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Textaufgaben: Luftwiderstand

Vier Sachaufgaben zu 1.5.3 mit Teilaufgaben, Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont — vom Sprung in Dubai über die sieben Phasen des v-t-Diagramms bis zur Absprunghöhe aus der Fläche unter dem Graphen.

Zum NachschlagenZurück zur ErklärungLuftwiderstand: warum der freie Fall endet, was die Anströmfläche bewirkt und wie die Grenzgeschwindigkeit entsteht.
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Vier Sachaufgaben mit Erwartungshorizont

1

Freier Fall oder nicht?

AFB II

In Dubai über den Wolken — Extremsportler haben nie genug! Für den Extrakick Adrenalin stürzen sie sich deshalb von einem 370 Meter hohen Wolkenkratzer in Dubai. Nach einer gewissen Zeit öffnen sie ihren Fallschirm.

M1Der Sprung vom 370 m hohen Wolkenkratzer — und die beiden Körperhaltungen
Wolkenkratzer in DubaiSpringer370 mkopfüberKopf voran, Arme angelegtwaagerechtparallel zum ErdbodenA kleinkleine Anströmfläche A→ kleiner Luftwiderstand→ großes vA großgroße Anströmfläche A→ großer Luftwiderstand→ kleines vFL = ½ · cw · A · ρ · v² — größeres A, größerer Luftwiderstand
  1. Begründen Sie, ob man bei diesem Sprung vom freien Fall sprechen kann.
  2. Beschreiben Sie, wie man springen müsste, um eine maximale bzw. eine minimale Geschwindigkeit zu erreichen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der freie Fall ist definiert als ein Fall, bei dem nur die Gewichtskraft wirkt und die Luftreibung vernachlässigt werden darf. Frage dich: Wie schnell wird man auf 370 m, und ab welcher Geschwindigkeit ist der Luftwiderstand nicht mehr klein?„Begründen“ verlangt den Bezug auf eine Gesetzmäßigkeit: Der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit — doppelt so schnell bedeutet vierfacher Luftwiderstand. Ein bloßes „Nein“ genügt nicht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Sieh dir in M1 die beiden Körperhaltungen an und vergleiche die orange eingezeichnete Anströmfläche. Nutze FL = ½ · cw · A · ρ · v².„Beschreiben“ heisst: beide Fälle geordnet wiedergeben — erst die Haltung, dann die Wirkung auf die Fläche A und damit auf die Geschwindigkeit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Nein! Aufgrund der Höhe erreicht der Springer so hohe Geschwindigkeiten, dass sich der Luftwiderstand stark bemerkbar macht.

Der freie Fall setzt voraus, dass die Luftreibung vernachlässigbar ist. Weil der Luftwiderstand nach FL = ½ · cw · A · ρ · v² quadratisch mit der Geschwindigkeit wächst, ist diese Bedingung nur in den ersten Sekunden erfüllt. Danach ist die Bewegung nicht mehr gleichmäßig beschleunigt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Für eine maximale Geschwindigkeit müsste man kopfüber springen und für eine minimale Geschwindigkeit in einer waagerechten Position parallel zum Erdboden.

Begründung über die Querschnittsfläche: In FL = ½ · cw · A · ρ · v² steht A für die dem Luftstrom zugewandte Anströmfläche. Kopfüber ist A klein, also ist FL klein; die Gewichtskraft überwiegt länger, und der Springer wird schneller. Waagerecht ist A groß, also ist FL groß; Luftwiderstand und Gewichtskraft sind schon bei kleinerer Geschwindigkeit gleich groß, und genau dort endet die Beschleunigung.

2

Die sieben Phasen des Sprungs

AFB II

In Dubai über den Wolken — Extremsportler haben nie genug! Für den Extrakick Adrenalin stürzen sie sich deshalb von einem 370 Meter hohen Wolkenkratzer in Dubai. Nach einer gewissen Zeit öffnen sie ihren Fallschirm.

