Wasser im Labor
AFB IIm Chemieraum wird Wasser aus den Elementen hergestellt. Die Messungen ergeben jedes Mal dasselbe: 1 g Wasserstoff verbindet sich mit 8 g Sauerstoff zu 9 g Wasser. Wird ein Stoff im Überschuss zugegeben, bleibt der Rest unverändert übrig.
- Berechnen Sie, wie viel Gramm Sauerstoff nötig sind, damit 5 g Wasserstoff vollständig zu Wasser reagieren, und wie viel Gramm Wasser dabei entstehen.
- Bestimmen Sie, welcher Stoff übrig bleibt und wie viel davon, wenn 3 g Wasserstoff mit 30 g Sauerstoff zusammengebracht werden.
- Erklären Sie mit Daltons Atommodell, warum das Massenverhältnis 1 : 8 in jedem Versuch gleich bleibt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Das Massenverhältnis Wasserstoff : Sauerstoff ist 1 : 8. Für 5 g Wasserstoff werden \(5 \cdot 8\ \mathrm{g} = 40\ \mathrm{g}\) Sauerstoff benötigt. Es entstehen \(5\ \mathrm{g} + 40\ \mathrm{g} = 45\ \mathrm{g}\) Wasser.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
3 g Wasserstoff können mit \(3 \cdot 8\ \mathrm{g} = 24\ \mathrm{g}\) Sauerstoff reagieren. Von den 30 g Sauerstoff bleiben also \(30\ \mathrm{g} - 24\ \mathrm{g} = 6\ \mathrm{g}\) Sauerstoff übrig. Es entstehen 27 g Wasser; der Wasserstoff wird vollständig verbraucht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Nach Dalton besteht jedes Element aus einer eigenen Atomsorte, und alle Atome einer Sorte haben dieselbe feste Masse. Ein Wasserteilchen enthält immer dieselbe Anzahl von Wasserstoff- und Sauerstoffatomen (2 : 1), weil sich Atome nur als ganze, unteilbare Kugeln verbinden. Eine feste Anzahl von Atomen mit fester Masse ergibt eine feste Masse — deshalb ist das Massenverhältnis in jeder Wasserprobe gleich, unabhängig von der Menge. Ein Überschuss findet keinen Partner und bleibt übrig.
Zwei Oxide des Kohlenstoffs
AFB IIKohlenstoff bildet mit Sauerstoff zwei verschiedene Verbindungen. Beim Wiegen ergibt sich (Material M1): In der ersten Verbindung sind 12 g Kohlenstoff mit 16 g Sauerstoff verbunden, in der zweiten sind 12 g Kohlenstoff mit 32 g Sauerstoff verbunden. Andere Sauerstoffmassen je 12 g Kohlenstoff werden nie gefunden.
Dieselben zwei Atomsorten, zwei verschiedene feste Verhältnisse. Die Sauerstoffmassen je 12 g Kohlenstoff verhalten sich wie 1 : 2 — ein Verhältnis kleiner ganzer Zahlen.
- Bestimmen Sie für beide Verbindungen das Massenverhältnis Kohlenstoff : Sauerstoff in möglichst kleinen ganzen Zahlen.
- Begründen Sie mit Daltons Modell, warum die Sauerstoffmassen der beiden Verbindungen genau im Verhältnis 1 : 2 stehen und nicht etwa 1 : 1,5.
- Beurteilen Sie die Behauptung eines Mitschülers: „Wenn ich lange genug suche, finde ich auch eine Verbindung, in der 12 g Kohlenstoff mit 20 g Sauerstoff verbunden sind.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Verbindung 1: \(12 : 16 = 3 : 4\). Verbindung 2: \(12 : 32 = 3 : 8\). Kohlenstoff bindet in der zweiten Verbindung je Gramm genau doppelt so viel Sauerstoff.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Nach Dalton sind Atome unteilbar und verbinden sich nur in ganzen Anzahlen. Verbindet sich ein Kohlenstoffatom in Verbindung 1 mit einem Sauerstoffatom, so kann es sich in Verbindung 2 nur mit zwei (oder drei, vier …) ganzen Sauerstoffatomen verbinden — nie mit anderthalb. Weil alle Sauerstoffatome dieselbe Masse haben, stehen auch die Sauerstoffmassen in einem Verhältnis ganzer Zahlen, hier 1 : 2.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Behauptung ist nach Daltons Modell nicht haltbar. 20 g Sauerstoff je 12 g Kohlenstoff wären das 1,25-Fache von Verbindung 1, also 1,25 Sauerstoffatome je Kohlenstoffatom. Ein Viertel Atom gibt es nicht, weil Atome unteilbar sind. Möglich wären nur Sauerstoffmassen von 16 g, 32 g, 48 g … je 12 g Kohlenstoff (oder gemeinsame Vielfache wie 24 g Sauerstoff auf 12 g Kohlenstoff bei zwei C-Atomen auf drei O-Atome). Genau diese „Lücken“ zwischen den erlaubten Werten sind eine der stärksten Bestätigungen des Modells.
