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AbituraufgabenSpannung und Energie

Fünf Aufgaben im Stil der schriftlichen Abiturprüfung — Energie, Ladung und Spannung mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont.

1

Elektronen in der Röntgenröhre

AFB I

In einer Röntgenröhre werden Elektronen aus einer geheizten Kathode freigesetzt und im Vakuum zur Anode hin beschleunigt (Material M1). Zwischen Kathode und Anode liegt die Spannung \(U = 60\,\mathrm{kV}\). Beim Auftreffen auf die Anode entsteht Röntgenstrahlung. Ein Elektron trägt die Ladung \(e = 1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\).

M1Aufbau einer Röntgenröhre
Glaskolben (Vakuum) −− Kathode (−) geheizt ++ Anode (+) −−−− Elektronen Röntgenstrahlung U = 60 kV −+

Die Elektronen durchlaufen zwischen Kathode und Anode die volle Spannung von 60 kV. Die dabei aufgenommene Energie geben sie beim Aufprall auf die Anode wieder ab — größtenteils als Wärme, zu einem kleinen Teil als Röntgenstrahlung.

  1. Geben Sie die Definitionsgleichung der elektrischen Spannung an und benennen Sie alle darin auftretenden Größen mit ihren Einheiten.
  2. Berechnen Sie die Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen der Spannung aufnimmt, in Joule und in Elektronenvolt.
  3. Begründen Sie, dass sich die Energie eines Elektrons in Elektronenvolt ohne Rechnung direkt an der Spannung ablesen lässt.
  4. Im Betrieb fließt in der Röhre die Stromstärke \(I = 10\,\mathrm{mA}\). Berechnen Sie die Energie, die alle Elektronen zusammen in einer Sekunde auf die Anode übertragen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Definitionsgleichung verknüpft genau drei Größen. Nenne zu jeder auch die Einheit — und gib zusätzlich an, wie sich die Einheit Volt aus Joule und Coulomb zusammensetzt.Beim Operator „Geben Sie an“ genügt die Gleichung samt Größen und Einheiten — eine Herleitung ist nicht verlangt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Stelle die Definitionsgleichung nach der Energie um und achte auf den Vorsatz kilo: \(60\,\mathrm{kV}=6{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm V\). Für die zweite Einheit brauchst du nur \(1\,\mathrm{eV}=1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm J\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Schreibe \(W=e\cdot U\) auf und überlege, was passiert, wenn du diese Energie durch \(e\cdot 1\,\mathrm V\) — also durch 1 eV — teilst.„Begründen“ verlangt eine lückenlose Kette: Definition des Elektronenvolts nennen, auf die Formel anwenden, Zahlenwert folgern.
Hinweis zu Aufgabe d)
Aus 1.1.2 weißt du: \(Q=I\cdot t\). Berechne zuerst die Ladung, die in einer Sekunde fließt, dann die Energie mit \(W=Q\cdot U\). Achte auf den Vorsatz milli.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(\displaystyle U=\frac{W}{q}\). Dabei ist \(U\) die elektrische Spannung mit der Einheit Volt (V), \(W\) die beim Verschieben der Ladung umgesetzte Energie in Joule (J) und \(q\) die verschobene Ladung in Coulomb (C). Es gilt \(1\,\mathrm V=1\,\mathrm{\frac{J}{C}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Umrechnung: \(U=6{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm V\). Ansatz: \(W=e\cdot U=1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 6{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm V\). Ergebnis: \(W=9{,}6\cdot 10^{-15}\,\mathrm J\). In Elektronenvolt: \(\displaystyle W=\frac{9{,}6\cdot 10^{-15}\,\mathrm J}{1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm{\frac{J}{eV}}}=6{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{eV}=60\,\mathrm{keV}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ein Elektronenvolt ist als die Energie festgelegt, die ein Teilchen mit der Elementarladung \(e\) beim Durchlaufen der Spannung \(1\,\mathrm V\) aufnimmt: \(1\,\mathrm{eV}=e\cdot 1\,\mathrm V\). Für das Elektron gilt \(W=e\cdot U\). Teilt man beide Seiten durch \(e\cdot 1\,\mathrm V\), bleibt \(\frac{W}{1\,\mathrm{eV}}=\frac{U}{1\,\mathrm V}\): Der Zahlenwert der Energie in eV ist gleich dem Zahlenwert der Spannung in V. Bei 60 kV sind das 60 keV — ohne Rechnung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Ladung in einer Sekunde: \(Q=I\cdot t=0{,}010\,\mathrm A\cdot 1\,\mathrm s=0{,}010\,\mathrm C\). Energie: \(W=Q\cdot U=0{,}010\,\mathrm C\cdot 6{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm V=600\,\mathrm J\). Jede Sekunde treffen also 600 J auf die Anode — der weitaus größte Teil davon wird zu Wärme, weshalb Röntgenröhren aufwendig gekühlt werden müssen.

