Elektronenstrahl im Oszilloskop
AFB IIn der Röhre eines Oszilloskops werden Elektronen aus einer Glühkathode gelöst und mit der Beschleunigungsspannung \(U_\text{B}=1{,}5\,\mathrm{kV}\) beschleunigt. Anschließend treten sie waagerecht in das homogene Feld zweier Ablenkplatten ein, die \(l=4{,}0\,\mathrm{cm}\) lang sind und den Abstand \(d=1{,}0\,\mathrm{cm}\) haben (Material M1). Zwischen den Platten liegt die Ablenkspannung \(U_\text{A}=60\,\mathrm V\). Hinter den Platten fliegen die Elektronen weiter bis zum Leuchtschirm.
Rechnen Sie mit \(e=1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\) und \(m_\text{e}=9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}\). Die Gewichtskraft der Elektronen wird vernachlässigt.
Die gestrichelte Linie markiert die Bahn ohne Ablenkspannung.
- Beschreiben Sie die Bewegung eines Elektrons zwischen den Platten, indem Sie sie in zwei Teilbewegungen zerlegen, und nennen Sie die Form der Bahnkurve.
- Berechnen Sie die Geschwindigkeit \(v_0\), mit der die Elektronen in das Ablenkfeld eintreten, sowie die Ablenkung \(y\) am Ende der Platten.
- Begründen Sie anhand von Material M1, dass die Elektronen nach oben abgelenkt werden, und erklären Sie, warum der Leuchtfleck ruhig an einer Stelle steht, obwohl er von einem ständigen Strom einzelner Elektronen erzeugt wird.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
In Flugrichtung (waagerecht) wirkt keine Kraft: Die Bewegung ist gleichförmig, das Elektron behält \(v_0\) bei und legt in gleichen Zeiten gleiche Strecken zurück. Quer dazu (senkrecht zu den Platten) wirkt die konstante elektrische Kraft \(F=e\,E\): Die Bewegung ist gleichmäßig beschleunigt aus der Ruhe, die Ablenkung wächst mit \(t^{2}\). Beide Teilbewegungen laufen unabhängig voneinander ab und sind nur über die gemeinsame Zeit verknüpft. Die Bahnkurve ist eine Parabel.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Eintrittsgeschwindigkeit: Aus \(\tfrac12 m v_0^{2}=e\,U_\text{B}\) folgt \(\displaystyle v_0=\sqrt{\frac{2\,e\,U_\text{B}}{m}}=\sqrt{\frac{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 1500\,\mathrm V}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}}=2{,}30\cdot 10^{7}\,\mathrm{\frac{m}{s}}\).
Feldstärke: \(\displaystyle E=\frac{U_\text{A}}{d}=\frac{60\,\mathrm V}{0{,}010\,\mathrm m}=6{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\). Beschleunigung: \(\displaystyle a=\frac{e\,E}{m}=\frac{1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 6{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{V}{m}}}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}=1{,}06\cdot 10^{15}\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\). Flugzeit: \(\displaystyle t=\frac{l}{v_0}=\frac{0{,}040\,\mathrm m}{2{,}30\cdot 10^{7}\,\mathrm{\frac{m}{s}}}=1{,}74\cdot 10^{-9}\,\mathrm s\). Ablenkung: \(y=\tfrac12 a t^{2}=\tfrac12\cdot 1{,}06\cdot 10^{15}\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\cdot\left(1{,}74\cdot 10^{-9}\,\mathrm s\right)^{2}=1{,}6\cdot 10^{-3}\,\mathrm m=1{,}6\,\mathrm{mm}\).
