Vier Sachaufgaben mit Teilaufgaben, Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont — vom Ballwurf bei den Bundesjugendspielen über den Barringer-Krater und Leonardos Riesenarmbrust bis zum Nachrechnen der Simulation.
Bei den Bundesjugendspielen erzielte ein Schüler mit einem 80 g schweren Ball eine Wurfweite von 53 m. Wir nehmen an, dass der Schüler den Ball unter dem optimalen Winkel von 45° abgeworfen hat, und vernachlässigen die Größe des Schülers und den Luftwiderstand.
| Größe | Formel | Was sie beschreibt |
|---|---|---|
| W — Wurfweite | W = v0² · sin(2α) / g | Wie weit der Gegenstand fliegt, bis er wieder auf dem Boden ankommt. |
| H — maximale Höhe | H = v0² · sin²(α) / (2g) | Wie hoch der Gegenstand am Scheitelpunkt der Bahn steigt. |
| tw — Wurfzeit | tw = 2 · v0 · sin(α) / g | Nach welcher Zeit der Gegenstand nach dem Abwurf wieder auf dem Boden ankommt. |
Dabei ist v0 die Anfangsgeschwindigkeit, α der Wurfwinkel und g = 9,81 m/s² die Erdbeschleunigung. Alle drei Formeln setzen eine Starthöhe von h = 0 m voraus und vernachlässigen den Luftwiderstand. Achtung bei der Schreibweise: sin²(α) bedeutet (sin α)² — erst den Sinus bilden, dann quadrieren.
Ansatz mit der Weitenformel, umgestellt nach v0:
W = v0² · sin(2α) / g = 53 m| · gv0² · sin(2α) = 53 g| : sin(2α)v0² = 53 g / sin(2α)| √v0 = √( 53 g / sin(2α) )v0 = √( 53 · 9,81 / sin(2 · 45°) )v0 = 22,8 m/sDer Schüler hat dem Ball also eine Anfangsgeschwindigkeit von rund 22,8 m/s (≈ 82 km/h) mitgegeben.
Randnotiz des Lehrers: sin²(α) bedeutet (sin α)² — erst den Sinus bilden, dann quadrieren.
Der Ball steigt also gut 13 m hoch, etwa auf die Höhe eines vierstöckigen Hauses.
Der Ball ist also rund 3,3 Sekunden in der Luft.
Gegeben sind s = 1 m und v = 22,8 m/s. Das ist eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung:
s = ½ · a · t² und v = a · t⟶ a = ½ · v² / sa = ½ · 22,8² / 1a = 259,92 m/s²Vergleich mit der Erdbeschleunigung: 259,92 m/s² : 9,81 m/s² ≈ 26. Der Ball erfährt im Arm also etwa das 26-Fache der Erdbeschleunigung — und das nur auf einem einzigen Meter Beschleunigungsstrecke. Das zeigt, wie kräftig ein Wurf im Vergleich zum freien Fall ist.
Aus dem Barringer-Krater in Arizona (USA) wurden vor 15 Millionen Jahren beim Einschlag eines Riesenmeteoriten Gesteinsbrocken mit einer Anfangsgeschwindigkeit von bis zu 1000 m/s ausgeschleudert. Wir nehmen an, dass der Abwurf unter einem Winkel von 45° erfolgte, und vernachlässigen Reibungseffekte.
Ein Gesteinsbrocken war also gut zwei Minuten lang in der Luft.
Einordnung der beiden Ergebnisse: 25,5 km Höhe liegen weit oberhalb der Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen (rund 10 km) — die Brocken flogen also mehr als doppelt so hoch wie ein Passagierflugzeug (M1). Und 102 km Weite entsprechen der Entfernung zwischen zwei größeren Städten. Beide Zahlen zusammen machen die Wucht des Einschlags anschaulich: Gesteinsbrocken verließen die Atmosphärenschichten, in denen Flugzeuge unterwegs sind, und landeten erst eine Autostunde entfernt wieder.