2

Energie eines E-Bike-Akkus

AFB II

Der Akku eines E-Bikes (Material M1) trägt auf seinem Typenschild die Angaben aus Material M2. Die „Kapazität“ ist dort in der Einheit Amperestunde (Ah) angegeben: 1 Ah ist die Ladung, die bei einer Stromstärke von 1 A in einer Stunde fließt. Vereinfachend wird angenommen, dass die Spannung des Akkus während der gesamten Entladung konstant 36 V beträgt.

Im Fachhandel wird ein zweiter Akku B angeboten, der mit einer Nennspannung von \(48\,\mathrm V\) und einer Kapazität von \(7{,}5\,\mathrm{Ah}\) beworben wird.

M1E-Bike-Akku mit Anschlusspolen
+− E-Bike-Akku 36 V · 10 Ah · 360 Wh Ladezustand 80 % PluspolMinuspol

Beim Fahren fließt Ladung vom Akku durch den Motor zurück zum Akku. Jedes Coulomb, das den Motor durchläuft, setzt dabei die Energie um, die der Spannung entspricht.

M2Typenschild
Typenschild des Akkus A
AngabeWert
Nennspannung36 V
Kapazität10 Ah
gespeicherte Energie360 Wh
Masse2,8 kg

Wattstunde (Wh) ist eine Energieeinheit: 1 Wh ist die Energie, die bei einer Leistung von 1 W in einer Stunde umgesetzt wird — also \(1\,\mathrm{Wh}=1\,\mathrm{W}\cdot 3600\,\mathrm{s}=3600\,\mathrm J\).