(Kontrolle über die zusammengefasste Formel \(y=\frac{U_\text{A}\,l^{2}}{4\,d\,U_\text{B}}=\frac{60\,\mathrm V\cdot(0{,}040\,\mathrm m)^{2}}{4\cdot 0{,}010\,\mathrm m\cdot 1500\,\mathrm V}=1{,}6\,\mathrm{mm}\).)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
In M1 ist die obere Platte positiv, die untere negativ geladen; die Feldlinien zeigen also nach unten. Die Feldrichtung ist als Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung festgelegt. Das Elektron ist negativ geladen, die Kraft wirkt daher entgegen der Feldrichtung — nach oben, zur positiven Platte hin. Die Elektronen werden folglich nach oben abgelenkt.
Bei konstanter Beschleunigungsspannung treten alle Elektronen mit derselben Geschwindigkeit \(v_0\) ein. Damit sind auch Flugzeit \(t=\frac{l}{v_0}\), Beschleunigung \(a\) und Ablenkung \(y\) für jedes Elektron gleich; alle Elektronen verlassen das Feld unter demselben Winkel und treffen an derselben Stelle auf den Schirm. Der Leuchtfleck steht still, obwohl er von einem ständigen Strom einzelner Elektronen erzeugt wird.
Tintenstrahldrucker
AFB IIIn einem industriellen Tintenstrahldrucker verlässt ein feiner Tintenstrahl die Düse und zerfällt in einzelne Tröpfchen der Masse \(m=1{,}0\cdot 10^{-10}\,\mathrm{kg}\), die sich mit \(v_0=20\,\mathrm{\frac{m}{s}}\) waagerecht bewegen. Eine Ladeelektrode gibt jedem Tröpfchen, das gedruckt werden soll, die Ladung \(q=1{,}5\cdot 10^{-13}\,\mathrm C\). Danach durchfliegen die Tröpfchen das homogene Feld zweier Ablenkplatten (Länge \(l=1{,}5\,\mathrm{cm}\), Abstand \(d=2{,}0\,\mathrm{mm}\), Spannung \(U=2{,}0\,\mathrm{kV}\)) und treffen \(L=2{,}0\,\mathrm{cm}\) hinter dem Plattenende auf das Papier (Material M1). Ungeladene Tröpfchen fliegen geradeaus in eine Auffangrinne.
Rechnen Sie mit \(g=9{,}81\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\).
Der Auftreffpunkt auf dem Papier wird über die Ladung des Tröpfchens gesteuert.
- Beurteilen Sie durch Vergleich der Kräfte, ob die Gewichtskraft der Tröpfchen im Ablenkfeld vernachlässigt werden darf.
- Berechnen Sie die Ablenkung \(y\) am Plattenende und den Abstand \(Y\) des Auftreffpunkts auf dem Papier von der Auffangrinne.
- Für die nächste Bildzeile soll ein Tröpfchen \(3{,}0\,\mathrm{mm}\) oberhalb der Auffangrinne auftreffen. Ermitteln Sie ohne vollständige Neuberechnung die dafür nötige Ladung und begründen Sie Ihr Vorgehen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Feldstärke: \(\displaystyle E=\frac{U}{d}=\frac{2000\,\mathrm V}{0{,}0020\,\mathrm m}=1{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}\). Elektrische Kraft: \(F_\text{el}=q\,E=1{,}5\cdot 10^{-13}\,\mathrm C\cdot 1{,}0\cdot 10^{6}\,\mathrm{\frac{V}{m}}=1{,}5\cdot 10^{-7}\,\mathrm N\). Gewichtskraft: \(F_\text{G}=m\,g=1{,}0\cdot 10^{-10}\,\mathrm{kg}\cdot 9{,}81\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}=9{,}8\cdot 10^{-10}\,\mathrm N\).
Verhältnis: \(\displaystyle \frac{F_\text{el}}{F_\text{G}}\approx 150\). Die Gewichtskraft beträgt weniger als 1 % der elektrischen Kraft; sie darf für die Berechnung der Ablenkung vernachlässigt werden. (Anders als beim Elektron ist der Unterschied hier allerdings nicht mehr astronomisch groß — bei geringerer Ladung oder größeren Tröpfchen müsste man sie berücksichtigen.)
