MINT lernen

AbituraufgabenAuf- und Entladen

Fünf Aufgaben im Stil der schriftlichen Abiturprüfung — mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont zur Selbstkontrolle.

1

Das Blitzgerät einer Kamera

AFB I

Im Blitzgerät einer Kamera wird die Energie für den Lichtblitz in einem Kondensator mit der Kapazität \(C = 220\,\mathrm{\mu F}\) gespeichert. Der Kondensator wird über den Ladewiderstand \(R_1 = 1{,}5\,\mathrm{k\Omega}\) aus einer Quelle mit \(U_0 = 300\,\mathrm V\) aufgeladen (Material M1, Stellung 1). Beim Auslösen schaltet der Umschalter in Stellung 2: Der Kondensator entlädt sich über die Blitzröhre, die dabei wie ein ohmscher Widerstand mit \(R_2 = 12\,\Omega\) wirkt.

Für alle Rechnungen gilt: Zuleitungen und Quelle sind widerstandsfrei, der Kondensator ist verlustfrei.

M1Lade- und Blitzkreis des Blitzgeräts
1 2 Umschalter I(t) beim Blitz Stellung 1 — Laden über den Ladewiderstand aus der Quelle Stellung 2 — Zündung: C entlädt sich über die Blitzröhre

In Stellung 1 liegen Quelle, \(R_1\) und \(C\) in Reihe. In Stellung 2 ist die Quelle abgetrennt und der Kondensator treibt den Strom allein durch die Blitzröhre.

  1. Berechnen Sie die Ladung, die der vollständig aufgeladene Kondensator trägt, und die Stromstärke im ersten Moment nach dem Umschalten in Stellung 2.
  2. Berechnen Sie die Zeitkonstanten des Ladevorgangs und des Entladevorgangs. Erläutern Sie, was die Zeitkonstante über den zeitlichen Verlauf aussagt, und begründen Sie damit, warum der Blitz nur wenige Millisekunden dauert, das Aufladen dagegen deutlich länger.
  3. Berechnen Sie die Spannung am Kondensator \(5{,}0\,\mathrm{ms}\) nach dem Zünden des Blitzes sowie die Zeit, nach der die Spannung auf \(10\,\mathrm V\) gesunken ist.
  4. Der Hersteller wirbt damit, das Gerät sei \(1{,}5\,\mathrm s\) nach einem Blitz wieder einsatzbereit. Berechnen Sie, auf wie viel Prozent der Quellenspannung der Kondensator nach dieser Zeit aufgeladen ist, wenn er zuvor vollständig entladen war.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Ladung folgt aus der Definition der Kapazität \(C=\frac{Q}{U}\). Für den Anfangsstrom gilt: Im ersten Moment liegt die volle Kondensatorspannung am Widerstand \(R_2\) — nutze \(I_0=\frac{U_0}{R_2}\).„Berechnen“ verlangt Ansatz, Einsetzen mit Einheiten und Ergebnis — hier zweimal, für \(Q_0\) und für \(I_0\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Es gilt \(\tau=R\cdot C\) — einmal mit \(R_1\), einmal mit \(R_2\). Nach \(\tau\) ist die Entladespannung auf \(\frac1e\approx37\,\%\) gefallen bzw. die Ladespannung auf \(63\,\%\) gestiegen; nach \(5\tau\) ist der Vorgang praktisch beendet. Vergleiche die beiden Werte von \(\tau\).„Begründen“ heißt: die Beobachtung (kurzer Blitz, langes Laden) auf die Ursache (die beiden sehr unterschiedlichen Widerstände in \(\tau=RC\)) zurückführen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Entladen: \(U(t)=U_0\,e^{-t/\tau}\) mit \(\tau=\tau_2\) aus b). Für die Zeit die Gleichung nach \(t\) umstellen: \(t=\tau\cdot\ln\frac{U_0}{U}\) — der Bruch steht „groß durch klein“.
Hinweis zu Aufgabe d)
Laden: \(U(t)=U_0\left(1-e^{-t/\tau}\right)\) mit \(\tau=\tau_1\). Der Quotient \(\frac{U(t)}{U_0}\) ist der gesuchte Prozentwert — \(U_0\) kürzt sich heraus.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ladung: \(Q_0=C\cdot U_0=220\cdot10^{-6}\,\mathrm F\cdot300\,\mathrm V=6{,}6\cdot10^{-2}\,\mathrm C=66\,\mathrm{mC}\).

Anfangsstromstärke beim Entladen: Im ersten Moment liegt die volle Spannung \(U_0\) an der Blitzröhre, also \(\displaystyle I_0=\frac{U_0}{R_2}=\frac{300\,\mathrm V}{12\,\Omega}=25\,\mathrm A\). Dieser hohe Strom fließt nur für einen Augenblick — er nimmt sofort ab, weil die Kondensatorspannung mit jeder abfließenden Ladung sinkt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Laden: \(\tau_1=R_1\,C=1500\,\Omega\cdot220\cdot10^{-6}\,\mathrm F=0{,}33\,\mathrm s\). Entladen: \(\tau_2=R_2\,C=12\,\Omega\cdot220\cdot10^{-6}\,\mathrm F=2{,}6\cdot10^{-3}\,\mathrm s=2{,}6\,\mathrm{ms}\).

Die Zeitkonstante ist das Tempomaß des Vorgangs: Nach der Zeit \(\tau\) ist die Spannung beim Entladen auf \(\frac1e\approx37\,\%\) des Anfangswerts gefallen, beim Laden auf \(63\,\%\) der Quellenspannung gestiegen; nach etwa \(5\tau\) ist der Vorgang praktisch abgeschlossen. Sie hängt nur von \(R\) und \(C\) ab, nicht von der Spannung.

