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Textaufgaben: Tabellen und Strichlisten

Fünf Sachaufgaben auf Abiturniveau — von der Verkehrszählung bis zur Pressemitteilung der Gemeinde, jede mit Hinweisen und Erwartungshorizont zu jeder Teilaufgabe.

1

Besetzungsgrad an der Ortsdurchfahrt

AFB I

Eine Verkehrs-AG zählt an einem Dienstagmorgen zwischen 7:30 Uhr und 8:00 Uhr an der Ortsdurchfahrt, wie viele Personen in jedem vorbeifahrenden Pkw sitzen. Die 40 Beobachtungen werden in der Reihenfolge der Zählung notiert (Material M1). Die Gemeinde möchte aus den Rohdaten ablesen, wie gut die Fahrzeuge besetzt sind.

M1Urliste der Verkehrszählung
Anzahl der Personen je Pkw — 40 Fahrzeuge in der Reihenfolge der Zählung
Zählabschnittbeobachtete Werte
Fahrzeug 1–101211312142
Fahrzeug 11–201123152112
Fahrzeug 21–303124113215
Fahrzeug 31–402131241321
  1. Bestimmen Sie durch Auszählen die absolute Häufigkeit jedes Merkmalswerts und geben Sie die Kontrollsumme an.
  2. Berechnen Sie die relativen Häufigkeiten in Prozent und überprüfen Sie Ihr Ergebnis anhand ihrer Summe.
  3. Berechnen Sie, wie viele Personen in der halben Stunde insgesamt befördert wurden, und ermitteln Sie daraus die durchschnittliche Besetzung eines Fahrzeugs.
Hinweis zu Aufgabe a)
Gehe die Urliste genau einmal von vorn nach hinten durch und setze pro Eintrag einen Strich in der Zeile des Merkmalswerts; jeder fünfte Strich wird quer gelegt. Gezählt wird erst, wenn der 40. Eintrag abgehakt ist.„Bestimmen“ verlangt den Lösungsweg — hier die Strichliste — und das Ergebnis; „Angeben“ nur die Zahl.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Auszählen der Urliste ergibt: Merkmalswert 1: \(H = 18\); Merkmalswert 2: \(H = 11\); Merkmalswert 3: \(H = 6\); Merkmalswert 4: \(H = 3\); Merkmalswert 5: \(H = 2\).

Kontrollsumme: \(18+11+6+3+2 = 40\). Sie stimmt mit der Zahl der Rohdaten überein, die Auszählung ist also vollständig.

Hinweis zu Aufgabe b)
Rechne \(\dfrac{H}{n}\cdot 100\,\%\) mit \(n = 40\). Alle fünf Werte gehen ohne Rundung auf, weil 40 ein Teiler von 1000 ist.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis; „Überprüfen“ verlangt, das Ergebnis an einer bekannten Gesetzmäßigkeit zu messen — hier an der Summe 100 %.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

\(\dfrac{18}{40}\cdot 100\,\% = 45\,\%\); \(\dfrac{11}{40}\cdot 100\,\% = 27{,}5\,\%\); \(\dfrac{6}{40}\cdot 100\,\% = 15\,\%\); \(\dfrac{3}{40}\cdot 100\,\% = 7{,}5\,\%\); \(\dfrac{2}{40}\cdot 100\,\% = 5\,\%\).

Probe: \(45+27{,}5+15+7{,}5+5 = 100\). Die relativen Häufigkeiten ergeben zusammen genau 100 %; das muss so sein, weil jeder Rohwert in genau einer Zeile gezählt wurde.

Hinweis zu Aufgabe c)
Ein Fahrzeug mit drei Insassen liefert drei Personen. Multipliziere also jeden Merkmalswert mit seiner absoluten Häufigkeit und addiere die fünf Produkte.„Berechnen“ verlangt die vollständige Rechnung, „Ermitteln“ das Ergebnis mit dem Weg dorthin.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

\(1\cdot 18 + 2\cdot 11 + 3\cdot 6 + 4\cdot 3 + 5\cdot 2 = 18+22+18+12+10 = 80\) Personen.

