Die Varianz eines Vokabeltests
AFB IIn einer Lerngruppe haben acht Schülerinnen und Schüler denselben Vokabeltest geschrieben. Erfasst wird die erreichte Punktzahl \(x\) mit \([x] = \mathrm{Punkte}\); höchstens 40 Punkte waren erreichbar (Material M1). Die Lehrkraft möchte neben dem Notendurchschnitt auch angeben, wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen.
| Person | A | B | C | D | E | F | G | H |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 26 | 30 | 22 | 34 | 28 | 24 | 32 | 28 |
- Berechnen Sie das arithmetische Mittel \(\bar x\) der acht Punktzahlen.
- Berechnen Sie die empirische Varianz \(\bar s^{\,2}\) der Punktzahlen.
- Geben Sie die Einheit von \(\bar s^{\,2}\) an und beschreiben Sie, was ein großer Wert von \(\bar s^{\,2}\) für die Lerngruppe bedeuten würde.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\bar x = \dfrac{26 + 30 + 22 + 34 + 28 + 24 + 32 + 28}{8}\,\mathrm{Punkte} = \dfrac{224\,\mathrm{Punkte}}{8} = 28\,\mathrm{Punkte}\).
Im Mittel wurden also 28 der 40 möglichen Punkte erreicht.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die Abweichungen und ihre Quadrate lauten:
\(26-28 = -2 \Rightarrow 4\); \(30-28 = 2 \Rightarrow 4\); \(22-28 = -6 \Rightarrow 36\); \(34-28 = 6 \Rightarrow 36\); \(28-28 = 0 \Rightarrow 0\); \(24-28 = -4 \Rightarrow 16\); \(32-28 = 4 \Rightarrow 16\); \(28-28 = 0 \Rightarrow 0\).
Summe der quadrierten Abweichungen: \(4+4+36+36+0+16+16+0 = 112\).
\(\bar s^{\,2} = \dfrac{112\,\mathrm{Punkte}^2}{8} = 14\,\mathrm{Punkte}^2\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Einheit ist \(\mathrm{Punkte}^2\), denn beim Quadrieren der Abweichungen wird auch deren Einheit quadriert: \([\bar s^{\,2}] = \mathrm{Punkte}^2\).
Ein großer Wert von \(\bar s^{\,2}\) bedeutet, dass die Punktzahlen im Mittel weit vom Durchschnitt 28 Punkte entfernt liegen, die Lerngruppe also sehr unterschiedlich abgeschnitten hat — mit sehr starken und sehr schwachen Ergebnissen nebeneinander. Ein kleiner Wert bedeutet umgekehrt, dass fast alle nahe am Durchschnitt liegen und die Gruppe leistungsmäßig einheitlich ist. Weil jede Abweichung quadriert wird, schlägt dabei ein einzelnes sehr schwaches oder sehr starkes Ergebnis besonders stark durch.
Lieferzeiten eines Onlineshops
AFB IIEin Onlineshop wertet die Lieferzeit \(x\) mit \([x] = \mathrm{Tage}\) von 50 Bestellungen aus. Die Daten liegen nicht als Urliste, sondern als Häufigkeitstabelle vor (Material M1). Der Shop wirbt mit der Aussage: „Lieferung in durchschnittlich drei Tagen.“
| Lieferzeit \(x_i\) in Tagen | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
|---|---|---|---|---|---|
| absolute Häufigkeit \(a_i\) | 5 | 12 | 16 | 12 | 5 |
- Berechnen Sie aus den absoluten Häufigkeiten das arithmetische Mittel \(\bar x\) und die empirische Varianz \(\bar s^{\,2}\) der Lieferzeiten.
- Zeigen Sie, dass die Rechnung mit den relativen Häufigkeiten \(h(x_i)\) denselben Wert für \(\bar s^{\,2}\) liefert.
- Deuten Sie die Einheit der Varianz im Sachzusammenhang und erläutern Sie, warum die Werbeaussage des Shops die Kundschaft unvollständig informiert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\bar x = \dfrac{1\cdot 5 + 2\cdot 12 + 3\cdot 16 + 4\cdot 12 + 5\cdot 5}{50}\,\mathrm{Tage} = \dfrac{5 + 24 + 48 + 48 + 25}{50}\,\mathrm{Tage} = \dfrac{150\,\mathrm{Tage}}{50} = 3\,\mathrm{Tage}\).
Die gewichteten quadrierten Abweichungen sind \((1-3)^2\cdot 5 = 20\); \((2-3)^2\cdot 12 = 12\); \((3-3)^2\cdot 16 = 0\); \((4-3)^2\cdot 12 = 12\); \((5-3)^2\cdot 5 = 20\), zusammen \(20+12+0+12+20 = 64\).