Eisenwolle auf der Waage
AFB IIZwei Versuche: In einem geschlossenen Glaskolben wird eine Kerze angezündet und abbrennen gelassen — die Waage zeigt vorher und nachher exakt denselben Wert. Anschließend wird 5,6 g Eisenwolle auf einer offenen Waagschale entzündet. Nach dem Abkühlen wiegt das schwarze Verbrennungsprodukt 8,0 g.
- Erklären Sie mit Daltons Modell, warum die Masse im geschlossenen Kolben gleich bleibt, obwohl die Kerze „verschwindet“.
- Erläutern Sie, warum die Eisenwolle schwerer wird, und warum das kein Widerspruch zu Ihrer Erklärung aus a) ist.
- Berechnen Sie, wie viel Gramm Sauerstoff sich mit der Eisenwolle verbunden haben, und geben Sie das Massenverhältnis Eisen : Sauerstoff in kleinen ganzen Zahlen an.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Nach Dalton werden Atome bei einer chemischen Reaktion weder erzeugt noch zerstört, sondern nur neu angeordnet. Die Atome des Kerzenwachses und des Sauerstoffs im Kolben ordnen sich zu neuen Verbindungen (Gasen wie Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf) um. Da jedes Atom seine feste Masse behält und kein Atom den geschlossenen Kolben verlässt oder hineinkommt, bleibt die Gesamtmasse gleich. Die Kerze ist nicht verschwunden — ihre Atome liegen nur unsichtbar als Gas vor.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Beim Verbrennen verbindet sich das Eisen mit Sauerstoff aus der umgebenden Luft. Diese Sauerstoffatome wurden vorher nicht mitgewogen, weil sie sich nicht auf der Waagschale befanden; nachher sind sie fest im Eisenoxid gebunden und zählen mit. Rechnet man den Sauerstoff aus der Luft mit ein, bleibt die Gesamtmasse auch hier erhalten. Der scheinbare Widerspruch entsteht nur, weil das System offen ist — die Atome kommen von außen dazu, sie entstehen nicht.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Sauerstoffmasse: \(8{,}0\ \mathrm{g} - 5{,}6\ \mathrm{g} = 2{,}4\ \mathrm{g}\). Massenverhältnis Eisen : Sauerstoff \(= 5{,}6 : 2{,}4 = 7 : 3\). Wird mehr Eisenwolle verbrannt, bleibt dieses Verhältnis nach Dalton gleich, weil sich stets dieselbe Anzahl Eisen- und Sauerstoffatome zu einem Teilchen der Verbindung zusammenfindet.
Daltons Irrtum beim Wasser
AFB IIIDalton kannte nur das Massenverhältnis des Wassers, 1 g Wasserstoff auf 8 g Sauerstoff. Wie viele Atome sich zu einem Wasserteilchen verbinden, konnte er nicht messen. Er wählte deshalb die einfachste denkbare Annahme: ein Wasserstoffatom auf ein Sauerstoffatom („HO“). Heute wissen wir, dass es zwei Wasserstoffatome auf ein Sauerstoffatom sind (H₂O).
- Berechnen Sie die relative Atommasse des Sauerstoffs (Wasserstoff = 1), die sich aus Daltons Annahme „HO“ ergibt, und vergleichen Sie sie mit dem Wert, der sich aus H₂O ergibt.
- Erklären Sie, warum sich aus dem Massenverhältnis allein nicht entscheiden lässt, ob Wasser aus HO oder aus H₂O besteht.
