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Textaufgaben: Repräsentativität einer Stichprobe

Sechs Sachaufgaben auf Abiturniveau — Umfragen beurteilen, Verzerrungen benennen und eine repräsentative Stichprobe berechnen, jede mit Hinweisen und Erwartungshorizont.

1

Drei Umfragen, drei Ergebnisse

AFB II

„Eine Beobachtung von Radfahrern hat ergeben, dass immer mehr von ihnen während des Radfahrens Musik über Kopfhörer hören. Mittlerweile ist dieses zur Erhöhung der Verkehrssicherheit verboten. Lena hat eine Umfrage in ihrem Jahrgang durchgeführt: 21 von 96 Mitschülerinnen und Mitschülern finden das Verbot gut. Michael hat an einem Nachmittag die Meinungen der Passanten in der Fußgängerzone erfragt: 113 von 180 Befragten befürworten das Verbot des Musikhörens auf dem Fahrrad. Irina hat in ihrer Nachbarschaft gefragt: 32 von 56 Personen waren für das Verbot.“ Die drei Ergebnisse stehen in Material M1 nebeneinander.

M1Zustimmung zum Verbot in den drei Umfragen
0 %20 %40 %60 %80 %100 %Lenaeigener Jahrgang · 21 von 9621,9 %MichaelFußgängerzone · 113 von 18062,8 %IrinaNachbarschaft · 32 von 5657,1 %
  1. Berechnen Sie für alle drei Umfragen den Anteil der Zustimmung und vergleichen Sie die Ergebnisse.
  2. Nennen Sie Gründe, weshalb so unterschiedliche Ergebnisse zustande kommen, und erklären Sie diese jeweils mit dem Auswahlverfahren.
  3. Entwickeln Sie ein Vorgehen, mit dem die drei ein aussagekräftigeres Ergebnis erzielen können.
Hinweis zu Aufgabe a)
Rechne zuerst alle drei Ergebnisse in Anteile um: Anteil = \(\dfrac{H}{n}\). Erst dann sind die Zahlen überhaupt vergleichbar, denn 21 von 96 und 113 von 180 sind unterschiedlich große Nenner.21 und 113 sind absolute Häufigkeiten; sie sagen ohne den zugehörigen Umfang nichts über die Zustimmung aus.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die drei Ergebnisse in Anteilen: \(\dfrac{21}{96}\approx 0{,}219\), \(\dfrac{113}{180}\approx 0{,}628\) und \(\dfrac{32}{56}\approx 0{,}571\), also rund 22 %, 63 % und 57 % Zustimmung. Lenas Ergebnis fällt damit um rund 40 Prozentpunkte niedriger aus als das von Michael; die Ergebnisse von Michael und Irina liegen dagegen nur wenige Prozentpunkte auseinander.

Hinweis zu Aufgabe b)
Frage bei jeder der drei Erhebungen: Über welche Grundgesamtheit soll etwas ausgesagt werden, und wer wurde tatsächlich erreicht? Achte auf Ort, Zeitpunkt und Altersstruktur — und darauf, wer von dem Verbot überhaupt betroffen ist.„Erklären“ verlangt die Rückführung auf eine Ursache, hier auf das Auswahlverfahren.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Lenas Stichprobe besteht ausschließlich aus Jugendlichen ihres Jahrgangs. Genau diese Gruppe ist von dem Verbot betroffen und lehnt es deshalb überwiegend ab. Der Jahrgang bildet die Bevölkerung in keinem der relevanten Merkmale ab.

Michael befragt Passanten an einem Nachmittag in der Fußgängerzone. Ort und Zeitpunkt entscheiden mit: Wer nachmittags dort unterwegs ist, ist im Mittel deutlich älter und fährt seltener selbst Rad.

Irina fragt in ihrer Nachbarschaft. Menschen, die nah beieinander wohnen, ähneln sich häufig in Alter, Einkommen und Lebensweise; ihre Meinungen sind daher nicht unabhängig voneinander verteilt.

Alle drei Stichproben sind zudem klein. Bei \(n = 56\) verschiebt schon eine Handvoll anderer Antworten den Anteil um mehrere Prozentpunkte.

