen des Ladestroms mit dem GTR bestimmt. Die Messwerte sind in Material M1 und M2 dargestellt.
Die Messpunkte liegen im Rahmen der Messgenauigkeit auf einer Ursprungsgeraden. Violett markiert ist die Fläche zwischen Gerade und \(Q\)-Achse bis zum letzten Messpunkt.
| Messung | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Spannung U in V | 0,0 | 2,0 | 4,0 | 6,0 | 8,0 | 10,0 |
| Ladung Q in mC | 0,00 | 0,96 | 1,86 | 2,85 | 3,74 | 4,71 |
Die Ladung wurde aus dem Ladestrom bestimmt; die Messunsicherheit von \(Q\) beträgt etwa \(\pm 0{,}05\,\mathrm{mC}\).
- Weisen Sie anhand der Messwerte nach, dass die Spannung proportional zur Ladung ist, und bestimmen Sie die Kapazität des Kondensators.
- Erläutern Sie, warum die in Material M1 markierte Fläche die beim Laden zugeführte Energie darstellt, und berechnen Sie diese Energie für den vollständig geladenen Kondensator.
- Ein Schüler berechnet die Energie mit \(W=Q\cdot U\) und erhält den doppelten Wert. Erklären Sie seinen Fehler mithilfe des Diagramms.
- Ein zweiter Kondensator mit \(C_2=940\,\mu\mathrm F\) wird auf dieselbe Ladung \(Q=4{,}71\,\mathrm{mC}\) gebracht. Vergleichen Sie die in beiden Kondensatoren gespeicherten Energien und begründen Sie das Ergebnis mit dem \(U\)-\(Q\)-Diagramm.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Quotienten \(\frac{Q}{U}\) in \(\mathrm{\frac{mC}{V}}\): \(0{,}480\); \(0{,}465\); \(0{,}475\); \(0{,}468\); \(0{,}471\). Die Quotienten stimmen im Rahmen der Messunsicherheit überein, also ist \(U\sim Q\) (die Messpunkte in M1 liegen entsprechend auf einer Ursprungsgeraden). Kapazität: Mittelwert \(\frac{Q}{U}\approx 0{,}47\,\mathrm{\frac{mC}{V}}\), also \(C=\frac{Q}{U}\approx 4{,}7\cdot 10^{-4}\,\mathrm F=470\,\mu\mathrm F\). (Gleichwertig: Steigung der Ursprungsgeraden \(\frac{U}{Q}=\frac{1}{C}\).)
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Wird bei der Spannung \(U\) eine kleine Ladungsportion \(\Delta Q\) auf den Kondensator gebracht, ist dafür die Energie \(\Delta W=U\cdot\Delta Q\) nötig — im Diagramm ein schmaler Streifen der Breite \(\Delta Q\) und der Höhe \(U\) unter der Geraden. Alle Streifen zusammen füllen die Dreiecksfläche aus; ihre Summe ist die gesamte zugeführte Energie, und wegen \(1\,\mathrm V\cdot 1\,\mathrm C=1\,\mathrm J\) hat die Fläche tatsächlich die Einheit einer Energie. Rechnung: \(W=\tfrac12\,Q\,U=\tfrac12\cdot 4{,}71\cdot 10^{-3}\,\mathrm C\cdot 10{,}0\,\mathrm V=2{,}4\cdot 10^{-2}\,\mathrm J\approx 24\,\mathrm{mJ}\). (Kontrolle: \(\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\cdot 470\cdot 10^{-6}\,\mathrm F\cdot(10{,}0\,\mathrm V)^{2}=23{,}5\,\mathrm{mJ}\).)