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Beschleunigung: \(\displaystyle a=\frac{F_\text{el}}{m}=\frac{1{,}5\cdot 10^{-7}\,\mathrm N}{1{,}0\cdot 10^{-10}\,\mathrm{kg}}=1{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\). Flugzeit: \(\displaystyle t=\frac{l}{v_0}=\frac{0{,}015\,\mathrm m}{20\,\mathrm{\frac{m}{s}}}=7{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm s\). Ablenkung: \(y=\tfrac12 a t^{2}=\tfrac12\cdot 1{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\cdot\left(7{,}5\cdot 10^{-4}\,\mathrm s\right)^{2}=4{,}2\cdot 10^{-4}\,\mathrm m=0{,}42\,\mathrm{mm}\).
Austrittswinkel: \(\displaystyle \tan\alpha=\frac{a\,l}{v_0^{2}}=\frac{1{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{m}{s^{2}}}\cdot 0{,}015\,\mathrm m}{\left(20\,\mathrm{\frac{m}{s}}\right)^{2}}=0{,}056\). Auftreffpunkt: \(Y=\left(\frac{l}{2}+L\right)\tan\alpha=(0{,}0075\,\mathrm m+0{,}020\,\mathrm m)\cdot 0{,}056=1{,}5\cdot 10^{-3}\,\mathrm m=1{,}5\,\mathrm{mm}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Ladung geht nur über die Beschleunigung \(a=\frac{qE}{m}\) ein; \(\tan\alpha=\frac{a\,l}{v_0^{2}}\) und damit auch \(Y=\left(\frac{l}{2}+L\right)\tan\alpha\) sind zu \(a\) und folglich zu \(q\) proportional, alle übrigen Größen (\(E,\,m,\,l,\,L,\,v_0\)) bleiben unverändert. Aus \(Y=1{,}5\,\mathrm{mm}\) bei \(q=1{,}5\cdot 10^{-13}\,\mathrm C\) folgt für \(Y'=3{,}0\,\mathrm{mm}\) die doppelte Ladung: \(q'=3{,}0\cdot 10^{-13}\,\mathrm C\). Die Ladeelektrode muss dem Tröpfchen also die doppelte Ladung geben — genau so steuert der Drucker die Zeilenposition.
Auswertung eines Schülerexperiments
AFB IIEin Physikkurs untersucht mit einer Elektronenstrahl-Ablenkröhre, wie die Ablenkung \(Y\) des Leuchtflecks auf dem Schirm von der Ablenkspannung \(U_\text{A}\) abhängt. Die Beschleunigungsspannung bleibt während der Messung unverändert. Die Messwerte sind in Material M1 zusammengestellt und in Material M2 bereits in ein Koordinatensystem eingetragen.
| Ablenkspannung UA in V | 0 | 100 | 200 | 300 | 400 |
|---|---|---|---|---|---|
| Schirmablenkung Y in cm | 0,0 | 1,1 | 2,3 | 3,4 | 4,6 |
Röhrendaten: Plattenlänge \(l=5{,}0\,\mathrm{cm}\), Plattenabstand \(d=2{,}0\,\mathrm{cm}\), Abstand Plattenende–Schirm \(L=15\,\mathrm{cm}\). Beschleunigungsspannung laut Netzgerät \(U_\text{B}=2{,}0\,\mathrm{kV}\).
Die Messpunkte sind als Kreuze eingetragen. Zeichnen Sie für Teilaufgabe b) eine Ausgleichsgerade ein — auf Papier oder gedanklich.
- Zeigen Sie, dass für die Schirmablenkung gilt: \(\displaystyle Y=\left(\frac{l}{2}+L\right)\cdot\frac{l\,U_\text{A}}{2\,d\,U_\text{B}}\). Verwenden Sie dazu \(\tan\alpha=\frac{a\,l}{v_0^{2}}\) und den Energieansatz für die Beschleunigung.