Hinweis zu Aufgabe c)
Ein aussagekräftigeres Ergebnis entsteht nicht dadurch, dass jede Person noch mehr Leute befragt, sondern dadurch, dass die drei ihre Auswahl gemeinsam planen: Grundgesamtheit festlegen, Merkmale bestimmen, Anteile beschaffen, zufällig ziehen.„Entwickeln“ verlangt die einzelnen Schritte in nachvollziehbarer Reihenfolge.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Für ein aussagekräftigeres Ergebnis müssen die drei zunächst festlegen, über wen sie eine Aussage treffen wollen — etwa über alle Einwohnerinnen und Einwohner ihrer Stadt. Danach bestimmen sie die Merkmale, die abgebildet werden müssen (vor allem Alter, daneben Geschlecht und Wohnlage), beschaffen deren Anteile in der Grundgesamtheit und ziehen die Befragten zufällig, statt sie an einem einzigen Ort anzusprechen. Sinnvoll ist außerdem, die drei Teilstichproben zu einer größeren Stichprobe zusammenzufassen und an verschiedenen Wochentagen und Uhrzeiten zu befragen. Der größere Umfang senkt die Unsicherheit — die systematische Verzerrung beseitigt er allein aber nicht.

2

Fünf Orte, fünf Umfragen

AFB II

„Immer wieder findet eine Diskussion statt, ob die stetige Nutzung von Smartphones und des Internets eine Gefahr für die Merk- und Konzentrationsfähigkeit von Jugendlichen darstellt. Um die Meinung der Öffentlichkeit zu diesem Thema zu erfragen, wird eine Umfrage durchgeführt.“ Zur Auswahl stehen fünf Orte: eine Fußgängerzone an einem Vormittag, der Eingang einer gut besuchten Diskothek, der Vorplatz eines Fußballstadions, die Nähe eines Ärztezentrums und der Eingang eines Restaurants.

  1. Diskutieren Sie die Repräsentativität für jeden der fünf Befragungsorte einzeln.
  2. Finden Sie selbst weitere Stichproben, in denen Repräsentativität gegeben ist bzw. zweifelhaft erscheint, und begründen Sie Ihre Einordnung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Formuliere zuerst die Grundgesamtheit: Gefragt ist nach der Meinung der Öffentlichkeit, also nach allen Erwachsenen — nicht nach der Meinung der Jugendlichen selbst. Gehe dann jeden Ort mit derselben Frage durch: Wer geht dort zu dieser Zeit hin, und wer geht dort ganz sicher nicht hin? Wer systematisch fehlt, erzeugt die Verzerrung.„Diskutieren“ verlangt für jeden Ort ein Abwägen und ein begründetes Ergebnis, nicht nur ein Urteil.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Keine der fünf Situationen liefert eine repräsentative Stichprobe. In allen Fällen bestimmt der Ort zusammen mit dem Zeitpunkt, wer überhaupt befragt werden kann; die Auswahl ist damit systematisch verzerrt.

Fußgängerzone am Vormittag: Erreicht werden vor allem Menschen, die vormittags Zeit haben — Ruheständler, Personen ohne Beschäftigung, Schichtarbeitende im Frei. Berufstätige und Schülerinnen und Schüler fehlen fast vollständig.

Vor einer Diskothek: Die Befragten sind überwiegend jung. Sie beurteilen ihre eigene Mediennutzung und fallen deutlich milder aus als der Durchschnitt. Ältere Menschen kommen praktisch nicht vor.

Vor einem Fußballstadion: Die Fans sind keine zufällige Auswahl der Bevölkerung, sondern eine Gruppe mit eigener Alters- und Geschlechterverteilung. Zusätzlich ist die Stimmung vor einem Spiel ein schlechter Rahmen für eine ernsthafte Antwort.

In der Nähe eines Ärztezentrums: Hier sammeln sich Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden, im Mittel deutlich älter als die Bevölkerung. Zum Thema Gesundheitsgefahren dürfte die Antwort dadurch besonders kritisch ausfallen.

Am Eingang eines Restaurants: Die Auswahl hängt vom Preisniveau, von der Uhrzeit und von der Lage ab; Einkommen und Alter der Gäste weichen vom Durchschnitt ab. Außerdem ist die Teilnahme freiwillig, sodass zusätzlich eine Selbstauswahl entsteht.