Begründung: Die Kapazität ist in beiden Fällen dieselbe, die Widerstände unterscheiden sich aber um den Faktor \(\frac{1500}{12}\approx125\). Genau um diesen Faktor ist \(\tau_2\) kleiner als \(\tau_1\): Der Blitz ist nach \(5\tau_2\approx13\,\mathrm{ms}\) vorbei, das Nachladen dauert etwa \(5\tau_1\approx1{,}7\,\mathrm s\). Der kleine Widerstand der Blitzröhre lässt die Ladung schnell abfließen, der große Ladewiderstand begrenzt den Ladestrom.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Spannung nach \(5{,}0\,\mathrm{ms}\): \(\displaystyle U=U_0\,e^{-\frac{t}{\tau_2}}=300\,\mathrm V\cdot e^{-\frac{5{,}0\,\mathrm{ms}}{2{,}64\,\mathrm{ms}}}=300\,\mathrm V\cdot e^{-1{,}89}=300\,\mathrm V\cdot0{,}151\approx45\,\mathrm V\).

Zeit bis \(10\,\mathrm V\): Aus \(U=U_0\,e^{-t/\tau_2}\) folgt \(\displaystyle t=\tau_2\cdot\ln\frac{U_0}{U}=2{,}64\,\mathrm{ms}\cdot\ln\frac{300\,\mathrm V}{10\,\mathrm V}=2{,}64\,\mathrm{ms}\cdot3{,}40\approx9{,}0\,\mathrm{ms}\). (Mit dem gerundeten Wert \(\tau_2=2{,}6\,\mathrm{ms}\) ergeben sich \(44\,\mathrm V\) und \(8{,}8\,\mathrm{ms}\) — beides ist zu akzeptieren.)

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Ladevorgang: \(\displaystyle \frac{U(t)}{U_0}=1-e^{-\frac{t}{\tau_1}}=1-e^{-\frac{1{,}5\,\mathrm s}{0{,}33\,\mathrm s}}=1-e^{-4{,}5}=1-0{,}011=0{,}989\).

Nach \(1{,}5\,\mathrm s\) ist der Kondensator also auf rund \(99\,\%\) der Quellenspannung aufgeladen (\(U\approx297\,\mathrm V\)). Die Herstellerangabe ist damit gerechtfertigt: \(1{,}5\,\mathrm s\) entsprechen etwa \(4{,}5\,\tau_1\), der Ladevorgang ist praktisch abgeschlossen.

2

Entladung im Praktikum

AFB II

Im Physikpraktikum wird ein Kondensator unbekannter Kapazität über den Widerstand \(R = 47\,\mathrm{k\Omega}\) entladen (Material M1). Zuvor wurde er in Stellung 1 auf \(U_0 = 9{,}0\,\mathrm V\) aufgeladen. Beim Umschalten in Stellung 2 wird die Stoppuhr gestartet; alle \(10\,\mathrm s\) wird die Spannung am Kondensator abgelesen (Material M2).

Das Voltmeter soll zunächst als ideal angesehen werden, es beeinflusst den Entladevorgang nicht.

M1Schaltung des Entladeversuchs
1 2 Umschalter Stellung 1 — Laden aus der Quelle Stellung 2 — Entladen über R

Das Voltmeter ist parallel zum Kondensator geschaltet und zeigt zu jedem Zeitpunkt die Kondensatorspannung \(U_C\) an.

M2Messwerte des Entladevorgangs
Kondensatorspannung während der Entladung (R = 47 kΩ)
Zeit \(t\) in sSpannung \(U_C\) in V
09,0
105,9
203,8
302,5
401,6
501,1
600,70
  1. Zeichnen Sie das \(t\)-\(U_C\)-Diagramm zu Material M2 und beschreiben Sie den Verlauf der Kurve.
  2. Zeigen Sie anhand der Messwerte in Material M2, dass die Spannung exponentiell abnimmt.
  3. Bestimmen Sie aus den Messwerten die Zeitkonstante des Entladevorgangs und daraus die Kapazität des Kondensators.
  4. Berechnen Sie, nach welcher Zeit die Spannung unter \(0{,}10\,\mathrm V\) gesunken ist, und erläutern Sie, warum die Spannung rechnerisch nie exakt null wird.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zeit nach rechts, Spannung nach oben, Achsen beschriften und sinnvoll skalieren (z. B. \(1\,\mathrm{cm}\) für \(10\,\mathrm s\) bzw. \(1\,\mathrm V\)). Messpunkte eintragen und durch eine glatte Kurve verbinden — keine Zickzacklinie. Beschreibe: Startwert, Steilheit am Anfang, Verhalten für große \(t\).„Beschreiben“ verlangt Fachsprache, keine Erklärung: Was ist zu sehen, nicht warum.
Hinweis zu Aufgabe b)
Kennzeichen einer Exponentialfunktion: In gleichen Zeitspannen ändert sich die Spannung immer um denselben Faktor, nicht um denselben Betrag. Bilde die Quotienten aufeinanderfolgender Messwerte \(\frac{U(t+10\,\mathrm s)}{U(t)}\). Alternativ: Prüfe, ob die Halbwertszeit von jedem Startwert aus gleich lang ist.„Zeigen“ heißt: die Behauptung an den Zahlen belegen — ein einzelner Quotient genügt nicht, die Regel muss über die ganze Messreihe hinweg gelten.
Hinweis zu Aufgabe c)
Weg 1: Lies die Halbwertszeit ab (Zeit bis \(4{,}5\,\mathrm V\); zwischen zwei Messwerten linear interpolieren) und nutze \(t_{1/2}=\tau\cdot\ln2\). Weg 2: Lies ab, wann \(37\,\%\) von \(9{,}0\,\mathrm V\), also \(3{,}3\,\mathrm V\), erreicht sind — diese Zeit ist \(\tau\). Weg 3: Setze einen Messwert in \(U=U_0e^{-t/\tau}\) ein und stelle nach \(\tau\) um. Dann \(C=\frac{\tau}{R}\).
Hinweis zu Aufgabe d)
Stelle \(U=U_0e^{-t/\tau}\) nach \(t\) um: \(t=\tau\ln\frac{U_0}{U}\). Für die Erläuterung: Was passiert mit \(e^{-t/\tau}\), wenn \(t\) immer größer wird — und wird der Wert jemals genau null?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Diagramm: \(t\)-Achse waagerecht (0 bis 60 s), \(U_C\)-Achse senkrecht (0 bis 9 V), sieben Messpunkte, verbunden durch eine glatte, nach rechts flacher werdende Kurve.