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Das Produkt \(Q\cdot U\) ist im Diagramm das Rechteck mit den Seiten \(Q=4{,}71\,\mathrm{mC}\) und \(U=10{,}0\,\mathrm V\). Es wäre die Energie, wenn jede Ladungsportion gegen die volle Endspannung \(10\,\mathrm V\) verschoben werden müsste. Tatsächlich ist die Spannung zu Beginn null und wächst erst während des Ladens an; die meisten Portionen werden gegen eine kleinere Spannung verschoben. Die tatsächliche Energie ist deshalb nur die Dreiecksfläche — genau die Hälfte des Rechtecks. Der Schüler hat die Endspannung statt der mittleren Spannung \(\tfrac12 U\) verwendet.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Kondensator 1: \(W_1=\dfrac{Q^{2}}{2C_1}=\dfrac{(4{,}71\cdot 10^{-3}\,\mathrm C)^{2}}{2\cdot 470\cdot 10^{-6}\,\mathrm F}=2{,}4\cdot 10^{-2}\,\mathrm J\). Kondensator 2: \(W_2=\dfrac{(4{,}71\cdot 10^{-3}\,\mathrm C)^{2}}{2\cdot 940\cdot 10^{-6}\,\mathrm F}=1{,}2\cdot 10^{-2}\,\mathrm J\). Bei gleicher Ladung speichert der Kondensator mit doppelter Kapazität nur die halbe Energie. Begründung mit dem Diagramm: Die Gerade des zweiten Kondensators hat die Steigung \(\frac{1}{C_2}\), also nur die halbe Steigung; bei derselben Ladung \(Q\) erreicht sie nur die halbe Spannung \(U_2=\frac{Q}{C_2}=5{,}0\,\mathrm V\). Das Dreieck hat dieselbe Grundseite \(Q\), aber die halbe Höhe — und damit die halbe Fläche.
Defibrillator
AFB IIEin Defibrillator gibt bei Herzkammerflimmern einen kurzen, kräftigen Stromimpuls durch den Brustkorb ab. Dazu wird ein Kondensator aus einem \(12\)-V-Akku über einen Wandler geladen und anschließend über zwei Elektroden durch den Körper des Patienten entladen (Material M1). Der Körper zwischen den Elektroden wirkt dabei wie ein Widerstand. Die Kenndaten sind in Material M2 zusammengestellt; der Wandler soll als verlustfrei angenommen werden.
In der Stellung „Laden“ füllt der Wandler den Kondensator aus dem Akku; in der Stellung „Entladen“ fließt die Ladung über die Elektroden durch den Körper.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Kapazität | 150 µF |
| Ladespannung \(U_0\) | 2,0 kV |
| Ladezeit aus dem Akku | 8,0 s |
| Spannung des Akkus | 12 V |
| Widerstand des Körpers zwischen den Elektroden | 50 Ω |
Beim Entladen über den Widerstand \(R\) sinkt die Spannung am Kondensator nach \(U(t)=U_0\cdot e^{-\frac{t}{\tau}}\) mit \(\tau=R\cdot C\).
- Berechnen Sie die im Kondensator gespeicherte Energie und die Ladung auf einer Platte bei voller Ladespannung.
- Berechnen Sie die mittlere Leistung, die der Akku beim Laden abgibt, und die mittlere Stromstärke, die dabei aus dem Akku fließt. Erläutern Sie, warum der Kondensator nicht direkt an den Akku angeschlossen werden kann.
