MINT lernen

Textaufgaben: Strahlungsquellen

Fünf Sachaufgaben mit Teilaufgaben und vollständigem Erwartungshorizont — vom Radon im Kellerraum der Schule bis zum begründeten Urteil über eine Zeitungsschlagzeile.

Fortschritt
0 / 0 Aufgaben

Fünf Sachaufgaben

1

Radon im Kellerraum der Schule

AFB I

Der Hausmeister lässt in vier Räumen der Schule die Radonkonzentration messen. Der Wert gibt an, wie stark die Raumluft mit dem radioaktiven Edelgas belastet ist; das Bundesamt für Strahlenschutz nennt für Aufenthaltsräume einen Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter (M1). Faustregel für die Abschätzung: Eine Dauerbelastung von 100 Bq/m³ entspricht etwa 1,6 mSv zusätzlicher Jahresdosis.

M1Messwerte in vier Räumen
RaumRadonkonzentration in Bq/m³
Physiksammlung (1. OG)60
Klassenraum (EG)110
Werkraum (Keller)420
Archiv (Keller, fensterlos)780

Radon dringt aus dem Erdreich durch Risse und Rohrdurchführungen in Gebäude ein und sammelt sich dort, wo wenig gelüftet wird.

  1. Geben Sie an, welche Räume über dem Referenzwert liegen.
  2. Berechnen Sie mit der Faustregel die zusätzliche Jahresdosis für einen Hausmeister, der sich dauerhaft im Archiv aufhielte.
  3. Erklären Sie, warum die Werte von oben nach unten ansteigen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Vergleichen Sie jeden Messwert mit 300 Bq/m³ — mehr ist hier nicht verlangt.
Hinweis zu Aufgabe b)
Die Faustregel ist ein Dreisatz: 100 Bq/m³ entsprechen 1,6 mSv. Wie oft passen 100 in 780?„Berechnen“ heißt: Ansatz hinschreiben und ausrechnen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Zwei Dinge spielen zusammen: Woher kommt das Gas — und was passiert mit ihm in einem Raum ohne Fenster?
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Über 300 Bq/m³ liegen der Werkraum (420 Bq/m³) und das Archiv (780 Bq/m³).

Physiksammlung (60) und Klassenraum (110) liegen deutlich darunter.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

780 Bq/m³ : 100 Bq/m³ = 7,8

7,8 · 1,6 mSv = 12,5 mSv zusätzlich pro Jahr.

Das ist mehr als das Dreifache der mittleren deutschen Jahresdosis von rund 4 mSv und liegt weit über dem Grenzwert von 1 mSv zusätzlicher Dosis für die Bevölkerung. Realistisch hält sich niemand ganzjährig dort auf — die Zahl zeigt aber, warum solche Räume saniert oder zwangsbelüftet werden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Radon entsteht durch den Zerfall von Uran im Erdreich und dringt von unten in das Gebäude ein. Die Kellerräume haben direkten Kontakt zum Boden, die oberen Stockwerke nicht.

Hinzu kommt der Luftaustausch: Im fensterlosen Archiv kann das Gas nicht entweichen und reichert sich an, während in Räumen mit Fenstern regelmäßig gelüftet wird. Deshalb liegt das Archiv trotz gleicher Bodenverhältnisse noch einmal deutlich über dem Werkraum.

2

Die Klassenfahrt nach Kanada

AFB II

Eine Klasse fliegt nach Vancouver: 10 Stunden hin, 10 Stunden zurück. In Reiseflughöhe beträgt die Dosisleistung durch kosmische Strahlung etwa 0,005 mSv pro Stunde, am Boden in Deutschland dagegen nur etwa 0,00004 mSv pro Stunde.

  1. Berechnen Sie die Dosis, die ein Schüler während der beiden Flüge zusätzlich aufnimmt.
  2. Bestimmen Sie, wie vielen Tagen am Boden diese Dosis entspricht.
  3. Beurteilen Sie die Aussage eines Mitschülers: „Wegen der Strahlung sollte man gar nicht mehr fliegen.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Zuerst die gesamte Flugzeit bestimmen, dann mit der Dosisleistung multiplizieren.
Hinweis zu Aufgabe b)
Rechnen Sie zuerst die Dosis eines Tages am Boden aus (24 Stunden) und teilen Sie die Flugdosis dadurch.
Hinweis zu Aufgabe c)
Setzen Sie Ihr Ergebnis in Beziehung zur mittleren Jahresdosis von rund 4 mSv und zum Grenzwert von 1 mSv zusätzlicher Dosis. Ein Urteil braucht beide Seiten: Was spricht dafür, was dagegen?„Beurteilen“ verlangt ein eigenes, begründetes Urteil — nicht nur Zahlen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Gesamte Flugzeit: 10 h + 10 h = 20 h

