Sechs Sachaufgaben mit Teilaufgaben, Operatoren und vollständigem Erwartungshorizont — vom ICE auf der Neubaustrecke bis zum Kind auf der Wohnstraße.
Die Beschleunigung eines ICEs der Deutschen Bahn kann bis zu 1,2 m/s² betragen.
Aus v = 342 km/h = 95 m/s folgt
t = v/a = 95 m/s ÷ 1,2 m/s² ≈ 79,17 s.
s = ½ · a · t² ≈ ½ · 1,2 m/s² · (79,17 s)² ≈ 3761 m.
Rund 3,8 km sind eine sehr lange Anfahrstrecke; sie erklärt, warum Hochgeschwindigkeitszüge nur auf langen, geraden Neubaustrecken ihre Höchstgeschwindigkeit erreichen. Auf kurvenreichen Altstrecken oder zwischen dicht aufeinanderfolgenden Halten ist die Strecke schlicht zu kurz — der Zug wäre noch am Beschleunigen, wenn er schon wieder bremsen muss.
Der Zug kommt danach auf einer Strecke von 3500 m aus den 342 km/h zum Stillstand. Berechnen Sie die Bremsbeschleunigung und die Bremszeit. Gehen Sie von einer gleichmäßig beschleunigten Abbremsung aus.
Gegeben sind s und v, gesucht ist a. Einsetzen von t = v/a ergibt
s = ½ · a · t² = ½ · a · (v/a)² = ½ · v²/a
⟹ a = v²/(2·s)
a = v²/(2·s) = (95 m/s)² ÷ (2 · 3500 m) ≈ 1,29 m/s².
Da es sich um einen Bremsvorgang handelt, betrachten wir die Bremsbeschleunigung als negativ, also a = −1,29 m/s².
Für die Bremszeit folgt somit
t = v/a = 95 m/s ÷ 1,29 m/s² ≈ 73,6 s.
Ein PKW fährt mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h. Der Fahrer bemerkt in 75 m Entfernung ein Hindernis und bremst nach einer Reaktionszeit von 0,8 s mit einer negativen Beschleunigung von −6,0 m/s² ab. Kommt das Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand?
Umrechnung in die Grundeinheit: 90 km/h = 25 m/s.
Gleichförmige Bewegung: Aus v = s/t folgt s = v · t = 25 m/s · 0,8 s = 20 m.
Gleichmäßig beschleunigte Bewegung: Aus a = v/t folgt t = v/a; somit ergibt sich
s = ½ · a · t² = ½ · a · (v/a)² = ½ · v²/a ≈ 52,1 m.
Der Anhalteweg des Fahrzeugs beträgt s ≈ 20 m + 52,1 m = 72,1 m, also kommt das Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand — es bleiben rund 2,9 m Reserve bis zum Hindernis.
Wenn ein Fahrrad-, Motorrad- oder Autofahrer eine plötzliche Gefahr bemerkt, z. B. ein Kind, das auf den Radweg oder auf die Fahrbahn läuft, vergeht zunächst eine gewisse Reaktionszeit tR, bis der Fahrer überhaupt die Bremse betätigt und die Bremse zu wirken beginnt. Die Dauer dieser Zeit hängt von der Aufmerksamkeit und der körperlichen Verfassung des Fahrers, von den Sichtverhältnissen und vom Zustand der Bremsanlage ab und dauert häufig eine Sekunde.
Die Strecke, die ein Fahrzeug während der Reaktionszeit ungebremst durchfährt, heißt Reaktionsweg. Dann schließt sich der eigentliche Bremsweg an. Beide zusammen ergeben den Anhalteweg. Die Reaktionszeit eines Menschen lässt sich gut als tR = 1,0 s einschätzen.
Es gilt 45 km/h = 12,5 m/s, damit legt das Auto 12,5 m während der Reaktionszeit zurück.
Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = 12,5 ÷ 8 = 1,5625 s.
Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 8 m/s² · (1,5625 s)² = 9,77 m.
Die gesamte Strecke beträgt also 22,27 m — damit wird das Kind leider angefahren.