Beschreibung: Die Spannung beginnt bei \(9{,}0\,\mathrm V\) und fällt zunächst steil ab — in den ersten \(10\,\mathrm s\) um mehr als \(3\,\mathrm V\). Mit wachsender Zeit wird die Kurve immer flacher; zwischen \(50\,\mathrm s\) und \(60\,\mathrm s\) sinkt die Spannung nur noch um \(0{,}4\,\mathrm V\). Die Kurve nähert sich der Zeitachse an, ohne sie im Messbereich zu erreichen. Es handelt sich um eine monoton fallende Kurve mit abnehmender Steigung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Quotienten aufeinanderfolgender Messwerte (jeweils \(\Delta t=10\,\mathrm s\)): \(\frac{5{,}9}{9{,}0}=0{,}66\); \(\frac{3{,}8}{5{,}9}=0{,}64\); \(\frac{2{,}5}{3{,}8}=0{,}66\); \(\frac{1{,}6}{2{,}5}=0{,}64\); \(\frac{1{,}1}{1{,}6}=0{,}69\); \(\frac{0{,}70}{1{,}1}=0{,}64\).

Innerhalb der Ablesegenauigkeit ist der Quotient konstant (\(\approx0{,}65\)): In gleichen Zeitspannen fällt die Spannung stets auf denselben Bruchteil — das ist genau die Eigenschaft einer Exponentialfunktion \(U(t)=U_0\,e^{-t/\tau}\), denn \(\frac{U(t+\Delta t)}{U(t)}=e^{-\Delta t/\tau}\) hängt nicht von \(t\) ab. Bei einem linearen Abfall wäre dagegen die Differenz konstant; die Differenzen betragen hier aber \(3{,}1\,\mathrm V\), \(2{,}1\,\mathrm V\), \(1{,}3\,\mathrm V\), … und nehmen ab.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Weg über die Halbwertszeit: \(4{,}5\,\mathrm V\) liegen zwischen \(5{,}9\,\mathrm V\) (10 s) und \(3{,}8\,\mathrm V\) (20 s); lineare Interpolation liefert \(t_{1/2}\approx10\,\mathrm s+\frac{5{,}9-4{,}5}{5{,}9-3{,}8}\cdot10\,\mathrm s\approx17\,\mathrm s\). Daraus \(\displaystyle\tau=\frac{t_{1/2}}{\ln2}=\frac{17\,\mathrm s}{0{,}693}\approx24\,\mathrm s\).

Kontrolle über den 37-%-Wert: \(0{,}37\cdot9{,}0\,\mathrm V=3{,}3\,\mathrm V\) werden zwischen \(20\,\mathrm s\) und \(30\,\mathrm s\) erreicht, etwa bei \(t\approx24\,\mathrm s\). Rechnerisch mit dem Messwert bei \(30\,\mathrm s\): \(\tau=\frac{30\,\mathrm s}{\ln(9{,}0/2{,}5)}=\frac{30\,\mathrm s}{1{,}28}=23\,\mathrm s\).

Kapazität: \(\displaystyle C=\frac{\tau}{R}=\frac{24\,\mathrm s}{47\,000\,\Omega}=5{,}1\cdot10^{-4}\,\mathrm F\approx0{,}5\,\mathrm{mF}\). Wegen der Ableseungenauigkeit sind Werte zwischen \(0{,}47\,\mathrm{mF}\) und \(0{,}53\,\mathrm{mF}\) zu akzeptieren; der Kondensator hat den Nennwert \(500\,\mathrm{\mu F}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Mit \(\tau\approx23{,}5\,\mathrm s\): \(\displaystyle t=\tau\cdot\ln\frac{U_0}{U}=23{,}5\,\mathrm s\cdot\ln\frac{9{,}0\,\mathrm V}{0{,}10\,\mathrm V}=23{,}5\,\mathrm s\cdot4{,}50\approx1{,}1\cdot10^{2}\,\mathrm s\). Nach knapp zwei Minuten (etwa \(4{,}5\,\tau\)) ist die Spannung unter \(0{,}10\,\mathrm V\) gesunken.

Erläuterung: Der Faktor \(e^{-t/\tau}\) wird mit wachsendem \(t\) zwar beliebig klein, aber niemals null — eine Potenz von \(e\) ist stets positiv. Physikalisch: Je kleiner die Spannung, desto kleiner der Entladestrom \(I=\frac{U_C}{R}\), desto langsamer fließt die restliche Ladung ab. Der Vorgang bremst sich selbst aus. Für die Praxis gilt der Kondensator nach etwa \(5\tau\) (hier rund \(2\,\mathrm{min}\)) als entladen, weil die Restspannung dann unter \(1\,\%\) liegt.

3

Der Ladestrom im Diagramm

AFB II

Ein zunächst ungeladener Kondensator wird über einen Widerstand \(R\) an eine Quelle mit \(U_0 = 10\,\mathrm V\) angeschlossen. Ein Messgerät zeichnet die Stromstärke im Stromkreis auf; Material M1 zeigt das \(t\)-\(I\)-Diagramm des Ladevorgangs. Die Werte von \(R\) und \(C\) sind nicht bekannt.

