Kraftmessung im Plattenkondensator
AFB IIn einem Schülerlabor soll die Feldstärke im homogenen Feld eines Plattenkondensators bestimmt werden. Dazu wird eine kleine, positiv geladene Kugel an einem starren, isolierenden Arm mittig zwischen die Platten gebracht; der Arm ist mit einem Kraftsensor verbunden (Material M1). Die Kugel trägt die Ladung \(q = 2{,}5\,\mathrm{\mu C}\), der Sensor zeigt die Kraft \(F = 11{,}0\,\mathrm{mN}\) an.
Die Feldlinien verlaufen von der positiv geladenen oberen zur negativ geladenen unteren Platte. Der Sensor misst den Betrag der Kraft auf die Kugel.
- Beschreiben Sie anhand von Material M1, wie mit diesem Aufbau die Feldstärke bestimmt wird, und geben Sie an, welche Größen dabei gemessen werden.
- Berechnen Sie die Feldstärke zwischen den Platten.
- Nennen Sie drei Anforderungen, die eine Probeladung erfüllen muss, und erläutern Sie für eine davon, welcher Fehler bei der Messung sonst entstehen würde.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Die Feldstärke lässt sich nicht direkt messen. Man bringt eine bekannte Probeladung \(q\) an den gewünschten Ort im Feld und misst mit dem Kraftsensor den Betrag der Kraft \(F\), die das Feld auf sie ausübt. Die Feldstärke wird anschließend als Quotient \(\displaystyle E=\frac{F}{q}\) berechnet. Gemessen wird also nur die Kraft; die Ladung der Kugel muss vorher bestimmt worden sein.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Umrechnung: \(q=2{,}5\cdot 10^{-6}\,\mathrm C\), \(F=1{,}10\cdot 10^{-2}\,\mathrm N\). Ansatz: \(\displaystyle E=\frac{F}{q}=\frac{1{,}10\cdot 10^{-2}\,\mathrm N}{2{,}5\cdot 10^{-6}\,\mathrm C}\). Ergebnis: \(E=4{,}4\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Anforderungen (drei davon): Die Ladung muss bekannt sein; sie soll klein im Betrag sein; sie soll klein in der Ausdehnung sein; sie ist üblicherweise positiv.
Erläuterung, z. B. zu „klein im Betrag“: Eine große Probeladung erzeugt ein eigenes Feld und verschiebt durch Influenz die Ladungen auf den Platten. Das Feld am Messort ist dann nicht mehr das ursprüngliche, sondern ein durch die Probe verändertes Feld — der Quotient \(\frac{F}{q}\) liefert nicht mehr die gesuchte Feldstärke. (Alternativ zu „klein in der Ausdehnung“: Eine ausgedehnte Probe mittelt über verschiedene Orte; zu „bekannt“: Ohne bekannten Wert von \(q\) kann der Quotient gar nicht gebildet werden; zu „positiv“: Bei negativer Ladung zeigt die Kraft entgegen der Feldrichtung, die Richtung von \(E\) müsste umgedreht werden.)
Auswertung einer Messreihe
AFB IIEine Schülergruppe wiederholt die Messung aus dem Aufbau in Aufgabe 1 mit fünf verschieden stark geladenen Kugeln, die nacheinander an derselben Stelle zwischen die Platten gebracht werden. Die Messwerte sind in Material M1 protokolliert, Material M2 zeigt das zugehörige \(F\)-\(q\)-Diagramm mit einer Ausgleichsgeraden durch den Ursprung.
| \(q\) in µC | 1,0 | 2,0 | 3,0 | 4,0 | 5,0 |
|---|---|---|---|---|---|
| \(F\) in mN | 3,5 | 7,3 | 10,7 | 14,5 | 17,9 |
Alle Kugeln hingen am selben Ort mittig zwischen den Platten; der Kraftsensor zeigt auf 0,1 mN genau an.
Die Ausgleichsgerade wurde durch den Ursprung gelegt und so eingezeichnet, dass die Messpunkte möglichst gleichmäßig beiderseits liegen.
- Berechnen Sie für jede Messung den Quotienten \(\dfrac{F}{q}\) und ermitteln Sie den Mittelwert der Quotienten.
- Bestimmen Sie aus der Steigung der Ausgleichsgeraden in Material M2 die Feldstärke zwischen den Platten und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Mittelwert aus Teilaufgabe a).
- Begründen Sie, warum die Ausgleichsgerade durch den Ursprung gelegt werden darf, und erläutern Sie, was die Lage der Messpunkte auf einer Ursprungsgeraden über den Zusammenhang zwischen \(F\) und \(q\) aussagt.
