Textaufgaben
Fünf Aufgaben aus den Arbeitsblättern Zusammensetzung von Kräften: zuerst zwei Kräfte auf einer Linie am Waggon und beim Tauziehen, dann zwei Schlepper, die ein Schiff schräg ziehen, danach sechs Konstruktionen zum Selberzeichnen und eine Zuordnung der drei Fälle. Zum Schluss ein Beweis für Fortgeschrittene: die Formel mit dem Cosinus. Zu jeder Teilaufgabe gibt es einen Hinweis und einen Erwartungshorizont — öffne den Erwartungshorizont erst, wenn du deine eigene Lösung aufgeschrieben hast.
Zwei Kräfte auf einer Linie
AFB IIn beiden Situationen wirken zwei Kräfte längs derselben Geraden auf denselben Körper. Die Kraftpfeile sind maßstabsgetreu gezeichnet, es gilt der Maßstab 1 cm ≙ 20 kN (Material M1).
Die angegebenen Längen sind die Pfeillängen in der Originalzeichnung. Mit dem Maßstab rechts unten wird aus jeder Länge ein Kraftbetrag.
- Situation (1): Bestimme die Beträge von \(F_1\) und \(F_2\) und berechne die resultierende Kraft.
- Situation (2): Bestimme die resultierende Kraft und gib auch ihre Richtung an.
- Beschreibe, was in Situation (2) passieren würde, wenn beide Mannschaften genau gleich stark zögen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Beträge aus dem Maßstab:
\(F_1 = 1{,}5\,\mathrm{cm} \cdot 20\,\frac{\mathrm{kN}}{\mathrm{cm}} = 30\,\mathrm{kN}\) · \(F_2 = 2{,}7\,\mathrm{cm} \cdot 20\,\frac{\mathrm{kN}}{\mathrm{cm}} = 54\,\mathrm{kN}\)
Beide Kräfte wirken in die gleiche Richtung — das ist Fall 1, also wird addiert:
\(F_R = F_1 + F_2 = 30\,\mathrm{kN} + 54\,\mathrm{kN} = \mathbf{84\,\mathrm{kN}}\)
Die resultierende Kraft zieht den Waggon mit 84 kN nach rechts. In der Zeichnung wäre ihr Pfeil \(84 : 20 = 4{,}2\,\mathrm{cm}\) lang.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(F_1 = 2{,}4\,\mathrm{cm} \cdot 20\,\frac{\mathrm{kN}}{\mathrm{cm}} = 48\,\mathrm{kN}\) (nach links) · \(F_2 = 1{,}8\,\mathrm{cm} \cdot 20\,\frac{\mathrm{kN}}{\mathrm{cm}} = 36\,\mathrm{kN}\) (nach rechts)
Die Kräfte wirken in entgegengesetzte Richtung — das ist Fall 2, also wird die kleinere von der größeren abgezogen:
\(F_R = F_1 - F_2 = 48\,\mathrm{kN} - 36\,\mathrm{kN} = \mathbf{12\,\mathrm{kN}}\)
Richtung: Die resultierende Kraft zeigt in Richtung der größeren Kraft, hier also nach links. Die linke Mannschaft gewinnt, aber nur mit 12 kN — einem Viertel dessen, was sie selbst aufbringt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Zögen beide Mannschaften gleich stark, wäre \(F_1 = F_2\) und damit
\(F_R = F_1 - F_2 = 0\,\mathrm{N}\).
Die beiden Kräfte heben sich vollständig auf: Es bewegt sich nichts. Das Band in der Mitte bleibt an derselben Stelle, obwohl beide Mannschaften mit voller Kraft ziehen. Genau das ist die Aussage aus dem Hefter: Sind beide Kräfte gleich groß, so ist die resultierende Kraft gleich Null.
Zwei Schlepper ziehen ein Schiff
AFB IIEin Schiff wird von zwei Schleppern gezogen. Die beiden Zugseile greifen im selben Punkt am Bug an, schließen aber einen Winkel von etwa 45° ein. Arbeite mit dem Maßstab 1 cm ≙ 30 kN (Material M2).
Beide Zugkräfte greifen im selben Punkt an. Ergänze die Zeichnung zu einem Parallelogramm — die Diagonale ist gesucht.
- Beschreibe in eigenen Worten, wie man die Zeichnung zu einem Kräfteparallelogramm ergänzt.