Das Universalgenie Leonardo da Vinci (1452–1519) entwarf einige Kriegsmaschinen, von denen seine „Riesenarmbrust“ wohl am bekanntesten ist. Man kann die Ausmaße dieses Kriegsgerätes erahnen, wenn man sie mit der Größe des am Auslösemechanismus befindlichen Soldaten vergleicht. Der große Bogen ist aus Teilstücken zusammengesetzt, um ihm eine größere Flexibilität zu geben. Die Sehne des Bogens wird durch eine Schnecke, die von einem Getriebe bewegt wird, zurückgezogen (das Getriebe ist rechts unten dargestellt). Links unten auf der Zeichnung sind zwei Mechanismen dargestellt, die als Auslöser der Sehne dienen.
Hinweis zu diesem Erwartungshorizont: Im Unterrichtsmaterial ist zu dieser Aufgabe kein Lösungsweg notiert; hier die Rechnung mit den Formeln aus dem Kapitel.
Gegeben: W = 100 m, α = 20°, g = 9,81 m/s². Gesucht: v0.
W = v0² · sin(2α) / g| · g, dann | : sin(2α), dann | √⟹ v0 = √( W · g / sin(2α) )v0 = √( 100 · 9,81 / sin(40°) )v0 = √( 981 / 0,6428 )v0 = √1526,3v0 ≈ 39,1 m/s (≈ 141 km/h)Der Pfeil muss die Armbrust also mit rund 39 m/s verlassen.
Optimal ist α = 45°, denn dort ist sin(2α) = sin(90°) = 1 und damit größtmöglich:
Wmax = v0² / gWmax = 39,1² / 9,81Wmax ≈ 155,8 mMit derselben Anfangsgeschwindigkeit käme der Pfeil bei 45° also rund 156 m weit — gut die Hälfte weiter als die 100 m aus a) (M2).
Mehrere Gründe kommen zusammen:
Fazit: Die 45° sind das rechnerische Optimum eines reibungsfreien Modells. In der Praxis begrenzen Konstruktion, Zielbarkeit und Luftwiderstand die Armbrust auf deutlich flachere Winkel — und genau deshalb wird in Aufgabe a) mit 20° und nicht mit 45° geschossen.
Am Ende des Simulationsblatts stellt der Lehrer die Übung: „a) Rechnen Sie in Aufgabe 2 und 4 mit der Formel für W nach, ob die in der Simulation angezeigte Distanz korrekt war. b) Berechnen Sie in Aufgabe 2 und 4 die maximale Höhe.“ In M1 und M2 stehen die Messwerte, die dabei in der Simulation abgelesen wurden — die Kanone stand auf einer Höhe von 0 m, der Luftwiderstand war ausgeschaltet.
| Nr. | Abwurfwinkel α | Anfangsgeschwindigkeit v | Zielscheibe Entfernung |
|---|---|---|---|
| 1 | 30° | 15 m/s | 15 m |
| 2 | 70° | 15 m/s | 15 m |
| 3 | 85° | 28 m/s | 15 m |
| 4 | 75° | 17 m/s | 15 m |
| 5 | 45° | 12 m/s | 15 m |
| Anfangsgeschwindigkeit | Winkel α1 | Winkel α2 | Entfernung (Simulation) |
|---|---|---|---|
| 15 m/s | 40° | 50° | 22,59 m |
| 15 m/s | 25° | 65° | 17,60 m |
| 15 m/s | 30° | 60° | 19,86 m |
| 15 m/s | 35° | 55° | 21,51 m |
Hinweis zu diesem Erwartungshorizont: Der Lehrer stellt die Übung, notiert dazu aber keinen Lösungsweg; die folgenden Rechnungen sind vollständig selbst gerechnet — mit den Formeln aus M0 und den Messwerten aus M1 und M2.
