Der waagerechte Wurf als Vorbild
Ein Elektron fliegt quer in ein homogenes Feld. Es bewegt sich wie ein waagerecht geworfener Stein — man zerlegt die Bewegung in zwei Richtungen.
- In Flugrichtung:keine Kraft → gleichförmig: \(x=v_0\,t\)
- Quer dazu:konstante Kraft \(F=e\,E\) mit \(E=\dfrac{U_A}{d}\) (1.2.2) → gleichmäßig beschleunigt: \(y=\tfrac12\,a\,t^{2}\). \(U_A\) heißt Ablenkspannung.
- Beschleunigung:\(a=\dfrac{e\,E}{m}=\dfrac{e\,U_A}{m\,d}\) (1.2.4)
- Richtung:das Elektron wird zur Plusplatte abgelenkt.
- Unabhängigkeit:beide Bewegungen stören sich nicht, sie teilen nur die Zeit \(t\).
Warum eine Parabel entsteht
\(x\) und \(y\) hängen beide von \(t\) ab. Wirft man \(t\) hinaus, bleibt eine Gleichung für die Bahn.
Herleitung:
Bahnkurve im Querfeld: \(y=\dfrac{a}{2\,v_0^{2}}\,x^{2}\)
Eine Uhr, drei Ansichten: oben nur die x-Bewegung, links nur die y-Bewegung, in der Mitte die Bahn. Der Schieber stellt die Zeit ein.
Der obere Punkt rückt gleichmäßig weiter, während der linke Punkt immer größere Sprünge macht.
Startpunkt: Beide Teilbewegungen beginnen gleichzeitig bei null.
Halte fest: Nach der halben Flugzeit: halbe Strecke, aber erst ein Viertel der Ablenkung — deshalb eine Parabel.
Die Ablenkung am Plattenende
Am Plattenende hört das Feld auf. Gesucht ist die Ablenkung \(y\) nach der Plattenlänge \(l\).
- Flugzeit:\(t=\dfrac{l}{v_0}\) — allein aus der Bewegung in Flugrichtung.
Herleitung:
Ablenkung am Plattenende: \(y=\dfrac{e\,U_A\,l^{2}}{2\,m\,d\,v_0^{2}}\)
Ablenkung berechnen
Ein Elektron tritt mit \(v_0=2{,}65\cdot10^{7}\,\mathrm{\tfrac{m}{s}}\) waagerecht ein. Die Platten sind \(l=4{,}0\,\mathrm{cm}\) lang, haben den Abstand \(d=2{,}0\,\mathrm{cm}\) und liegen an \(U_A=200\,\mathrm V\).
Der Leuchtfleck auf dem Schirm
Hinter den Platten wirkt keine Kraft mehr: Das Elektron fliegt geradlinig weiter bis zum Schirm im Abstand \(L\).
- Quergeschwindigkeit:am Plattenende \(v_y=a\,t\)
- Winkel:\(\tan\alpha=\dfrac{v_y}{v_0}=\dfrac{a\,l}{v_0^{2}}\)
- Gerades Stück:auf der Strecke \(L\) kommt \(L\cdot\tan\alpha\) dazu: \(Y=y+L\,\tan\alpha\)
Herleitung:
Ablenkung auf dem Schirm: \(Y=\left(\dfrac{l}{2}+L\right)\tan\alpha\)
Vom Plattenende bis zum Schirm
Fortsetzung des Beispiels: \(a=1{,}76\cdot10^{15}\,\mathrm{\tfrac{m}{s^2}}\), \(t=1{,}51\cdot10^{-9}\,\mathrm s\), \(v_0=2{,}65\cdot10^{7}\,\mathrm{\tfrac{m}{s}}\), \(l=4{,}0\,\mathrm{cm}\), Schirmabstand \(L=20\,\mathrm{cm}\).
Verändere Ablenkspannung, Eintrittsgeschwindigkeit und Plattenlänge. Die Röhre ist maßstabsgetreu gezeichnet.
Achtung: Bei zu großer Ablenkung prallt das Elektron auf die Platte.
Voreinstellung: Ablenkspannung 200 V, v₀ = 2,65·10⁷ m/s, l = 4,0 cm. Das ist genau das Rechenbeispiel von oben.
Halte fest: Doppelte Ablenkspannung → doppeltes \(y\); halbes \(v_0\) → vierfaches \(y\). Sichtbar wird die Ablenkung erst auf dem entfernten Schirm.
Allgemeine Hinweise
Kraft zeigt gegen die Feldlinien
Das Feld \(\vec E\) zeigt von der positiven zur negativen Platte, die Kraft auf das negative Elektron genau entgegengesetzt. Abgelenkt wird es also stets zur Plusplatte hin.
Flugzeit kommt aus x
Die Reihenfolge trägt die ganze Rechnung: \(E=\dfrac{U_A}{d}\), dann \(a=\dfrac{eE}{m}\), dann \(t=\dfrac{l}{v_0}\) allein aus der waagerechten Bewegung, erst zuletzt \(y=\tfrac12 a t^2\).
v₀ geht quadratisch ein
In \(y=\dfrac{e\,U_A\,l^{2}}{2\,m\,d\,v_0^{2}}\) wirkt \(U_A\) nur linear, \(v_0\) und \(l\) dagegen quadratisch: Halbes \(v_0\) vervierfacht die Ablenkung.