- Bestimme die resultierende Kraft zeichnerisch. Die Diagonale ist in der Originalzeichnung 8 cm lang.
- Erläutere, warum die resultierende Kraft kleiner ist als die Summe der beiden Einzelbeträge.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Man ergänzt die beiden Kraftpfeile durch gestrichelte Parallelen zu einem Parallelogramm:
(1) \(\vec{F}_1\) und \(\vec{F}_2\) maßstabsgetreu vom gemeinsamen Angriffspunkt aus zeichnen. (2) Vom Endpunkt von \(\vec{F}_1\) eine Parallele zu \(\vec{F}_2\) ziehen. (3) Vom Endpunkt von \(\vec{F}_2\) eine Parallele zu \(\vec{F}_1\) ziehen. (4) Die beiden Parallelen schneiden sich in der vierten Ecke; die Diagonale vom gemeinsamen Angriffspunkt zu dieser Ecke ist die resultierende Kraft \(\vec{F}_R\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die Diagonale misst \(8\,\mathrm{cm}\). Mit dem Maßstab \(1\,\mathrm{cm} \;\widehat{=}\; 30\,\mathrm{kN}\) folgt
\(F_R = 8\,\mathrm{cm} \cdot 30\,\frac{\mathrm{kN}}{\mathrm{cm}} = \mathbf{240\,\mathrm{kN}}\).
Diese eine Kraft hätte dieselbe Wirkung auf das Schiff wie beide Schlepper zusammen. Sie zeigt in Richtung der Diagonalen — also zwischen den beiden Zugrichtungen hindurch.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Gemessen: \(F_1 \approx 4{,}0\,\mathrm{cm} \;\widehat{=}\; 120\,\mathrm{kN}\) und \(F_2 \approx 4{,}6\,\mathrm{cm} \;\widehat{=}\; 138\,\mathrm{kN}\). Die Summe der Beträge wäre \(120\,\mathrm{kN} + 138\,\mathrm{kN} = 258\,\mathrm{kN}\), die resultierende Kraft beträgt aber nur \(240\,\mathrm{kN}\).
Begründung: Die beiden Schlepper ziehen nicht in dieselbe Richtung. Nur der Anteil, der in Richtung der Diagonalen zeigt, addiert sich vollständig; die quer dazu gerichteten Anteile zeigen einander entgegen und heben sich teilweise auf. Deshalb ist die Diagonale des Parallelogramms stets kürzer als die beiden Seiten zusammen. Nur im Grenzfall \(\alpha = 0^\circ\) — beide Schlepper ziehen parallel — entartet das Parallelogramm zu einer Strecke und es gilt \(F_R = F_1 + F_2\).
Kontrolle mit der Formel: \(F_R = \sqrt{120^2 + 138^2 + 2 \cdot 138 \cdot 120 \cdot \cos 45^\circ}\,\mathrm{kN} \approx 238\,\mathrm{kN}\) — das passt im Rahmen der Zeichengenauigkeit zu den abgelesenen 240 kN.
Sechs Konstruktionen
AFB IIIn den sechs Fällen a) bis f) wirken zwei oder mehrere Kräfte auf denselben Körper; alle Pfeile gehen vom gemeinsamen Angriffspunkt aus (Material M3). Übertrage jede Situation auf kariertes Papier und zeichne die resultierende Kraft ein.
In d) wirken beide Kräfte auf derselben Wirkungslinie in dieselbe Richtung; die Pfeile sind nur der Übersicht halber leicht versetzt gezeichnet.
- Zeichne in den Fällen a), b) und c) je das Kräfteparallelogramm und die resultierende Kraft ein.
- Fall d): Erläutere, warum hier kein richtiges Parallelogramm entsteht, und bestimme die resultierende Kraft.
- Fälle e) und f): Beschreibe das Vorgehen bei drei Kräften und begründe, warum die Reihenfolge des Zusammenfassens keine Rolle spielt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
In a), b) und c) wird jeweils ein Parallelogramm konstruiert: Vom Endpunkt jedes Kraftpfeils wird eine gestrichelte Parallele zum anderen Kraftpfeil gezogen. Die rote Diagonale vom gemeinsamen Angriffspunkt zum Schnittpunkt der Parallelen ist die resultierende Kraft.