Durchschnittliche Besetzung: \(\dfrac{80}{40} = 2{,}0\) Personen pro Fahrzeug.

Bemerkenswert ist der Abstand zwischen diesem Mittelwert und dem häufigsten Wert: Fast die Hälfte der Fahrzeuge (45 %) ist nur mit einer Person besetzt; die wenigen stark besetzten Fahrzeuge heben den Durchschnitt auf 2,0 an. Der Mittelwert allein würde die Lage also zu günstig darstellen — die Häufigkeitstabelle zeigt mehr als eine einzelne Kennzahl.

2

Eine Auszählung, die zu gut aussieht

AFB II

Ein Versandbetrieb notiert an 20 Arbeitstagen die Zahl der telefonischen Reklamationen pro Tag. Ein Praktikant zählt die Urliste aus und legt seine Häufigkeitstabelle vor (Material M1). Er schreibt dazu: „Die Kontrollsumme stimmt, die Tabelle ist also richtig.“

M1Urliste und Auszählung des Praktikanten
Urliste: telefonische Reklamationen je Arbeitstag, 20 Arbeitstage
WocheMoDiMiDoFr
Woche 120131
Woche 202412
Woche 303112
Woche 403102
Häufigkeitstabelle des Praktikanten
Reklamationen pro TagAnzahl der Tage
05
17
24
33
41
Kontrollsumme20
  1. Bestimmen Sie durch eigenes Auszählen die richtige Häufigkeitstabelle.
  2. Zeigen Sie, dass die Kontrollsumme des Praktikanten rechnerisch stimmt, und erklären Sie, warum sie den Fehler dennoch nicht aufdeckt.
  3. Erläutern Sie eine zweite Kontrollrechnung, die den Fehler entdeckt hätte, und zeigen Sie an den Zahlen, dass sie das leistet.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zähle wochenweise aus und notiere Teilsummen — dann musst du bei einer Abweichung nicht die ganze Urliste erneut durchgehen.„Bestimmen“ verlangt den Lösungsweg und das Ergebnis, hier die vollständige Tabelle mit Kontrollsumme.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Auszählen der 20 Werte ergibt: Wert 0: \(H = 5\); Wert 1: \(H = 6\); Wert 2: \(H = 5\); Wert 3: \(H = 3\); Wert 4: \(H = 1\). Kontrollsumme \(5+6+5+3+1 = 20\).

Der Vergleich mit der Tabelle des Praktikanten zeigt den Fehler: Er notiert beim Wert 1 eine 7 statt einer 6 und beim Wert 2 eine 4 statt einer 5. Ein Tag mit zwei Reklamationen ist bei ihm in der Zeile 1 gelandet.

Hinweis zu Aufgabe b)
Überlege, was mit der Summe der Anzahlen passiert, wenn ein einzelner Strich in der falschen Zeile landet: In welcher Zeile steht er zu viel, in welcher zu wenig?„Zeigen“ verlangt die Rechnung als Beleg, „Erklären“ die Rückführung auf die Bauart der Kontrollsumme.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Seine Anzahlen ergeben \(5+7+4+3+1 = 20\) — genau so viele Werte hat die Urliste. Die Kontrollsumme stimmt also tatsächlich.

Das muss sie sogar: Sein Fehler ist keine vergessene und keine doppelt gesetzte Markierung, sondern eine falsche Zuordnung. Der Strich existiert, er steht nur in der falschen Zeile. Dadurch ist eine Zeile um 1 zu groß und eine andere um 1 zu klein; in der Summe heben sich beide Abweichungen exakt auf.

Die Kontrollsumme prüft folglich nur die Vollständigkeit der Auszählung — ob jeder Rohwert genau einen Strich erzeugt hat —, nicht ihre Richtigkeit. Der Schluss des Praktikanten „Kontrollsumme stimmt, also ist die Tabelle richtig“ ist deshalb unzulässig.

