Röntgenaufnahme beim Zahnarzt
AFB IFür eine Röntgenaufnahme des Kiefers bekommt eine Patientin eine Bleischürze umgelegt. Die Assistentin stellt den Röntgenkopf ein, verlässt anschließend den Raum und löst die Aufnahme von einem Bedienplatz hinter einer Wand aus. Die Aufnahme selbst dauert weniger als eine Sekunde; die Assistentin macht an einem Arbeitstag rund vierzig davon.
- Nennen Sie die drei Strahlenschutzmaßnahmen, die in dieser Situation angewendet werden, und ordnen Sie jeder das passende „A“ zu.
- Der Bedienplatz liegt 4 m vom Röntgenkopf entfernt, der Kopf der Patientin nur 0,5 m. Berechnen Sie, um welchen Faktor die Dosis am Bedienplatz allein durch den größeren Abstand kleiner ist.
- Erklären Sie, warum für die Assistentin strengere Maßnahmen gelten als für die Patientin, obwohl die Patientin bei der Aufnahme näher an der Quelle ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Bleischürze — Abschirmung: Das Blei schwächt die Röntgenstrahlung für die Organe, die nicht abgebildet werden sollen. Verlassen des Raums und Bedienung hinter der Wand — Abstand und zusätzlich Abschirmung durch die (bleihaltige) Wand. Sehr kurze Aufnahmedauer — Aufenthaltsdauer: Die Strahlung ist nur den Bruchteil einer Sekunde eingeschaltet.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Der Bedienplatz ist \(4\,\mathrm{m} : 0{,}5\,\mathrm{m} = 8\)-mal so weit entfernt. Nach dem Abstandsgesetz gilt Dosis \(\sim \tfrac{1}{r^2}\), also ist die Dosis dort um den Faktor \(8^2 = 64\) kleiner — sie beträgt nur noch etwa \(1{,}6\,\%\). Die abschirmende Wirkung der Wand kommt zusätzlich dazu.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Entscheidend ist nicht die einzelne Aufnahme, sondern die summierte Dosis. Die Patientin wird vielleicht ein- bis zweimal im Jahr geröntgt; für sie ist die Dosis einer Aufnahme sehr klein gegenüber dem Nutzen der Diagnose. Die Assistentin steht dagegen bei rund vierzig Aufnahmen täglich, also mehreren tausend im Jahr, im selben Raum. Ohne Abstand und Wand käme so eine erhebliche Jahresdosis zusammen. Deshalb gelten für beruflich strahlenexponierte Personen Grenzwerte, ein Dosimeter zur Überwachung und die strikte Regel, den Raum zu verlassen.
Messreihe im Schülerversuch
AFB IIEine Lerngruppe misst mit einem Geiger-Müller-Zählrohr die Zählrate eines γ-Präparats in verschiedenen Abständen. Ohne Präparat zeigt das Zählrohr eine Untergrundrate von \(10\,\tfrac{1}{\mathrm{min}}\) an (natürliche Strahlung). Die Messwerte stehen in Material M1.
| Abstand \(r\) in m | 0,25 | 0,50 | 1,00 | 2,00 |
|---|---|---|---|---|
| gemessene Rate in 1/min | 3210 | 810 | 210 | 60 |
- Begründen Sie, warum von jedem Messwert zunächst die Untergrundrate abgezogen werden muss, und geben Sie die vier Nettoraten an.
- Überprüfen Sie rechnerisch, ob die Nettoraten dem Abstandsgesetz folgen. Verwenden Sie dazu das Produkt \(r^2 \cdot n\).
- Die Gruppe möchte die Nettorate für \(r = 0{,}80\,\mathrm{m}\) vorhersagen. Berechnen Sie den erwarteten Wert und geben Sie an, welche Rate das Zählrohr dann anzeigen würde.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Das Zählrohr registriert auch ohne Präparat Teilchen: kosmische Strahlung, natürliche Radionuklide in Boden, Baustoffen und Luft. Diese Ereignisse gehören nicht zum untersuchten Präparat, sind aber in jedem Messwert enthalten. Nur die um den Untergrund verringerte Rate hängt allein vom Präparat und damit vom Abstand ab. Nettoraten: \(3200\), \(800\), \(200\) und \(50\) jeweils in \(\tfrac{1}{\mathrm{min}}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(0{,}25^2 \cdot 3200 = 0{,}0625 \cdot 3200 = 200\); \(0{,}50^2 \cdot 800 = 0{,}25 \cdot 800 = 200\); \(1{,}00^2 \cdot 200 = 200\); \(2{,}00^2 \cdot 50 = 4 \cdot 50 = 200\). Das Produkt \(r^2 \cdot n\) ist für alle vier Messungen gleich \(200\). Die Nettoraten folgen also dem Abstandsgesetz \(n \sim \tfrac{1}{r^2}\). Hätte man die Untergrundrate nicht abgezogen, wäre das Produkt bei \(r = 2{,}00\,\mathrm{m}\) auf \(240\) angestiegen — der Zusammenhang wäre gerade bei den großen Abständen verdeckt worden.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Aus \(r^2 \cdot n = 200\) folgt \(n = \tfrac{200}{r^2} = \tfrac{200}{0{,}64} = 312{,}5 \approx 313\,\tfrac{1}{\mathrm{min}}\). Das Zählrohr zeigt zusätzlich den Untergrund an, also etwa \(323\,\tfrac{1}{\mathrm{min}}\).
