Acht Aufgaben aus den beiden Klausurvorbereitungen — 90 Minuten, 80 BE, mit Hinweisen und vollständigem Erwartungshorizont zum Selbstkorrigieren.
Leg dir Taschenrechner, Formelsammlung, Lineal und Papier zurecht, stell dir 90 Minuten und schreib die Klausur am Stück durch — ohne die Hinweiskästchen zu öffnen.
„Beschreiben Sie anschaulich, was man in der Physik unter folgenden Begriffen versteht. Nennen Sie zu jedem Begriff je zwei Beispiele aus dem Alltag.“
Geschwindigkeit: Gibt an, welche Strecke in welche Richtung & in welcher Zeit zurückgelegt wird. Kann in verschiedenen Einheiten angegeben werden (z. B. m/s oder km/h).
Beispiele: das Gehen im Schulversuch mit rund 1,35 m/s · ein Auto auf der Autobahn mit 95 km/h.
Beschleunigung: Gibt die momentane zeitliche Änderung der Geschwindigkeit an (um wie viel m/s steigt die Geschwindigkeit jede Sekunde). Man unterscheidet positive Beschleunigung (ein Körper wird schneller) und negative Beschleunigung (ein Körper wird langsamer).
Beispiele: eine Radfahrerin, die aus dem Stand anfährt · ein Flugzeug, das auf der Startbahn beschleunigt.
Gleichförmige Bewegung: Bei gleichförmiger Bewegung ist die Geschwindigkeit konstant, ändert sich die Richtung der Bewegung nicht, wird in doppelter Zeit die doppelte Strecke zurückgelegt. Das Zeit-Ort-Diagramm ist eine lineare Funktion / Gerade.
Beispiele: die Bewegung auf einer Rolltreppe · ein Auto mit Tempomat auf gerader Landstraße (auch: ein Zug auf freier Strecke).
Gleichmäßig beschleunigte Bewegung: Eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung ist eine Bewegung, bei der die Beschleunigung bezüglich Stärke und Richtung konstant ist. Die Geschwindigkeit ändert sich mit der Zeit. Das Zeit-Ort-Diagramm ist eine parabelförmige Kurve.
Beispiele: die Bewegung beim Schlittenfahren bergab · ein Auto, das nach dem Auffahren auf die Autobahn gleichmäßig beschleunigt.
Freier Fall: Der freie Fall ist in der klassischen Mechanik die Bewegung eines Körpers, bei der außer der Schwerkraft keine weiteren Kräfte wirken. Ist eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung. Unabhängig von der Masse des fallenden Körpers.
Beispiele: ein Stein, den man in einen Brunnen fallen lässt · ein Sprung kopfüber von der Plattform ins Wasser (der Luftwiderstand ist hier vernachlässigbar klein).
„Die folgenden Körper bewegen sich in einer gleichförmigen Bewegung. Berechnen Sie die fehlenden Größen in der Tabelle. Beachten Sie die Einheiten und runden Sie wenn nötig auf zwei Stellen nach dem Komma.“
| Körper | Weg | Zeit | Geschwindigkeit |
|---|---|---|---|
| a) Kohle auf einem Transportband | 15 m | 12 s | |
| b) Fahrstuhl | 4 min | 12 cm/s | |
| c) Auto auf der Autobahn | 12 km | 95 km/h | |
| d) DHL-Paket auf einem Transportband | 39 m | 13 s | |
| e) Fahrstuhl | 2 min | 20 cm/s | |
| f) Auto auf der Landstraße | 249 km | 110 km/h | |
| g) Auto auf der Autobahn | 249 km | 140 km/h | |
| h) Flug von Berlin nach London | 1 h 45 min | 145 m/s |
v = 15 m / 12 s = 1,25 m/s
4 min = 240 s
s = v · t = 12 cm/s · 240 s = 2880 cm = 28,8 m
v = s/t |·t → v·t = s |:v → t = s/v
t = 12 km / 95 km/h = 0,126 h = 7,58 min = 454,74 s
v = 39 m / 13 s = 3 m/s
2 min = 120 s
s = v · t = 20 cm/s · 120 s = 2400 cm = 24 m
t = 249 km / 110 km/h = 2,26 h = 135,82 min = 8149,2 s
t = 249 km / 140 km/h = 1,78 h = 106,71 min = 6402,86 s
1 h 45 min = 6300 s