Hinweis zu Aufgabe c)
Die Kontrollsumme zählt nur Striche. Es gibt aber eine zweite Größe, die man sowohl direkt aus der Urliste als auch aus der Tabelle berechnen kann — und in die der Merkmalswert selbst eingeht.„Erläutern“ verlangt die Darstellung des Verfahrens mit Begründung, „Zeigen“ den rechnerischen Beleg an den vorliegenden Zahlen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Als zweite Kontrolle eignet sich die Gesamtzahl der Reklamationen. Sie lässt sich auf zwei voneinander unabhängigen Wegen bestimmen: direkt durch Addition aller Werte der Urliste und aus der Tabelle als \(\sum \text{Merkmalswert}\cdot H\). Weil der Merkmalswert hier als Faktor eingeht, wirkt sich eine Verschiebung zwischen zwei Zeilen auf diese Summe aus — anders als auf die Kontrollsumme.

Aus der Urliste: \(7+9+7+6 = 29\) Reklamationen (wochenweise addiert).

Aus der richtigen Tabelle: \(0\cdot 5 + 1\cdot 6 + 2\cdot 5 + 3\cdot 3 + 4\cdot 1 = 0+6+10+9+4 = 29\) — beide Wege stimmen überein.

Aus der Tabelle des Praktikanten: \(0\cdot 5 + 1\cdot 7 + 2\cdot 4 + 3\cdot 3 + 4\cdot 1 = 0+7+8+9+4 = 28 \neq 29\). Die Abweichung beträgt genau 1, weil ein Wert von der Zeile 2 in die Zeile 1 gerutscht ist. Der Fehler wäre damit sofort aufgefallen.

Auf den Betrieb bezogen: Der Praktikant erhält \(\dfrac{28}{20} = 1{,}40\) statt \(\dfrac{29}{20} = 1{,}45\) Reklamationen pro Tag. Der Unterschied ist klein, aber er entsteht durch einen Fehler, der bei größeren Datensätzen beliebig oft auftreten kann.

3

Mittagessen in drei Jahrgangsstufen

AFB II

Eine Schule befragt 320 Schülerinnen und Schüler, wie sie mittags versorgt sind. Jede Person nennt genau eine der drei Möglichkeiten. Die Ergebnisse stehen in einer Tabelle mit Zeilen- und Spaltensummen (Material M1).

Die Schulleitung schreibt in ihrem Bericht: „(1) Mehr als die Hälfte unserer Mensagäste kommt aus den Jahrgangsstufen 5 bis 7. (2) In der Oberstufe isst die Mehrheit mittags gar nichts.“

M1Mittagsversorgung nach Jahrgangsstufe
Umfrage unter 320 Schülerinnen und Schülern
JahrgangsstufeMensamitgebrachtnichtsZeilensumme
5 bis 7843610130
8 bis 10524820120
11 bis 1318242870
Spaltensumme15410858320
  1. Berechnen Sie den Anteil der Mensagäste an allen Befragten sowie den Anteil der Mensagäste innerhalb jeder einzelnen Jahrgangsstufe.
  2. Prüfen Sie die beiden Aussagen der Schulleitung.
  3. Erklären Sie, warum sich aus der Zelle mit dem Wert 84 drei verschiedene Prozentwerte gewinnen lassen, und geben Sie zu jedem an, welche Frage er beantwortet.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der Anteil ist stets \(\dfrac{\text{Teil}}{\text{Ganzes}}\). Für den Gesamtanteil ist das Ganze die Zahl aller Befragten, für den Anteil innerhalb einer Stufe die zugehörige Zeilensumme.„Berechnen“ verlangt vier Werte mit Ansatz und Ergebnis in Prozent.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Anteil an allen Befragten: \(\dfrac{154}{320} = 0{,}48125 \approx 48{,}1\,\%\).

Jahrgangsstufe 5 bis 7: \(\dfrac{84}{130} \approx 0{,}646 = 64{,}6\,\%\). Jahrgangsstufe 8 bis 10: \(\dfrac{52}{120} \approx 0{,}433 = 43{,}3\,\%\). Jahrgangsstufe 11 bis 13: \(\dfrac{18}{70} \approx 0{,}257 = 25{,}7\,\%\).