- Ein Schüler meint, die Messreihe sei überflüssig gewesen: „Die letzte Messung allein hätte doch genau denselben Wert geliefert.“ Beurteilen Sie diese Auffassung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Quotienten in \(\mathrm{\frac{N}{C}}\): \(\frac{3{,}5\,\mathrm{mN}}{1{,}0\,\mathrm{\mu C}}=3500\); \(\frac{7{,}3}{2{,}0}=3650\); \(\frac{10{,}7}{3{,}0}\approx 3567\); \(\frac{14{,}5}{4{,}0}=3625\); \(\frac{17{,}9}{5{,}0}=3580\). Mittelwert: \(\displaystyle \bar E=\frac{3500+3650+3567+3625+3580}{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\approx 3584\,\mathrm{\frac{N}{C}}\approx 3{,}6\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Die größte Abweichung eines Einzelwertes vom Mittelwert beträgt rund 2 % (erste Messung).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die Gerade verläuft durch den Ursprung und durch den Punkt \((5{,}0\,\mathrm{\mu C}\,|\,18{,}0\,\mathrm{mN})\). Steigung: \(\displaystyle E=\frac{\Delta F}{\Delta q}=\frac{18{,}0\cdot 10^{-3}\,\mathrm N}{5{,}0\cdot 10^{-6}\,\mathrm C}=3{,}6\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Vergleich: Beide Verfahren liefern im Rahmen der Messgenauigkeit dasselbe Ergebnis (Abweichung unter 1 %); die Ausgleichsgerade gewichtet die Messpunkte grafisch, der Mittelwert rechnerisch.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Ohne Ladung wirkt keine elektrische Kraft: Für \(q=0\) muss \(F=0\) gelten, der Ursprung ist also ein sicherer Punkt der Geraden. Liegen die Messpunkte auf einer Ursprungsgeraden, so ist der Quotient \(\frac{F}{q}\) für alle Messungen gleich — Kraft und Ladung sind zueinander proportional: Die doppelte Ladung erfährt die doppelte Kraft. Genau diese Proportionalität rechtfertigt es, den Quotienten als Kenngröße des Feldes (Feldstärke) zu definieren, unabhängig von der verwendeten Probeladung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Richtig ist: Die letzte Messung liefert mit \(3580\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) einen Wert, der vom Mittelwert kaum abweicht. Dennoch ist die Auffassung nicht haltbar. Erstens konnte der Schüler nicht wissen, dass gerade diese Messung so gut trifft — die erste Messung weicht um über 2 % ab, und eine Einzelmessung enthält immer zufällige Fehler (Ablesen des Sensors, Reibung im Arm), die sich erst beim Mitteln teilweise aufheben. Zweitens zeigt nur die Messreihe, dass \(F\) tatsächlich proportional zu \(q\) ist — also dass die Probeladungen das Feld nicht merklich verändert haben und der Quotient überhaupt eine sinnvolle Feldgröße ist. Drittens lässt sich erst aus der Streuung mehrerer Werte abschätzen, wie genau das Ergebnis ist. Eine Einzelmessung liefert eine Zahl, eine Messreihe ein belastbares Ergebnis.
Elektrostatische Lackierung
AFB IIIn einer Lackieranlage werden Karosserieteile elektrostatisch lackiert: Die Sprühdüse ist stark negativ geladen, das Werkstück ist geerdet. Die austretenden Lacktröpfchen laden sich negativ auf und werden vom elektrischen Feld zwischen Düse und Werkstück zum Werkstück getragen (Material M1).
Vor der Inbetriebnahme prüft eine Technikerin das Feld an zwei Stellen auf der Verbindungslinie von Düse und Werkstück. An der Stelle \(\mathrm P_1\) nahe der Werkstückoberfläche bringt sie eine positive Probeladung \(q = 0{,}80\,\mathrm{nC}\) an einem Kraftsensor ein; dieser zeigt \(F_1 = 40\,\mathrm{\mu N}\) an. An der Stelle \(\mathrm P_2\) nahe der Düsenspitze zeigt der Sensor mit derselben Probeladung \(F_2 = 96\,\mathrm{\mu N}\) an.
Das geerdete Werkstück trägt durch Influenz positive Ladung auf der der Düse zugewandten Seite. Die Feldlinien laufen zur Düsenspitze hin zusammen.
- Geben Sie an, in welche Richtung die Kraft auf die Probeladung an der Stelle \(\mathrm P_1\) wirkt, und begründen Sie Ihre Antwort mithilfe von Material M1.