\(\bar s^{\,2} = \dfrac{64\,\mathrm{Tage}^2}{50} = 1{,}28\,\mathrm{Tage}^2\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Die relativen Häufigkeiten sind \(h(1) = \dfrac{5}{50} = 0{,}10\); \(h(2) = \dfrac{12}{50} = 0{,}24\); \(h(3) = \dfrac{16}{50} = 0{,}32\); \(h(4) = 0{,}24\); \(h(5) = 0{,}10\). Ihre Summe ist \(0{,}10+0{,}24+0{,}32+0{,}24+0{,}10 = 1{,}00\).
\(\bar s^{\,2} = (1-3)^2\cdot 0{,}10 + (2-3)^2\cdot 0{,}24 + (3-3)^2\cdot 0{,}32 + (4-3)^2\cdot 0{,}24 + (5-3)^2\cdot 0{,}10\)
\(= 0{,}40 + 0{,}24 + 0 + 0{,}24 + 0{,}40 = 1{,}28\,\mathrm{Tage}^2\).
Beide Wege führen zu \(1{,}28\,\mathrm{Tage}^2\). Das war zu erwarten, denn die Division durch \(n\) ist im Nenner der relativen Häufigkeiten bereits enthalten: \(\dfrac{(x_i-\bar x)^2 a_i}{n} = (x_i-\bar x)^2\cdot h(x_i)\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Die Varianz trägt die quadrierte Einheit des Merkmals, hier also \(\mathrm{Tage}^2\). Die Aussage „die Lieferzeiten streuen um \(1{,}28\,\mathrm{Tage}^2\)“ lässt sich nicht neben die Messwerte stellen, denn diese sind in Tagen angegeben; Quadrattage sind keine Größe, die eine Kundin sich vorstellen könnte. Erst die Wurzel \(\bar s = \sqrt{1{,}28\,\mathrm{Tage}^2}\approx 1{,}13\,\mathrm{Tage}\) führt zurück in die Einheit der Daten.
Die Werbeaussage nennt nur den Mittelwert. Er ist richtig, sagt aber nichts darüber, wie verlässlich die drei Tage sind: Nur 16 der 50 Bestellungen, also \(32\,\%\), wurden tatsächlich nach genau drei Tagen geliefert; 5 Bestellungen brauchten fünf Tage. Wer knapp plant — etwa ein Geschenk zum Wochenende —, muss gerade diese Streuung kennen. Zur vollständigen Information gehört deshalb neben dem Mittelwert ein Streuungsmaß, sinnvollerweise in der Einheit Tage.
Zwei Wege einer Lohnerhöhung
AFB IIIn einem Handwerksbetrieb arbeiten fünf Gesellen. Ihre Stundenlöhne \(x\) mit \([x] = \mathrm{Euro}\) betragen 14; 15; 17; 19 und 20 Euro. Die Geschäftsführung erwägt zwei Varianten einer Lohnerhöhung:
Variante 1: Jeder Lohn wird um 1,50 Euro erhöht. Variante 2: Jeder Lohn wird um 5 % erhöht, also mit dem Faktor 1,05 multipliziert.
- Berechnen Sie das arithmetische Mittel \(\bar x\) und die empirische Varianz \(\bar s^{\,2}\) der fünf ursprünglichen Stundenlöhne.
- Berechnen Sie Mittelwert und Varianz für beide Varianten.
- Begründen Sie allgemein, wie sich die Varianz ändert, wenn zu allen Werten dieselbe Konstante \(c\) addiert bzw. wenn alle Werte mit demselben Faktor \(k\) multipliziert werden.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\bar x = \dfrac{14+15+17+19+20}{5}\,\mathrm{Euro} = \dfrac{85\,\mathrm{Euro}}{5} = 17\,\mathrm{Euro}\).
Abweichungen: \(-3\); \(-2\); \(0\); \(2\); \(3\); Quadrate: \(9\); \(4\); \(0\); \(4\); \(9\) mit der Summe \(26\).
\(\bar s^{\,2} = \dfrac{26\,\mathrm{Euro}^2}{5} = 5{,}2\,\mathrm{Euro}^2\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Variante 1 (\(+1{,}50\) Euro): Die neuen Löhne sind 15,50; 16,50; 18,50; 20,50 und 21,50 Euro mit der Summe 92,50 Euro, also \(\bar x = \dfrac{92{,}50\,\mathrm{Euro}}{5} = 18{,}50\,\mathrm{Euro}\). Die Abweichungen lauten wieder \(-3\); \(-2\); \(0\); \(2\); \(3\), damit ist \(\bar s^{\,2} = \dfrac{26\,\mathrm{Euro}^2}{5} = 5{,}2\,\mathrm{Euro}^2\) — unverändert.