Die Mensanutzung nimmt mit steigender Jahrgangsstufe deutlich ab.

Hinweis zu Aufgabe b)
Aussage (1) fragt nach einem Anteil an der Spaltensumme der Mensa, Aussage (2) nach einem Anteil an der Zeilensumme der Oberstufe. Achte bei (2) auf den Unterschied zwischen „die größte Gruppe“ und „die Mehrheit“.„Prüfen“ verlangt, jede Aussage an den Daten zu messen und begründet zu bestätigen oder zu widerlegen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Aussage (1) trifft zu. Insgesamt essen 154 Personen in der Mensa; davon kommen 84 aus den Jahrgangsstufen 5 bis 7: \(\dfrac{84}{154} \approx 0{,}545 = 54{,}5\,\%\). Das ist mehr als die Hälfte.

Aussage (2) trifft nicht zu. In der Oberstufe wurden 70 Personen befragt. Davon essen 28 mittags nichts: \(\dfrac{28}{70} = 0{,}4 = 40\,\%\). Das ist zwar die größte der drei Gruppen (gegenüber 24 mit mitgebrachtem Essen und 18 in der Mensa), aber keine Mehrheit — dafür wären mehr als 35 Personen nötig. Richtig wäre: „In der Oberstufe ist die Gruppe derer, die mittags nichts essen, mit 40 % die größte.“

Hinweis zu Aufgabe c)
Die Zahl 84 steht im Kreuzungspunkt einer Zeile und einer Spalte. Damit gibt es drei natürliche Bezugsgrößen: die Zeilensumme, die Spaltensumme und die Gesamtsumme.„Erklären“ verlangt die Rückführung auf den Aufbau der Tabelle, „Angeben“ die drei Fragen ohne weitere Erläuterung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Zahl 84 liegt im Kreuzungspunkt der Zeile „5 bis 7“ und der Spalte „Mensa“. Zu ihr gehören deshalb drei sinnvolle Bezugsgrößen, und jede liefert einen anderen Prozentwert:

\(\dfrac{84}{320} = 26{,}25\,\%\) — Frage: Welcher Anteil aller Befragten sind Mensagäste aus den Stufen 5 bis 7?

\(\dfrac{84}{130} \approx 64{,}6\,\%\) — Frage: Welcher Anteil der Stufen 5 bis 7 isst in der Mensa?

\(\dfrac{84}{154} \approx 54{,}5\,\%\) — Frage: Welcher Anteil der Mensagäste kommt aus den Stufen 5 bis 7?

Alle drei Zahlen sind rechnerisch richtig und beschreiben denselben Sachverhalt aus verschiedenen Richtungen. Wer nur „84 — das sind 64,6 %“ schreibt, lässt offen, wovon. Zu jedem Prozentwert aus einer Kontingenztafel gehört deshalb die Angabe der Bezugsgröße.

4

Die Tabelle aus dem Vereinsarchiv

AFB III

Ein Sportverein mit 350 Mitgliedern findet im Archiv eine Tabelle, die die Mitglieder nach Altersgruppe und Sparte aufschlüsselt. Vier Zellen sind durch einen Wasserfleck unleserlich geworden; alle Zeilen- und Spaltensummen sind dagegen erhalten (Material M1). Jedes Mitglied gehört genau einer Sparte an.