- Werten Sie die Messreihe aus: Begründen Sie, dass die Messwerte mit der in a) hergeleiteten Beziehung verträglich sind, und ermitteln Sie die Steigung der Ausgleichsgeraden in \(\mathrm{\frac{cm}{V}}\).
- Ermitteln Sie aus der Steigung die tatsächliche Beschleunigungsspannung und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem am Netzgerät eingestellten Wert.
- Ein Schüler behauptet: „Mit dieser Messung lässt sich auch die spezifische Ladung \(\frac{e}{m}\) des Elektrons bestimmen.“ Beurteilen Sie diese Behauptung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Beschleunigung im Ablenkfeld: \(\displaystyle a=\frac{e\,E}{m}=\frac{e\,U_\text{A}}{m\,d}\). Energieansatz für die Eintrittsgeschwindigkeit: \(\tfrac12 m v_0^{2}=e\,U_\text{B}\;\Rightarrow\; v_0^{2}=\dfrac{2\,e\,U_\text{B}}{m}\).
Einsetzen: \(\displaystyle \tan\alpha=\frac{a\,l}{v_0^{2}}=\frac{e\,U_\text{A}\,l}{m\,d}\cdot\frac{m}{2\,e\,U_\text{B}}=\frac{l\,U_\text{A}}{2\,d\,U_\text{B}}\). Mit \(Y=\left(\frac{l}{2}+L\right)\tan\alpha\) folgt \(\displaystyle Y=\left(\frac{l}{2}+L\right)\cdot\frac{l\,U_\text{A}}{2\,d\,U_\text{B}}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Nach a) ist \(Y\) bei fester Beschleunigungsspannung proportional zu \(U_\text{A}\); der Graph muss eine Ursprungsgerade sein. Die Quotienten \(\frac{Y}{U_\text{A}}\) betragen \(0{,}0110\); \(0{,}0115\); \(0{,}0113\); \(0{,}0115\,\mathrm{\frac{cm}{V}}\) — im Rahmen der Ablesegenauigkeit konstant, die Messpunkte liegen in M2 nahezu auf einer Ursprungsgeraden. Die Messung ist mit der Beziehung verträglich.
Ausgleichsgerade durch den Ursprung; Steigungsdreieck z. B. bis \(U_\text{A}=400\,\mathrm V\), \(Y\approx 4{,}6\,\mathrm{cm}\): \(\displaystyle k=\frac{\Delta Y}{\Delta U_\text{A}}\approx\frac{4{,}6\,\mathrm{cm}}{400\,\mathrm V}=0{,}0115\,\mathrm{\frac{cm}{V}}\) (Toleranz: \(0{,}011\) bis \(0{,}012\,\mathrm{\frac{cm}{V}}\)).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Nach a) gilt \(\displaystyle k=\left(\frac{l}{2}+L\right)\frac{l}{2\,d\,U_\text{B}}\), also \(\displaystyle U_\text{B}=\left(\frac{l}{2}+L\right)\frac{l}{2\,d\,k}\). Mit \(k=0{,}0115\,\mathrm{\frac{cm}{V}}=1{,}15\cdot 10^{-4}\,\mathrm{\frac{m}{V}}\): \(\displaystyle U_\text{B}=(0{,}025\,\mathrm m+0{,}15\,\mathrm m)\cdot\frac{0{,}050\,\mathrm m}{2\cdot 0{,}020\,\mathrm m\cdot 1{,}15\cdot 10^{-4}\,\mathrm{\frac{m}{V}}}=1{,}9\cdot 10^{3}\,\mathrm V\).