  1. Erläutern Sie, dass die Angabe „10 Ah“ eine elektrische Ladung beschreibt, und berechnen Sie diese Ladung in Coulomb.
  2. Berechnen Sie die im Akku A gespeicherte Energie in Joule und zeigen Sie, dass das Ergebnis mit der Angabe „360 Wh“ auf dem Typenschild übereinstimmt.
  3. Der Motor könnte diese Energie im Idealfall vollständig in Höhenenergie umsetzen. Berechnen Sie, um welche Höhe ein Radfahrer samt E-Bike (Gesamtmasse \(m=100\,\mathrm{kg}\)) damit angehoben werden könnte, und begründen Sie, warum die tatsächlich erreichbare Höhe kleiner ist. Rechnen Sie mit \(g=9{,}81\,\mathrm{\frac{N}{kg}}\).
  4. Ein Kunde meint, der Akku B speichere wegen der höheren Spannung mehr Energie als Akku A. Entscheiden Sie rechnerisch, ob er recht hat.
Hinweis zu Aufgabe a)
Aus 1.1.2 kennst du \(Q=I\cdot t\). Eine Amperestunde ist genau dieses Produkt — mit \(I=1\,\mathrm A\) und \(t=1\,\mathrm h\). Rechne die Stunde in Sekunden um.„Erläutern“ heißt: den Zusammenhang benennen und an der Einheit sichtbar machen — nicht nur die Zahl liefern.
Hinweis zu Aufgabe b)
Verwende \(W=Q\cdot U\) mit der Ladung aus a). Rechne anschließend 360 Wh mit \(1\,\mathrm{Wh}=3600\,\mathrm J\) in Joule um und vergleiche.
Hinweis zu Aufgabe c)
Aus der Mechanik: Höhenenergie \(W=m\cdot g\cdot h\). Stelle nach \(h\) um. Für die Begründung: Welche Vorgänge zwischen Akku und angehobenem Fahrrad setzen Energie in andere Formen als Höhenenergie um?Ein „Begründen“ nennt die Ursache (Umwandlung in Wärme durch Reibung, Motorverluste, Luftwiderstand) — nicht nur „es gibt Verluste“.
Hinweis zu Aufgabe d)
Berechne für Akku B genauso wie in a) und b) zuerst die Ladung, dann die Energie. Vergleiche beide Energiewerte — und lass dich vom Zahlenwert der Spannung nicht täuschen.Ein „Entscheiden“ endet mit einem klaren Satz: Wer hat recht — und warum?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Eine Amperestunde ist das Produkt aus Stromstärke und Zeit: \(1\,\mathrm{Ah}=1\,\mathrm A\cdot 1\,\mathrm h\). Nach \(Q=I\cdot t\) ist ein solches Produkt eine Ladung; die Einheit Amperesekunde ist genau das Coulomb (\(1\,\mathrm C=1\,\mathrm{A\,s}\)). Rechnung: \(Q=10\,\mathrm A\cdot 3600\,\mathrm s=3{,}6\cdot 10^{4}\,\mathrm C\). Der Akku kann also 36 000 C durch den Motor treiben.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(W=Q\cdot U=3{,}6\cdot 10^{4}\,\mathrm C\cdot 36\,\mathrm V\). Ergebnis: \(W=1{,}296\cdot 10^{6}\,\mathrm J\approx 1{,}3\,\mathrm{MJ}\). Vergleich mit dem Typenschild: \(360\,\mathrm{Wh}=360\cdot 3600\,\mathrm J=1{,}296\cdot 10^{6}\,\mathrm J\) — beide Werte stimmen exakt überein. Die Wattstunden-Angabe ist also nichts anderes als \(U\cdot Q\) in der Einheit \(\mathrm{V\cdot Ah}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ansatz: \(W=m\cdot g\cdot h\), also \(\displaystyle h=\frac{W}{m\cdot g}=\frac{1{,}296\cdot 10^{6}\,\mathrm J}{100\,\mathrm{kg}\cdot 9{,}81\,\mathrm{\frac{N}{kg}}}\approx 1{,}3\cdot 10^{3}\,\mathrm m\). Idealisiert könnte der Akku Fahrer und Rad rund 1,3 km hoch heben.

Begründung: Die Energie des Akkus wird nicht vollständig zu Höhenenergie. Im Motor, in den Leitungen und in der Steuerung wird ein Teil der Energie durch den Stromfluss in Wärme umgesetzt; beim Fahren gehen weitere Anteile durch Rollreibung und Luftwiderstand als Wärme an die Umgebung. Die real gewinnbare Höhe ist deshalb deutlich kleiner.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Akku B: Ladung \(Q_\text{B}=7{,}5\,\mathrm A\cdot 3600\,\mathrm s=2{,}7\cdot 10^{4}\,\mathrm C\); Energie \(W_\text{B}=Q_\text{B}\cdot U_\text{B}=2{,}7\cdot 10^{4}\,\mathrm C\cdot 48\,\mathrm V=1{,}296\cdot 10^{6}\,\mathrm J\). Das ist exakt dieselbe Energie wie bei Akku A (ebenfalls 360 Wh). Der Kunde hat nicht recht: Die höhere Spannung wird durch die kleinere Ladung genau ausgeglichen, denn in \(W=Q\cdot U\) zählt nur das Produkt beider Größen. Ein Akku mit höherer Spannung speichert nur dann mehr Energie, wenn seine Ladung nicht entsprechend kleiner ist.

3

Spannung aus einer Energiemessung

AFB II

In einem Schülerlabor soll die Spannung eines Netzgeräts bestimmt werden, dessen Anzeige defekt ist. Dazu wird eine Heizspirale in ein Gefäß mit Wasser getaucht und an das Netzgerät angeschlossen (Material M1). Aus Stromstärke und Messzeit wird die geflossene Ladung \(Q=I\cdot t\) bestimmt; aus der Erwärmung des Wassers ergibt sich die umgesetzte Energie \(W\). Die Messwerte sind in Material M2 zusammengestellt.

