Fünf Sachaufgaben zu 1.3.1 mit Teilaufgaben, Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont — vom beschleunigenden Auto bis zur Frage, warum v = s/t hier immer die halbe Wahrheit liefert.
Ein Auto beschleunigt aus dem Stillstand gleichmäßig mit einer Beschleunigung von 4 m/s². In Teilaufgabe c) wird dieselbe Situation umgekehrt betrachtet: Ein Körper beschleunigt gleichmäßig und legt aus dem Stillstand in einer Zeit von 6 s eine Strecke von 72 m zurück.
v = a · t = 4 m/s² · 5 s = 20 m/s.
s = ½ · a · t² = ½ · 4 m/s² · (5 s)² = 50 m.
s = ½ a t² ⇒ a = 2s/t² = 2 · 72 m / (6 s)² = 144 m / 36 s² = 4 m/s².
Zwei Körper werden gleichmäßig beschleunigt, aber jeweils ist eine andere Größe gesucht. Erster Körper: „Ein Körper beschleunigt gleichmäßig mit 5,00 m/s².“ Zweiter Körper: „Ein Körper beschleunigt mit 3 m/s².“ Die Tabelle M1 zeigt die drei Zeilen aus der Lösungsstrategie des Lehrers, die hier gebraucht werden.
| gegeben | gesucht | Lösungsansatz |
|---|---|---|
| a, s | t | Formel s = ½ a t² umstellen: t = √(2s/a) |
| v, a | s | v = a · t → umstellen und t berechnen. Dann s = ½ a t² anwenden. |
| a, t | v | Formel v = a · t anwenden |
s = ½ · a · t² ⇒ t = √(2s/a) = √(2 · 160 m / 5 m/s²) = 8 s.
Gegeben a = 3 m/s², v = 20 m/s; gesucht s. Einsetzen von t = v/a ergibt s = ½ · a · t² = ½ · a · (v/a)² = ½ · v²/a = ½ · (20 m/s)² / (3 m/s²) ≈ 66,67 m.
In b) ist die Zeit nicht gegeben. Man berechnet sie zuerst aus v = a · t, setzt t = v/a in s = ½ a t² ein und erhält die Kurzformel s = ½ v²/a.
Der Lehrer stellt drei kurze Rechenaufgaben aus dem Alltag: „Berechne die Lösung zu den folgenden Aufgaben.“ Jedes Mal ist eine andere der drei Größen a, v und t gesucht — M1 zeigt die drei Beschleunigungen im maßstabsgetreuen Vergleich.
a = v/t = 6 m/s ÷ 5 s = 1,2 m/s².
v = a · t = 5 m/s² · 20 s = 100 m/s = 360 km/h.
v = 60 km/h = 16,67 m/s, damit t = v/a = 16,67 m/s ÷ 2,5 m/s² = 6,67 s.
„Zwei PKW fahren mit konstanten Beschleunigungen an und legen dabei den gleichen Weg zurück. Vergleichen Sie die Beschleunigungszeiten der beiden PKW, wenn der erste PKW eine 4-mal so große Beschleunigung wie der zweite PKW hatte. Begründen Sie Ihre Aussage mit Hilfe eines Gesetzes (Gleichung).“
Für beide Fahrzeuge gilt dasselbe Weg-Zeit-Gesetz, nur mit eigenen Werten: s = ½ a₁ t₁² für den ersten PKW und s = ½ a₂ t₂² für den zweiten. Die Strecke s ist in beiden Gleichungen dieselbe, denn beide legen laut Aufgabe den gleichen Weg zurück. Dazu kommt die Angabe aus dem Text: a₁ = 4 · a₂.
Es gilt a₁ = 4 · a₂. Dann gilt s = ½ a₁ t₁² = ½ · 4 · a₂ · t₁² = ½ a₂ (2 t₁)². Das heißt, der erste PKW benötigt nur die Hälfte der Zeit, obwohl er eine 4-mal so große Beschleunigung hat. Es gilt also t₂ = 2 · t₁ bzw. t₁ : t₂ = 1 : 2.
Weil die Zeit im Quadrat steht, halbiert eine Vervierfachung der Beschleunigung die Zeit — die vierfache Beschleunigung bringt nicht die vierfache, sondern nur die doppelte Zeitersparnis. Anschaulich: Wer viermal so kräftig anfährt, ist für dieselbe Strecke nicht viermal so schnell fertig, sondern nur doppelt so schnell. Allgemein wirkt sich ein Faktor k bei der Beschleunigung nur mit √k auf die Zeit aus.
Im Heft des Lehrers steht ein rot umrandeter Merksatz: „Nie mit v = s/t rechnen!“ Ein Mitschüler rechnet Aufgabe 1 trotzdem so: „Das Auto legt in 5 Sekunden 50 Meter zurück, also ist v = s/t = 50 m ÷ 5 s = 10 m/s.“
Die Zahlen selbst stimmen: In 5 s legt das Auto tatsächlich 50 m zurück, und 50 m ÷ 5 s ergibt rechnerisch 10 m/s. Das Ergebnis 10 m/s ist aber nicht die Geschwindigkeit nach 5 s — richtig ist v = a · t = 4 m/s² · 5 s = 20 m/s. Der Mitschüler hat also richtig gerechnet, aber die falsche Formel gewählt und das Ergebnis falsch gedeutet.
Er hat die Durchschnittsgeschwindigkeit über die 5 Sekunden berechnet. Die Gleichung v = s/t gilt nur für die gleichförmige Bewegung; bei einer beschleunigten Bewegung liefert sie den Mittelwert über den gesamten Zeitraum und nicht die Geschwindigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Bei Start aus dem Stillstand wächst v linear von 0 auf a · t; der Mittelwert einer linearen Größe ist genau der halbe Endwert, also v̄ = ½ · a · t. Setzt man das in s = v̄ · t ein, erhält man wieder s = ½ a t². Deshalb liefert v = s/t bei gleichmäßig beschleunigter Bewegung immer genau die halbe Endgeschwindigkeit — und genau deshalb gilt der Merksatz „Nie mit v = s/t rechnen“. In M1 sieht man dasselbe als Flächenvergleich: Das Dreieck unter v = 4·t (½ · 5 s · 20 m/s = 50 m) ist genauso groß wie das Rechteck mit der Höhe 10 m/s (5 s · 10 m/s = 50 m).