M1Stromstärke während des Ladevorgangs
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 t in s I in mA Ladestrom I(t)

Die Kästchen des Gitters haben die Größe \(1\,\mathrm s\times0{,}5\,\mathrm{mA}\). Die Kurve beginnt bei \(t=0\) mit dem Wert \(I_0=2{,}0\,\mathrm{mA}\).

  1. Beschreiben Sie den Verlauf des Graphen in Material M1 und erklären Sie mithilfe der Spannungsbilanz \(U_0 = U_R + U_C\), warum die Stromstärke während des Ladens abnimmt, obwohl die Spannung am Kondensator steigt.
  2. Ermitteln Sie aus Material M1 den Widerstand \(R\), die Zeitkonstante \(\tau\) und die Kapazität \(C\).
  3. Berechnen Sie die Spannung am Kondensator zum Zeitpunkt \(t = 3{,}0\,\mathrm s\) auf zwei voneinander unabhängigen Wegen.
  4. Erläutern Sie, welche physikalische Größe die Fläche zwischen dem Graphen und der Zeitachse angibt, ermitteln Sie diese Fläche näherungsweise für den gesamten Ladevorgang und zeigen Sie, dass das Ergebnis zu den Werten aus Teilaufgabe b) passt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Beschreibe Startwert, Form (fallend? wie stark?), Verhalten für große \(t\). Für die Erklärung: Welche der beiden Spannungen bestimmt den Strom durch \(R\)? Was passiert mit \(U_R\), wenn \(U_C\) wächst und \(U_0\) fest bleibt?„Erklären“ heißt: die Abnahme des Stroms auf eine Ursache zurückführen — hier auf die Spannungsbilanz und das ohmsche Gesetz am Widerstand.
Hinweis zu Aufgabe b)
Bei \(t=0\) ist der Kondensator leer, die volle Quellenspannung liegt an \(R\): \(R=\frac{U_0}{I_0}\). Die Zeitkonstante ist die Zeit, nach der die Stromstärke auf \(\frac1e\approx37\,\%\) von \(I_0\) gefallen ist — lies diesen Zeitpunkt ab. Dann \(C=\frac{\tau}{R}\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Weg 1: Ladeformel \(U_C(t)=U_0\left(1-e^{-t/\tau}\right)\). Weg 2: Lies \(I(3{,}0\,\mathrm s)\) ab oder berechne es, bestimme \(U_R=R\cdot I\) und nutze die Spannungsbilanz.
Hinweis zu Aufgabe d)
Erinnere dich an die Definition der Stromstärke: \(I=\frac{Q}{t}\), also \(Q=I\cdot t\) — bei veränderlichem Strom ist das die Fläche unter dem \(t\)-\(I\)-Graphen. Zähle die Kästchen unter der Kurve (angeschnittene Kästchen schätzen) und rechne mit \(1\,\mathrm s\cdot0{,}5\,\mathrm{mA}=0{,}5\,\mathrm{mC}\) pro Kästchen. Vergleiche mit \(Q=C\cdot U_0\).„Zeigen“ verlangt eine Rechnung, die zum bereits bekannten Wert führt — hier den Vergleich der Kästchenzählung mit \(C\cdot U_0\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Beschreibung: Die Stromstärke beginnt bei \(t=0\) mit ihrem größten Wert \(I_0=2{,}0\,\mathrm{mA}\) und nimmt monoton ab — anfangs steil (in der ersten Sekunde um etwa \(0{,}8\,\mathrm{mA}\)), später immer flacher. Nach \(6\,\mathrm s\) beträgt sie nur noch etwa \(0{,}1\,\mathrm{mA}\), nach \(10\,\mathrm s\) ist sie im Diagramm kaum noch von null zu unterscheiden. Der Graph nähert sich der Zeitachse an, ohne sie zu erreichen.

Erklärung: Zu jedem Zeitpunkt teilt sich die Quellenspannung auf Widerstand und Kondensator auf: \(U_0=U_R+U_C\). Den Strom durch den Widerstand bestimmt allein \(U_R\), denn \(I=\frac{U_R}{R}\). Zu Beginn ist der Kondensator ungeladen, \(U_C=0\), also liegt die volle Spannung am Widerstand und der Strom ist maximal. Jede ankommende Ladung erhöht \(U_C=\frac{Q}{C}\); weil \(U_0\) fest ist, bleibt für den Widerstand entsprechend weniger übrig: \(U_R=U_0-U_C\) sinkt, und mit ihr der Strom. Der Vorgang bremst sich selbst — je mehr Ladung schon da ist, desto langsamer kommt weitere hinzu.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Widerstand: Bei \(t=0\) gilt \(U_C=0\), also \(U_R=U_0\) und \(\displaystyle R=\frac{U_0}{I_0}=\frac{10\,\mathrm V}{2{,}0\cdot10^{-3}\,\mathrm A}=5{,}0\,\mathrm{k\Omega}\).

Zeitkonstante: Nach \(\tau\) ist die Stromstärke auf \(\frac1e\cdot I_0\approx0{,}37\cdot2{,}0\,\mathrm{mA}=0{,}74\,\mathrm{mA}\) gefallen. Aus dem Diagramm: Dieser Wert wird bei \(t\approx2{,}0\,\mathrm s\) erreicht, also \(\tau\approx2{,}0\,\mathrm s\). (Alternativ über die Halbwertszeit: \(1{,}0\,\mathrm{mA}\) bei \(t\approx1{,}4\,\mathrm s\), \(\tau=\frac{1{,}4\,\mathrm s}{\ln2}\approx2{,}0\,\mathrm s\).)