Variante 2 (\(\cdot\,1{,}05\)): Die neuen Löhne sind 14,70; 15,75; 17,85; 19,95 und 21,00 Euro mit der Summe 89,25 Euro, also \(\bar x = \dfrac{89{,}25\,\mathrm{Euro}}{5} = 17{,}85\,\mathrm{Euro} = 1{,}05\cdot 17\,\mathrm{Euro}\). Die Abweichungen sind \(-3{,}15\); \(-2{,}10\); \(0\); \(2{,}10\); \(3{,}15\), ihre Quadrate \(9{,}9225\); \(4{,}41\); \(0\); \(4{,}41\); \(9{,}9225\) mit der Summe \(28{,}665\). Damit ist \(\bar s^{\,2} = \dfrac{28{,}665\,\mathrm{Euro}^2}{5} = 5{,}733\,\mathrm{Euro}^2\), also genau \(1{,}05^2 = 1{,}1025\) mal so groß wie vorher.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Addition einer Konstanten \(c\): Aus den Werten \(x_i\) werden \(x_i + c\). Für den Mittelwert gilt \(\dfrac{\sum (x_i + c)}{n} = \dfrac{\sum x_i + n c}{n} = \bar x + c\). Jede einzelne Abweichung bleibt deshalb unverändert:
\((x_i + c) - (\bar x + c) = x_i - \bar x\).
Da sich keine der quadrierten Abweichungen ändert, bleibt auch die Varianz gleich: \(\bar s^{\,2}_{\text{neu}} = \bar s^{\,2}\). Anschaulich wird der ganze Datensatz nur verschoben, seine innere Streuung bleibt dieselbe.
Multiplikation mit einem Faktor \(k\): Aus den Werten \(x_i\) werden \(k\cdot x_i\), der Mittelwert wird \(k\cdot\bar x\). Für die Abweichungen gilt \(k x_i - k\bar x = k(x_i - \bar x)\), für die Quadrate also \(k^2 (x_i - \bar x)^2\). Damit ist
\(\bar s^{\,2}_{\text{neu}} = \dfrac{\sum k^2 (x_i - \bar x)^2}{n} = k^2\cdot\bar s^{\,2}\).
Die Varianz wird mit \(k^2\) multipliziert, hier also mit \(1{,}05^2 = 1{,}1025\): \(5{,}2\cdot 1{,}1025 = 5{,}733\), was mit b) übereinstimmt. Für den Betrieb bedeutet das: Variante 1 lässt die Lohnunterschiede genau so groß wie zuvor, Variante 2 vergrößert sie.
Sollmaß und Mittelwert in der Fertigung
AFB IIIEine Drehmaschine soll Bolzen mit dem Sollmaß \(20{,}0\,\mathrm{mm}\) fertigen. Aus der laufenden Produktion werden fünf Bolzen entnommen und ihr Durchmesser \(x\) mit \([x] = \mathrm{mm}\) gemessen: 19,8; 19,9; 20,0; 20,2 und 20,6 mm.
Der Qualitätsbeauftragte hält fest: „Die Varianz misst, wie weit die Bolzen vom Sollmaß abweichen.“
- Berechnen Sie das arithmetische Mittel \(\bar x\) und die empirische Varianz \(\bar s^{\,2}\) der fünf Messwerte.
- Berechnen Sie die mittlere quadratische Abweichung vom Sollmaß, also \(\dfrac{1}{n}\left((x_1 - 20{,}0)^2 + \dots + (x_5 - 20{,}0)^2\right)\), und vergleichen Sie sie mit \(\bar s^{\,2}\).
- Leiten Sie allgemein her, dass für jede Zahl \(c\) die Beziehung \(\dfrac{1}{n}\sum (x_i - c)^2 = \bar s^{\,2} + (\bar x - c)^2\) gilt, und beurteilen Sie damit die Aussage des Qualitätsbeauftragten.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
\(\bar x = \dfrac{19{,}8 + 19{,}9 + 20{,}0 + 20{,}2 + 20{,}6}{5}\,\mathrm{mm} = \dfrac{100{,}5\,\mathrm{mm}}{5} = 20{,}1\,\mathrm{mm}\).
Abweichungen (in mm): \(-0{,}3\); \(-0{,}2\); \(-0{,}1\); \(0{,}1\); \(0{,}5\). Ihre Quadrate: \(0{,}09\); \(0{,}04\); \(0{,}01\); \(0{,}01\); \(0{,}25\) mit der Summe \(0{,}40\).