M1Beschädigte Mitgliedertabelle (unleserliche Zellen als ?)
Mitglieder nach Altersgruppe und Sparte
AltersgruppeFußballTurnenSchwimmenZeilensumme
Kinder60??130
Erwachsene?30?150
Senioren10253570
Spaltensumme150100100350
  1. Bestimmen Sie die vier fehlenden Werte und begründen Sie die Reihenfolge, in der Sie vorgegangen sind.
  2. Formulieren Sie eine allgemeine Bedingung dafür, wann sich eine fehlende Zelle aus den Summen berechnen lässt.
  3. In einer zweiten Kopie sind stattdessen die vier Zellen Kinder/Turnen, Kinder/Schwimmen, Erwachsene/Turnen und Erwachsene/Schwimmen unleserlich; alle übrigen Zellen und alle Summen sind lesbar. Entscheiden Sie, ob sich diese Tabelle eindeutig rekonstruieren lässt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Suche eine Zeile oder Spalte, in der genau eine Zelle fehlt — dort ist der Wert sofort bestimmt. Jeder neu gefundene Wert kann die nächste Zeile oder Spalte auf genau eine Lücke reduzieren.„Bestimmen“ verlangt Lösungsweg und Ergebnis, „Begründen“ die Stützung der Reihenfolge durch Argumente.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Schritt 1: In der Spalte „Fußball“ fehlt genau ein Wert: \(150 - 60 - 10 = 80\) Erwachsene spielen Fußball.

Schritt 2: Damit hat die Zeile „Erwachsene“ nur noch eine Lücke: \(150 - 80 - 30 = 40\) Erwachsene schwimmen.

Schritt 3: Nun fehlt in der Spalte „Schwimmen“ nur noch ein Wert: \(100 - 40 - 35 = 25\) Kinder schwimmen.

Schritt 4: In der Zeile „Kinder“ bleibt \(130 - 60 - 25 = 45\) für das Turnen.

Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Man muss stets dort ansetzen, wo genau eine Zelle fehlt, weil nur dann eine einzige Unbekannte in einer Gleichung steht. Jeder gefundene Wert öffnet die nächste Zeile oder Spalte.

Probe: Spalte Turnen \(45+30+25 = 100\) ✓; Zeilensummen \(130+150+70 = 350\) und Spaltensummen \(150+100+100 = 350\) ✓.

Hinweis zu Aufgabe b)
Formuliere die Bedingung so, dass sie für jede Kontingenztafel gilt, nicht nur für diese — also über die Zahl der Lücken in einer Zeile beziehungsweise Spalte.„Formulieren“ verlangt eine präzise Aussage in Fachsprache, keine Beispielrechnung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Eine fehlende Zelle lässt sich genau dann unmittelbar berechnen, wenn sie in einer Zeile oder in einer Spalte liegt, in der alle übrigen Einträge und die zugehörige Summe bekannt sind — wenn also diese Zeile beziehungsweise Spalte genau eine Lücke aufweist. Der Wert ist dann die Summe vermindert um die Summe der übrigen Einträge.

Daraus folgt das Verfahren: Man wiederholt diesen Schritt, solange es irgendwo eine Zeile oder Spalte mit genau einer Lücke gibt. Weist dagegen jede noch unvollständige Zeile und jede noch unvollständige Spalte mindestens zwei Lücken auf, kommt das Verfahren nicht in Gang, und die Tabelle ist aus den Summen allein nicht mehr zu rekonstruieren.

Hinweis zu Aufgabe c)
Setze eine der vier fehlenden Zellen versuchsweise auf einen Wert \(t\) und drücke die drei übrigen durch \(t\) aus. Prüfe dann, ob alle Summen weiterhin stimmen.„Entscheiden“ verlangt eine begründete Festlegung nach Abwägen — hier gestützt auf einen Nachweis, nicht auf ein Gefühl.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Nein, eine eindeutige Rekonstruktion ist nicht möglich.

Bekannt sind jetzt Kinder/Fußball \(=60\), Erwachsene/Fußball \(=80\), die vollständige Seniorenzeile und alle Summen. Für die vier Lücken folgt aus den Zeilen \(K_T + K_S = 130-60 = 70\) und \(E_T + E_S = 150-80 = 70\), aus den Spalten \(K_T + E_T = 100-25 = 75\) und \(K_S + E_S = 100-35 = 65\).