Auffällig: Je größer der Winkel zwischen den Kräften, desto kürzer die Diagonale. In a) (spitzer Winkel) ist \(F_R\) noch fast so lang wie beide Pfeile zusammen, in c) (sehr stumpfer Winkel) ist sie deutlich kürzer als in a).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
In d) liegen beide Kräfte auf einer Geraden. Die Parallele zu einer Kraft ist dann dieselbe Gerade — das „Parallelogramm“ hat keine Fläche mehr, es entartet zu einer Strecke.
Man addiert deshalb einfach die Längen: \(F_R = F_1 + F_2\). Das ist genau Fall 1 aus dem Hefter. Die Parallelogramm-Konstruktion widerspricht ihm nicht, sie enthält ihn als Grenzfall.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Vorgehen: Man fasst zuerst zwei der drei Kräfte mit einem Parallelogramm zu einer Zwischenresultierenden zusammen. Diese Zwischenresultierende bildet danach mit der dritten Kraft ein zweites Parallelogramm; dessen Diagonale ist die gesuchte resultierende Kraft aller drei Kräfte.
Begründung zur Reihenfolge: Die Reihenfolge der Zusammenfassung ist beliebig, das Ergebnis ist immer dasselbe. Denn jede Zwischenresultierende ersetzt die zusammengefassten Kräfte in ihrer Wirkung vollständig — die Gesamtwirkung aller drei Kräfte kann sich dadurch nicht ändern. Wer in e) erst \(\vec{F}_1\) mit \(\vec{F}_2\) zusammenfasst und dann \(\vec{F}_3\) hinzunimmt, erhält dieselbe Diagonale wie jemand, der mit \(\vec{F}_2\) und \(\vec{F}_3\) beginnt.
Die Fälle wiedererkennen
AFB IIGegeben sind vier Aussagen:
(1) Zwei Zugpferde ziehen einen Wagen nebeneinander in dieselbe Richtung, jedes mit 800 N.
(2) Zwei gleich starke Tauzieh-Mannschaften ziehen mit je 900 N gegeneinander.
(3) Zwei Schlepper ziehen ein Schiff unter einem Winkel von 60°, jeder mit 30 kN.
(4) Ein Bremsklotz wirkt mit 400 N gegen eine Zugkraft von 1000 N.
- Ordne jede der vier Aussagen einem der drei Fälle aus dem Hefter zu.
- Berechne die resultierende Kraft für die Aussagen (1), (2) und (4) und nenne jeweils die Richtung.
- Berechne die resultierende Kraft für Aussage (3) mit der Formel \(F_R = \sqrt{F_1^2 + F_2^2 + 2 \cdot F_2 \cdot F_1 \cdot \cos\alpha}\).
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
(1) → Fall 1 (gleiche Richtung) · (2) → Fall 2 (entgegengesetzt) · (3) → Fall 3 (beliebiger Winkel, Parallelogramm) · (4) → Fall 2 (entgegengesetzt)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
(1) Fall 1: \(F_R = 800\,\mathrm{N} + 800\,\mathrm{N} = \mathbf{1600\,\mathrm{N}}\) in Zugrichtung der beiden Pferde.
(2) Fall 2: \(F_R = 900\,\mathrm{N} - 900\,\mathrm{N} = \mathbf{0\,\mathrm{N}}\). Die Kräfte heben sich auf, es bewegt sich nichts — eine Richtung gibt es hier nicht.
(4) Fall 2: \(F_R = 1000\,\mathrm{N} - 400\,\mathrm{N} = \mathbf{600\,\mathrm{N}}\) in Richtung der Zugkraft. Der Bremsklotz verringert die Wirkung, hebt sie aber nicht auf.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
(3) Fall 3 — zeichnerisch das Parallelogramm, rechnerisch:
\(F_R = \sqrt{(30\,\mathrm{kN})^2 + (30\,\mathrm{kN})^2 + 2 \cdot 30\,\mathrm{kN} \cdot 30\,\mathrm{kN} \cdot \cos 60^\circ}\)
\(F_R = \sqrt{900 + 900 + 900}\;\mathrm{kN} = \sqrt{2700}\;\mathrm{kN} \approx \mathbf{51{,}96\,\mathrm{kN}}\)
Plausibilität: Der Wert liegt zwischen 30 kN (eine Kraft allein) und 60 kN (beide in gleicher Richtung) — genau dort, wo er bei einem Winkel von 60° liegen muss.