Der Geschwindigkeitsverlauf eines Extremsportlers während eines Sprungs wurde aufgezeichnet (M1). Beschreiben Sie die physikalischen Vorgänge in den Phasen A bis G mit eigenen Worten. Verwenden Sie dabei möglichst physikalische Fachbegriffe.

M1v-t-Diagramm des Sprungs mit den Phasen A bis G
Aufgezeichneter Geschwindigkeitsverlauf eines Sprungs — Phasen A bis G0102030405060708090100010203040506070Zeit t in sGeschwindigkeit v in m/sABCDEFGEin Kästchen des Rasters entspricht 10 s in der Breite und 10 m/s in der Höhe.
  1. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase A.
  2. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase B.
  3. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase C.
  4. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase D (Zeitpunkt t = 40 s).
  5. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase E.
  6. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase F.
  7. Beschreiben Sie den physikalischen Vorgang in Phase G.
Hinweis zu Aufgabe a)
Phase A liegt zwischen 0 s und 10 s. Frage: Wie verläuft der Graph dort — geradlinig oder gekrümmt? Und welche Kraft wirkt am Anfang praktisch allein?„Beschreiben“ verlangt Fachbegriffe: Der Verlauf ist linear, die Bewegung gleichmäßig beschleunigt — die Alltagsformulierung „er wird schneller“ reicht nicht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Phase B liegt zwischen 10 s und 20 s. Der Graph steigt weiter, aber die Steigung wird kleiner. Welche Kraft wächst hier mit v² an?Achte auf den Unterschied zwischen „langsamer werden“ und „weniger stark beschleunigen“. Hier gilt das Zweite: v nimmt noch zu, nur nicht mehr gleichmäßig.
Hinweis zu Aufgabe c)
Phase C ist das Plateau von 20 s bis 40 s. Die Geschwindigkeit ändert sich nicht mehr — was bedeutet das für Gewichtskraft und Luftwiderstand?Der Fachbegriff für eine Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit lautet gleichförmige Bewegung. Er gehört in die Antwort.
Hinweis zu Aufgabe d)
D ist ein einzelner Zeitpunkt bei t = 40 s, kein Zeitraum. Was tut der Springer genau dort?„Beschreiben“ heisst hier: das Ereignis benennen und seine unmittelbare Wirkung auf den Graphen — der Knick nach unten ist die sichtbare Folge.
Hinweis zu Aufgabe e)
Phase E liegt zwischen 40 s und 55 s. Die Geschwindigkeit nimmt ab — wie heißt eine solche Bewegung im Fachwortschatz?Die gesuchten Begriffe sind verzögerte Bewegung bzw. negative Beschleunigung. „Bremsen“ allein ist Alltagssprache.
Hinweis zu Aufgabe f)
Phase F liegt zwischen 55 s und 95 s und sieht aus wie Phase C — nur auf viel niedrigerem Niveau. Warum bremst der Fallschirm nicht immer weiter?Auch hier ist der Fachbegriff gleichförmige Bewegung gefragt. Der Zusatz: Die maximale Bremswirkung des Fallschirms ist erreicht.
Hinweis zu Aufgabe g)
Phase G ist das Ende des Diagramms bei t ≈ 100 s. Der Graph erreicht die t-Achse — welcher Wert steht dort?„Beschreiben“ verlangt das Ereignis und den Zahlenwert mit Einheit: v = 0 m/s.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Phase A: Es handelt sich um einen freien Fall, da die Luftreibung vernachlässigt werden kann. Also um eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung. Das heißt die Geschwindigkeit steigt linear.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Phase B: In dieser Phase nimmt der Luftwiderstand immer stärker zu, wodurch der Extremsportler nicht mehr so stark beschleunigt. Der Springer beschleunigt immer noch, jedoch nicht gleichmäßig.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Phase C: Der Springer hat seine maximale Geschwindigkeit erreicht. Er verändert seine Körperhaltung nicht, sodass er seine Geschwindigkeit konstant beibehält. Es handelt sich um eine gleichförmige Bewegung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Phase D: An dieser Stelle öffnet der Extremsportler seinen Fallschirm, wodurch er abrupt abgebremst wird, seine Geschwindigkeit also stark abnimmt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe e)

Phase E: Durch den geöffneten Fallschirm wird der Springer weiter abgebremst. Es handelt sich um eine verzögerte Bewegung. Seine Geschwindigkeit verringert sich also weiter.