Das sind vier Gleichungen für vier Unbekannte, aber nur drei davon sind unabhängig: Die Summe der beiden Zeilengleichungen ergibt \(140\), die Summe der beiden Spaltengleichungen ebenfalls \(140\). Es bleibt ein Freiheitsgrad. Setzt man \(K_T = t\), so folgt \(K_S = 70-t\), \(E_T = 75-t\) und \(E_S = t-5\).

Für \(t = 45\) ergibt sich die ursprüngliche Tabelle (45, 25, 30, 40). Für \(t = 50\) erhält man dagegen 50, 20, 25 und 45 — auch damit stimmen alle Zeilen- und Spaltensummen: Zeile Erwachsene \(80+25+45 = 150\), Spalte Turnen \(50+25+25 = 100\), Spalte Schwimmen \(20+45+35 = 100\).

Da keine Zelle negativ sein kann, muss \(5 \leq t \leq 70\) gelten; es gibt also 66 ganzzahlige Belegungen, die zu denselben Rändern passen. Der Grund ist genau die Bedingung aus b): Die vier Lücken bilden einen zusammenhängenden \(2\times 2\)-Block, in dem jede betroffene Zeile und jede betroffene Spalte zwei Lücken hat. Um die Tabelle zu retten, genügt eine einzige zusätzliche Angabe — etwa der Wert einer der vier Zellen aus einer anderen Quelle.

5

Eine Tabelle, die mehr verbirgt als sie zeigt

AFB III

Eine Gemeinde veröffentlicht die Ergebnisse einer Umfrage zum Arbeitsweg (Material M1). In der Pressemitteilung heißt es: „Befragt wurden 200 Personen. (1) Fast ein Drittel der Befragten pendelt weniger als zehn Minuten. (2) Mehr als die Hälfte der Befragten ist höchstens 20 Minuten unterwegs.“

M1Veröffentlichte Tabelle der Gemeinde
Wie lange dauert Ihr Arbeitsweg?
Dauer des ArbeitswegsAnzahl
bis 10 Minuten48
10 bis 20 Minuten63
20 bis 30 Minuten41
über 30 Minuten27
keine Angabe / wechselnd21
  1. Überprüfen Sie die Angabe „befragt wurden 200 Personen“ und nennen Sie die Zeile, die in der Tabelle fehlt.
  2. Prüfen Sie die beiden Sätze der Pressemitteilung.
  3. Beurteilen Sie die Tabelle als Grundlage einer Veröffentlichung und entwickeln Sie eine korrigierte Fassung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Addiere alle fünf Anzahlen. Überlege danach, welche Zeile jede ordentliche Häufigkeitstabelle unten abschließt.„Überprüfen“ verlangt, die Angabe an den Daten zu messen; „Nennen“ nur die Bezeichnung ohne Erläuterung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(48+63+41+27+21 = 200\). Die Angabe stimmt; die Zahl der Befragten lässt sich aus der Tabelle rekonstruieren.

Es fehlt die Summenzeile (Kontrollsumme). Sie gehört unter jede Häufigkeitstabelle, weil erst sie die Vollständigkeit der Auszählung belegt und der Leserschaft das eigene Addieren erspart. In der veröffentlichten Fassung steht der Umfang \(n\) nur im Fließtext der Pressemitteilung — wird die Tabelle weiterverwendet, geht er verloren.

Hinweis zu Aufgabe b)
Lies Satz (1) sehr genau: Steht in der Tabelle „weniger als zehn“ oder „bis zehn“? Rechne außerdem beide Bezugsgrößen durch — alle 200 Befragten und nur die Personen mit verwertbarer Angabe.„Prüfen“ verlangt, jede Aussage an den Daten zu messen und begründet zu bestätigen oder zu widerlegen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Satz (1) ist falsch, und zwar doppelt. Erstens rechnerisch: \(\dfrac{48}{200} = 0{,}24 = 24\,\%\); ein Drittel wären \(33{,}3\,\%\) beziehungsweise rund 67 Personen. Auch bezogen auf die 179 Personen mit verwertbarer Angabe sind es nur \(\dfrac{48}{179} \approx 26{,}8\,\%\). Von „fast einem Drittel“ kann in beiden Lesarten keine Rede sein.