Kapazität: \(\displaystyle C=\frac{\tau}{R}=\frac{2{,}0\,\mathrm s}{5000\,\Omega}=4{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm F=400\,\mathrm{\mu F}\). Ablesewerte für \(\tau\) zwischen \(1{,}8\,\mathrm s\) und \(2{,}2\,\mathrm s\) sind zu akzeptieren.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Weg 1 (Ladeformel): \(\displaystyle U_C=U_0\left(1-e^{-\frac{t}{\tau}}\right)=10\,\mathrm V\cdot\left(1-e^{-\frac{3{,}0\,\mathrm s}{2{,}0\,\mathrm s}}\right)=10\,\mathrm V\cdot(1-0{,}223)=7{,}8\,\mathrm V\).

Weg 2 (Spannungsbilanz): Stromstärke bei \(3{,}0\,\mathrm s\): \(I=I_0\,e^{-1{,}5}=2{,}0\,\mathrm{mA}\cdot0{,}223=0{,}45\,\mathrm{mA}\) (im Diagramm ablesbar). Spannung am Widerstand: \(U_R=R\cdot I=5000\,\Omega\cdot0{,}45\cdot10^{-3}\,\mathrm A=2{,}2\,\mathrm V\). Damit \(U_C=U_0-U_R=10\,\mathrm V-2{,}2\,\mathrm V=7{,}8\,\mathrm V\).

Beide Wege stimmen überein — der zweite benutzt nur das Diagramm, das ohmsche Gesetz und die Spannungsbilanz, nicht die Ladeformel.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Bedeutung der Fläche: Die Stromstärke ist die pro Zeit transportierte Ladung, \(I=\frac{\Delta Q}{\Delta t}\). In einem kleinen Zeitabschnitt fließt also die Ladung \(\Delta Q=I\cdot\Delta t\) — das ist die Fläche eines schmalen Streifens unter dem Graphen. Die gesamte Fläche zwischen Graph und Zeitachse ist daher die insgesamt auf den Kondensator geflossene Ladung \(Q\). Als Einheit passt \(\mathrm{mA}\cdot\mathrm s=\mathrm{mC}\).

Kästchenzählung: Ein Kästchen entspricht \(1\,\mathrm s\cdot0{,}5\,\mathrm{mA}=0{,}5\,\mathrm{mC}\). Unter der Kurve liegen etwa \(8\) Kästchen (Streifen von \(1\,\mathrm s\) Breite: rund \(1{,}6+1{,}0+0{,}6+0{,}35+0{,}2+0{,}15+0{,}1\) mA, Rest vernachlässigbar — Summe \(\approx4{,}0\,\mathrm{mA\cdot s}\)). Ergebnis: \(Q\approx4\,\mathrm{mC}\); Werte zwischen \(3{,}5\,\mathrm{mC}\) und \(4{,}5\,\mathrm{mC}\) sind zu akzeptieren.

Vergleich: Am Ende des Ladevorgangs trägt der Kondensator \(Q=C\cdot U_0=4{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm F\cdot10\,\mathrm V=4{,}0\cdot10^{-3}\,\mathrm C=4{,}0\,\mathrm{mC}\). Die Fläche unter dem Graphen liefert also genau die Ladung, die nach \(C=\frac{Q}{U}\) auf dem Kondensator sitzen muss — die Werte aus b) sind in sich stimmig. (Rechnerisch gilt für die Gesamtfläche \(Q=I_0\cdot\tau=2{,}0\,\mathrm{mA}\cdot2{,}0\,\mathrm s=4{,}0\,\mathrm{mC}\).)

4

Ein Zeitrelais für das Treppenlicht

AFB II

Ein Zeitrelais soll eine Lampe mit einstellbarer Verzögerung einschalten. Herzstück ist ein Ladekreis (Material M1): Beim Schließen des Tasters \(S\) zur Zeit \(t=0\) wird der zuvor entladene Kondensator \(C = 100\,\mathrm{\mu F}\) über den einstellbaren Widerstand \(R\) aus einer Quelle mit \(U_0 = 12\,\mathrm V\) aufgeladen. Eine elektronische Schaltstufe überwacht die Kondensatorspannung und schaltet die Lampe ein, sobald \(U_C\) den Wert \(\tfrac23\,U_0 = 8{,}0\,\mathrm V\) erreicht. Die Schaltstufe selbst entnimmt dem Ladekreis keinen Strom.

Die Verzögerung soll \(t_\text{S} = 5{,}0\,\mathrm s\) betragen.

M1Ladekreis und Schaltstufe des Zeitrelais
Schaltstufe schaltet ein, sobald UC=23·U0 Lampe misstUC

Der Pfeil durch den Widerstand kennzeichnet ihn als einstellbar. Die Schaltstufe liegt parallel zum Kondensator und vergleicht \(U_C\) mit der Schwelle \(\tfrac23\,U_0\).