Mit W = v0²·sin(2α)/g, v0 = 15 m/s und g = 9,81 m/s² ist der Vorfaktor für alle vier Zeilen gleich:
v0² / g = 225 / 9,81 = 22,94 m| Winkelpaar | sin(2α) | Rechnung | Simulation | Vergleich |
|---|---|---|---|---|
| 40° / 50° | sin(80°) = 0,9848 | W = 22,94 m · 0,9848 = 22,59 m | 22,59 m | ✓ stimmt überein |
| 25° / 65° | sin(50°) = 0,7660 | W = 22,94 m · 0,7660 = 17,57 m | 17,60 m | ✓ stimmt überein |
| 30° / 60° | sin(60°) = 0,8660 | W = 22,94 m · 0,8660 = 19,86 m | 19,86 m | ✓ stimmt überein |
| 35° / 55° | sin(70°) = 0,9397 | W = 22,94 m · 0,9397 = 21,55 m | 21,51 m | ✓ stimmt überein |
Alle vier Werte stimmen im Rahmen der Ablesegenauigkeit überein — die Formel gibt die Simulation korrekt wieder. Die kleinen Abweichungen von wenigen Zentimetern (z. B. 17,57 m gegenüber 17,60 m) entstehen dadurch, dass der Landepunkt in der Simulation abgelesen und nicht berechnet wird.
Mit H = v0²·sin²(α)/(2g) ist der gemeinsame Vorfaktor v0²/(2g) = 225/19,62 = 11,47 m:
| Winkelpaar | H beim flacheren Winkel | H beim steileren Winkel | gemeinsame Weite |
|---|---|---|---|
| 40° / 50° | 4,74 m | 6,73 m | 22,59 m |
| 25° / 65° | 2,05 m | 9,42 m | 17,60 m |
| 30° / 60° | 2,87 m | 8,60 m | 19,86 m |
| 35° / 55° | 3,77 m | 7,70 m | 21,51 m |
Erklärung: In W steht sin(2α), und sin(2α) ist für α und 90° − α gleich groß — deshalb dieselbe Weite. In H steht dagegen sin²(α), und sin(α) wächst mit dem Winkel — der steilere Winkel eines Paares erreicht also immer die größere Höhe und braucht dafür auch mehr Zeit.
Genau das ist auch die allgemeine Bedingung, die im Simulationsblatt gefunden wurde: α1 + α2 = 90°.
Diesmal ist in jeder Zeile eine andere Anfangsgeschwindigkeit eingestellt, der Vorfaktor v²/g ändert sich also mit:
| Kombination | v²/g | sin(2α) | berechnete Weite W | Beurteilung |
|---|---|---|---|---|
| 30° / 15 m/s | 22,94 m | sin(60°) = 0,8660 | 19,86 m | deutlich zu weit |
| 70° / 15 m/s | 22,94 m | sin(140°) = 0,6428 | 14,74 m | knapp vor dem Ziel |
| 85° / 28 m/s | 79,92 m | sin(170°) = 0,1736 | 13,88 m | knapp vor dem Ziel |
| 75° / 17 m/s | 29,46 m | sin(150°) = 0,5000 | 14,73 m | knapp vor dem Ziel |
| 45° / 12 m/s | 14,68 m | sin(90°) = 1,0000 | 14,68 m | knapp vor dem Ziel |
Beurteilung: Vier der fünf Kombinationen liegen zwischen 13,9 m und 14,7 m — also nahe an den 15 m der Zielscheibe, aber nicht exakt darauf; beim Ausprobieren in der Simulation trifft man das Ziel innerhalb der Trefferbreite, ohne die Weite exakt auf 15 m zu bringen. Die erste Zeile (30° bei 15 m/s) ergibt rechnerisch 19,86 m und liegt damit deutlich daneben — dieser Wert taucht in Aufgabe 4 als Weite des Winkelpaars 30°/60° wieder auf (M2). In M3 ist gut zu sehen, wie diese eine Bahn über die Zielscheibe hinausschießt, während die anderen vier kurz davor aufkommen.
Fazit: Beim Ausprobieren in der Simulation lohnt es sich, das Ergebnis mit der Formel gegenzurechnen.