- Beurteilen Sie die Aussage: „Weil Dalton beim Wasser falsch lag, ist sein Atommodell widerlegt.“
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Annahme HO: Ein H-Atom (Masse 1) steht einem O-Atom gegenüber, und die Massen verhalten sich wie 1 : 8. Also hat das O-Atom die relative Masse 8. Tatsächlich H₂O: Zwei H-Atome (zusammen Masse 2) stehen einem O-Atom gegenüber, und \(2 : m_\mathrm{O} = 1 : 8\) liefert \(m_\mathrm{O} = 16\). Daltons Wert war also nur halb so groß wie der richtige.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die Waage liefert nur das Verhältnis der Gesamtmassen beider Sorten. Dieses Verhältnis ist das Produkt aus Anzahl und Atommasse: \(\frac{n_\mathrm{H} \cdot m_\mathrm{H}}{n_\mathrm{O} \cdot m_\mathrm{O}} = \frac{1}{8}\). Sowohl „1 Atom H mit Masse 1 auf 1 Atom O mit Masse 8“ als auch „2 Atome H mit Masse 1 auf 1 Atom O mit Masse 16“ erfüllen diese Gleichung. Ohne eine zusätzliche Information über die Anzahl der Atome (oder über die Atommasse aus einer anderen Messung) sind beide Deutungen gleichwertig — Dalton musste raten und entschied sich für die einfachste.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Aussage ist nicht haltbar. Falsch war nicht das Atommodell, sondern eine Zusatzannahme (Regel der größten Einfachheit), die Dalton brauchte, weil ihm eine Messung fehlte. Die drei Grundaussagen — unteilbare Atome, eine Sorte je Element mit fester Masse, Verbindung in ganzen Zahlen — bleiben von dem Fehler unberührt; sie erklären das feste Massenverhältnis mit HO genauso wie mit H₂O. Später konnte man mit Gasvolumen-Messungen zeigen, dass 2 : 1 richtig ist, und musste dafür nur die Atommasse des Sauerstoffs korrigieren, nicht das Modell. Ein Modell wird erst dann erschüttert, wenn eine Beobachtung einer seiner Grundaussagen widerspricht — das geschieht erst um 1900 (Aufgabe 5).
Das Modell an seiner Grenze
AFB III1897 untersucht J. J. Thomson die Strahlen in einer fast luftleeren Glasröhre. Ergebnis: Aus der Metallplatte treten negativ geladene Teilchen aus, die rund 2000-mal leichter sind als ein Wasserstoffatom — und zwar dieselben Teilchen, egal aus welchem Metall die Platte besteht.
- Geben Sie an, welche der drei Aussagen Daltons durch diese Beobachtung in Frage gestellt wird, und welche Aussagen unberührt bleiben.
- Erläutern Sie, was die Beobachtung „dieselben Teilchen aus jedem Metall“ über den Aufbau der Atome verrät.
- Beurteilen Sie die Aussage: „Seit 1897 ist Daltons Modell nutzlos und gehört nur noch ins Museum.“ Beziehen Sie dabei die Aufgaben 1 bis 3 mit ein.
Hinweis zu Aufgabe a)
Hinweis zu Aufgabe b)
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
In Frage gestellt wird Aussage 1, die Unteilbarkeit: Wenn aus einem Atom ein viel leichteres Teilchen austritt, muss das Atom aus kleineren Teilen bestehen. Aussage 2 (Kugelform) und Aussage 3 (eine Sorte je Element, feste Masse) werden von der Beobachtung nicht direkt betroffen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Da aus allen Metallen dieselben leichten, negativ geladenen Teilchen austreten, müssen diese Teilchen ein gemeinsamer Baustein aller Atome sein. Atome verschiedener Elemente sind also nicht grundverschiedene Kugeln, sondern aus denselben Bausteinen zusammengesetzt — sie unterscheiden sich in Anzahl und Anordnung dieser Bausteine. Außerdem muss das Atom neben den negativen Teilchen auch positive Ladung enthalten, denn nach außen ist es elektrisch neutral. Genau daraus baut Thomson 1904 sein Modell.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Aussage ist überzogen. Für alle Fragen, in denen es um Anzahl und Masse von Atomen geht, reicht Daltons Kugel weiterhin völlig aus: das feste Massenverhältnis des Wassers (Aufgabe 1), die Verhältnisse kleiner ganzer Zahlen bei den Kohlenstoff-Oxiden (Aufgabe 2) und die Massenerhaltung bei der Verbrennung (Aufgabe 3) werden bis heute genau so mit „unveränderlichen Kugeln fester Masse“ erklärt und berechnet — die Chemie rechnet noch immer mit relativen Atommassen. Nutzlos wird das Modell nur dort, wo das Innere des Atoms eine Rolle spielt: bei elektrischen Erscheinungen, bei der Frage, warum sich Atome überhaupt verbinden, und bei der Radioaktivität. Ein gutes Urteil lautet daher: Dalton ist nicht widerlegt, sondern in seinem Gültigkeitsbereich eingeschränkt — jedes spätere Modell enthält Daltons Aussagen 2 und 3 als Näherung weiter.