Ein kleiner Einblick ins Mathematik-Studium
AFB IIIZeige, dass für die resultierende Kraft im Kräfteparallelogramm die Gleichung
\( F_R = \sqrt{F_1^2 + F_2^2 + 2 \cdot F_2 \cdot F_1 \cdot \cos(\alpha)} \)
erfüllt ist. Tipp: Es gilt \(\sin^2(\alpha) + \cos^2(\alpha) = 1\). Die Skizze (Material M4) zeigt das Parallelogramm mit dem Lot vom Endpunkt von \(\vec{F}_R\) auf die Verlängerung von \(\vec{F}_2\).
Der rechte Winkel am Lotfußpunkt ist als Viertelkreisbogen mit Punkt markiert. Es gilt \(\cos(\alpha) = \frac{x}{F_1}\) und \(\sin(\alpha) = \frac{y}{F_1}\).
- Gib die Abschnitte \(x\) und \(y\) mit Hilfe von \(F_1\), \(\sin(\alpha)\) und \(\cos(\alpha)\) an.
- Stelle den Satz des Pythagoras für das rechtwinklige Dreieck auf und löse die Klammern auf.
- Leite mit \(\sin^2(\alpha) + \cos^2(\alpha) = 1\) die behauptete Gleichung her.
- Prüfe, was die Formel für \(\alpha = 0^\circ\) und für \(\alpha = 180^\circ\) liefert, und vergleiche mit Fall 1 und Fall 2 aus dem Hefter.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Hinweis zu Aufgabe d)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Aus \(\cos(\alpha) = \dfrac{x}{F_1}\) folgt \(\;x = F_1 \cdot \cos(\alpha)\).
Aus \(\sin(\alpha) = \dfrac{y}{F_1}\) folgt \(\;y = F_1 \cdot \sin(\alpha)\).
\(x\) ist also der Anteil von \(\vec{F}_1\) in Richtung von \(\vec{F}_2\), \(y\) der Anteil senkrecht dazu.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Das große Dreieck hat die Katheten \(F_2 + x\) und \(y\) sowie die Hypotenuse \(F_R\). Der Satz des Pythagoras liefert
\(F_R^2 = (F_2 + x)^2 + y^2 = (F_2 + F_1\cos\alpha)^2 + (F_1\sin\alpha)^2\)
Ausmultiplizieren mit der binomischen Formel:
\(F_R^2 = F_2^2 + 2\,F_2 F_1 \cos\alpha + F_1^2\cos^2\alpha + F_1^2\sin^2\alpha\)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Ausklammern von \(F_1^2\) in den beiden letzten Summanden:
\(F_R^2 = F_2^2 + 2\,F_2 F_1 \cos\alpha + F_1^2\,\underbrace{(\cos^2\alpha + \sin^2\alpha)}_{=\,1}\)
\(F_R^2 = F_2^2 + F_1^2 + 2\,F_2 F_1 \cos\alpha\)
Da \(F_R\) als Betrag einer Kraft nicht negativ ist, darf die Wurzel gezogen werden:
\(F_R = \sqrt{F_1^2 + F_2^2 + 2 \cdot F_2 \cdot F_1 \cdot \cos\alpha}\) ∎
Erwartungshorizont zu Aufgabe d)
Fall \(\alpha = 0^\circ\): Es ist \(\cos 0^\circ = 1\), also
\(F_R = \sqrt{F_1^2 + F_2^2 + 2F_1F_2} = \sqrt{(F_1+F_2)^2} = F_1 + F_2\)
Das ist genau Fall 1 aus dem Hefter: gleiche Richtung, die Beträge werden addiert.
Fall \(\alpha = 180^\circ\): Es ist \(\cos 180^\circ = -1\), also
\(F_R = \sqrt{F_1^2 + F_2^2 - 2F_1F_2} = \sqrt{(F_1-F_2)^2} = |F_1 - F_2|\)
Das ist genau Fall 2: entgegengesetzte Richtung, die kleinere Kraft wird von der größeren abgezogen. Der Betragsstrich sorgt dafür, dass nie eine negative Kraft herauskommt — und für \(F_1 = F_2\) ergibt sich \(F_R = 0\).
Fazit: Die allgemeine Formel enthält beide Sonderfälle. Es gibt also nicht drei verschiedene Regeln, sondern eine einzige — Fall 1 und Fall 2 sind nur die beiden Extremwerte des Winkels.