Dosis: 20 h · 0,005 mSv/h = 0,1 mSv

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ein Tag am Boden: 24 h · 0,00004 mSv/h = 0,00096 mSv ≈ 0,001 mSv

0,1 mSv : 0,00096 mSv ≈ 104 Tage, also rund dreieinhalb Monate.

Der Hin- und Rückflug ersetzt strahlungsmäßig also etwa ein Vierteljahr am Boden.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Aussage ist in dieser Schärfe nicht haltbar. 0,1 mSv sind rund 2,5 % der mittleren Jahresdosis von etwa 4 mSv und liegen weit unter dem Grenzwert von 1 mSv für zusätzliche Dosis. Ein Zahnröntgen (0,01 mSv) ist zehnmal kleiner, ein CT des Kopfes (2 mSv) zwanzigmal größer als dieser Flug.

Richtig an der Aussage ist, dass die Dosis nicht null ist und sich bei Vielfliegern summiert: Bei 600 Flugstunden im Jahr kommen 3 mSv zusammen, weshalb fliegendes Personal überwacht wird.

Urteil: Für einen Schüler mit einer Fernreise ist die Strahlung kein Grund, auf das Fliegen zu verzichten; wer beruflich täglich fliegt, muss sie dagegen ernst nehmen. (Andere Gründe gegen das Fliegen, etwa das Klima, sind hier nicht gefragt.)

3

Zwei Wohnorte im Vergleich

AFB II

Zwei Familien vergleichen ihre Jahresdosis. Familie Arend wohnt im norddeutschen Flachland, Familie Bilek im Erzgebirge (M2). Beide hatten in diesem Jahr keine medizinische Untersuchung.

M2Natürliche Jahresdosis in mSv
QuelleFamilie Arend (Flachland)Familie Bilek (Erzgebirge)
Radon0,71,8
Boden und Gestein0,30,6
kosmische Strahlung0,30,35
Nahrung und Körper0,30,3

Alle Werte sind gerundete Richtwerte für eine Jahresdosis in Millisievert.

  1. Berechnen Sie beide Jahresdosen und die Differenz.
  2. Erklären Sie, warum sich vor allem die ersten beiden Zeilen unterscheiden, die letzte aber gar nicht.
  3. Bestimmen Sie, wie viele Röntgenaufnahmen der Lunge (je 0,05 mSv) Familie Arend bräuchte, um die Differenz auszugleichen.
  4. Bewerten Sie, ob Familie Bilek nach dem Grenzwert von 1 mSv zusätzlicher Dosis für die Bevölkerung umziehen müsste.
Hinweis zu Aufgabe a)
Spaltenweise addieren, dann die kleinere Summe von der größeren abziehen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Woher stammt Radon, woher die Strahlung des Gesteins — und woher das Kalium-40 im Körper?
Hinweis zu Aufgabe c)
Teilen Sie die Differenz durch die Dosis einer einzelnen Aufnahme.
Hinweis zu Aufgabe d)
Prüfen Sie genau, wofür der Grenzwert von 1 mSv gilt — für die gesamte Dosis oder nur für einen bestimmten Teil davon?Hier entscheidet der Geltungsbereich des Grenzwerts, nicht die Größe der Zahl.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Arend: 0,7 + 0,3 + 0,3 + 0,3 = 1,6 mSv

Bilek: 1,8 + 0,6 + 0,35 + 0,3 = 3,05 mSv

Differenz: 3,05 − 1,6 = 1,45 mSv; Familie Bilek erhält also fast die doppelte natürliche Dosis.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Radon sowie die Strahlung aus Boden und Gestein hängen davon ab, wie viel Uran, Thorium und Kalium im Untergrund und im Baumaterial stecken. Granit im Erzgebirge enthält davon deutlich mehr als die Sande und Lehme des Flachlands — deshalb sind genau diese beiden Zeilen erhöht.