M1Versuchsaufbau
Strommesser Heizspirale im Wasser Thermometer Wasser, m = 0,50 kg Stoppuhr

Die Spannung des Netzgeräts bleibt während des Versuchs konstant. Vom Netzgerät fließt Ladung durch die Heizspirale; die dort umgesetzte Energie erwärmt das Wasser.

M2Messwerte
Geflossene Ladung Q und aus der Erwärmung des Wassers bestimmte Energie W
Messung1234
\(Q\) in C50100150200
\(W\) in J605119018202380

Die Energie wurde aus Masse, Temperaturerhöhung und spezifischer Wärmekapazität des Wassers berechnet; Messunsicherheiten sind bereits enthalten.

  1. Begründen Sie mithilfe der Definition der Spannung, welcher Zusammenhang zwischen \(W\) und \(Q\) bei konstanter Spannung zu erwarten ist.
  2. Werten Sie die Messreihe aus Material M2 aus und ermitteln Sie daraus die Spannung des Netzgeräts.
  3. Mit diesem Netzgerät soll dem Wasser die Energie \(W=10\,\mathrm{kJ}\) zugeführt werden; das Strommessgerät zeigt dabei konstant \(I=1{,}5\,\mathrm A\). Berechnen Sie die dafür nötige Messzeit.
Hinweis zu Aufgabe a)
Stelle \(U=\frac{W}{q}\) nach \(W\) um. Was für eine Art von Zusammenhang steht da, wenn \(U\) fest ist? Welche Kurve erwartest du im \(Q\)-\(W\)-Diagramm?„Begründen“ heißt hier: aus der Gleichung auf den Zusammenhang schließen und ihn benennen (Proportionalität, Ursprungsgerade).
Hinweis zu Aufgabe b)
Prüfe zuerst, ob die Werte den erwarteten Zusammenhang aus a) bestätigen: Bilde für jede Messung den Quotienten \(\frac{W}{Q}\). Ist er (im Rahmen der Messgenauigkeit) konstant, ist sein Mittelwert die gesuchte Spannung. Alternativ: Zeichne die Werte in ein Diagramm und bestimme die Steigung der Ausgleichsgeraden.Beim „Auswerten“ gehört zum Ergebnis immer auch eine Aussage, ob die Messwerte zur Erwartung passen — mit sinnvoller Rundung.
Hinweis zu Aufgabe c)
Rechne rückwärts: Aus \(W=Q\cdot U\) folgt die nötige Ladung, aus \(Q=I\cdot t\) dann die Zeit. Achte auf den Vorsatz kilo.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Aus der Definition \(U=\frac{W}{Q}\) folgt \(W=U\cdot Q\). Bei konstanter Spannung ist \(U\) ein fester Faktor, die Energie ist also proportional zur geflossenen Ladung: doppelte Ladung, doppelte Energie. Im \(Q\)-\(W\)-Diagramm liegen die Messpunkte auf einer Ursprungsgeraden, deren Steigung gleich der Spannung \(U\) ist.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Quotienten \(\frac{W}{Q}\): \(\frac{605}{50}=12{,}1\,\mathrm{\frac{J}{C}}\), \(\frac{1190}{100}=11{,}9\,\mathrm{\frac{J}{C}}\), \(\frac{1820}{150}\approx 12{,}1\,\mathrm{\frac{J}{C}}\), \(\frac{2380}{200}=11{,}9\,\mathrm{\frac{J}{C}}\). Die Quotienten sind im Rahmen der Messgenauigkeit konstant (Abweichung etwa 1 %) — die Erwartung aus a) wird bestätigt.

Mittelwert: \(U\approx 12{,}0\,\mathrm{\frac{J}{C}}=12{,}0\,\mathrm V\). Gleichwertig: Die Ausgleichsgerade durch den Ursprung hat die Steigung \(\approx 12\,\mathrm{\frac{J}{C}}\). Das Netzgerät liefert eine Spannung von rund 12 V.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nötige Ladung: \(\displaystyle Q=\frac{W}{U}=\frac{1{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm J}{12\,\mathrm V}\approx 833\,\mathrm C\). Messzeit: \(\displaystyle t=\frac{Q}{I}=\frac{833\,\mathrm C}{1{,}5\,\mathrm A}\approx 556\,\mathrm s\approx 9{,}3\,\mathrm{min}\). Nach gut neun Minuten sind 10 kJ zugeführt.