- Bestimmen Sie die Zeitkonstante des Entladevorgangs und ermitteln Sie, welcher Anteil der gespeicherten Energie nach der Zeit \(\tau\) bereits an den Körper abgegeben wurde. Erklären Sie, warum dieser Anteil größer ist als der Anteil, um den die Spannung in derselben Zeit gesunken ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Umrechnung: \(C=150\,\mu\mathrm F=1{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm F\), \(U_0=2{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V\). Energie: \(W=\tfrac12\,C\,U_0^{2}=\tfrac12\cdot 1{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm F\cdot(2{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V)^{2}=3{,}0\cdot 10^{2}\,\mathrm J\). Ladung: \(Q=C\cdot U_0=1{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm F\cdot 2{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V=0{,}30\,\mathrm C\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Leistung beim Laden: \(P=\dfrac{W}{t}=\dfrac{300\,\mathrm J}{8{,}0\,\mathrm s}=38\,\mathrm W\) (genauer \(37{,}5\,\mathrm W\)). Stromstärke aus dem Akku: \(I=\dfrac{P}{U_\text{Akku}}=\dfrac{37{,}5\,\mathrm W}{12\,\mathrm V}=3{,}1\,\mathrm A\). Erläuterung: Direkt am Akku könnte der Kondensator höchstens auf \(12\,\mathrm V\) geladen werden. Er speicherte dann nur \(W=\tfrac12\cdot 1{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm F\cdot(12\,\mathrm V)^{2}=1{,}1\cdot 10^{-2}\,\mathrm J\) — rund 28 000-mal weniger als benötigt, weil die Spannung quadratisch in die Energie eingeht. Der Wandler ist also nötig, um die Spannung auf \(2{,}0\,\mathrm{kV}\) zu erhöhen; die Energie stammt trotzdem aus dem Akku, nur bei kleiner Spannung und entsprechend größerem Strom.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Zeitkonstante: \(\tau=R\cdot C=50\,\Omega\cdot 1{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm F=7{,}5\cdot 10^{-3}\,\mathrm s=7{,}5\,\mathrm{ms}\). Nach \(t=\tau\) gilt \(U(\tau)=U_0\cdot e^{-1}\approx 0{,}368\,U_0\approx 7{,}4\cdot 10^{2}\,\mathrm V\). Gespeicherte Energie: \(W(\tau)=\tfrac12\,C\,U(\tau)^{2}=\tfrac12\,C\,U_0^{2}\cdot e^{-2}=W_0\cdot e^{-2}\approx 0{,}135\,W_0\approx 41\,\mathrm J\). Abgegeben wurden also \(1-e^{-2}\approx 0{,}86\), das heißt rund \(86\,\%\) der Energie (etwa \(2{,}6\cdot 10^{2}\,\mathrm J\)), während die Spannung erst um \(63\,\%\) gesunken ist. Erklärung: Die Energie hängt quadratisch von der Spannung ab. Sinkt die Spannung auf den Anteil \(e^{-1}\), sinkt die Energie auf den Anteil \((e^{-1})^{2}=e^{-2}\). Die Energie nimmt deshalb mit der halben Zeitkonstante \(\frac{\tau}{2}\) ab und ist schon nach kurzer Zeit fast vollständig an den Körper übergegangen.
Die Energie sitzt im Feld
AFB IIEin Plattenkondensator mit der Plattenfläche \(A=0{,}40\,\mathrm{m^{2}}\) und dem Plattenabstand \(d=1{,}0\,\mathrm{mm}\) liegt an der Spannung \(U=3{,}0\,\mathrm{kV}\); zwischen den Platten befindet sich Luft (Material M1, M2). Das Feld zwischen den Platten wird als homogen angenommen. Neben der Bauteilformel \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\) lässt sich die gespeicherte Energie auch aus der Feldstärke und dem Volumen des Feldraums berechnen.
Die Energie des geladenen Kondensators steckt im Feldraum zwischen den Platten. Dieser Raum hat das Volumen \(V=A\cdot d\).
| Größe | Wert |
|---|---|
| Plattenfläche \(A\) | 0,40 m² |
| Plattenabstand \(d\) | 1,0 mm |
| Spannung \(U\) | 3,0 kV |
| elektrische Feldkonstante \(\varepsilon_0\) | \(8{,}85\cdot 10^{-12}\,\mathrm{\frac{F}{m}}\) |
| Durchschlagsfeldstärke von Luft | ca. \(3\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) |
Für die Kapazität gilt \(C=\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\), für das homogene Feld \(U=E\cdot d\). Oberhalb der Durchschlagsfeldstärke wird Luft leitend.
- Leiten Sie aus \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\) die Beziehung \(W=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\cdot A\cdot d\) her.
- Berechnen Sie die Feldstärke zwischen den Platten, die Energiedichte des Feldes und die gespeicherte Energie. Beurteilen Sie mithilfe von Material M2, ob der Kondensator so betrieben werden kann.
- Der Plattenabstand wird bei angeschlossener Spannungsquelle auf die Hälfte verringert. Erläutern Sie sowohl mit der Bauteilformel als auch mit der Feldformel, wie sich die gespeicherte Energie dadurch ändert.