- Berechnen Sie die Feldstärke an der Stelle \(\mathrm P_1\).
- Berechnen Sie die Feldstärke an der Stelle \(\mathrm P_2\) und erläutern Sie anhand des Feldlinienbildes in Material M1, warum sich die beiden Werte unterscheiden.
- Für eine Kontrollmessung an \(\mathrm P_2\) steht der Technikerin nur eine zehnmal größere Probeladung zur Verfügung. Erläutern Sie, welche Kraft bei unverändertem Feld zu erwarten wäre, und begründen Sie, warum das Ergebnis dieser Messung dennoch weniger vertrauenswürdig ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Die Kraft wirkt zur Düse hin (in M1 nach links). Begründung: Die Feldlinien verlaufen von der positiv influenzierten Werkstückoberfläche zur negativ geladenen Düse; die Pfeile in M1 zeigen zur Düse. Die Feldrichtung ist als Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung festgelegt. Da die verwendete Probeladung positiv ist, stimmt die Kraftrichtung mit der Feldrichtung überein — sie zeigt also zur Düse.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Umrechnung: \(q=8{,}0\cdot 10^{-10}\,\mathrm C\), \(F_1=4{,}0\cdot 10^{-5}\,\mathrm N\). Ansatz: \(\displaystyle E_1=\frac{F_1}{q}=\frac{4{,}0\cdot 10^{-5}\,\mathrm N}{8{,}0\cdot 10^{-10}\,\mathrm C}\). Ergebnis: \(E_1=5{,}0\cdot 10^{4}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Ansatz und Einsetzen: \(\displaystyle E_2=\frac{F_2}{q}=\frac{9{,}6\cdot 10^{-5}\,\mathrm N}{8{,}0\cdot 10^{-10}\,\mathrm C}=1{,}2\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\). Die Feldstärke an \(\mathrm P_2\) ist also 2,4-mal so groß wie an \(\mathrm P_1\). Erläuterung: Das Feld zwischen Düse und Werkstück ist nicht homogen. In M1 laufen die Feldlinien zur Düsenspitze hin zusammen; dort liegen sie dichter als vor der breiten Werkstückfläche. Die Dichte der Feldlinien ist ein Maß für die Feldstärke — je enger die Linien, desto größer \(E\). Deshalb misst die Technikerin nahe der Spitze die größere Kraft auf dieselbe Probeladung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Erwartung bei unverändertem Feld: \(F=E_2\cdot q'=1{,}2\cdot 10^{5}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\cdot 8{,}0\cdot 10^{-9}\,\mathrm C=9{,}6\cdot 10^{-4}\,\mathrm N=0{,}96\,\mathrm{mN}\), also die zehnfache Kraft; der Quotient \(\frac{F}{q}\) bliebe gleich. Begründung der Unsicherheit: Die zehnfach größere Probeladung erzeugt ein entsprechend stärkeres eigenes Feld. Sie verschiebt durch Influenz Ladungen auf der nahen Düsenspitze und auf dem Werkstück und beult die Feldlinien in ihrer Umgebung aus. Am Messort herrscht dann nicht mehr das ursprüngliche Feld, sondern ein von der Probe verändertes — die gemessene Kraft enthält einen zusätzlichen Anteil, der nicht vom Feld der Anlage stammt. Der Quotient \(\frac{F}{q}\) liefert damit nicht mehr die gesuchte Feldstärke \(E_2\), sondern einen verfälschten Wert. Eine Probeladung muss klein im Betrag sein, damit sie das Feld nur abtastet und nicht verändert.
Wenn die Probeladung das Feld verändert
AFB IIDie Schülergruppe aus Aufgabe 2 untersucht, wie groß eine Probeladung sein darf. Sie hängt die Probekugel jetzt nicht mehr mittig, sondern 1,0 cm über der unteren, negativ geladenen Platte des Kondensators (Plattenabstand 8,0 cm) und misst die Kraft für sechs verschieden große Ladungen (Material M1). Material M2 zeigt schematisch, wie das Feld auf eine kleine und auf eine große Probeladung reagiert.
| \(q\) in µC | 0,50 | 1,0 | 2,0 | 5,0 | 10 | 20 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| \(F\) in mN | 1,5 | 3,0 | 6,0 | 15,5 | 33,0 | 74,0 |
Alle Messungen an derselben Stelle; die Platten bleiben während der gesamten Messreihe an dieselbe Spannungsquelle angeschlossen.