  1. Leiten Sie her, dass die Schaltzeit \(t_\text{S}\) unabhängig von \(U_0\) ist und durch \(t_\text{S} = \tau\cdot\ln 3\) gegeben wird.
  2. Berechnen Sie den Widerstand, der für die Verzögerung von \(5{,}0\,\mathrm s\) eingestellt werden muss, sowie die Stromstärke unmittelbar nach dem Schließen des Tasters.
  3. Die Kapazität des verwendeten Kondensators darf laut Hersteller um bis zu \(20\,\%\) vom aufgedruckten Wert abweichen. Ermitteln Sie, in welchem Bereich die tatsächliche Verzögerung liegen kann, und beurteilen Sie, ob die Schaltung für ein Treppenlicht geeignet ist, bei dem Abweichungen von bis zu einer Sekunde unerheblich sind.
  4. Ein Schüler schlägt vor, die Schwelle der Schaltstufe von \(\tfrac23\,U_0\) auf \(U_0\) zu erhöhen: „Dann bekommt man mit demselben Widerstand eine viel längere Verzögerung.“ Beurteilen Sie diesen Vorschlag.
Hinweis zu Aufgabe a)
Setze in die Ladeformel \(U_C(t)=U_0\left(1-e^{-t/\tau}\right)\) die Bedingung \(U_C=\tfrac23U_0\) ein. \(U_0\) kürzt sich heraus; forme nach \(e^{-t/\tau}\) um und logarithmiere. Beachte \(\ln\frac13=-\ln3\).„Herleiten“ verlangt jeden Umformungsschritt nachvollziehbar — vom Ansatz bis zur Zielgleichung.
Hinweis zu Aufgabe b)
Aus a) folgt \(\tau=\frac{t_\text{S}}{\ln3}\), und \(\tau=R\cdot C\) liefert \(R\). Für den Anfangsstrom: Bei \(t=0\) ist \(U_C=0\), die volle Quellenspannung liegt am Widerstand.
Hinweis zu Aufgabe c)
\(t_\text{S}\) ist proportional zu \(C\) (über \(\tau=RC\)). Rechne mit \(C_\text{min}=0{,}8\cdot C\) und \(C_\text{max}=1{,}2\cdot C\). Vergleiche die Abweichungen mit der zulässigen Toleranz von einer Sekunde.„Beurteilen“ heißt: ein begründetes Urteil mit Bezug auf das vorgegebene Kriterium (hier: höchstens eine Sekunde Abweichung) formulieren.
Hinweis zu Aufgabe d)
Überlege, welchen Wert \(U_C\) nach der Ladeformel erreichen kann — und welchen nie. Betrachte außerdem, wie flach die Ladekurve in der Nähe von \(U_0\) verläuft: Was bedeutet eine kleine Schwankung der Schwelle dort für die Schaltzeit?Ein Vorschlag wird beurteilt, indem man ihn an der Physik prüft (Grenzwert der Ladekurve) und die praktischen Folgen abwägt — nicht nur mit „geht nicht“.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Ansatz mit der Ladeformel: \(U_C(t_\text{S})=U_0\left(1-e^{-t_\text{S}/\tau}\right)\overset{!}{=}\tfrac23\,U_0\). Division durch \(U_0\): \(1-e^{-t_\text{S}/\tau}=\tfrac23\), also \(e^{-t_\text{S}/\tau}=\tfrac13\).

Logarithmieren: \(-\dfrac{t_\text{S}}{\tau}=\ln\tfrac13=-\ln3\), damit \(t_\text{S}=\tau\cdot\ln3\approx1{,}10\,\tau\).

Die Quellenspannung \(U_0\) hat sich beim Dividieren herausgekürzt: Weil die Schwelle als Bruchteil von \(U_0\) festgelegt ist, hängt die Schaltzeit nur von \(\tau=R\,C\) ab — die Schaltung reagiert nicht auf Schwankungen der Versorgungsspannung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zeitkonstante: \(\displaystyle\tau=\frac{t_\text{S}}{\ln3}=\frac{5{,}0\,\mathrm s}{1{,}099}=4{,}55\,\mathrm s\). Widerstand: \(\displaystyle R=\frac{\tau}{C}=\frac{4{,}55\,\mathrm s}{100\cdot10^{-6}\,\mathrm F}=4{,}55\cdot10^{4}\,\Omega\approx46\,\mathrm{k\Omega}\).

Anfangsstromstärke: \(\displaystyle I_0=\frac{U_0}{R}=\frac{12\,\mathrm V}{4{,}55\cdot10^{4}\,\Omega}=2{,}6\cdot10^{-4}\,\mathrm A=0{,}26\,\mathrm{mA}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Wegen \(t_\text{S}=R\,C\ln3\) ist die Schaltzeit proportional zur Kapazität. Bei \(C_\text{min}=80\,\mathrm{\mu F}\): \(t_\text{S,min}=0{,}8\cdot5{,}0\,\mathrm s=4{,}0\,\mathrm s\); bei \(C_\text{max}=120\,\mathrm{\mu F}\): \(t_\text{S,max}=1{,}2\cdot5{,}0\,\mathrm s=6{,}0\,\mathrm s\). Die tatsächliche Verzögerung liegt also zwischen \(4{,}0\,\mathrm s\) und \(6{,}0\,\mathrm s\).

Beurteilung: Die größtmögliche Abweichung vom Sollwert beträgt \(1{,}0\,\mathrm s\) — sie liegt gerade noch innerhalb der Toleranz. Für ein Treppenlicht ist die Schaltung damit geeignet, allerdings ohne Reserve: Kommen weitere Abweichungen hinzu (Toleranz des Widerstands, Erwärmung), kann die Grenze überschritten werden. Da der Widerstand einstellbar ist, lässt sich die Verzögerung jedoch nach dem Zusammenbau einmalig auf \(5{,}0\,\mathrm s\) abgleichen — dann spielt die Kapazitätstoleranz keine Rolle mehr. Mit diesem Abgleich ist die Schaltung uneingeschränkt geeignet.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Der Vorschlag scheitert an der Physik des Ladevorgangs: Nach \(U_C(t)=U_0\left(1-e^{-t/\tau}\right)\) nähert sich die Kondensatorspannung dem Wert \(U_0\) nur an, erreicht ihn aber nie, denn \(e^{-t/\tau}\) wird niemals null. Rechnerisch: Die Bedingung \(e^{-t_\text{S}/\tau}=0\) hat keine Lösung, \(t_\text{S}\) wäre „unendlich“ — die Lampe ginge nie an. Außerdem ist die Schaltzeit dann nicht mehr unabhängig von \(U_0\): Bereits ein geringes Absinken der Versorgungsspannung unter den Schwellenwert würde das Schalten vollständig verhindern.

