Vier Sachaufgaben mit Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont — vom Süßigkeitenflieger bis zur eigenen Herleitung von Wurfzeit und Wurfweite.
Als ein Paket voller Süßigkeiten aus einem Propellerflugzeug geworfen wird, befindet sich Herr Alayo mit seinen Freunden genau unter dem Flugzeug (siehe Skizze). Herr Alayo interessiert sich für Flugzeuge und weiß, dass Propellerflugzeuge normalerweise mit 140 km/h (= 38,9 m/s) in einer Höhe von 2000 m fliegen. Da er die Formeln für den waagerechten Wurf bereits kennt, beschließt er nicht zu laufen. Finden Sie heraus, ob das eine gute Entscheidung war!
Das Paket hat direkt nach dem Abwurf ebenfalls eine horizontale Anfangsgeschwindigkeit \(v_0\) von 140 km/h.
Die Flugkurve ist eine Wurfparabel: Sie beginnt am Abwurfpunkt waagerecht und wird nach rechts hin immer steiler, weil die Strecke in x-Richtung gleichmäßig wächst, die Fallstrecke in y-Richtung aber quadratisch mit der Zeit. Der Aufschlag liegt 785,4 m rechts vom Abwurfpunkt (siehe M2, Kurve a).
Aus \(s_y=\tfrac{1}{2}\cdot g\cdot t^2\) folgt
Antwort: Das Paket würde 20,19 Sekunden brauchen, um auf den Boden zu kommen.
Es gilt \(v_0=140\,\tfrac{\mathrm{km}}{\mathrm h}=38{,}9\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s}\).
Antwort: Das Paket hat in dieser Zeit in horizontaler Richtung eine Strecke von 785,4 Meter zurückgelegt.
Vermutung: Da das Paket genau über Herrn Alayo fallen gelassen wird und das Paket eine horizontale Anfangsgeschwindigkeit von \(v_0=140\,\tfrac{\mathrm{km}}{\mathrm h}\) hat, müsste Herr Alayo mit derselben Geschwindigkeit laufen. Rechnet man mit den Formeln des waagerechten Wurfs, würde Herr Alayo das Paket also nicht bekommen können.
Rechnung:
Die Rechnung bestätigt die Vermutung: Herr Alayo müsste 140 km/h schnell laufen — das schafft kein Mensch. Nicht zu laufen war also keine gute Entscheidung.
Herr Alayo hat einerseits vergessen, den Luftwiderstand mit einzukalkulieren. Weiterhin hängen solche Pakete meistens an Fallschirmen.
Aufgrund der hohen Anfangsgeschwindigkeit \(v_0\) würde das Paket kurz nach dem Abwurf durch den Luftwiderstand in horizontaler Richtung stark abgebremst werden (siehe neue Flugkurve — gestrichelte Kurve f) in M2 im Erwartungshorizont zu a). Die tatsächliche Bahn ist deshalb viel kürzer und viel steiler als die berechnete Wurfparabel.
Das Paket könnte an einem Fallschirm hängen.
Herr Alayo entdeckt im Internet die folgende Werbeanzeige (M1). Bevor er sich auf sein Fahrrad setzt, soll die Anzeige physikalisch geprüft werden.
Wagst du den Sprung?
Du bist sportlich, mutig und kannst mit dem Fahrrad mindestens 25 km/h schnell fahren?
Dann bist du bei uns genau richtig! Wage den Sprung deines Lebens und fliege über die 80 Meter tiefe Schlucht der Partnachklamm. Mit ordentlich Schwung startest du auf der Nordseite und landest wenige Sekunden später auf der tiefer gelegenen Südklippe. Ein Erlebnis, das du nicht vergessen wirst! Haben wir dein Interesse geweckt? Dann schnapp dir dein Fahrrad und komm bei uns vorbei!
Eingekreist gehören: Geschwindigkeit, Höhendifferenz, Austrittswinkel, Gegenwind und Breite der Schlucht. Nicht relevant sind die Fallbeschleunigung (fester Wert, nicht beeinflussbar) und die Masse (kommt in den Formeln nicht vor).
◯ eingekreist — relevant× nicht relevant
Gesucht: Geschwindigkeit \(v_{min}\).
