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TextaufgabenBohrs Atommodell

Fünf Sachaufgaben mit Teilaufgaben und vollständigem Erwartungshorizont — von der Natriumdampflampe bis zur Frage, welche Sprünge sichtbares Licht liefern.

1

Die Natriumdampflampe

AFB I

Die gelben Straßenlaternen älterer Bauart sind Natriumdampflampen. In ihnen leuchtet Natriumgas, sobald Strom hindurchfließt. Um zu verstehen, warum gerade Natrium so leicht zum Leuchten zu bringen ist, lohnt ein Blick auf die Hülle des Atoms: Natrium hat 11 Elektronen, Chlor 17 (Material M1).

Nach Bohr bietet jede Schale nur einer festen Anzahl von Elektronen Platz: 2 · n², wobei n die Nummer der Schale ist (K = 1, L = 2, M = 3).

M1Natrium und Chlor im Schalenmodell
11+Natrium — 11 Elektronen17+Chlor — 17 ElektronenKLM

Beide Atome füllen K und L vollständig; der Unterschied steckt allein in der M-Schale.

  1. Gib die maximale Anzahl an Elektronen auf der K-, L- und M-Schale an.
  2. Beschreibe mit Material M1, wie sich die 11 Elektronen des Natriums und die 17 Elektronen des Chlors auf die Schalen verteilen.
  3. Erkläre, warum das elfte Elektron des Natriums nicht ebenfalls auf der L-Schale sitzt, und gib an, welche Energie dieses Elektron im Vergleich zu den zehn anderen hat: eine größere oder eine kleinere.
Hinweis zu Aufgabe a)
Setze n = 1, 2 und 3 in 2 · n² ein.„Gib an“ verlangt nur die drei Zahlen, keine Rechnung.
Hinweis zu Aufgabe b)
Fülle von innen nach außen: erst K bis sie voll ist, dann L, der Rest kommt auf M. Zähle in M1 die gelben Kreise pro Ring.
Hinweis zu Aufgabe c)
Wie viele Plätze hat die L-Schale, und wie viele davon sind bei Natrium schon belegt? Für die Energie: Je weiter außen, desto …„Erkläre“ heißt: mit der Besetzungsregel begründen, nicht nur behaupten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

K-Schale: 2 · 1² = 2 Elektronen. L-Schale: 2 · 2² = 8 Elektronen. M-Schale: 2 · 3² = 18 Elektronen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Natrium: 2 Elektronen auf der K-Schale, 8 auf der L-Schale, das elfte allein auf der M-Schale (2 – 8 – 1).

Chlor: 2 Elektronen auf der K-Schale, 8 auf der L-Schale, die übrigen 7 auf der M-Schale (2 – 8 – 7). Bei beiden Atomen sind K und L voll besetzt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die L-Schale bietet nur 8 Elektronen Platz. Bei Natrium sind diese 8 Plätze mit dem dritten bis zehnten Elektron bereits belegt. Für das elfte Elektron ist die L-Schale voll, es muss auf die nächste, weiter außen liegende Schale ausweichen – die M-Schale.

Weiter außen liegende Schalen gehören zu höheren Energiestufen. Das elfte Elektron hat also eine größere Energie als jedes der zehn inneren Elektronen. Es ist am lockersten gebunden – und genau dieses Elektron lässt sich in der Lampe leicht anregen.

2

Die Farben des Wasserstoffs

AFB II

Leitet man das Licht einer leuchtenden Wasserstoffröhre durch ein Prisma, sieht man keinen durchgehenden Regenbogen, sondern nur einzelne farbige Linien: eine rote, eine blaugrüne und zwei blauviolette. Material M2 zeigt die Energiestufen des Wasserstoffatoms nach Bohr; die K-Schale ist als Nullpunkt gewählt.

Sichtbares Licht besteht aus Lichtquanten mit Energien zwischen etwa 1,65 eV (rot) und 3,1 eV (violett).