Auch eine Schwelle knapp unterhalb von \(U_0\) (etwa \(0{,}99\,U_0\)) wäre unbrauchbar: Dort verläuft die Ladekurve fast waagerecht, sodass winzige Schwankungen der Schwelle oder der Spannung zu großen Änderungen der Schaltzeit führen (\(0{,}99\,U_0\) wird bei \(t=\tau\ln100\approx4{,}6\,\tau\) erreicht, \(0{,}98\,U_0\) schon bei \(3{,}9\,\tau\)). Eine längere Verzögerung erhält man zuverlässig nur über \(\tau\), also durch einen größeren Widerstand oder eine größere Kapazität. Die Schwelle bei \(\tfrac23\,U_0\) liegt bewusst im steilen Teil der Kurve, wo die Schaltzeit gut definiert ist.

5

Zwei Kondensatoren, ein Widerstand

AFB III

Zwei Kondensatoren werden nacheinander auf \(U_0 = 8{,}0\,\mathrm V\) aufgeladen und anschließend jeweils über denselben Widerstand \(R = 100\,\mathrm{k\Omega}\) entladen. Ein Messgerät zeichnet die Kondensatorspannung auf; Material M1 zeigt beide Entladekurven. Kondensator 1 trägt den Aufdruck \(C_1 = 100\,\mathrm{\mu F}\), der Aufdruck von Kondensator 2 ist nicht lesbar.

Beim Vergleich der Kurven äußern zwei Lernende die Vermutungen in Material M2.

M1Entladekurven der beiden Kondensatoren
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 t in s U in V Kondensator 1 Kondensator 2

Beide Kurven beginnen bei \(U_0=8{,}0\,\mathrm V\). Die Kästchen des Gitters haben die Größe \(5\,\mathrm s\times1\,\mathrm V\).

M2Zwei Vermutungen
L Lena Aussage 1 „Kondensator 2 trägt zu Beginn mehr Ladung als Kondensator 1. Da der Anfangsstrom bei beiden gleich groß ist, muss seine Entladung länger dauern.“ T Tarek Aussage 2 „Bei Kondensator 2 fließt anfangs ein größerer Strom, weil mehr Ladung abfließen muss. Deshalb ist seine Kurve am Anfang steiler als die von Kondensator 1.“
  1. Weisen Sie anhand von Material M1 nach, dass Kurve 1 zum Aufdruck \(C_1 = 100\,\mathrm{\mu F}\) passt, und ermitteln Sie die Kapazität von Kondensator 2.
  2. Beurteilen Sie die beiden Aussagen in Material M2.
  3. Für einen dritten Kondensator soll die Kapazität ohne Messgerät für den zeitlichen Verlauf bestimmt werden. Zur Verfügung stehen eine Spannungsquelle, ein Voltmeter, eine Stoppuhr, ein Umschalter und ein Widerstand mit bekanntem Wert. Entwickeln Sie ein Messverfahren; beschreiben Sie Durchführung und Auswertung.
  4. Das Voltmeter aus Teilaufgabe c) hat den Innenwiderstand \(R_\text{V} = 1{,}0\,\mathrm{M\Omega}\); beim Messen fließt durch das Gerät ein kleiner Strom. Beurteilen Sie, wie sich das auf die mit \(R = 100\,\mathrm{k\Omega}\) bestimmte Kapazität auswirkt, und erläutern Sie, wie sich der Einfluss verringern lässt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Für jede Kurve die Zeitkonstante ablesen: Zeit bis \(37\,\%\) von \(8{,}0\,\mathrm V\), also \(3{,}0\,\mathrm V\) (oder die Halbwertszeit bis \(4{,}0\,\mathrm V\) und \(\tau=\frac{t_{1/2}}{\ln2}\)). Dann \(C=\frac{\tau}{R}\). Für den Nachweis: Berechne aus \(C_1\) die erwartete Zeitkonstante und vergleiche mit dem Diagramm.„Nachweisen“ heißt: aus dem Aufdruck einen Erwartungswert berechnen und ihn am Diagramm belegen — nicht nur „passt ungefähr“.
Hinweis zu Aufgabe b)
Prüfe jede Aussage Schritt für Schritt: Stimmt die Voraussetzung (Ladung, Anfangsstrom)? Stimmt der Schluss? Der Anfangsstrom folgt aus \(I_0=\frac{U_0}{R}\) — welche Größen gehen ein, welche nicht? Die Steilheit der \(t\)-\(U\)-Kurve am Anfang hängt von \(\tau\) ab.„Beurteilen“ verlangt für jede Aussage ein klares Urteil mit physikalischer Begründung — auch bei einer richtigen Aussage muss die Begründung geprüft werden.
Hinweis zu Aufgabe c)
Baue den Entladekreis wie in Aufgabe 2 auf. Miss mit der Stoppuhr eine charakteristische Zeit — z. B. die Halbwertszeit oder die Zeit bis \(37\,\%\) — und rechne über \(\tau=RC\) auf \(C\) um. Überlege, wie du die Messung zuverlässiger machst (Wiederholung, mehrere Spannungswerte).„Entwickeln“ verlangt ein vollständiges Verfahren: Aufbau, Messgrößen, Durchführung und Auswertungsformel — so, dass jemand anderes es nachmachen könnte.
Hinweis zu Aufgabe d)
Das Voltmeter liegt parallel zum Widerstand \(R\) — durch beide fließt Entladestrom. Wie groß ist der Gesamtwiderstand der Parallelschaltung? Was passiert dadurch mit \(\tau\), und was folgt für \(C=\frac{\tau}{R}\), wenn man mit dem Nennwert \(R\) rechnet?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Nachweis für Kondensator 1: Erwartete Zeitkonstante \(\tau_1=R\,C_1=1{,}0\cdot10^{5}\,\Omega\cdot1{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm F=10\,\mathrm s\). Nach \(\tau\) muss die Spannung auf \(0{,}37\cdot8{,}0\,\mathrm V\approx3{,}0\,\mathrm V\) gefallen sein. Im Diagramm erreicht Kurve 1 den Wert \(3{,}0\,\mathrm V\) bei \(t\approx10\,\mathrm s\) — der Aufdruck passt. (Ebenso über die Halbwertszeit: \(4{,}0\,\mathrm V\) bei \(t\approx7\,\mathrm s\), \(\tau_1=\frac{7\,\mathrm s}{0{,}693}\approx10\,\mathrm s\).)