Erwartungshorizont zu Aufgabe f)

Phase F: Es handelt sich um eine gleichförmige Bewegung, da die Geschwindigkeit konstant ist. Der Extremsportler wurde durch den Fallschirm maximal abgebremst und kann nicht mehr abgebremst werden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe g)

Phase G: An dieser Stelle landet der Springer auf dem Boden, wodurch sich seine Geschwindigkeit auf 0 m/s verringert.

3

Aus welcher Höhe sprang er wirklich?

AFB III

Der Arbeitsauftrag des Lehrers lautet: „Begründen Sie, warum es sich beim Diagramm von Aufgabe 2 nicht um den Sprung aus einem 370 Meter hohen Gebäude handeln kann. Stellen Sie eine begründete Hypothese auf, aus welcher Höhe der Extremsportler aus Aufgabe 2 gesprungen sein könnte.“

Grundlage der Auswertung ist M1: Die Fläche unter dem Graphen eines v-t-Diagramms entspricht der zurückgelegten Strecke.

M1Dasselbe v-t-Diagramm mit der Fläche unter dem Graphen und dem Rechteck von 20 s bis 40 s
Die Fläche unter dem Graphen ist die zurückgelegte Strecke0102030405060708090100010203040506070Zeit t in sGeschwindigkeit v in m/ss = v · t= 60 m/s ·20 s= 1200 m2 · 6 = 12 Kästchen1 Kästchen= 10 s ·10 m/s = 100 mGesamtfläche ≈ 27–28 Kästchen≈ 2750 mJedes Kästchen unter dem Graphen zählt 100 m — Auszahlen ergibt die Absprunghöhe.
  1. Berechnen Sie die Strecke, die der Springer allein zwischen Sekunde 20 und Sekunde 40 zurücklegt.
  2. Begründen Sie, warum der Sprung nicht von einem 370 Meter hohen Gebäude erfolgt sein kann.
  3. Bestimmen Sie mit Hilfe der Fläche unter dem Graphen die Absprunghöhe und stellen Sie eine begründete Hypothese auf, aus welcher Höhe der Sprung erfolgte.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zwischen 20 s und 40 s ist der Graph waagerecht — die Geschwindigkeit ist konstant. Für eine gleichförmige Bewegung gilt s = v · t. Lies v und die Zeitspanne aus M1 ab.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis mit Einheit. Achtung: Δt ist die Zeitspanne 40 s − 20 s = 20 s, nicht der Endzeitpunkt 40 s.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche dein Ergebnis aus a) mit der Höhe des Gebäudes — und denke daran, dass der Springer vor Sekunde 20 und nach Sekunde 40 noch weiterfällt.„Begründen“ heisst: die Aussage an einer Rechnung messen. Der entscheidende Satz ist ein Größenvergleich — ein Teilstück des Sprungs ist bereits länger als das ganze Gebäude hoch ist.
Hinweis zu Aufgabe c)
Zähle die Kästchen unter dem Graphen — angefangene Kästchen schätzt du ab. Ein Kästchen ist 10 s breit und 10 m/s hoch, entspricht also 10 s · 10 m/s = 100 m.„Bestimmen“ lässt den Weg frei — hier ist das Auszählen der Fläche der Weg. Eine Hypothese muss begründet sein: Aus der Höhe folgt, welcher Absprungort überhaupt in Frage kommt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Der Springer ist von Sekunde 20 bis Sekunde 40 mit einer konstanten Geschwindigkeit von 60 m/s gefallen. Das heißt, er hat in dieser Zeit bereits