M2Energietreppe des Wasserstoffatoms
E in eVK (n = 1)0L (n = 2)10,2M (n = 3)12,1N (n = 4)12,75∞13,6 (Elektron frei)M → LN → LL → Ksichtbares Licht:1,65 eV (rot)bis 3,1 eV (violett)darunter: Infrarotdarüber: Ultraviolett

Die Stufen rücken nach außen immer enger zusammen; oberhalb von 13,6 eV ist das Elektron nicht mehr an den Kern gebunden.

  1. Berechne die Energie des Lichtquants für die drei in M2 eingezeichneten Sprünge M → L, N → L und L → K.
  2. Entscheide für jeden der drei Sprünge, ob das abgegebene Licht sichtbar ist, und gib bei sichtbarem Licht die Farbe an.
  3. Erkläre mit Bohrs Modell, warum Wasserstoff nur einzelne Linien und keinen durchgehenden Regenbogen zeigt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Energie des Lichtquants = Energie der äußeren Schale − Energie der inneren Schale. Lies die Werte an der Treppe ab.
Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche jede Energie mit dem Bereich 1,65 eV bis 3,1 eV. Innerhalb des Bereichs gilt: kleine Energie = rot, große Energie = blau/violett.„Entscheide“ verlangt für jeden Sprung ein Ja oder Nein mit dem Zahlenvergleich als Begründung.
Hinweis zu Aufgabe c)
Was wäre, wenn ein Elektron jede beliebige Energie haben dürfte? Welche Energieunterschiede gäbe es dann?„Erkläre“ heißt: von den festen Stufen auf die festen Farben schließen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

M → L: 12,1 eV − 10,2 eV = 1,9 eV.

N → L: 12,75 eV − 10,2 eV = 2,55 eV.

L → K: 10,2 eV − 0 eV = 10,2 eV.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

M → L mit 1,9 eV liegt zwischen 1,65 eV und 3,1 eV, also sichtbar; nahe am unteren Rand des Bereichs, deshalb rot. Das ist die rote Linie des Wasserstoffs.

N → L mit 2,55 eV liegt ebenfalls im sichtbaren Bereich, weiter oben als 1,9 eV: blaugrünes Licht.

L → K mit 10,2 eV liegt weit oberhalb von 3,1 eV. Dieses Lichtquant ist ultraviolett und für das Auge unsichtbar.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nach Bohr darf ein Elektron nur die festen Energiestufen K, L, M, N … besetzen, nichts dazwischen. Beim Zurückfallen kann es daher nur ganz bestimmte Energiebeträge abgeben – immer genau den Unterschied zweier Stufen.

Weil die Energie des Lichtquants seine Farbe bestimmt, gibt es auch nur ganz bestimmte Farben. Jede erlaubte Stufendifferenz ergibt eine Linie im Spektrum, alle Energien dazwischen kommen nicht vor. Ein durchgehender Regenbogen würde dagegen bedeuten, dass jeder Energieunterschied möglich ist – das wäre nur mit beliebigen Elektronenenergien denkbar, also ohne Stufen.

3

Drei Stöße, drei Ergebnisse

AFB II

In einer Gasentladungsröhre werden Wasserstoffatome von schnellen Teilchen getroffen. Bei einem Stoß kann das Teilchen einen Teil seiner Bewegungsenergie an das Elektron des Atoms abgeben. Das Elektron befindet sich zu Beginn jeweils im Grundzustand auf der K-Schale.

Material M3 zeigt die Energiestufen und drei Stöße mit unterschiedlicher Energie: 5 eV, 11 eV und 12,1 eV.

M3Drei Stöße auf ein Wasserstoffatom im Grundzustand
E in eVK0L10,2M12,1N12,75Stoß 1Teilchen bringt 5 eV mitStoß 2Teilchen bringt 11 eV mitStoß 3Teilchen bringt 12,1 eV mit

Ein Elektron kann nur eine erlaubte Stufe erreichen – der Rest der Energie bleibt beim stoßenden Teilchen.