Rechts biegen die benachbarten Feldlinien von der großen positiven Probeladung weg; von ihr selbst gehen eigene Feldlinien zur unteren Platte, unter der Probe haben sich zusätzliche negative Ladungen gesammelt.
- Berechnen Sie für alle Messungen den Quotienten \(\dfrac{F}{q}\) und beschreiben Sie, wie sich der Quotient mit wachsender Probeladung verhält.
- Erklären Sie mithilfe von Material M2 und der Influenz, warum bei großer Probeladung eine zu große Kraft gemessen wird.
- Entscheiden Sie begründet, welchen Wert die Gruppe als Feldstärke des ungestörten Feldes an dieser Stelle angeben sollte.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Quotienten in \(\mathrm{\frac{N}{C}}\): \(\frac{1{,}5}{0{,}50}=3000\); \(\frac{3{,}0}{1{,}0}=3000\); \(\frac{6{,}0}{2{,}0}=3000\); \(\frac{15{,}5}{5{,}0}=3100\); \(\frac{33{,}0}{10}=3300\); \(\frac{74{,}0}{20}=3700\). Beschreibung: Für kleine Probeladungen bis etwa \(2\,\mathrm{\mu C}\) ist der Quotient konstant \(3{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) — Kraft und Ladung sind proportional. Ab etwa \(5\,\mathrm{\mu C}\) wächst der Quotient zunehmend an; bei \(20\,\mathrm{\mu C}\) liegt er bereits rund 23 % über dem Anfangswert. Die Kraft steigt also stärker als proportional zur Ladung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die positive Probeladung zieht die frei beweglichen Elektronen der darunterliegenden Metallplatte an: Durch Influenz sammeln sich direkt unter der Probe zusätzliche negative Ladungen (M2 rechts), während die Platte weiter weg entsprechend weniger negativ ist. Zwischen der Probe und dieser Ladungsanhäufung wirkt eine zusätzliche anziehende Kraft. Sie zeigt nach unten zur Platte — also in dieselbe Richtung wie die Kraft des Kondensatorfeldes auf die positive Probe. Der Sensor misst die Summe beider Anteile, die gemessene Kraft ist deshalb größer als \(E\cdot q\). Da die influenzierte Ladungsmenge mit \(q\) wächst, nimmt dieser Zusatzanteil überproportional zu, und der Quotient \(\frac{F}{q}\) steigt. Zugleich zeigen die ausgebeulten Feldlinien in M2, dass das Feld am Messort nicht mehr das ursprüngliche homogene Feld ist: Die Probe hat das Feld verändert, das sie messen soll.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Gruppe sollte \(E = 3{,}0\cdot 10^{3}\,\mathrm{\frac{N}{C}}\) angeben. Begründung: Das ungestörte Feld ist das Feld ohne Probeladung. Ihm kommen die Messungen mit den kleinsten Ladungen am nächsten. Dass sie das Feld noch nicht merklich verändert haben, erkennt man daran, dass ihr Quotient für \(0{,}50\,\mathrm{\mu C}\), \(1{,}0\,\mathrm{\mu C}\) und \(2{,}0\,\mathrm{\mu C}\) konstant ist — Kraft und Ladung sind hier proportional, wie es die Definition der Feldstärke voraussetzt. Die drei großen Ladungen liefern systematisch zu hohe Werte und dürfen nicht in einen Mittelwert eingehen; ein Mittelwert über alle sechs Werte (\(\approx 3180\,\mathrm{\frac{N}{C}}\)) wäre verfälscht.
Streit um das beste Messverfahren
AFB IIIIn der Schülergruppe aus den Aufgaben 2 und 4 wird diskutiert, wie man die Feldstärke im Kondensator möglichst genau bestimmen sollte. Der verwendete Kraftsensor zeigt auf \(0{,}1\,\mathrm{mN}\) genau an. Zwei Mitglieder der Gruppe vertreten die in Material M1 wiedergegebenen Positionen.
Beide Aussagen enthalten einen richtigen Kern — und ziehen daraus einen fragwürdigen Schluss.
- Beurteilen Sie beide Aussagen aus Material M1 physikalisch. Beziehen Sie dabei die Messwerte aus Aufgabe 4 ein.
- Planen Sie ein Messverfahren, mit dem die Gruppe die Feldstärke an einer Stelle des Kondensators möglichst genau und verlässlich bestimmen kann, und begründen Sie die einzelnen Schritte.