s = v · t = 60 m/s · 20 s = 1200 m

zurückgelegt. Im Diagramm ist das das orange Rechteck: 2 Kästchen breit und 6 Kästchen hoch, also 12 Kästchen zu je 100 m.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Schon dieses eine Teilstück des Sprungs ist mit 1200 m mehr als dreimal so lang wie das Gebäude hoch ist (370 m). Dazu kommen die Strecke der Phasen A und B vor Sekunde 20 und die gesamte Fallschirmfahrt der Phasen E und F nach Sekunde 40. Aus 370 m Höhe wäre der Sprung außerdem längst vor Sekunde 20 beendet gewesen — das Diagramm zeigt aber noch rund 80 weitere Sekunden Fallzeit. Der Sprung kann also nicht von dem 370 m hohen Gebäude erfolgt sein.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Fläche unter dem Graphen entspricht der zurückgelegten Strecke. Ein Kästchen entspricht dabei einer Strecke von 10 s · 10 m/s = 100 m. Die Gesamtfläche unter dem Graphen besteht aus ungefähr 27 bis 28 Kästchen. Der Springer ist also aus ungefähr 2750 m gesprungen.

Hypothese: Aus dieser Höhe gibt es in Dubai kein Bauwerk — das höchste ist rund dreimal niedriger. Eine Höhe von etwa 2750 m ist dagegen eine typische Absetzhöhe beim Fallschirmspringen. Er sprang aus einem Flugzeug!

4

Wie schnell fallen Regentropfen?

AFB II

Regentropfen entstehen in Wolken in etwa 1500 m Höhe. Messungen zeigen, dass große Tropfen am Boden mit höchstens etwa 9 m/s ankommen (\(g=9{,}81\,\mathrm{\tfrac m{s^2}}\)).

  1. Berechnen Sie die Aufprallgeschwindigkeit eines Tropfens, der ohne Luftwiderstand aus 1500 m Höhe fällt.
  2. Erläutern Sie, warum die Tropfen tatsächlich nur etwa 9 m/s erreichen.
  3. Beschreiben Sie den Verlauf des t-v-Diagramms eines Regentropfens.
  4. Begründen Sie, warum kleine Tropfen langsamer fallen als große.
Hinweis zu Aufgabe a)
\(v=\sqrt{2\,g\,h}\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Wie verändert sich der Luftwiderstand mit der Geschwindigkeit?
Hinweis zu Aufgabe c)
Anfang, Übergang und Ende getrennt betrachten.
Hinweis zu Aufgabe d)
Vergleichen Sie, wie Gewichtskraft (Volumen) und Luftwiderstand (Querschnittsfläche) vom Radius abhängen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(v=\sqrt{2\cdot9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot1500\,\mathrm m}\approx172\,\mathrm{\tfrac ms}\approx618\,\mathrm{\tfrac{km}h}\) — das wäre lebensgefährlich.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Mit wachsender Geschwindigkeit nimmt der Luftwiderstand stark zu (etwa mit \(v^2\)). Sobald er so groß ist wie die Gewichtskraft, ist die resultierende Kraft null: Der Tropfen fällt mit konstanter Endgeschwindigkeit weiter.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zu Beginn steigt die Geschwindigkeit fast wie beim freien Fall (Steigung g), dann flacht die Kurve immer mehr ab und nähert sich waagerecht der Endgeschwindigkeit von etwa 9 m/s.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Die Gewichtskraft wächst mit dem Volumen (\(\sim r^3\)), der Luftwiderstand bei gleicher Geschwindigkeit nur mit der Querschnittsfläche (\(\sim r^2\)). Bei kleinen Tropfen ist der Luftwiderstand im Verhältnis zur Gewichtskraft größer; das Kräftegleichgewicht stellt sich schon bei kleinerer Geschwindigkeit ein.