Vergleich: Der Messwert \(1{,}9\,\mathrm{kV}\) liegt etwa 5 % unter dem eingestellten Wert \(2{,}0\,\mathrm{kV}\). Die Abweichung ist klein und erklärbar (Ablesegenauigkeit auf dem Schirm, Randfelder an den Plattenenden, die die wirksame Plattenlänge vergrößern, Anzeigegenauigkeit des Netzgeräts); Messung und Modell passen gut zusammen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Die Behauptung ist falsch. In der Beziehung aus a) kommen weder \(e\) noch \(m\) vor: Die Beschleunigung ist proportional zu \(\frac{e}{m}\), das Quadrat der Eintrittsgeschwindigkeit aber ebenfalls — im Quotienten \(\frac{a\,l}{v_0^{2}}\) kürzt sich die spezifische Ladung heraus. Die Schirmablenkung hängt nur von den Spannungen und den Abmessungen der Röhre ab; jedes Teilchen mit beliebiger Ladung und Masse würde bei gleichen Spannungen dieselbe Ablenkung zeigen. Aus dieser Messung lässt sich \(\frac{e}{m}\) daher grundsätzlich nicht bestimmen. Dazu wäre eine zusätzliche, unabhängige Messung nötig, etwa der Eintrittsgeschwindigkeit \(v_0\) selbst.
Elektronen und Helium-Ionen im Vergleich
AFB IIIIn einer Ablenkröhre werden zunächst Elektronen mit \(U_\text{B}=1{,}0\,\mathrm{kV}\) beschleunigt und treten dann waagerecht in das Feld zweier Ablenkplatten ein (Länge \(l=5{,}0\,\mathrm{cm}\), Abstand \(d=2{,}0\,\mathrm{cm}\), Ablenkspannung \(U_\text{A}=100\,\mathrm V\); Material M1). In einem zweiten Versuch wird die Elektronenquelle durch eine Ionenquelle ersetzt, die einfach positiv geladene Helium-Ionen \(\mathrm{He}^{+}\) liefert; alle Spannungen und Abmessungen bleiben gleich.
Für die Ablenkung am Plattenende gilt \(\displaystyle y=\frac{U_\text{A}\,l^{2}}{4\,d\,U_\text{B}}\). Daten: \(e=1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\), \(m_\text{e}=9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}\), \(m_\text{He}=6{,}64\cdot 10^{-27}\,\mathrm{kg}\).
Beide Teilchen treten auf derselben Achse ein. Die Zeichnung nimmt das Ergebnis von Teilaufgabe b) bereits vorweg: gleiche Ablenkung, entgegengesetzte Richtung.
- Berechnen Sie für beide Teilchenarten die Eintrittsgeschwindigkeit \(v_0\) und die Flugzeit zwischen den Platten.
- Begründen Sie mithilfe der angegebenen Formel, dass Elektronen und Helium-Ionen am Plattenende gleich stark abgelenkt werden, und geben Sie für beide die Ablenkrichtung an.
- Die Helium-Ionen halten sich nach a) rund 85-mal länger im Feld auf als die Elektronen. Erklären Sie, warum sie trotzdem nicht stärker abgelenkt werden.
- Eine Schülerin meint: „Hätten die Helium-Ionen dieselbe Eintrittsgeschwindigkeit wie die Elektronen, würden sie rund 7300-mal schwächer abgelenkt.“ Beurteilen Sie diese Aussage.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Elektron: \(\displaystyle v_0=\sqrt{\frac{2\,e\,U_\text{B}}{m_\text{e}}}=\sqrt{\frac{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 1000\,\mathrm V}{9{,}109\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}}=1{,}88\cdot 10^{7}\,\mathrm{\frac{m}{s}}\); \(\displaystyle t=\frac{l}{v_0}=\frac{0{,}050\,\mathrm m}{1{,}88\cdot 10^{7}\,\mathrm{\frac{m}{s}}}=2{,}7\cdot 10^{-9}\,\mathrm s=2{,}7\,\mathrm{ns}\).