Es gilt 30 km/h = 8,33 m/s, damit legt das Auto 8,33 m während der Reaktionszeit zurück.
Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = 8,33 ÷ 8 = 1,04125 s.
Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 8 m/s² · (1,04125 s)² = 4,34 m.
Die gesamte Strecke beträgt also 12,67 m — damit wird das Kind nicht angefahren.
45 km/h: Es gilt 45 km/h = 12,5 m/s, damit legt das Auto 12,5 m während der Reaktionszeit zurück. Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = 12,5 ÷ 5 = 2,5 s. Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 5 m/s² · (2,5 s)² = 15,625 m. Die gesamte Strecke beträgt also 28,125 m — damit wird das Kind leider angefahren.
30 km/h: Es gilt 30 km/h = 8,33 m/s, damit legt das Auto 8,33 m während der Reaktionszeit zurück. Während des Bremsens benötigt das Auto die Zeit t = v/a = 8,33 ÷ 5 = 1,67 s. Die dabei zurückgelegte Strecke beträgt s = ½ · 5 m/s² · (1,67 s)² = 6,94 m. Die gesamte Strecke beträgt also 15,27 m — damit wird das Kind leider angefahren.
Zum Zeitpunkt Null bewegt sich ein Auto mit einer Geschwindigkeit von 72 km/h gleichförmig. Ein zweites Fahrzeug beschleunigt zum selben Zeitpunkt gleichmäßig aus dem Stand mit einer Beschleunigung von 6 m/s², bis es 108 km/h erreicht. Danach fährt es mit konstanter Geschwindigkeit. Bestimmen Sie zeichnerisch, nach welcher Zeit und nach welcher Strecke das zweite Fahrzeug das erste Fahrzeug eingeholt hat.
Auto 1: v = 72 km/h = 20 m/s, a = 0 m/s². Auto 2: v = 108 km/h = 30 m/s, a = 6 m/s².
Das zweite Auto erreicht nach t = v/a = 30 ÷ 6 = 5 s die Geschwindigkeit von 108 km/h. Zu diesem Zeitpunkt hat es s = ½ · 6 m/s² · (5 s)² = 75 m zurückgelegt.
Im Diagramm (M1) schneiden sich die Gerade von Auto 1 und die Kurve von Auto 2 bei t = 7,5 s und s = 150 m.
Antwort: Das zweite Fahrzeug überholt das erste Fahrzeug nach 150 Metern und 7,5 Sekunden.
Ab 5 s ist die Geschwindigkeit konstant, die Bewegung also gleichförmig — im s-t-Diagramm bedeutet das eine Gerade mit der Steigung 30 m/s. Vorher nimmt die Geschwindigkeit gleichmäßig zu, deshalb ist die Kurve dort eine Parabel.
Ein Auto fährt zum Zeitpunkt 0 s mit einer konstanten Geschwindigkeit von 54 km/h. Zum selben Zeitpunkt, aber in 150 Metern Entfernung fährt ihm ein LKW entgegen. Dieser beschleunigt gleichmäßig mit 6 m/s².
Im Diagramm (M1) schneiden sich die fallende Parabel des LKW und die Gerade des Autos bei t = 5 s und s = 75 m. Das Auto hat bis dahin 75 m zurückgelegt, der LKW die restlichen 75 m.
Umrechnung in die Grundeinheit: 54 km/h = 15 m/s. Die Strecke des LKWs wird durch die Funktion L(t) = (a/2)·t² + s₀ = −3 m/s² · t² + 150 m beschrieben, die des Autos durch A(t) = 15 m/s · t.
Wir setzen beide Funktionen gleich und lösen mit Hilfe der pq-Formel nach t; da die Größen in Grundeinheiten angegeben sind, lassen wir die Einheiten für eine bessere Übersicht weg.
−3 t² + 150 = 15 t
−3 t² − 15 t + 150 = 0
t² + 5 t − 50 = 0
⟹ t₁,₂ = −5/2 ± √(25/4 + 50) = −2,5 ± 7,5
⟹ t₁ = −10 s (physikalisch nicht sinnvoll), t₂ = 5 s
Damit A(5 s) = 15 m/s · 5 s = 75 m.