Die letzte Zeile ist überall gleich, weil sie vom Körper selbst stammt: Der Kalium-Gehalt eines Menschen und der Kalium-40-Anteil darin sind vom Wohnort unabhängig. Die kosmische Strahlung liegt dazwischen — sie steigt nur leicht, weil das Erzgebirge etwas höher liegt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

1,45 mSv : 0,05 mSv = 29 Aufnahmen

Familie Arend müsste sich also 29-mal im Jahr die Lunge röntgen lassen, um auf dieselbe Dosis zu kommen wie Familie Bilek durch ihren Wohnort.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Nein. Der Grenzwert von 1 mSv im Jahr gilt für zusätzliche, künstliche Strahlenbelastung, also für das, was durch menschliche Tätigkeiten wie Kerntechnik oder Industrie hinzukommt. Die natürliche Strahlung des Wohnorts fällt nicht darunter — sonst wären ganze Regionen Deutschlands unbewohnbar.

Sinnvoll ist stattdessen, die größte beeinflussbare Quelle zu senken: regelmäßiges Lüften, abgedichtete Kellerdurchführungen und gegebenenfalls eine Radonmessung. Ein Umzug ist dafür nicht nötig.

4

Nutzen und Risiko einer CT-Untersuchung

AFB II

Nach einem Fahrradunfall soll bei einer 16-jährigen Schülerin der Bauchraum untersucht werden. Die Ärztin nennt drei Möglichkeiten (M3) und erklärt, dass in der Medizin immer Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen werden.

M3Drei Untersuchungsverfahren
VerfahrenDosisAussagekraft bei inneren Blutungen
Ultraschall0 mSvbegrenzt, stark von der Erfahrung abhängig
Röntgen (Übersicht)0,7 mSvmäßig, Weichteile kaum erkennbar
CT des Bauchs10 mSvsehr hoch, Blutungen zuverlässig erkennbar

Ultraschall arbeitet mit Schallwellen und ist damit keine ionisierende Strahlung.

  1. Berechnen Sie, das Wievielfache der mittleren deutschen Jahresdosis (4 mSv) ein CT des Bauchs bedeutet.
  2. Erklären Sie, warum Ultraschall in der Tabelle mit 0 mSv steht, obwohl auch dort etwas ausgesendet wird.
  3. Beurteilen Sie, welches Verfahren die Ärztin wählen sollte, wenn der Ultraschall unklar bleibt und der Verdacht auf eine innere Blutung besteht.
Hinweis zu Aufgabe a)
Das Wievielfache erhält man durch Teilen, nicht durch Abziehen.
Hinweis zu Aufgabe b)
Denken Sie an die dritte Stolperstelle: Nicht jede Strahlung ist ionisierend. Was muss Strahlung können, damit sie in mSv gemessen wird?
Hinweis zu Aufgabe c)
Wägen Sie ab: Was passiert bei einer unerkannten inneren Blutung — und was bedeuten 10 mSv im Vergleich zur Jahresdosis? Beziehen Sie auch das Alter der Patientin ein.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

10 mSv : 4 mSv = 2,5

Ein einziges Bauch-CT entspricht also der Strahlung von zweieinhalb Jahren normalen Lebens in Deutschland.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ultraschall besteht aus Schallwellen, also aus mechanischen Schwingungen des Gewebes. Diese Energie reicht nicht aus, um Elektronen aus Atomen oder Molekülen herauszuschlagen — die Strahlung ist nicht ionisierend.

Millisievert misst aber genau die Wirkung ionisierender Strahlung im Körper. Für Ultraschall ist diese Größe deshalb nicht anwendbar; in der Spalte steht 0 mSv. Dasselbe gilt für Handy- und WLAN-Strahlung.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Bei begründetem Verdacht auf eine innere Blutung sollte das CT durchgeführt werden. Eine übersehene Blutung ist unmittelbar lebensbedrohlich, während 10 mSv das Risiko einer späteren Krebserkrankung nur geringfügig erhöhen. Die Röntgenübersicht ist hier die schlechteste Wahl: Sie bringt Dosis, ohne die Frage zuverlässig zu beantworten.

Das Alter spricht nicht gegen die Untersuchung, mahnt aber zur Sorgfalt: Junges Gewebe reagiert empfindlicher, und die Patientin hat noch viele Jahre, in denen sich ein Schaden zeigen könnte. Deshalb gilt der Grundsatz, so wenig zu strahlen wie möglich und so viel wie nötig — also CT nur bei echtem Verdacht, nicht zur Beruhigung.

