Die schwerste Nuklearkatastrophe der Geschichte – 26. April 1986.
7 Kernwaffen, Unfälle und Schicksale
Das Wichtigste auf einen Blick
Der schwerste Reaktorunfall der Geschichte und seine Folgen.
Datum:26. April 1986, 1:23 Uhr: Explosion in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl (Ukraine, damals Sowjetunion).
Reaktortyp:RBMK-1000 mit Graphitmoderator und ohne Sicherheitsbehälter; Konstruktionsfehler: Leistungsanstieg bei Dampfbildung, Steuerstäbe mit Graphitspitzen.
Ursache:Sicherheitstest bei niedriger Leistung mit abgeschalteten Schutzsystemen; Folge: Leistungsexkursion, Dampf- und Wasserstoffexplosion, Graphitbrand über ca. 10 Tage.
Freisetzung:Ca. 5,3 EBq, v. a. Iod-131, Cäsium-137, Strontium-90; Wolke über weite Teile Europas (Skandinavien, Süddeutschland).
Entdeckung:Am 28. April im Westen durch Messungen im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark; die Sowjetunion informierte erst danach.
Evakuierung:Prypjat (ca. 49 000 Einwohner) am 27. April; 30-km-Sperrzone, insgesamt ca. 350 000 Umsiedler.
Opfer:Ca. 6000 Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern; WHO schätzt bis zu 4000 zusätzliche Krebstote, andere Studien deutlich mehr.
Einstufung:INES-Stufe 7 (höchste); Sarkophag November 1986, „New Safe Confinement“ 2016 (Stahlbogen 108 m hoch, ca. 1,5 Mrd. €).
Deutschland:Verzehrwarnungen für Salat und Milch, gesperrte Sandkästen; Cäsium-137 bis heute in Pilzen und Wildschweinen Süddeutschlands.
Sperrzone heute:Blöcke 1–3 liefen bis 2000; heute Naturreservat und Touristenziel, 2022 zeitweise russisch besetzt.
Politische Folgen:Gründung des Bundesumweltministeriums am 6. Juni 1986, Glasnost-Schub in der UdSSR, Aufschwung der Anti-Atom-Bewegung, Ausstiegsbeschlüsse.