s = v · t = 145 m/s · 6300 s = 913 500 m = 913,5 km
„Die Bewegungen der folgenden Körper A–E werden durch die nachfolgenden Diagramme wiedergegeben. Beschreiben Sie die Bewegung der einzelnen Körper mithilfe der aus dem Unterricht bekannten Bewegungsformen. Begründen Sie Ihre Entscheidung kurz in einem Satz.“
„Berechnen Sie die Lösung zu den folgenden Aufgaben.“
Es gilt a = v/t = (6 m/s) / (5 s) = 1,2 m/s²
Es gilt v = a · t = 5 m/s² · 20 s = 100 m/s = 360 km/h
Es gilt v = 60 km/h = 16,67 m/s und damit t = v/a = (16,67 m/s) / (2,5 m/s²) = 6,67 s
Wenn ein Fahrrad-, Motorrad- oder Autofahrer eine plötzliche Gefahr bemerkt, z. B. ein Kind, das auf den Radweg oder auf die Fahrbahn läuft, vergeht zunächst eine gewisse Reaktionszeit tR, bis der Fahrer überhaupt die Bremse betätigt und die Bremse zu wirken beginnt. Die Dauer dieser Zeit hängt von der Aufmerksamkeit und der körperlichen Verfassung des Fahrers, von den Sichtverhältnissen und vom Zustand der Bremsanlage ab und dauert häufig eine Sekunde.
Die Strecke, die ein Fahrzeug während der Reaktionszeit ungebremst durchfährt, heißt Reaktionsweg. Dann schließt sich der eigentliche Bremsweg an. Beide zusammen ergeben den Anhalteweg. Die Reaktionszeit eines Menschen lässt sich gut als tR = 1,0 s einschätzen.
Es gilt 45 km/h = 12,5 m/s und damit legt das Auto 12,5 m während der Reaktionszeit zurück.
Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = (12,5 m/s) / (−8 m/s²) = 1,5625 s.
Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 8 m/s² · (1,5625 s)² = 9,77 m.
Die gesamte Strecke beträgt also 22,27 m und damit wird das Kind leider angefahren.
Es gilt 30 km/h = 8,33 m/s und damit legt das Auto 8,33 m während der Reaktionszeit zurück.
Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = (8,33 m/s) / (−8 m/s²) = 1,04125 s.
Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 8 m/s² · (1,04125 s)² = 4,34 m.
Die gesamte Strecke beträgt also 12,67 m und damit wird das Kind nicht angefahren.
Bei 45 km/h: Es gilt 45 km/h = 12,5 m/s und damit legt das Auto 12,5 m während der Reaktionszeit zurück. Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = (12,5 m/s) / (−5 m/s²) = 2,5 s. Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 5 m/s² · (2,5 s)² = 15,625 m. Die gesamte Strecke beträgt also 28,125 m und damit wird das Kind leider angefahren.
Bei 30 km/h: Es gilt 30 km/h = 8,33 m/s und damit legt das Auto 8,33 m während der Reaktionszeit zurück. Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = (8,33 m/s) / (−5 m/s²) = 1,67 s. Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 5 m/s² · (1,67 s)² = 6,94 m. Die gesamte Strecke beträgt also 15,27 m und damit wird das Kind leider angefahren.
„Der waagerechte Wurf setzt sich aus zwei Bewegungen zusammen, wobei die Bewegung ‚nach unten‘ (y-Richtung) durch die Formel y(t) = −½gt² + h beschrieben werden kann.“
0 = y(tw) = −½ g tw² + h
Damit folgt h = ½ g tw² und damit
tw = √(2h / g)
Die Wurfweite beträgt
x(tw) = v0 · tw = v0 · √(2h / g) = √(2h v0² / g)
In beiden Teilaufgaben zählt der begründete Gedankengang. Eine Rechnung ist erlaubt und erwünscht, aber ohne den erklärenden Satz gibt es keine volle Punktzahl.
Der Fahrer fährt die erste Hälfte mit halber Geschwindigkeit, d. h. die ursprünglich geplante Zeit für die Strecke ist vollständig verbraucht. Es gibt keine Möglichkeit mehr, den Zeitverlust in der 2. Hälfte wieder aufzuholen.