4

Elektron und Helium-Ion im Beschleuniger

AFB II

In einer Beschleunigungsstrecke liegt zwischen zwei parallelen Platten die Spannung \(U = 2{,}5\,\mathrm{kV}\) (Material M1). Durch Öffnungen in den Platten treten zwei verschiedene Teilchen ein: ein Elektron (Ladung \(-e\), Masse \(m_\text{e}=9{,}1\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}\)) und ein zweifach positiv geladenes Helium-Ion \(\mathrm{He^{2+}}\) (Ladung \(+2e\), Masse \(m_\text{He}=6{,}6\cdot 10^{-27}\,\mathrm{kg}\)). Beide starten aus der Ruhe und durchlaufen die gesamte Spannung. Es gilt \(e=1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\).

M1Beschleunigungsstrecke mit zwei Teilchen
−−−− ++++ Platte 1 (−)Platte 2 (+) Feldlinien e⁻ Elektron He²⁺ Helium-Ion U = 2,5 kV

Beide Teilchen durchlaufen dieselbe Spannung, aber in entgegengesetzter Richtung. Wo genau sie starten müssen, ergibt sich aus der Feldrichtung.

  1. Begründen Sie anhand von Material M1, dass das Elektron an Platte 1 und das Helium-Ion an Platte 2 starten muss, damit beide beschleunigt werden.
  2. Berechnen Sie für beide Teilchen die aufgenommene Energie in Joule und in Elektronenvolt.
  3. Erläutern Sie, warum die Energie des Helium-Ions in Elektronenvolt nicht mit dem Zahlenwert der Spannung übereinstimmt, obwohl das für das Elektron gilt.
  4. Berechnen Sie die Geschwindigkeit, mit der das Elektron die Platte 2 erreicht, und begründen Sie ohne Rechnung, dass das Helium-Ion trotz seiner größeren Energie deutlich langsamer ankommt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Lies aus M1 die Feldrichtung ab (von + nach −). Aus 1.1.5 weißt du, wie die Kraft auf eine positive und auf eine negative Ladung zur Feldrichtung liegt. Ein Teilchen wird beschleunigt, wenn es sich in Richtung der Kraft bewegt.„Begründen“ verlangt die Kette: Feldrichtung → Kraftrichtung je nach Vorzeichen → Startplatte.
Hinweis zu Aufgabe b)
Verwende \(W=q\cdot U\) — für das Helium-Ion mit \(q=2e\). Rechne zuerst in Joule; für Elektronenvolt teilst du durch \(1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm{\frac{J}{eV}}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Schreibe die Ladung allgemein als \(q=n\cdot e\) und setze in \(W=q\cdot U\) ein. Welcher Faktor bleibt beim Umrechnen in Elektronenvolt stehen?„Erläutern“ heißt: den Zusammenhang allgemein aufschreiben und am konkreten Beispiel verständlich machen.
Hinweis zu Aufgabe d)
Die aufgenommene Energie steckt am Ende als Bewegungsenergie im Teilchen: \(W=\frac12 m v^2\) (aus der Mechanik). Stelle nach \(v\) um. Für die Begründung: Wie verhält sich die Masse des Ions zur Masse des Elektrons — und wie seine Energie?Ein Verhältnis-Argument („rund 7000-fache Masse, aber nur doppelte Energie“) ist eine vollwertige Begründung ohne Rechnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