- Der auf \(3{,}0\,\mathrm{kV}\) geladene Kondensator mit dem ursprünglichen Abstand \(d=1{,}0\,\mathrm{mm}\) wird nun von der Quelle getrennt; anschließend wird der Plattenabstand verdoppelt. Bestimmen Sie die gespeicherte Energie nach dem Auseinanderziehen und erklären Sie, woher die zusätzliche Energie stammt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Ausgangspunkt: \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\). Einsetzen von \(C=\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\) und \(U=E\cdot d\): \(W=\tfrac12\,\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\,(E\,d)^{2}=\tfrac12\,\varepsilon_0\dfrac{A}{d}\,E^{2}\,d^{2}\). Kürzen von \(d\): \(W=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\cdot A\cdot d\). Rechts stehen nur noch die Feldstärke und das Volumen \(V=A\cdot d\) des Feldraums; mit der Energiedichte \(w=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\) ist \(W=w\cdot V\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Feldstärke: \(E=\dfrac{U}{d}=\dfrac{3{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V}{1{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm m}=3{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\). Energiedichte: \(w=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}=\tfrac12\cdot 8{,}85\cdot 10^{-12}\,\mathrm{\frac{F}{m}}\cdot(3{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}})^{2}=40\,\mathrm{\frac{J}{m^{3}}}\). Energie: \(W=w\cdot A\cdot d=39{,}8\,\mathrm{\frac{J}{m^{3}}}\cdot 0{,}40\,\mathrm{m^{2}}\cdot 1{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm m=1{,}6\cdot 10^{-2}\,\mathrm J=16\,\mathrm{mJ}\). (Kontrolle: \(C=\varepsilon_0\frac{A}{d}=3{,}54\,\mathrm{nF}\), \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\cdot 3{,}54\cdot 10^{-9}\,\mathrm F\cdot(3{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V)^{2}=1{,}6\cdot 10^{-2}\,\mathrm J\) ✓.) Beurteilung: Die Feldstärke erreicht mit \(3{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\) genau die Durchschlagsfeldstärke von Luft. Der Kondensator arbeitet damit an der Grenze — schon eine geringfügig höhere Spannung, feuchte Luft oder Staub führen zum Funkenüberschlag. Ein Betrieb ist so nicht sinnvoll; man müsste die Spannung verringern, den Abstand vergrößern oder ein Dielektrikum mit höherer Durchschlagsfestigkeit einsetzen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Bauteil-Sicht: Wegen \(C=\varepsilon_0\frac{A}{d}\) verdoppelt sich die Kapazität bei halbem Abstand. Da \(U\) durch die Quelle konstant gehalten wird, gilt \(W=\tfrac12\,C\,U^{2}\) mit doppeltem \(C\) — die Energie verdoppelt sich auf \(32\,\mathrm{mJ}\). Feld-Sicht: Wegen \(E=\frac{U}{d}\) verdoppelt sich die Feldstärke; die Energiedichte \(w=\tfrac12\,\varepsilon_0\,E^{2}\) wächst auf das Vierfache. Gleichzeitig halbiert sich aber das Volumen des Feldraums \(V=A\cdot d\). Insgesamt: \(W=w\cdot V\) mit dem Faktor \(4\cdot\tfrac12=2\) — ebenfalls die doppelte Energie. Beide Sichtweisen beschreiben dieselbe Energie und müssen daher denselben Faktor liefern; die zusätzliche Energie wird dabei von der Quelle nachgeliefert, weil bei doppelter Kapazität und gleicher Spannung die doppelte Ladung auf die Platten fließt.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Nach dem Trennen bleibt die Ladung erhalten: \(Q=C\cdot U=3{,}54\cdot 10^{-9}\,\mathrm F\cdot 3{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm V=1{,}06\cdot 10^{-5}\,\mathrm C\). Bei doppeltem Abstand halbiert sich die Kapazität: \(C^{\prime}=1{,}77\,\mathrm{nF}\). Energie: \(W^{\prime}=\dfrac{Q^{2}}{2C^{\prime}}=\dfrac{(1{,}06\cdot 10^{-5}\,\mathrm C)^{2}}{2\cdot 1{,}77\cdot 10^{-9}\,\mathrm F}=3{,}2\cdot 10^{-2}\,\mathrm J=32\,\mathrm{mJ}\) — die Energie hat sich verdoppelt. (Feld-Sicht: Die Spannung steigt auf \(U^{\prime}=\frac{Q}{C^{\prime}}=6{,}0\,\mathrm{kV}\), die Feldstärke \(E=\frac{U^{\prime}}{2d}\) bleibt unverändert, ebenso die Energiedichte — nur der Feldraum ist doppelt so groß.) Herkunft der Energie: Die ungleichnamig geladenen Platten ziehen einander an. Beim Auseinanderziehen muss gegen diese Anziehungskraft Energie zugeführt werden; genau diese Energie steckt anschließend zusätzlich im Feld. Die Energie kommt also nicht aus einer Spannungsquelle, sondern aus der Hand, die die Platten auseinanderzieht.