Nach der Schilddrüsenuntersuchung
AFB IIFür eine Schilddrüsenuntersuchung wird einem Patienten ein Radionuklid gespritzt, das γ-Strahlung aussendet und eine Halbwertszeit von 6 Stunden hat. Direkt nach der Untersuchung ist der Patient selbst eine schwache Strahlungsquelle. Eine Pflegekraft war bisher gewohnt, unmittelbar nach der Untersuchung 20 Minuten lang in 0,5 m Abstand am Bett zu arbeiten. Die neue Dienstanweisung sieht vor: erst 6 Stunden warten, dann höchstens 5 Minuten in mindestens 2 m Abstand.
- Berechnen Sie für jede der drei Änderungen einzeln den Faktor, um den sich die Dosis der Pflegekraft ändert.
- Bestimmen Sie den Gesamtfaktor und geben Sie an, wie viel Prozent der bisherigen Dosis übrig bleiben.
- Die Pflegekraft schlägt vor, statt der Wartezeit lieber eine Bleischürze zu tragen. Beurteilen Sie diesen Vorschlag.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Zeit: von 20 min auf 5 min, also Faktor \(\tfrac{5}{20} = \tfrac{1}{4}\). Abstand: von 0,5 m auf 2 m, das ist der vierfache Abstand, also Faktor \(\tfrac{1}{4^2} = \tfrac{1}{16}\). Aktivität: 6 Stunden sind genau eine Halbwertszeit, also Faktor \(\tfrac{1}{2}\).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Gesamtfaktor: \(\tfrac{1}{4} \cdot \tfrac{1}{16} \cdot \tfrac{1}{2} = \tfrac{1}{128}\). Es bleiben \(\tfrac{1}{128} \approx 0{,}0078\), also rund \(0{,}8\,\%\) der bisherigen Dosis übrig — weniger als ein Prozent. Den größten Anteil daran hat der Abstand, weil er quadratisch eingeht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Dafür spricht, dass Blei γ-Strahlung tatsächlich abschwächt und die Schürze im Gegensatz zur Wartezeit den Arbeitsablauf nicht verzögert. Dagegen spricht: Eine Bleischürze ist für Röntgenstrahlung ausgelegt und nur wenige Zehntel Millimeter Blei dick. Die deutlich energiereichere γ-Strahlung eines Radionuklids wird davon nur geringfügig geschwächt — für eine Halbierung bräuchte es rund einen Zentimeter Blei, für 1 % etwa sieben Zentimeter; eine solche Schürze wäre nicht tragbar. Außerdem bedeckt die Schürze nur Rumpf und Becken, während Kopf, Hände und Arme ungeschützt bleiben. Fazit: Der Vorschlag ist abzulehnen. Abstand und Zeit sind hier die wirksamen Maßnahmen; die Wartezeit senkt die Dosis zusätzlich um die Hälfte, ohne dass jemand etwas tragen muss.
Wie dick muss die Abschirmung sein?
AFB IIIIn einem Forschungslabor soll ein γ-Präparat so abgeschirmt werden, dass am Arbeitsplatz nebenan höchstens 1 % der ungeschirmten Strahlung ankommt. Für die verwendete Strahlung gelten die Halbwertsdicken in Material M1. Blei kostet ein Vielfaches von Beton, ist aber wesentlich platzsparender.
| Material | Blei | Beton | Wasser |
|---|---|---|---|
| Halbwertsdicke \(d_{1/2}\) | 1,0 cm | 6,0 cm | 14 cm |
- Bestimmen Sie durch schrittweises Halbieren, wie viele Halbwertsdicken nötig sind, damit höchstens 1 % übrig bleibt, und berechnen Sie daraus die nötige Dicke für Blei und für Beton.
- Ein Kollege schlägt vor, statt der dicken Abschirmung den Arbeitsplatz einfach zu verlegen: bisher steht er 1,0 m entfernt. Berechnen Sie, in welchen Abstand er rücken müsste, um allein durch Abstand auf 1 % zu kommen.
