Katapultstart und zwei Herleitungswege — mit gestuften Hinweisen und Erwartungshorizont.
Auf einem Flugzeugträger beschleunigt ein Katapult ein Flugzeug der Masse 22 000 kg aus dem Stand auf einer Strecke von 90 m auf 70 m/s. Die Kraft des Katapults wird als konstant angenommen, Reibung wird vernachlässigt.
Ekin = ½ · 22 000 kg · (70 m/s)² = ½ · 22 000 · 4900 J = 53 900 000 J = 53,9 MJ.
Die Arbeit des Katapults ist gleich der kinetischen Energie: F · s = 53,9 · 106 J.
F = 53,9 · 106 J : 90 m ≈ 599 000 N ≈ 599 kN. Antwortsatz: Das Katapult muss eine Kraft von rund 600 kN aufbringen.
Ansatz: Die verrichtete Arbeit ist die erreichte kinetische Energie.
W = F · s und W = ½ · m · v² ⇒ F · s = ½ · m · v²
Division durch s liefert F = (m · v²) : (2 · s).
Kontrolle mit den Zahlen aus b): (22 000 · 4900) : (2 · 90) ≈ 599 000 N — derselbe Wert.
In F = (m · v²) : (2 · s) steht s im Nenner: Verdoppelt man die Startstrecke, halbiert sich die nötige Kraft. Die Energie ½ · m · v² enthält s dagegen überhaupt nicht — sie hängt nur von Masse und Endgeschwindigkeit ab.
Anschaulich: Es ist dieselbe Energiemenge, die übertragen werden muss; verteilt man sie auf einen längeren Weg, genügt an jeder Stelle eine kleinere Kraft. Genau dieses Prinzip nutzen später Knautschzone, Gurt und Airbag — sie verlängern den Weg, auf dem die Bewegungsenergie abgebaut wird.
In einer Physikstunde soll die Formel für die kinetische Energie hergeleitet werden. Lena rechnet über die Beschleunigung, Tarek über die mittlere Geschwindigkeit (M1).
| Lena | Tarek |
|---|---|
| W = F · s | W = F · s |
| F = m · a | a = v : t, also F = m · (v : t) |
| v² = 2 · a · s | s = v̄ · t = ½ · v · t |
| … | … |
Lena stellt v² = 2 · a · s nach a · s um: a · s = ½ v².
Ihre zweite Zeile lautet W = m · a · s. Einsetzen ergibt W = m · ½ v², also W = ½ · m · v². Da die zugeführte Arbeit als Bewegungsenergie im Körper steckt, gilt Ekin = ½ · m · v².
W = F · s = m · (v : t) · ½ · v · t
Das t im Nenner und das t im Zähler kürzen sich: W = m · ½ · v · v = ½ · m · v². Auch hier folgt Ekin = ½ · m · v².
Gemeinsam: Beide starten bei W = F · s und beide benutzen F = m · a in irgendeiner Form. Beide setzen voraus, dass die Kraft konstant ist und der Körper aus der Ruhe startet — sonst gelten weder v² = 2 · a · s noch v̄ = ½ v.
Unterschied: Lena benutzt die Weg-Geschwindigkeits-Beziehung v² = 2 · a · s und kommt ohne die Zeit aus. Tarek führt die Zeit t ein, muss dafür aber nur die mittlere Geschwindigkeit kennen; das t kürzt sich am Ende wieder heraus.
Fazit: Beide Wege sind gleichwertig und liefern dasselbe Ergebnis. Tareks Weg macht besonders gut sichtbar, woher das Halb kommt (mittlere Geschwindigkeit), Lenas Weg ist kürzer, weil die Zeit gar nicht erst auftaucht.