Bremsenergie im Stadtbus
AFB IIIModerne Stadtbusse speichern beim Bremsen einen Teil der Bewegungsenergie in Kondensatormodulen mit sehr großer Kapazität und nutzen sie beim Anfahren wieder. Ein Modul besteht aus vielen in Reihe geschalteten Zellen und lässt sich bis \(125\,\mathrm V\) laden; zum Vergleich steht ein Akkumodul mit derselben Nennspannung zur Verfügung (Material M2). In einer Lerngruppe werden dazu die beiden Aussagen aus Material M1 geäußert.
Für einen Akku darf angenommen werden, dass seine Spannung während des Entladens konstant bleibt; die Energie folgt dann aus \(W=Q\cdot U\).
Beide Aussagen klingen auf den ersten Blick plausibel — ob sie stimmen, entscheidet die Rechnung.
| Eigenschaft | Kondensatormodul | Akkumodul |
|---|---|---|
| Nennspannung | 125 V | 125 V |
| Kapazität bzw. Ladung | 63 F | 10 Ah |
| Masse | 60 kg | 12 kg |
| maximale Lade-/Entladeleistung | 100 kW | 6 kW |
| Zahl der möglichen Lade-Entlade-Zyklen | etwa 1 000 000 | etwa 2 000 |
Eine Amperestunde ist eine Ladungseinheit: \(1\,\mathrm{Ah}=1\,\mathrm A\cdot 3600\,\mathrm s=3600\,\mathrm C\). Ein Stadtbus bremst und fährt an einem Betriebstag mehrere hundert Mal an.
- Beurteilen Sie die beiden Aussagen aus Material M1 rechnerisch.
- Der Bus mit der Masse \(m=18\,\mathrm t\) bremst aus \(36\,\mathrm{\frac{km}{h}}\) bis zum Stillstand ab; dabei können \(60\,\%\) seiner Bewegungsenergie in die Kondensatormodule zurückgespeist werden. Ermitteln Sie, wie viele Module dafür mindestens nötig sind, und berechnen Sie die mittlere Leistung, die die Module während des \(5{,}0\,\mathrm s\) dauernden Bremsvorgangs aufnehmen müssen.