In M1 verlaufen die Feldlinien von der positiven Platte 2 zur negativen Platte 1; die Feldrichtung zeigt also nach links. Die Feldrichtung ist als Richtung der Kraft auf eine positive Ladung festgelegt: Auf das positive Helium-Ion wirkt die Kraft nach links, es muss daher an Platte 2 starten und bewegt sich zu Platte 1. Auf das negative Elektron wirkt die Kraft entgegen der Feldrichtung, also nach rechts; es muss an Platte 1 starten und bewegt sich zu Platte 2. In beiden Fällen bewegt sich das Teilchen in Richtung der Kraft, das Feld verrichtet Arbeit an ihm und es wird beschleunigt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Elektron: \(W_\text{e}=e\cdot U=1{,}6\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 2{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm V=4{,}0\cdot 10^{-16}\,\mathrm J\); in Elektronenvolt: \(W_\text{e}=2{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm{eV}=2{,}5\,\mathrm{keV}\). Helium-Ion: \(q=2e=3{,}2\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\), also \(W_\text{He}=3{,}2\cdot 10^{-19}\,\mathrm C\cdot 2{,}5\cdot 10^{3}\,\mathrm V=8{,}0\cdot 10^{-16}\,\mathrm J\); in Elektronenvolt: \(W_\text{He}=5{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{eV}=5{,}0\,\mathrm{keV}\). Das Ion nimmt wegen seiner doppelten Ladung die doppelte Energie auf.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Allgemein gilt \(W=n\cdot e\cdot U\), wenn \(n\) die Ladungszahl ist. Da \(1\,\mathrm{eV}=e\cdot 1\,\mathrm V\), ergibt die Umrechnung \(\frac{W}{1\,\mathrm{eV}}=n\cdot\frac{U}{1\,\mathrm V}\): Der Zahlenwert der Energie in eV ist das \(n\)-fache des Zahlenwerts der Spannung in V. Nur für einfach geladene Teilchen (\(n=1\), wie beim Elektron) fallen beide Zahlenwerte zusammen. Beim Helium-Ion ist \(n=2\), deshalb 5000 eV statt 2500 eV — die Angabe „eV“ zählt Energie, nicht Spannung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Energieerhaltung: \(\frac12 m_\text{e} v^2=W_\text{e}\), also \(\displaystyle v=\sqrt{\frac{2\,W_\text{e}}{m_\text{e}}}=\sqrt{\frac{2\cdot 4{,}0\cdot 10^{-16}\,\mathrm J}{9{,}1\cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg}}}\approx 3{,}0\cdot 10^{7}\,\mathrm{\frac{m}{s}}\). Das Elektron erreicht rund 30 000 km/s, etwa ein Zehntel der Lichtgeschwindigkeit.

Begründung für das Helium-Ion: Nach \(v=\sqrt{\frac{2W}{m}}\) wächst die Geschwindigkeit mit der Energie, sinkt aber mit der Masse. Das Ion hat zwar die doppelte Energie, aber eine rund 7000-mal größere Masse als das Elektron. Der Faktor \(\frac{2}{7000}\) unter der Wurzel macht seine Geschwindigkeit etwa \(\sqrt{3500}\approx 60\)-mal kleiner — das Ion kommt mit nur rund \(5\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{m}{s}}\) an.

5

Zwei Aussagen über die Spannung

AFB III

In einer Lerngruppe wird über die Bedeutung der Spannung \(U=\frac{W}{q}\) diskutiert. Zwei Schüler äußern die in Material M1 wiedergegebenen Aussagen. Zur Einordnung: Eine handelsübliche 9-V-Blockbatterie kann etwa \(Q=1800\,\mathrm C\) Ladung abgeben; Hochspannungsleitungen führen gegenüber dem Erdboden Spannungen von \(110\,\mathrm{kV}\) und mehr.

M1Zwei Aussagen aus der Lerngruppe
L Leon Aussage 1 „Eine 9-V-Blockbatterie enthält 9 Joule Energie — das steht doch praktisch drauf.“ S Sina Aussage 2 „Ein Vogel auf der 110-kV-Leitung müsste sofort verglühen: Jedes Coulomb bekommt dort doch 110 000 Joule.“

Beide Aussagen stützen sich auf die Einheit Volt — und ziehen daraus jeweils einen falschen Schluss.