  1. Entscheide für jeden der drei Stöße, ob das Elektron angeregt werden kann, und gib gegebenenfalls die erreichte Schale an.
  2. Bestimme für Stoß 2, welche Energie das stoßende Teilchen nach dem Stoß höchstens noch als Bewegungsenergie behält.
  3. Begründe, warum bei Stoß 1 überhaupt nichts geschieht, obwohl 5 eV für ein Atom eine große Energie sind.
Hinweis zu Aufgabe a)
Vergleiche die mitgebrachte Energie mit den Stufen 10,2 eV, 12,1 eV und 12,75 eV. Reicht sie mindestens bis zu einer Stufe?
Hinweis zu Aufgabe b)
Das Elektron nimmt genau den Betrag der erreichten Stufe auf, nicht mehr. Was bleibt von 11 eV übrig?„Bestimme“ verlangt den Rechenweg und das Ergebnis mit Einheit.
Hinweis zu Aufgabe c)
Gibt es eine Stufe, die mit 5 eV erreichbar wäre? Was sagt Bohr über Zustände zwischen zwei Stufen?„Begründe“ heißt: mit dem Modell argumentieren, nicht nur die Beobachtung wiederholen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Stoß 1 (5 eV): Die niedrigste erreichbare Stufe ist die L-Schale bei 10,2 eV. 5 eV reichen nicht aus, das Elektron bleibt auf der K-Schale – keine Anregung.

Stoß 2 (11 eV): 11 eV sind mehr als 10,2 eV, aber weniger als 12,1 eV. Das Elektron kann auf die L-Schale gehoben werden, nicht aber auf die M-Schale.

Stoß 3 (12,1 eV): Die Energie entspricht genau der M-Schale. Das Elektron kann auf die M-Schale angeregt werden (ebenso wäre die L-Schale möglich, dann bliebe Energie beim Teilchen).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Das Elektron nimmt beim Sprung K → L genau 10,2 eV auf. Vom stoßenden Teilchen bleiben 11 eV − 10,2 eV = 0,8 eV als Bewegungsenergie übrig.

Das Teilchen fliegt also langsamer weiter, aber nicht mit null Energie – die 0,8 eV kann das Elektron nicht „zusätzlich“ aufnehmen, weil es keine Stufe bei 11 eV gibt.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nach Bohr kann ein Elektron nur von einer erlaubten Stufe zur nächsten wechseln. Zwischen der K-Schale (0 eV) und der L-Schale (10,2 eV) gibt es keinen erlaubten Zustand. Ein Elektron kann daher nicht „ein Stück weit“ angehoben werden.

Mit 5 eV ist keine Stufe erreichbar, also kann das Elektron die Energie gar nicht aufnehmen. Das Teilchen prallt ab und behält seine 5 eV – für das Atom ist der Stoß wirkungslos. Die Größe der Energie allein entscheidet nicht; entscheidend ist, ob sie mindestens bis zur nächsten Stufe reicht.

4

Rutherford oder Bohr?

AFB II

Zwei Modelle des Atoms liegen nur zwei Jahre auseinander. Rutherford schloss 1911 aus seinem Streuversuch auf einen winzigen, positiven Kern und eine Hülle aus Elektronen. Bohr übernahm 1913 diesen Kern, beschrieb die Hülle aber neu (Material M4).

In einer Diskussion sagt Lena: „Bohr hat Rutherford widerlegt, deshalb ist Rutherfords Modell heute wertlos.“

M4Zwei Atommodelle im Vergleich
+Rutherford (1911)Elektronen irgendwo in der Hülle+Bohr (1913)Elektronen nur auf festen Schalen

Der Kern ist in beiden Modellen derselbe – der Unterschied liegt in der Hülle.