5

Die Schlagzeile

AFB III

Eine Lokalzeitung titelt: „Kernkraftwerk verstrahlt unsere Region — Anwohner bekommen mehr Strahlung ab als jeder andere Deutsche.“ Im Artikel steht, das Kraftwerk verursache im Normalbetrieb bei den nächsten Anwohnern 0,01 mSv zusätzliche Jahresdosis. Zum Vergleich nennt der Artikel die mittlere deutsche Jahresdosis von 4 mSv (2,1 mSv natürlich, 1,9 mSv künstlich).

  1. Bestimmen Sie, wie viel Prozent der mittleren Jahresdosis die 0,01 mSv ausmachen.
  2. Begründen Sie mit einer eigenen Rechnung, dass ein Umzug in ein Granitgebiet die Jahresdosis stärker verändert als das Kraftwerk.
  3. Beurteilen Sie die Schlagzeile fachlich.
  4. Entwickeln Sie eine Schlagzeile, die dieselbe Information sachlich richtig wiedergibt, und erläutern Sie Ihre Änderungen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Anteil = Teil geteilt durch Ganzes, anschließend mal 100 %.
Hinweis zu Aufgabe b)
Nehmen Sie zwei Radonwerte aus dem Unterricht, etwa 0,7 mSv im Flachland und 1,8 mSv im Granitgebiet, und vergleichen Sie die Differenz mit 0,01 mSv.
Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfen Sie beide Behauptungen der Schlagzeile einzeln: Stimmt „verstrahlt“? Stimmt „mehr als jeder andere Deutsche“? Belegen Sie jede Antwort mit einer Zahl.
Hinweis zu Aufgabe d)
Eine gute Schlagzeile darf zuspitzen, aber sie darf die Größenordnung nicht verdrehen. Nennen Sie in Ihrer Erläuterung, welches Wort Sie warum ersetzt haben.„Entwickeln“ heißt: eigenes Produkt erstellen und die Entscheidungen dahinter offenlegen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

0,01 mSv : 4 mSv = 0,0025

0,0025 · 100 % = 0,25 %

Das Kraftwerk trägt also ein Vierhundertstel zur Jahresdosis bei.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Radon im Flachland: 0,7 mSv, im Granitgebiet: 1,8 mSv.

Differenz: 1,8 − 0,7 = 1,1 mSv

1,1 mSv : 0,01 mSv = 110

Allein die Änderung beim Radon wiegt also 110 Kernkraftwerke in der Nachbarschaft auf. Zieht man Boden und Gestein hinzu (0,6 statt 0,3 mSv), sind es sogar 1,4 mSv, also der Faktor 140.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Schlagzeile ist in beiden Teilen irreführend.

„Verstrahlt“ suggeriert eine Kontamination mit gesundheitlichen Folgen. Tatsächlich liegen 0,01 mSv bei 0,25 % der Jahresdosis und damit weit unter dem Grenzwert von 1 mSv für zusätzliche künstliche Dosis; die Schwankung durch den Wohnort ist rund hundertmal größer.

„Mehr Strahlung als jeder andere Deutsche“ ist schlicht falsch. Jeder Mensch im Granitgebiet und jeder Patient nach einem CT (2 bis 10 mSv) erhält ein Vielfaches davon. Die Anwohner liegen mit rund 4,01 mSv praktisch im Bundesdurchschnitt.

Nicht falsch ist, dass die Dosis nicht exakt null ist — das rechtfertigt aber weder die Wortwahl noch den Superlativ. Über Risiken bei Störfällen oder über die Endlagerung sagt die Zahl nichts aus; das wären eigene Fragen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Mögliche Schlagzeile: „Kernkraftwerk erhöht Jahresdosis der Anwohner um 0,25 Prozent — Wohnort und Röntgen wiegen deutlich schwerer.“

Erläuterung der Änderungen: „verstrahlt“ wurde durch „erhöht die Jahresdosis“ ersetzt, weil der erste Ausdruck einen Schaden behauptet, den die Zahl nicht hergibt. Der Superlativ „mehr als jeder andere Deutsche“ entfällt, weil er nachweislich falsch ist. Stattdessen nennt die neue Zeile die Größenordnung und einen Vergleichsmaßstab, sodass Leserinnen und Leser die Zahl einordnen können.

Andere sachlich richtige Formulierungen sind ebenso gültig, solange die Größenordnung stimmt und kein Superlativ ohne Beleg auftaucht.