- Ein drittes Gruppenmitglied schlägt vor, mit einer negativ geladenen Probekugel zu messen, „weil die Kraft dann nach oben zeigt und der Arm entlastet wird“. Nehmen Sie zu diesem Vorschlag Stellung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Aussage 1 (Lena): Der richtige Kern: Bei großer Kraft fällt der Ablesefehler des Sensors weniger ins Gewicht. Bei \(q=0{,}50\,\mathrm{\mu C}\) bedeutet \(0{,}1\,\mathrm{mN}\) Unsicherheit bei \(1{,}5\,\mathrm{mN}\) rund 7 %, bei \(q=20\,\mathrm{\mu C}\) und \(74\,\mathrm{mN}\) nur noch etwa 0,1 %. Der Schluss ist dennoch falsch: Die Messreihe aus Aufgabe 4 zeigt, dass große Probeladungen durch Influenz das Feld verändern und der Quotient dann systematisch zu groß ausfällt (\(3700\) statt \(3000\,\mathrm{\frac{N}{C}}\), also rund 23 % Fehler). Dieser Fehler ist weit größer als der eingesparte Ablesefehler — und eine einzige Messung kann ihn nicht einmal aufdecken, weil man ohne Vergleichswert nicht erkennt, dass das Feld gestört ist.
Aussage 2 (Tarek): Die Voraussetzung ist richtig: Jede Probeladung erzeugt ein eigenes Feld und beeinflusst die Ladungsverteilung auf den Platten; eine Messung ganz ohne Rückwirkung gibt es nicht. Die Schlussfolgerung ist aber falsch. Die Störung wird mit kleiner werdender Ladung immer geringer, und die Messreihe zeigt, dass sie bei kleinen Ladungen unterhalb der Messgenauigkeit liegt: Der Quotient ist dort konstant. Die Feldstärke lässt sich also so genau bestimmen, wie es der Sensor erlaubt. Dass jede Messung eine endliche Genauigkeit hat, gilt für alle physikalischen Größen und macht sie nicht „unmessbar“.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Aufbau: Kleine, positiv geladene Probekugel mit bekannter Ladung an einem starren, isolierenden Arm mit Kraftsensor; die Kugel wird mittig zwischen den Platten und nicht in Plattennähe positioniert, damit Influenzeffekte an der nahen Platte klein bleiben (vgl. Aufgabe 4). Durchführung: Messreihe mit schrittweise wachsender Probeladung an derselben Stelle, jede Messung mehrfach wiederholt. Auswertung: Für jede Ladung den Quotienten \(\frac{F}{q}\) bilden bzw. die Messpunkte in ein \(F\)-\(q\)-Diagramm eintragen. Der Bereich, in dem der Quotient konstant ist (die Punkte auf einer Ursprungsgeraden liegen), ist der Bereich ungestörten Feldes. Innerhalb dieses Bereichs werden bevorzugt die größten Ladungen verwendet — sie liefern die größten Kräfte und damit den kleinsten relativen Ablesefehler, ohne das Feld zu stören. Die Feldstärke ergibt sich als Mittelwert dieser Quotienten oder als Steigung der Ausgleichsgeraden durch den Ursprung; gerundet wird erst zum Schluss, und aus der Streuung wird die Unsicherheit abgeschätzt. Begründung: So werden beide Anliegen aus M1 verbunden: große Kraft für geringe Ablesefehler (Lena) und Kontrolle der Rückwirkung der Probe auf das Feld (Tarek).
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Der Vorschlag ist physikalisch zulässig, ändert am Messprinzip aber nichts Wesentliches. Der Betrag der Kraft ist bei gleich großer Ladung derselbe, denn \(|F|=E\cdot|q|\); der Quotient \(\frac{|F|}{|q|}\) liefert also dieselbe Feldstärke. Nur die Richtung kehrt sich um: Die Kraft auf die negative Kugel zeigt entgegen der Feldrichtung, hier nach oben zur positiven Platte. Bei der Auswertung muss man deshalb beachten, dass die Feldrichtung als Kraftrichtung auf eine positive Probeladung festgelegt ist — die gemessene Kraftrichtung ist der Feldrichtung entgegengesetzt. Ob der Arm „entlastet“ wird, spielt für das Ergebnis keine Rolle: Der Sensor misst Zug und Druck gleichermaßen. Ein echter Vorteil ergibt sich nicht; auch der Influenz-Effekt aus Aufgabe 4 tritt bei negativer Ladung ebenso auf (dann sammeln sich positive Ladungen auf der nahen Platte). Fazit: möglich, aber ohne Gewinn — die übliche positive Probeladung vermeidet Vorzeichenfehler.