- Entwickeln Sie einen Vorschlag, der beide Maßnahmen kombiniert, sodass eine Bleischicht von nur 3,0 cm ausreicht, und begründen Sie ihn rechnerisch.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Halbierungsreihe: 100 % → 50 % → 25 % → 12,5 % → 6,25 % → 3,125 % → 1,5625 % → 0,78 %. Erst nach der siebten Halbierung liegt der Wert unter 1 % (\(\tfrac{1}{2^7} = \tfrac{1}{128} \approx 0{,}78\,\%\)). Nötige Dicke: Blei \(7 \cdot 1{,}0\,\mathrm{cm} = 7{,}0\,\mathrm{cm}\), Beton \(7 \cdot 6{,}0\,\mathrm{cm} = 42\,\mathrm{cm}\). Sechs Halbwertsdicken (1,56 %) reichen noch nicht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Gefordert ist \(\tfrac{1}{r^2} = \tfrac{1}{100}\), also \(r^2 = 100\) und damit \(r = 10\,\mathrm{m}\) — gemessen vom bisherigen Abstand \(1{,}0\,\mathrm{m}\) aus. Der Arbeitsplatz müsste also zehnmal so weit entfernt stehen. In einem normalen Laborraum ist das nicht umsetzbar; der Vorschlag scheitert am Platz, nicht an der Physik.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
3,0 cm Blei entsprechen drei Halbwertsdicken, also dem Faktor \(\tfrac{1}{2^3} = \tfrac{1}{8}\); es bleiben 12,5 %. Um von dort auf 1 % zu kommen, ist ein weiterer Faktor von \(\tfrac{1}{12{,}5}\) nötig, also \(\tfrac{1}{r^2} \le \tfrac{1}{12{,}5}\) und damit \(r \ge \sqrt{12{,}5} \approx 3{,}5\,\mathrm{m}\). Vorschlag: 3,0 cm Blei direkt um das Präparat (eine kompakte, bezahlbare Bleiburg) und den Arbeitsplatz auf 3,5 m Abstand rücken. Beides zusammen ergibt \(\tfrac{1}{8} \cdot \tfrac{1}{12{,}5} = \tfrac{1}{100}\), also genau 1 %. Der Vergleich zeigt das Grundprinzip: Weil Abschirmung exponentiell und Abstand quadratisch wirkt, ist eine Kombination fast immer günstiger als eine einzelne Maßnahme bis zum Extrem.
Radon im Keller
AFB IIIRadon-222 ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem Boden austritt und sich in schlecht belüfteten Kellern sammelt. Es ist ein α-Strahler. In Deutschland ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Eine Familie misst im Hobbykeller eine erhöhte Radonkonzentration. Der Vater beruhigt: „α-Strahlung wird doch schon von einem Blatt Papier gestoppt — und meine Haut ist dicker als Papier.“
- Widerlegen Sie die Aussage des Vaters fachlich.
- Erklären Sie, warum die Maßnahmen Abstand und Abschirmung hier praktisch wirkungslos sind, und nennen Sie zwei Maßnahmen, die tatsächlich helfen.
- Die Familie überlegt, den Keller künftig nur noch halb so oft und halb so lange zu nutzen. Beurteilen Sie, wie wirksam das ist, und entscheiden Sie, ob das als alleinige Maßnahme genügt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Die Aussage stimmt nur für eine Quelle außerhalb des Körpers: Von außen wird α-Strahlung tatsächlich schon von der obersten, abgestorbenen Hautschicht gestoppt. Radon ist aber ein Gas und wird eingeatmet — die Quelle befindet sich dann in der Lunge, und dort gibt es keine schützende Hautschicht. Gerade weil α-Teilchen so kurze Reichweite haben, geben sie ihre gesamte Energie auf wenigen Mikrometern ab und ionisieren dabei sehr dicht in unmittelbarer Nähe der Zellkerne des Lungengewebes. α-Strahlung ist von außen die harmloseste und von innen die gefährlichste Strahlungsart; die Haut hilft hier nicht, weil sie gar nicht dazwischen liegt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Abstand und Abschirmung setzen beide voraus, dass sich die Quelle außerhalb des Körpers befindet und man etwas dazwischen bringen oder wegrücken kann. Beim eingeatmeten Radon beträgt der Abstand zum Gewebe praktisch null, und zwischen Gas und Zelle lässt sich nichts einbringen. Es bleibt das vierte A: Aufnahme vermeiden und Aktivität senken. Wirksam sind zum Beispiel regelmäßiges Stoßlüften oder eine Lüftungsanlage (die Radonkonzentration sinkt), das Abdichten von Rissen, Bodenfugen und Rohrdurchführungen im Kellerboden (weniger Nachschub aus dem Untergrund) sowie in stärkeren Fällen eine Radondrainage unter der Bodenplatte.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Dosis wächst proportional zur Aufenthaltsdauer. Halb so oft und halb so lange bedeutet den Faktor \(\tfrac{1}{2} \cdot \tfrac{1}{2} = \tfrac{1}{4}\) — die Jahresdosis sinkt auf ein Viertel. Das ist eine echte und sofort wirksame Verbesserung, und sie kostet nichts. Als alleinige Maßnahme genügt sie trotzdem nicht: Ist der Messwert etwa zehnmal so hoch wie der Richtwert, bleibt auch nach der Reduzierung noch das Zweieinhalbfache übrig. Außerdem verteilt sich Radon über Treppenhaus und Schächte auch in die darüberliegenden Wohnräume, in denen sich die Familie ohnehin die meiste Zeit aufhält — dort wirkt die Kellerregel gar nicht. Entscheidung: Die verkürzte Nutzung ist als Sofortmaßnahme sinnvoll, muss aber mit Lüften und dem Abdichten des Kellerbodens kombiniert und durch eine Langzeitmessung überprüft werden.