  1. Beurteilen Sie beide Aussagen aus Material M1 physikalisch.
  2. Erklären Sie mithilfe der Definitionsgleichung, was die Angabe „1,5 V“ auf einer Batterie über die Energieumsetzung in einem angeschlossenen Gerät aussagt.
  3. Eine Mitschülerin schlägt vor, auf Batterien künftig statt der Spannung die gespeicherte Energie in Joule aufzudrucken — „das ist doch die Größe, die wirklich zählt“. Diskutieren Sie diesen Vorschlag.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zu Aussage 1: Was bedeutet die Einheit Volt als Quotient? Welche zweite Größe brauchst du, um von der Spannung zur Energie zu kommen — und wie groß ist sie laut Aufgabentext? Zu Aussage 2: Zwischen welchen zwei Punkten liegen die 110 kV — und zwischen welchen zwei Punkten sitzt der Vogel?Spannung ist immer eine Angabe zwischen zwei Punkten. Wer nur einen Punkt nennt, hat noch keine Spannung angegeben.
Hinweis zu Aufgabe b)
Setze in \(U=\frac{W}{q}\) für \(q\) nacheinander 1 C und 2 C ein. Formuliere dann einen Satz, der mit „Jedes Coulomb, das …“ beginnt.„Erklären“ heißt: die Angabe auf die Definition zurückführen, nicht nur ein Beispiel rechnen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Beim Operator „Diskutieren“ musst du beide Seiten abwägen und mit einem begründeten Fazit enden. Überlege: Wofür braucht ein Gerät die Spannungsangabe? Was sagt die Energieangabe allein — und welche Angabe steht auf Akkus ohnehin schon?Eine 1,5-V-Zelle und ein 9-V-Block können durchaus ähnlich viel Energie speichern — und sind trotzdem nicht austauschbar.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Aussage 1 ist falsch. Die Angabe 9 V bedeutet nach \(U=\frac{W}{q}\): Jedes Coulomb, das die Batterie durchläuft, setzt 9 J um — \(1\,\mathrm V=1\,\mathrm{\frac{J}{C}}\). Die gespeicherte Energie ergibt sich erst aus \(W=Q\cdot U\) mit der Ladung, die die Batterie insgesamt liefern kann: \(W=1800\,\mathrm C\cdot 9\,\mathrm V\approx 1{,}6\cdot 10^{4}\,\mathrm J\). Die Spannung allein sagt nichts über die gespeicherte Energie; eine große und eine kleine 9-V-Batterie haben dieselbe Spannung, aber verschieden viel Energie.

Aussage 2 ist falsch. Eine Spannung bezieht sich immer auf zwei Punkte. Die 110 kV liegen zwischen der Leitung und dem Erdboden. Der Vogel berührt aber mit beiden Füßen denselben Leiter; zwischen seinen Füßen liegt praktisch keine Spannung (nur der winzige Anteil, der längs des Leiters abfällt). Nach \(W=q\cdot U\) wird an der Ladung, die durch den Vogel fließen könnte, deshalb so gut wie keine Energie umgesetzt. Gefährlich wird es erst, wenn ein Tier gleichzeitig Leitung und Mast oder zwei Leitungen berührt — dann liegt die volle Spannung an seinem Körper.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Nach \(U=\frac{W}{q}\) gibt die Spannung die Energie pro Ladung an. „1,5 V“ heißt: Jedes Coulomb Ladung, das von einem Pol durch das Gerät zum anderen Pol fließt, setzt im Gerät die Energie \(W=q\cdot U=1\,\mathrm C\cdot 1{,}5\,\mathrm V=1{,}5\,\mathrm J\) um — zwei Coulomb 3 J, allgemein \(W=Q\cdot 1{,}5\,\mathrm V\). Die Angabe legt also fest, wie viel Energie das Gerät je durchgesetzter Ladung erhält, unabhängig davon, wie lange die Batterie durchhält.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Für den Vorschlag spricht: Die Energie ist tatsächlich die Größe, die bestimmt, wie lange ein Gerät betrieben werden kann; bei Akkus ist sie in Wattstunden ohnehin schon aufgedruckt und für Käufer gut vergleichbar. Dagegen spricht: Ein Gerät ist für eine bestimmte Spannung gebaut — eine 1,5-V-Zelle und ein 9-V-Block können ähnlich viel Energie enthalten und sind trotzdem nicht austauschbar; ohne Spannungsangabe wäre nicht erkennbar, ob die Batterie überhaupt passt oder das Gerät beschädigt. Außerdem hängt die Energie von Spannung und Ladung ab (\(W=Q\cdot U\)); aus der Energie allein lässt sich keine der beiden Größen zurückgewinnen, aus Spannung und Kapazität dagegen die Energie. Fazit: Die Spannung darf nicht ersetzt, höchstens ergänzt werden — sinnvoll ist die Kombination aus Spannung und gespeicherter Ladung bzw. Energie, wie sie bei Akkus üblich ist.