Wir berechnen zuerst die Zeit für das Herunterfallen aus 4 Metern Höhe. Aus \(s_y=\tfrac{1}{2}\cdot g\cdot t^2\) folgt
In dieser Zeit muss Herr Alayo eine Strecke von \(s_x=5\,\mathrm m\) in x-Richtung überqueren. Aus \(s_x=v_{min}\cdot t\) folgt
Antwortsatz: Unter den Voraussetzungen — eines windstillen Tages, eines Austrittswinkels von null Grad und einer Betrachtung von Fahrrad und Fahrradfahrer als gemeinsamem Massepunkt — ergibt sich aus den Berechnungen mit dem waagerechten Wurf eine Mindestgeschwindigkeit von 20 km/h. Die in der Werbeanzeige angegebene Mindestgeschwindigkeit würde also unter den getroffenen Annahmen ausreichen, um die andere Seite der Schlucht zu erreichen.
Ratschlag: Die vertikale Geschwindigkeit \(v_y\) von Herrn Alayo, kurz bevor er auf den Boden auftrifft, beträgt fast 32 km/h. Diese Geschwindigkeit ist sehr groß (vgl. Fallschirmspringer) und deshalb würde ich Herrn Alayo raten, den Sprung nicht zu wagen, da er abzustürzen droht.
Die Werbeanzeige sollte explizit darauf hinweisen, dass man ein Mountainbike zum Sprung mitnehmen sollte, da vor allem die Federung beim Aufprall sehr wichtig ist. Das von Herrn Alayo gewählte Rennrad ist dafür ungeeignet.
Formulierungsvorschlag: „Dann schnapp dir dein gut gefedertes Mountainbike und komm bei uns vorbei!“
Der waagerechte Wurf setzt sich aus zwei Bewegungen zusammen, wobei die Bewegung „nach unten“ (y-Richtung) durch die Formel \(y(t)=-\tfrac{1}{2}gt^{2}+h\) beschrieben werden kann.
Beim Auftreffen auf den Boden gilt \(y(t_w)=0\):
Damit folgt \(h=\tfrac{1}{2}g\,t_w^{2}\) und damit
Die Wurfweite beträgt
Einsetzen von \(h=2000\,\mathrm m\), \(v_0=38{,}9\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s}\) und \(g=9{,}81\,\tfrac{\mathrm m}{\mathrm s^2}\):
Die allgemeinen Formeln liefern genau die Werte aus Aufgabe 1 — die Herleitung ist damit bestätigt. Nebenbei zeigt \(t_w=\sqrt{2h/g}\): Die Wurfzeit hängt nur von der Abwurfhöhe ab, nicht von \(v_0\).
Ein Gärtner hält einen Schlauch waagerecht in 1,2 m Höhe. Der Wasserstrahl trifft 3,0 m entfernt auf den Boden. Luftwiderstand wird vernachlässigt (\(g=9{,}81\,\mathrm{\tfrac m{s^2}}\)).
\(t=\sqrt{\dfrac{2h}{g}}=\sqrt{\dfrac{2\cdot1{,}2\,\mathrm m}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}}\approx0{,}49\,\mathrm s\).
\(v_0=\dfrac{s_x}{t}=\dfrac{3{,}0\,\mathrm m}{0{,}495\,\mathrm s}\approx6{,}1\,\mathrm{\tfrac ms}\).
\(v_y=9{,}81\cdot0{,}495\,\mathrm{\tfrac ms}\approx4{,}9\,\mathrm{\tfrac ms}\); \(v=\sqrt{6{,}1^2+4{,}9^2}\,\mathrm{\tfrac ms}\approx7{,}8\,\mathrm{\tfrac ms}\); Winkel gegen die Waagerechte: \(\tan\beta=\tfrac{4{,}9}{6{,}1}\), \(\beta\approx39^\circ\).
\(t\sim\sqrt h\): Die Flugdauer wächst um den Faktor \(\sqrt2\), ebenso die Wurfweite: \(3{,}0\,\mathrm m\cdot\sqrt2\approx4{,}2\,\mathrm m\) — nicht 6 m.