Helium-Ion: \(\displaystyle v_0=\sqrt{\frac{2\,e\,U_\text{B}}{m_\text{He}}}=\sqrt{\frac{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 1000\,\mathrm V}{6{,}64\cdot 10^{-27}\,\mathrm{kg}}}=2{,}20\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{m}{s}}\); \(\displaystyle t=\frac{0{,}050\,\mathrm m}{2{,}20\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{m}{s}}}=2{,}3\cdot 10^{-7}\,\mathrm s=230\,\mathrm{ns}\). Die Ionen sind etwa 85-mal langsamer und brauchen entsprechend 85-mal länger.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
In \(y=\frac{U_\text{A}\,l^{2}}{4\,d\,U_\text{B}}\) kommen weder Masse noch Ladung des Teilchens vor; die Ablenkung hängt nur von den Spannungen und den Abmessungen ab. Für beide Teilchenarten ergibt sich derselbe Wert: \(\displaystyle y=\frac{100\,\mathrm V\cdot(0{,}050\,\mathrm m)^{2}}{4\cdot 0{,}020\,\mathrm m\cdot 1000\,\mathrm V}=3{,}1\cdot 10^{-3}\,\mathrm m=3{,}1\,\mathrm{mm}\).
Richtung: In M1 ist die obere Platte positiv, die Feldlinien zeigen nach unten. Das negative Elektron erfährt eine Kraft entgegen der Feldrichtung und wird nach oben abgelenkt; das positive Helium-Ion erfährt eine Kraft in Feldrichtung und wird nach unten abgelenkt.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Ablenkung ist \(y=\tfrac12 a t^{2}\). Die Beschleunigung \(a=\frac{eE}{m}\) ist bei gleicher Kraft \(eE\) umgekehrt proportional zur Masse: Für das Helium-Ion ist sie um den Faktor \(\frac{m_\text{He}}{m_\text{e}}\approx 7300\) kleiner. Die Flugzeit ist 85-mal länger, das Quadrat der Flugzeit also um \(85^{2}\approx 7300\) größer. Beide Effekte heben sich exakt auf — kein Zufall: Die längere Flugzeit kommt aus derselben Masse, die die Beschleunigung verkleinert, denn bei gleicher Beschleunigungsspannung erhält das schwerere Teilchen dieselbe kinetische Energie, aber die kleinere Geschwindigkeit \(v_0\propto\frac{1}{\sqrt m}\).
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Die Aussage ist im Kern richtig. Bei fester Eintrittsgeschwindigkeit gilt \(y=\tfrac12 a t^{2}=\frac{e\,U_\text{A}\,l^{2}}{2\,m\,d\,v_0^{2}}\); Flugzeit und Feldkraft sind dann für beide Teilchen gleich, und die Ablenkung ist umgekehrt proportional zur Masse. Das Helium-Ion würde also um den Faktor \(\frac{m_\text{He}}{m_\text{e}}\approx 7300\) schwächer abgelenkt — statt 3,1 mm nur etwa \(0{,}4\,\mathrm{\mu m}\).
Einschränkend ist anzumerken, dass sich die Bedingung praktisch kaum herstellen lässt: Um \(v_0=1{,}88\cdot 10^{7}\,\mathrm{\frac{m}{s}}\) zu erreichen, müssten die Ionen mit \(U_\text{B}=\frac{m_\text{He}\,v_0^{2}}{2e}\approx 7{,}3\,\mathrm{MV}\) beschleunigt werden. Die Aussage ist physikalisch korrekt, beschreibt aber ein Gedankenexperiment. Sie macht deutlich, dass die Massenunabhängigkeit aus b) nur für gleiche Beschleunigungsspannung gilt, nicht für gleiche Geschwindigkeit.
Zwei Aussagen zur Ablenkröhre
AFB IIINach einer Unterrichtsstunde zur Elektronenstrahl-Ablenkröhre fassen zwei Schülerinnen und Schüler zusammen, was sie verstanden haben (Material M1).
Beide Aussagen enthalten einen richtigen Kern — und jeweils einen entscheidenden Fehler.
- Beurteilen Sie beide Aussagen aus Material M1 physikalisch.