Kontrolle: Geplant war t = s/60. Für die erste Hälfte (s/2) mit 30 km/h braucht er (s/2)/30 = s/60 — also genau die gesamte geplante Zeit. Selbst mit unendlich hoher Geschwindigkeit in der zweiten Hälfte käme er höchstens punktgenau an.
Es gilt a1 = 4 · a2.
Dann gilt s = ½ a1 t1² = ½ · 4 · a2 t1² = ½ a2 (2t1)²
Das heißt, der erste PKW benötigt nur die Hälfte der Zeit — der zweite PKW braucht mit t2 = 2 t1 doppelt so lange, obwohl der erste eine 4-mal so große Beschleunigung hat.
„Ordnen Sie die s-t-Diagramme (A bis E) den verschiedenen Texten (a bis e) zu und begründen Sie kurz Ihre Entscheidung.“
| Text | Beschreibung |
|---|---|
| a) | Ein Auto fährt am Samstag Vormittag durch die Wiener Innenstadt. |
| b) | Paola macht einen 1000-Meterlauf. Dabei ist sie am Anfang schneller als in der Mitte, legt zum Schluss aber noch einen grandiosen Sprint hin. |
| c) | Ein ICE bremst nach der Betätigung der Notbremse. |
| d) | Eine Wasserbombe fällt aus der dritten Etage des Schulgebäudes. |
| e) | Frau Mayer geht zum Bäcker und zurück. |
A → b) Paolas 1000-Meterlauf. Der Graph steigt am Anfang steil (hohes Tempo), wird in der Mitte flacher (sie wird langsamer) und steigt zum Schluss wieder stärker an (Schlusssprint).
B → e) Frau Mayer geht zum Bäcker und zurück. Der Weg vom Startpunkt wächst bis zum Bäcker (Maximum) und geht danach wieder auf null zurück — sie kehrt an ihren Ausgangsort zurück.
C → a) Ein Auto in der Wiener Innenstadt. Der Graph steigt unregelmäßig in Stufen mit waagerechten Abschnitten dazwischen: Fahren, Halten an Ampeln und im Stadtverkehr, wieder Fahren.
D → d) Die Wasserbombe aus der dritten Etage. Der Graph ist nach oben gekrümmt und wird immer steiler — das ist die parabelförmige Kurve einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung, hier des freien Falls.
E → c) Der ICE mit Notbremse. Der Graph steigt zunächst steil (hohe Geschwindigkeit) und flacht dann bis zu einem oberen Grenzwert ab — der Zug wird langsamer und kommt schließlich zum Stehen.
| Aufgabe | Thema | AFB | BE |
|---|---|---|---|
| Aufgabe 1 | Begriffe der Kinematik | AFB I | 8 |
| Aufgabe 2 | Gleichförmige Bewegungen berechnen | AFB I/II | 12 |
| Aufgabe 3 | Diagramme lesen | AFB II | 10 |
| Aufgabe 4 | Beschleunigung berechnen | AFB II | 9 |
| Aufgabe 5 | Reaktionsweg, Bremsweg, Anhalteweg | AFB II/III | 15 |
| Aufgabe 6 | Den waagerechten Wurf herleiten | AFB III | 8 |
| Aufgabe 7 | Argumentieren statt nur rechnen | AFB III | 8 |
| Aufgabe 8 | Diagramme zuordnen | AFB II | 10 |
| Gesamt | acht Aufgaben aus den Klausurvorbereitungen I und II | AFB I–III | 80 |
| Erreichte Prozente | Einordnung | entspricht |
|---|---|---|
| 100 – 85 % | sehr gut | 80 – 68 BE |
| 84 – 70 % | gut | 67 – 56 BE |
| 69 – 55 % | befriedigend | 55 – 44 BE |
| 54 – 40 % | ausreichend | 43 – 32 BE |
| 39 – 20 % | mangelhaft | 31 – 16 BE |
| unter 20 % | ungenügend | 15 BE und weniger |
Die Prozentstufen sind eine Orientierung für die Selbstkontrolle und ersetzen keine Notengebung. Rechne deine erreichten BE zusammen, teile durch 80 und multipliziere mit 100 — dann siehst du, wo du stehst und welche Aufgabentypen du noch einmal üben solltest.
Zum NachschlagenZurück zur KinematikAlle elf Unterkapitel von der Geschwindigkeit bis zum schiefen Wurf — mit Erklärungen, Applets, Übungen und Textaufgaben.