  1. Vergleiche die beiden Modelle in M4: Gib an, was Bohr von Rutherford übernommen hat und was er verändert hat.
  2. Erkläre mit Bohrs Modell, warum die Elektronen nicht in den Kern stürzen – und warum Rutherfords Modell diese Frage nicht beantworten konnte.
  3. Nimm Stellung zu Lenas Aussage.
Hinweis zu Aufgabe a)
Schau auf Kern und Hülle getrennt. Was ist links und rechts gleich gezeichnet, was ist anders?„Vergleiche“ verlangt Gemeinsamkeiten und Unterschiede, nach Kriterien geordnet.
Hinweis zu Aufgabe b)
Welche Stufe liegt unterhalb der K-Schale? Und welche Regel fehlte Rutherford, damit die Anziehung zwischen Kern und Elektron nicht zum Absturz führt?
Hinweis zu Aufgabe c)
Was hat Bohr von Rutherford behalten? Kann ein Modell „widerlegt“ und trotzdem ein wichtiger Baustein sein?„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene, begründete Position – nicht nur Zustimmung oder Ablehnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Übernommen: der winzige, positiv geladene Atomkern, der fast die gesamte Masse trägt, und die Hülle aus negativ geladenen Elektronen um ihn herum. Beide Modelle sind Kern-Hülle-Modelle.

Verändert: Bei Rutherford halten sich die Elektronen irgendwo in der Hülle auf, ohne Regel für Abstand und Energie. Bei Bohr dürfen sie nur auf bestimmten Schalen mit festen Energiestufen sitzen; jede Schale hat eine feste Anzahl an Plätzen (2 · n²), und Übergänge sind nur als Sprünge zwischen den Stufen möglich.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Bei Bohr ist die K-Schale die niedrigste erlaubte Energiestufe. Unterhalb davon gibt es keinen Zustand, in den ein Elektron fallen könnte. Ein Elektron auf der K-Schale kann daher keine Energie mehr abgeben und nicht weiter nach innen – es stürzt nicht in den Kern, weil es keinen erlaubten Zielzustand gibt.

Rutherfords Modell kennt keine solchen Stufen. Kern und Elektron ziehen sich an, und nach den Regeln der Elektrik müsste das Elektron immer weiter Energie verlieren und in den Kern fallen. Das Modell liefert keinen Grund, warum das nicht passiert – es beschreibt zwar den Streuversuch richtig, aber nicht die Stabilität des Atoms.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Lenas Aussage ist in dieser Form nicht haltbar. Richtig ist, dass Bohr eine Schwachstelle von Rutherfords Modell beseitigt hat: Rutherford konnte weder die Stabilität der Atome noch die Farben des Lichts erklären.

„Wertlos“ ist Rutherfords Modell aber nicht. Bohr hat den Kern und die Grundidee der Hülle unverändert übernommen; sein Modell ist eine Weiterentwicklung, keine Verwerfung. Ohne Rutherfords Streuversuch wüsste man nicht einmal, dass es einen Kern gibt. Außerdem gilt für Bohrs Modell dasselbe: Es wurde später durch das Orbitalmodell ergänzt und ist trotzdem bis heute nützlich, etwa für die Besetzung 2, 8, 18.

Sinnvoll ist deshalb: Modelle in der Physik lösen einander nicht ab wie richtig und falsch, sondern bauen aufeinander auf. Jedes beschreibt bestimmte Beobachtungen gut und stößt an anderen Stellen an Grenzen.

5

Sichtbar oder nicht? Eine Behauptung auf dem Prüfstand

AFB III

Für das Wasserstoffatom gelten die Energiestufen aus Material M2: K bei 0 eV, L bei 10,2 eV, M bei 12,1 eV, N bei 12,75 eV. Ab 13,6 eV ist das Elektron vom Atom getrennt – das Atom ist ionisiert. Material M5 ordnet die Energie eines Lichtquants der Farbe zu.

In einem Lernvideo heißt es: „Jeder Sprung nach innen erzeugt sichtbares Licht – das ist ja gerade der Grund, warum Gase leuchten.“

M5Energie des Lichtquants und Farbe
024681012Energie des Lichtquants in eVsichtbar: 1,65 – 3,1 eVInfrarotUltraviolett1,92,5510,212,1

Nur Lichtquanten zwischen 1,65 eV und 3,1 eV kann das Auge sehen; die vier Linien sind Sprünge des Wasserstoffs.

