MINT lernen

Abituraufgaben: Die Gaußsche Glockenkurve

Wie groß ist „normal groß“ — und warum liegen alle Wendepunkte auf einer Hyperbel?

Dein Fortschritt:
0 / 0 Aufgaben
1

Wie groß sind Frauen?

AFB I–II

Die Körpergröße \(X\) erwachsener Frauen in Deutschland wird durch eine Normalverteilung mit \(\mu=166\,\mathrm{cm}\) und \(\sigma=6{,}5\,\mathrm{cm}\) beschrieben.

Körpergröße erwachsener Frauen
153159,5166172,5179Körpergröße in cm
Modell: \(\mu=166\,\mathrm{cm}\), \(\sigma=6{,}5\,\mathrm{cm}\).
  1. Geben Sie die Koordinaten des Hochpunkts und die Wendestellen der Dichtefunktion an.
  2. Skizzieren Sie den Graphen der Dichtefunktion im Bereich von 140 cm bis 192 cm.
  3. Berechnen Sie den Anteil der Frauen, die zwischen 159,5 cm und 172,5 cm groß sind.
  4. Interpretieren Sie den Wert \(f(166)\approx0{,}061\) im Sachzusammenhang.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Hochpunkt bei μ, Wendestellen im Abstand σ.
Hinweis zu Aufgabe b)
Hochpunkt, Wendepunkte und Symmetrie eintragen.Keine Wertetabelle nötig.
Hinweis zu Aufgabe c)
Grenzen sind genau μ ± σ.
Hinweis zu Aufgabe d)
Ist \(f(166)\) eine Wahrscheinlichkeit?

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Hochpunkt \(H(166\,|\,\tfrac1{6{,}5\sqrt{2\pi}})\approx H(166\,|\,0{,}0614)\); Wendestellen bei \(159{,}5\) und \(172{,}5\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Glockenförmiger Graph, symmetrisch zu \(x=166\), Hochpunkt bei etwa 0,061, Wendepunkte bei 159,5 und 172,5 (Höhe etwa 0,037), nähert sich zu beiden Seiten der Achse, ohne sie zu erreichen.

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(P(159{,}5\le X\le172{,}5)=\text{normCdf}(159.5,172.5,166,6.5)\approx0{,}6827\) — etwa 68,3 %.

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

Es ist keine Wahrscheinlichkeit, sondern eine Dichte: Für ein schmales Intervall der Breite \(\Delta x\) um 166 cm ist \(P\approx0{,}061\cdot\Delta x\), z. B. etwa 6 % für 165,5 cm bis 166,5 cm. Die Wahrscheinlichkeit für genau 166 cm ist 0.

2

Die Glocke analysieren

AFB II–III

Betrachtet wird die Schar \(f_\sigma(x)=\dfrac{1}{\sigma\sqrt{2\pi}}\,e^{-\frac{x^2}{2\sigma^2}}\) mit \(\sigma>0\) (Normalverteilungen mit \(\mu=0\)).

Ein Mitschüler behauptet: „Verdoppelt man σ, halbiert sich jeder Funktionswert.“

Standardnormalverteilung
0,10,20,30,4-4-3-2-101234WWxφ(x)
Standardnormalverteilung \(\mu=0\), \(\sigma=1\); W: Wendestellen.
  1. Zeigen Sie, dass \(f_\sigma'(x)=-\dfrac{x}{\sigma^2}\,f_\sigma(x)\) gilt, und folgern Sie die Lage des Hochpunkts.
  2. Leiten Sie die Wendestellen von \(f_\sigma\) her.
  3. Untersuchen Sie, auf welcher Kurve alle Wendepunkte der Schar liegen.
  4. Widerlegen Sie die Behauptung des Mitschülers.

Hinweise

Hinweis zu Aufgabe a)
Kettenregel auf den Exponenten anwenden.
Hinweis zu Aufgabe b)
Produktregel auf \(-\tfrac{x}{\sigma^2}f_\sigma(x)\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Wendepunkt \((\sigma\,|\,f_\sigma(\sigma))\) berechnen und \(\sigma\) durch \(x\) ersetzen.Ortskurve wie in Kapitel 5.
Hinweis zu Aufgabe d)
Ein Gegenbeispiel an einer Stelle abseits von 0 suchen.Ein einziges Gegenbeispiel reicht.

Erwartungshorizont

Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die innere Ableitung von \(-\tfrac{x^2}{2\sigma^2}\) ist \(-\tfrac{x}{\sigma^2}\), also \(f_\sigma'(x)=-\tfrac{x}{\sigma^2}f_\sigma(x)\). Da \(f_\sigma(x)>0\), ist \(f_\sigma'(x)=0\iff x=0\); links positiv, rechts negativ → Hochpunkt bei \(x=0\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(f_\sigma''(x)=-\tfrac1{\sigma^2}f_\sigma(x)+\tfrac{x^2}{\sigma^4}f_\sigma(x)=\tfrac{x^2-\sigma^2}{\sigma^4}f_\sigma(x)\). Null für \(x=\pm\sigma\), dort Vorzeichenwechsel → Wendestellen \(x=\pm\sigma\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(f_\sigma(\sigma)=\tfrac1{\sigma\sqrt{2\pi}}e^{-1/2}=\tfrac1{\sigma\sqrt{2\pi e}}\). Mit \(x=\sigma\) (rechte Wendestelle) liegen die Wendepunkte auf \(y=\tfrac{1}{x\sqrt{2\pi e}}\approx\tfrac{0{,}242}{x}\), links symmetrisch auf \(y=\tfrac1{|x|\sqrt{2\pi e}}\).

Erwartungshorizont zu Aufgabe d)

An der Stelle \(x=2\): \(f_1(2)\approx0{,}054\), aber \(f_2(2)\approx0{,}121\) — der Wert ist größer geworden, nicht halbiert. Nur am Hochpunkt halbiert sich der Wert; in den Flanken wird die breitere Kurve höher, damit die Fläche 1 bleibt.