Zweitens sprachlich: Die Tabellenzeile heißt „bis 10 Minuten“ und schließt die zehn Minuten ein; der Satz spricht von „weniger als zehn Minuten“. Wie viele Personen tatsächlich unter zehn Minuten brauchen, ist unbekannt — es sind höchstens 48.

Satz (2) ist haltbar. \(48+63 = 111\) Personen, also \(\dfrac{111}{200} = 55{,}5\,\%\) (bezogen auf die 179 verwertbaren Angaben \(\dfrac{111}{179} \approx 62{,}0\,\%\)). Beides ist mehr als die Hälfte.

Zu beachten ist allerdings die unscharfe Klassengrenze: Wer genau 20 Minuten braucht, kann von den Befragten in die Zeile „10 bis 20“ oder in die Zeile „20 bis 30“ eingeordnet worden sein. Die wahre Zahl der Personen mit höchstens 20 Minuten kann deshalb über 111 liegen, aber nicht darunter — der Satz irrt also, wenn überhaupt, in der sicheren Richtung und bleibt richtig.

Hinweis zu Aufgabe c)
Achte auf drei Bauteile jeder Klasseneinteilung: Wo endet eine Klasse und wo beginnt die nächste, ist jede Klasse nach oben begrenzt, und meint jede Kategorie genau einen Sachverhalt?„Beurteilen“ verlangt ein eigenständiges, fachlich begründetes Urteil; „Entwickeln“ den Entwurf mit seinen einzelnen Bestandteilen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Urteil: Als Grundlage einer Veröffentlichung ist die Tabelle nicht geeignet. Sie ist nicht falsch ausgezählt, aber sie lässt mehrere Fragen offen, die eine Auswertung erst möglich machen würden — und sie hat, wie Satz (1) zeigt, bereits zu einer Fehlaussage geführt.

Erster Mangel: überlappende Klassen. Die Werte 10, 20 und 30 Minuten gehören jeweils zu zwei Zeilen. Eine Person mit genau 20 Minuten Arbeitsweg kann in zwei Klassen einsortiert werden; je nach Bearbeiterin entstehen unterschiedliche Tabellen, und Doppelzählungen sind möglich.

Zweiter Mangel: fehlende Summenzeile und fehlende Angabe von \(n\) in der Tabelle selbst (siehe a).

Dritter Mangel: uneindeutige Kategorie. „keine Angabe / wechselnd“ fasst zwei völlig verschiedene Fälle zusammen: die Verweigerung einer Antwort und einen tatsächlich wechselnden Arbeitsweg. Nur der zweite Fall ist eine inhaltliche Antwort. Solange beides in einer Zeile steht, ist unklar, worauf sich Prozentangaben sinnvoll beziehen.

Vierter Mangel: offene Randklasse. „über 30 Minuten“ ist nach oben unbegrenzt. Aus einer solchen Klasse lässt sich keine Klassenmitte und damit später kein Mittelwert bestimmen.

Korrigierte Fassung: Spalten „Klasse“, „absolute Häufigkeit“ und „relative Häufigkeit“; Zeilen mit halboffenen Intervallen „unter 10 min“, „10 bis unter 20 min“, „20 bis unter 30 min“, „30 bis unter 60 min“ und „60 min und mehr“; getrennte Zeilen für „wechselnder Arbeitsweg“ und „keine Angabe“; darunter eine Summenzeile mit \(n = 200\). Eine Fußnote hält fest, worauf sich die Prozentwerte beziehen. Mit den vorliegenden Zahlen ergäben sich als relative Häufigkeiten 24 %, 31,5 %, 20,5 %, 13,5 % und 10,5 % — zusammen 100 %.

Wichtig ist schließlich: Die neue Klasseneinteilung lässt sich aus der veröffentlichten Tabelle nicht nachträglich herstellen. Die Gemeinde muss dazu auf die Urliste zurückgreifen — das ist der Grund, weshalb Rohdaten aufbewahrt werden.