- Ein Ingenieur schlägt vor, die Kondensatormodule im Bus durch Akkumodule zu ersetzen, weil diese leichter sind und mehr Energie speichern. Diskutieren Sie diesen Vorschlag anhand von Material M2.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Kondensatormodul: \(W_C=\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\cdot 63\,\mathrm F\cdot(125\,\mathrm V)^{2}=4{,}9\cdot 10^{5}\,\mathrm J\). Akkumodul: \(Q=10\,\mathrm{Ah}=10\cdot 3600\,\mathrm C=3{,}6\cdot 10^{4}\,\mathrm C\), also \(W_A=Q\cdot U=3{,}6\cdot 10^{4}\,\mathrm C\cdot 125\,\mathrm V=4{,}5\cdot 10^{6}\,\mathrm J\). Aussage 1 ist falsch: Das Akkumodul speichert rund neunmal so viel Energie wie das Kondensatormodul — und das bei einem Fünftel der Masse. Der Vergleich „63 gegen 10“ ist unzulässig, weil Farad (Kapazität) und Amperestunden (Ladung) verschiedene Größen messen; erst die Energie ist vergleichbar. Aussage 2 ist falsch: Bei halber Spannung ist wegen \(W\sim U^{2}\) nur noch ein Viertel der Energie im Modul: \(\tfrac12\cdot 63\,\mathrm F\cdot(62{,}5\,\mathrm V)^{2}=1{,}2\cdot 10^{5}\,\mathrm J\). Abgegeben wurden also drei Viertel (rund \(3{,}7\cdot 10^{5}\,\mathrm J\)), nicht die Hälfte. Die Hälfte der Energie ist bereits abgegeben, wenn die Spannung auf \(\frac{125\,\mathrm V}{\sqrt 2}\approx 88\,\mathrm V\) gesunken ist.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Geschwindigkeit: \(v=36\,\mathrm{\frac{km}{h}}=10\,\mathrm{\frac{m}{s}}\). Bewegungsenergie: \(W_\text{kin}=\tfrac12\,m\,v^{2}=\tfrac12\cdot 1{,}8\cdot 10^{4}\,\mathrm{kg}\cdot(10\,\mathrm{\frac{m}{s}})^{2}=9{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm J\). Speicherbar: \(0{,}60\cdot 9{,}0\cdot 10^{5}\,\mathrm J=5{,}4\cdot 10^{5}\,\mathrm J\). Ein Modul fasst \(4{,}9\cdot 10^{5}\,\mathrm J\), das reicht nicht; \(\frac{5{,}4\cdot 10^{5}}{4{,}9\cdot 10^{5}}\approx 1{,}1\) — es sind also mindestens zwei Module nötig (im Betrieb sind die Module beim Bremsen zudem nie ganz leer, sodass in der Praxis mehr Module verbaut werden). Leistung: \(P=\dfrac{W}{t}=\dfrac{5{,}4\cdot 10^{5}\,\mathrm J}{5{,}0\,\mathrm s}=1{,}1\cdot 10^{5}\,\mathrm W\approx 110\,\mathrm{kW}\). Zwei Kondensatormodule können zusammen \(200\,\mathrm{kW}\) aufnehmen — das genügt.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Für den Vorschlag spricht: Ein Akkumodul speichert mit \(4{,}5\cdot 10^{6}\,\mathrm J\) rund neunmal so viel Energie wie ein Kondensatormodul und wiegt nur ein Fünftel; schon ein einziges Akkumodul könnte die Bremsenergie aus b) aufnehmen, und das eingesparte Gewicht senkt den Energiebedarf des Busses. Dagegen spricht erstens die Leistung: Beim Bremsen fallen etwa \(110\,\mathrm{kW}\) an, ein Akkumodul nimmt aber höchstens \(6\,\mathrm{kW}\) auf — man bräuchte rund 18 Akkumodule (mit etwa \(220\,\mathrm{kg}\) und \(8\cdot 10^{7}\,\mathrm J\) Speicher, der zu weniger als einem Prozent genutzt würde), oder der größte Teil der Bremsenergie müsste weiterhin als Wärme verloren gehen. Zweitens die Lebensdauer: Ein Stadtbus bremst mehrere hundert Mal am Tag; mit etwa \(2\,000\) Zyklen wäre ein Akku nach wenigen Tagen bis Wochen verschlissen, während \(1\,000\,000\) Zyklen des Kondensators viele Jahre reichen. Fazit: Für die Aufgabe „Bremsenergie kurzzeitig aufnehmen und beim Anfahren wieder abgeben“ ist der Kondensator wegen seiner hohen Leistung und Zyklenfestigkeit die bessere Wahl — er ist ein Leistungsspeicher, kein Energiespeicher. Akkus sind dort überlegen, wo große Energiemengen über lange Zeit bereitgestellt werden sollen, etwa für die Reichweite eines Elektrobusses. Sinnvoll ist deshalb die Kombination beider Speicher, nicht der Ersatz.