\(\bar s^{\,2} = \dfrac{0{,}40\,\mathrm{mm}^2}{5} = 0{,}08\,\mathrm{mm}^2\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Abweichungen vom Sollmaß \(20{,}0\,\mathrm{mm}\): \(-0{,}2\); \(-0{,}1\); \(0\); \(0{,}2\); \(0{,}6\) (in mm). Ihre Quadrate: \(0{,}04\); \(0{,}01\); \(0\); \(0{,}04\); \(0{,}36\) mit der Summe \(0{,}45\).
\(\dfrac{0{,}45\,\mathrm{mm}^2}{5} = 0{,}09\,\mathrm{mm}^2\).
Die mittlere quadratische Abweichung vom Sollmaß ist mit \(0{,}09\,\mathrm{mm}^2\) größer als die Varianz \(0{,}08\,\mathrm{mm}^2\). Die Differenz beträgt \(0{,}01\,\mathrm{mm}^2\) — genau das Quadrat des Abstands zwischen Mittelwert und Sollmaß, denn \((20{,}1 - 20{,}0)^2 = 0{,}01\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Herleitung. Mit \(x_i - c = (x_i - \bar x) + (\bar x - c)\) folgt
\((x_i - c)^2 = (x_i - \bar x)^2 + 2(x_i - \bar x)(\bar x - c) + (\bar x - c)^2\).
Summiert man über alle \(i\) und teilt durch \(n\), so ergibt der erste Summand \(\bar s^{\,2}\) und der letzte \((\bar x - c)^2\), da er nicht von \(i\) abhängt. Der mittlere Summand verschwindet, denn \((\bar x - c)\) ist ein fester Faktor und \(\sum (x_i - \bar x) = 0\). Insgesamt gilt also
\(\dfrac{1}{n}\sum (x_i - c)^2 = \bar s^{\,2} + (\bar x - c)^2\).
Beurteilung. Die Aussage des Qualitätsbeauftragten ist falsch. Die Varianz misst die Streuung um den eigenen Mittelwert der Stichprobe, nicht um das Sollmaß. Ein Sollmaß kommt in ihrer Definition überhaupt nicht vor: Eine Maschine, die alle Bolzen exakt gleich, aber durchweg 2 mm zu dick fertigt, hätte die Varianz \(0\,\mathrm{mm}^2\) und wäre trotzdem falsch eingestellt.
Die Herleitung zeigt zugleich, wie die richtige Kennzahl aussieht: Die mittlere quadratische Abweichung vom Sollmaß setzt sich additiv aus zwei Anteilen zusammen — der zufälligen Streuung \(\bar s^{\,2}\) und dem Quadrat der systematischen Abweichung \((\bar x - c)^2\). Hier sind das \(0{,}08\,\mathrm{mm}^2 + 0{,}01\,\mathrm{mm}^2 = 0{,}09\,\mathrm{mm}^2\). Weil \((\bar x - c)^2 \ge 0\) ist, wird sie niemals kleiner als die Varianz; sie ist genau dann gleich, wenn der Mittelwert das Sollmaß trifft. Für die Qualitätssicherung folgt daraus, dass beide Größen getrennt zu überwachen sind: die Lage des Mittelwerts (Justierung der Maschine) und die Streuung (Zustand von Werkzeug und Führung).
Ein Bericht vergleicht Varianzen
AFB IIIIn einem Qualitätsbericht eines Zulieferers stehen zwei Sätze:
„(1) Betrieb A fertigt die Bolzen mit einer Varianz von \(2{,}25\,\mathrm{mm}^2\), Betrieb B nur mit \(0{,}09\,\mathrm{cm}^2\). Betrieb B arbeitet also deutlich genauer.“
„(2) Bei unseren Beschäftigten beträgt die Varianz der Körpergröße \(49\,\mathrm{cm}^2\), die der Körpermasse nur \(36\,\mathrm{kg}^2\). Die Körpergrößen streuen also stärker als die Massen.“
| Angabe | Merkmal | Einheit der Messwerte | angegebene Varianz |
|---|---|---|---|
| Betrieb A | Bolzendurchmesser | mm | 2,25 mm\(^2\) |
| Betrieb B | Bolzendurchmesser | cm | 0,09 cm\(^2\) |
| Beschäftigte | Körpergröße | cm | 49 cm\(^2\) |
| Beschäftigte | Körpermasse | kg | 36 kg\(^2\) |
- Berechnen Sie die Varianz von Betrieb B in der Einheit \(\mathrm{mm}^2\) und vergleichen Sie die beiden Betriebe.