  1. Untersuche, welche der sechs möglichen Sprünge nach innen zwischen den Schalen K, L, M und N sichtbares Licht liefern. Berechne dazu alle sechs Energien.
  2. Widerlege die Behauptung aus dem Lernvideo und gib an, was an ihr dennoch richtig ist.
  3. Bestimme, welche Energie ein Lichtquant mindestens haben muss, um ein Elektron von der L-Schale aus dem Atom herauszulösen, und beurteile, was mit einem Lichtquant von 13,0 eV geschieht, das ein Atom im Grundzustand trifft.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die sechs Sprünge sind L→K, M→K, N→K, M→L, N→L und N→M. Rechne jeweils außen minus innen und vergleiche mit 1,65 eV bis 3,1 eV.„Untersuche“ verlangt eine vollständige Fallunterscheidung, nicht nur ein Beispiel.
Hinweis zu Aufgabe b)
Ein einziges Gegenbeispiel genügt zum Widerlegen. Überlege danach, welche Sprünge das Leuchten der Gase tatsächlich verursachen.„Widerlegen“ heißt: die Unrichtigkeit nachweisen – hier durch ein Gegenbeispiel mit Zahlen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Das Elektron auf L hat bereits 10,2 eV. Wie viel fehlt bis 13,6 eV? Für den zweiten Teil: Gibt es eine Stufe bei 13,0 eV? Reicht die Energie zum Ionisieren?„Beurteile“ verlangt eine Entscheidung mit Begründung aus dem Modell.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

L → K: 10,2 eV; M → K: 12,1 eV; N → K: 12,75 eV. Alle drei liegen weit oberhalb von 3,1 eV – ultraviolett, unsichtbar.

M → L: 12,1 eV − 10,2 eV = 1,9 eV – sichtbar, rot. N → L: 12,75 eV − 10,2 eV = 2,55 eV – sichtbar, blaugrün.

N → M: 12,75 eV − 12,1 eV = 0,65 eV – unterhalb von 1,65 eV, infrarot, unsichtbar.

Ergebnis: Von sechs Sprüngen liefern nur die beiden, die auf der L-Schale enden, sichtbares Licht. Sprünge auf die K-Schale sind zu energiereich, der Sprung N → M zu energiearm.

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Gegenbeispiel: Der Sprung L → K ist ein Sprung nach innen und erzeugt ein Lichtquant mit 10,2 eV. Das liegt weit außerhalb des sichtbaren Bereichs von 1,65 eV bis 3,1 eV – es ist ultraviolett. Ebenso ist N → M mit 0,65 eV ein Sprung nach innen, der nur infrarotes Licht erzeugt. Die Behauptung „jeder Sprung nach innen erzeugt sichtbares Licht“ ist damit widerlegt.

Richtig an der Aussage ist: Jeder Sprung nach innen erzeugt ein Lichtquant, und das sichtbare Leuchten der Gase kommt tatsächlich von solchen Sprüngen – bei Wasserstoff von M → L (rot) und N → L (blaugrün). Falsch ist nur das Wort „jeder“: Ob das Licht sichtbar ist, entscheidet allein die Energiedifferenz.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Ein Elektron auf der L-Schale hat 10,2 eV. Bis zur Grenze von 13,6 eV fehlen 13,6 eV − 10,2 eV = 3,4 eV. Ein Lichtquant mit mindestens 3,4 eV kann das Elektron von der L-Schale aus dem Atom herauslösen.

Ein Lichtquant mit 13,0 eV trifft ein Atom im Grundzustand (0 eV). Zum Ionisieren fehlen 0,6 eV, also bleibt das Elektron gebunden. Für eine Anregung müsste die Energie genau einer Stufe entsprechen: 10,2 eV, 12,1 eV oder 12,75 eV – 13,0 eV passt zu keiner davon. Anders als beim Stoß in Aufgabe 3 kann ein Lichtquant seine Energie nicht teilweise abgeben; es wird entweder ganz aufgenommen oder gar nicht.

Beurteilung: Das Lichtquant wird nicht aufgenommen, das Atom bleibt im Grundzustand. Gerade dieses Verhalten zeigt die Stufenidee besonders deutlich – mehr Energie hilft nicht, wenn sie keine Stufe trifft. Erst ab 13,6 eV ist wieder jede Energie „erlaubt“, weil das freie Elektron den Überschuss als Bewegungsenergie mitnehmen kann.