Kondensator 2: Kurve 2 erreicht \(3{,}0\,\mathrm V\) bei \(t\approx25\,\mathrm s\), also \(\tau_2\approx25\,\mathrm s\) (Halbwertszeit \(\approx17\,\mathrm s\)). Daraus \(\displaystyle C_2=\frac{\tau_2}{R}=\frac{25\,\mathrm s}{1{,}0\cdot10^{5}\,\Omega}=2{,}5\cdot10^{-4}\,\mathrm F=250\,\mathrm{\mu F}\). Ablesewerte zwischen \(230\,\mathrm{\mu F}\) und \(270\,\mathrm{\mu F}\) sind zu akzeptieren.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Aussage 1 (Lena) ist richtig, einschließlich der Begründung. Bei gleicher Spannung gilt \(Q=C\,U_0\): Kondensator 2 trägt mit \(Q_2=250\,\mathrm{\mu F}\cdot8{,}0\,\mathrm V=2{,}0\,\mathrm{mC}\) zu Beginn das 2,5-Fache der Ladung von Kondensator 1 (\(Q_1=0{,}80\,\mathrm{mC}\)). Der Anfangsstrom ist tatsächlich bei beiden gleich, denn \(I_0=\frac{U_0}{R}=\frac{8{,}0\,\mathrm V}{1{,}0\cdot10^{5}\,\Omega}=80\,\mathrm{\mu A}\) hängt nur von Spannung und Widerstand ab, nicht von der Kapazität. Mehr Ladung bei gleichem Anfangsstrom bedeutet eine längere Entladung — das zeigt sich in \(\tau=RC\): Die Zeitkonstante wächst proportional zur Kapazität.

Aussage 2 (Tarek) ist falsch. Die Voraussetzung ist bereits unzutreffend: Der Strom im ersten Moment wird allein von \(U_0\) und \(R\) bestimmt und ist für beide Kondensatoren gleich groß, \(80\,\mathrm{\mu A}\) — die größere Ladung ändert daran nichts, sie fließt nur länger. Auch der Schluss widerspricht dem Diagramm: Die Kurve von Kondensator 2 ist am Anfang flacher, nicht steiler. Das erklärt sich so: Der gleiche Anfangsstrom trägt pro Sekunde dieselbe Ladung ab, bei Kondensator 2 senkt das die Spannung aber weniger, weil \(\Delta U=\frac{\Delta Q}{C}\) und \(C_2\) größer ist. Größere Kapazität heißt also flachere Entladekurve.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Aufbau: Quelle, Umschalter, bekannter Widerstand \(R\) und der Kondensator werden wie in Aufgabe 2 geschaltet; das Voltmeter liegt parallel zum Kondensator. In Stellung 1 wird der Kondensator auf \(U_0\) aufgeladen (warten, bis das Voltmeter einen konstanten Wert zeigt).

Durchführung: Beim Umschalten in Stellung 2 die Stoppuhr starten und die Zeit \(t_{1/2}\) stoppen, bei der das Voltmeter genau die halbe Anfangsspannung \(\tfrac12U_0\) anzeigt. Um Reaktionszeitfehler zu verringern, wird die Messung mehrfach wiederholt und der Mittelwert gebildet; \(R\) sollte so groß gewählt werden, dass \(t_{1/2}\) mehrere Sekunden beträgt. Ergänzend lässt sich die Zeit bis \(\tfrac14U_0\) stoppen — sie muss doppelt so groß sein, was das exponentielle Verhalten bestätigt.

Auswertung: Aus \(t_{1/2}=\tau\ln2\) und \(\tau=RC\) folgt \(\displaystyle C=\frac{t_{1/2}}{R\,\ln2}\). Alternativ: die Zeit bis \(0{,}37\,U_0\) stoppen, sie ist direkt \(\tau\), und \(C=\frac{\tau}{R}\). Bei mehreren Messungen mit verschiedenen Widerständen kann man \(t_{1/2}\) über \(R\) auftragen; die Steigung der Ursprungsgeraden ist \(C\ln2\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Das Voltmeter liegt parallel zum Kondensator und damit parallel zum Entladewiderstand: Ein Teil der Ladung fließt über das Gerät ab. Wirksam ist der Gesamtwiderstand der Parallelschaltung, \(\displaystyle R_\text{ges}=\frac{R\cdot R_\text{V}}{R+R_\text{V}}=\frac{100\,\mathrm{k\Omega}\cdot1000\,\mathrm{k\Omega}}{1100\,\mathrm{k\Omega}}\approx91\,\mathrm{k\Omega}\). Die Zeitkonstante ist deshalb um rund \(9\,\%\) kleiner als \(RC\), die gestoppte Zeit entsprechend kürzer.

Beurteilung: Rechnet man mit dem Nennwert \(R=100\,\mathrm{k\Omega}\), ergibt sich \(C=\frac{\tau}{R}\) um etwa \(9\,\%\) zu klein — ein systematischer Fehler, der sich durch Wiederholen der Messung nicht verringert.

Verringern des Einflusses: Entweder rechnet man mit \(R_\text{ges}\) statt mit \(R\) (der Fehler lässt sich also korrigieren), oder man wählt den Entladewiderstand deutlich kleiner als \(R_\text{V}\) — bei \(R=10\,\mathrm{k\Omega}\) beträgt die Abweichung nur noch \(1\,\%\); dann wird allerdings \(\tau\) kürzer und die Stoppuhrmessung ungenauer, sodass ein Kompromiss nötig ist. Am besten ist ein Voltmeter mit möglichst hohem Innenwiderstand.