- Prüfen Sie die zweite Aussage des Berichts.
- Nehmen Sie begründet Stellung dazu, wie Streuungsangaben in einem solchen Bericht dargestellt sein müssten, damit sie vergleichbar sind.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Wegen \(1\,\mathrm{cm} = 10\,\mathrm{mm}\) gilt \(1\,\mathrm{cm}^2 = 100\,\mathrm{mm}^2\) und damit
\(0{,}09\,\mathrm{cm}^2 = 0{,}09\cdot 100\,\mathrm{mm}^2 = 9\,\mathrm{mm}^2\).
Betrieb B hat also die Varianz \(9\,\mathrm{mm}^2\), Betrieb A dagegen nur \(2{,}25\,\mathrm{mm}^2\) — das Vierfache statt eines Bruchteils. In der Einheit der Messwerte ausgedrückt: \(\sqrt{2{,}25\,\mathrm{mm}^2} = 1{,}5\,\mathrm{mm}\) gegenüber \(\sqrt{9\,\mathrm{mm}^2} = 3\,\mathrm{mm}\). Betrieb B streut doppelt so stark wie Betrieb A und arbeitet damit ungenauer. Die Schlussfolgerung des Berichts ist also genau verkehrt herum.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Auch die zweite Aussage ist nicht haltbar. Die Zahlen 49 und 36 tragen verschiedene Einheiten, nämlich \(\mathrm{cm}^2\) und \(\mathrm{kg}^2\). Zwei Größen mit verschiedenen Einheiten lassen sich nicht der Größe nach vergleichen; die Aussage „49 ist mehr als 36“ hat hier keine inhaltliche Bedeutung.
Das zeigt schon eine andere Wahl der Einheit: Gibt man die Massen in Gramm an, so wird aus \(\bar s = 6\,\mathrm{kg}\) der Wert \(6\,000\,\mathrm{g}\) und aus der Varianz \(36\,\mathrm{kg}^2\) der Wert \(36\,000\,000\,\mathrm{g}^2\) — plötzlich würden nach derselben Logik die Massen weit stärker streuen. An der tatsächlichen Streuung hat sich dabei nichts geändert, nur an der Maßeinheit.
Sinnvoll ist der Vergleich erst als relative Angabe: Bei einer mittleren Körpergröße von etwa 175 cm entspricht \(\bar s = \sqrt{49\,\mathrm{cm}^2} = 7\,\mathrm{cm}\) einem Anteil von \(\dfrac{7}{175} = 4\,\%\), bei einer mittleren Masse von etwa 75 kg entspricht \(\bar s = \sqrt{36\,\mathrm{kg}^2} = 6\,\mathrm{kg}\) einem Anteil von \(\dfrac{6}{75} = 8\,\%\). Relativ zur jeweiligen Größenordnung streuen die Massen also stärker — das Gegenteil der Behauptung.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Drei Anforderungen sind aus den beiden Fehlern abzuleiten.
Erstens müssen alle Werte, die verglichen werden sollen, in derselben Einheit angegeben sein. Der Vergleich der Betriebe A und B ist erst nach der Umrechnung auf \(\mathrm{mm}^2\) sinnvoll; dass 0,09 kleiner aussieht als 2,25, ist ein reiner Effekt der Einheitenwahl und in einem Bericht besonders irreführend, weil er wie ein Qualitätsvorsprung wirkt.
Zweitens sollte statt der Varianz besser die Standardabweichung \(\bar s = \sqrt{\bar s^{\,2}}\) berichtet werden. Sie trägt die Einheit des Merkmals, lässt sich unmittelbar neben Mittelwert und Toleranz stellen und macht Größenunterschiede ehrlicher sichtbar: 1,5 mm gegenüber 3 mm ist sofort lesbar, \(2{,}25\,\mathrm{mm}^2\) gegenüber \(9\,\mathrm{mm}^2\) dagegen nicht.
Drittens lässt sich die Streuung verschiedener Merkmale überhaupt nur relativ vergleichen, also im Verhältnis zum jeweiligen Mittelwert. Ein Bericht, der Körpergrößen und Massen nebeneinanderstellen will, muss diesen Bezug herstellen; sonst vergleicht er Zentimeter mit Kilogramm.
Insgesamt sind beide Aussagen des Berichts zurückzuweisen. Sie sind nicht nur ungenau, sondern kehren die tatsächlichen Verhältnisse jeweils um — und beide Male ist die Ursache dieselbe: Die Varianz trägt eine quadrierte Einheit, und quadrierte Einheiten reagieren auf einen Einheitenwechsel viel stärker, als man erwartet.