- Der Leuchtfleck soll bei gleicher Ablenkspannung weiter ausgelenkt werden. Leon schlägt vor, die Ablenkplatten doppelt so lang zu bauen; Aylin will stattdessen den Abstand zwischen Plattenende und Schirm verdoppeln. Diskutieren Sie beide Vorschläge. Legen Sie eine Röhre mit \(l=5{,}0\,\mathrm{cm}\) und \(L=15\,\mathrm{cm}\) zugrunde.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Aussage 1 ist falsch. Richtig ist, dass die Kraft \(F=eE\) beim Eintritt senkrecht zur Flugrichtung steht. Sie behält aber im homogenen Feld stets dieselbe Richtung (senkrecht zu den Platten) bei, während das Elektron mit wachsender Quergeschwindigkeit immer schräger fliegt — Kraft und Bewegungsrichtung schließen also einen immer kleineren Winkel ein. Eine Kreisbahn würde eine Kraft erfordern, die zu jedem Zeitpunkt senkrecht zur momentanen Geschwindigkeit steht. Die Bahn ist stattdessen eine Parabel: Überlagerung einer gleichförmigen Bewegung längs und einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung quer zu den Platten.
Aussage 2 ist falsch. Hinter den Platten ist der Raum feldfrei, auf das Elektron wirkt keine Kraft mehr. Nach dem Trägheitsprinzip behält es die Geschwindigkeit nach Betrag und Richtung bei, die es am Plattenende hat, und bewegt sich geradlinig bis zum Schirm. Richtig ist lediglich, dass die Bahn insgesamt weiter von der Achse wegläuft — aber als Gerade in Richtung des Austrittswinkels \(\alpha\), nicht als Fortsetzung der Parabel.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Ausgangswert: \(Y=\left(\frac{l}{2}+L\right)\tan\alpha=(2{,}5\,\mathrm{cm}+15\,\mathrm{cm})\tan\alpha=17{,}5\,\mathrm{cm}\cdot\tan\alpha\).
Leons Vorschlag (\(l\to 2l\)): Es gilt \(\tan\alpha=\frac{l\,U_\text{A}}{2\,d\,U_\text{B}}\propto l\), der Austrittswinkel verdoppelt sich also. Zusätzlich wächst der Hebelarm: \(Y'=\left(5{,}0\,\mathrm{cm}+15\,\mathrm{cm}\right)\cdot 2\tan\alpha=40\,\mathrm{cm}\cdot\tan\alpha\) — das ist das 2,3-Fache des Ausgangswerts. Dagegen spricht: Die Ablenkung am Plattenende wächst mit \(l^{2}\), also auf das Vierfache; bei großen Spannungen prallt das Elektron auf die Platte, der nutzbare Spannungsbereich schrumpft. Außerdem wird die Röhre länger, und bei schnell wechselnden Spannungen macht sich die längere Verweildauer im Feld bemerkbar.
Aylins Vorschlag (\(L\to 2L\)): Der Austrittswinkel bleibt gleich, nur der Hebel wächst: \(Y''=\left(2{,}5\,\mathrm{cm}+30\,\mathrm{cm}\right)\tan\alpha=32{,}5\,\mathrm{cm}\cdot\tan\alpha\), das 1,9-Fache. Vorteil: Zwischen den Platten ändert sich nichts, kein Elektron geht verloren, der Spannungsbereich bleibt erhalten. Nachteil: Die Röhre wird deutlich länger (Baugröße), und der Leuchtfleck wird bei größerem Abstand tendenziell unschärfer.
Fazit: Leons Vorschlag bringt den größeren Gewinn (2,3-fach gegenüber 1,9-fach), verkleinert aber den nutzbaren Spannungsbereich; Aylins Vorschlag ist physikalisch unproblematisch, kostet aber Baulänge. Welcher Weg besser ist, hängt vom Einsatzzweck ab — bei begrenztem Platz ist die längere Platte vorzuziehen, bei großem Spannungsbereich der längere Schirmabstand.