Hinweis zu Aufgabe b)
Eine Stichprobe wird nicht dadurch gut, dass der Ort neutral wirkt. Entscheidend ist, ob die Auswahl zufällig aus einer vollständigen Liste der Grundgesamtheit erfolgt, etwa aus dem Melderegister oder aus zufällig erzeugten Telefonnummern.„Begründen“ verlangt den Bezug auf das Auswahlverfahren, nicht auf den Eindruck.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Zweifelhaft sind zum Beispiel eine Online-Abstimmung auf einer Nachrichtenseite (nur Interessierte stimmen ab), eine Befragung im Wartebereich eines Bahnhofs (Reisende sind keine Bevölkerungsstichprobe) oder eine Umfrage im eigenen Freundeskreis. Vertretbar sind dagegen eine Zufallsauswahl aus dem Melderegister der Stadt, eine Telefonumfrage mit zufällig erzeugten Festnetz- und Mobilfunknummern oder eine geschichtete Auswahl, bei der Alter, Geschlecht und Wohnort vorher in denselben Anteilen wie in der Grundgesamtheit festgelegt werden.

3

Die Sonntagsfrage

AFB II

„Bei der Sonntagsfrage stellen Meinungsforschungsinstitute regelmäßig mindestens 1 000 Bundesbürgern die Frage: ‚Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?‘ Zusätzlich werden weitere Personendaten anonym erfragt.“ Ein veröffentlichtes Ergebnis mit vollständiger Quellenangabe zeigt Material M1.

M1Welche Partei würden Sie wählen, wenn jetzt Bundestagswahl wäre?
AfD — 12 %Sonstige — 5 %Die Linke — 10 %SPD — 20 %Grüne — 10 %FDP — 11 %CDU/CSU — 32 %

Angaben in Prozent. 2505 Befragte vom 25. bis 29.9.2017. Fehlertoleranz: +/− 2,5 Prozentpunkte. Auftraggeber: stern und RTL. Quelle: Forsa

  1. Erklären Sie, weshalb zusätzlich zur Sonntagsfrage weitere Personendaten erhoben werden.
  2. Nennen Sie Faktoren, die Ihrer Meinung nach Berücksichtigung finden sollten, um Repräsentativität zu erlangen.
  3. Recherchieren Sie, mit welchen Methoden die Meinungsforschungsinstitute ihre Daten erheben und wie Repräsentativität erreicht werden soll.
Hinweis zu Aufgabe a)
Ohne Zusatzdaten weiß das Institut nach der Befragung nicht, wen es eigentlich befragt hat. Repräsentativität lässt sich nur bezüglich vorher definierter Merkmale prüfen — und dafür müssen diese Merkmale erhoben werden.„Erklären“ verlangt den Zusammenhang zwischen Zusatzdaten und Prüfbarkeit, nicht nur eine Liste von Daten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Zusatzdaten — Alter, Geschlecht, Wohnort, Bildungsabschluss, Beruf — sind die Merkmale, bezüglich derer die Stichprobe die Grundgesamtheit abbilden muss. Erst mit ihnen lässt sich prüfen, ob die 2505 Befragten die wahlberechtigte Bevölkerung widerspiegeln.

Außerdem erlauben sie es, eine schiefe Stichprobe nachträglich zu gewichten: Ist eine Gruppe unterrepräsentiert, zählen ihre Antworten entsprechend stärker. Und sie machen Auswertungen für Teilgruppen möglich.

Hinweis zu Aufgabe b)
Denke an die Merkmale aus dem Merksatz: Alter, Bildungsstand, Einkommen. Für Wahlumfragen kommen Geschlecht, Wohnort (Ost/West, Stadt/Land) und die frühere Wahlentscheidung hinzu.„Nennen“ verlangt die Aufzählung; die Begründung folgt erst in c).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Berücksichtigt werden sollten mindestens: Alter, Geschlecht, Wohnort nach Bundesland sowie Stadt und Land, Bildungsabschluss, berufliche Stellung und Einkommen. Für Wahlumfragen kommen die Wahlbeteiligung und die Wahlentscheidung bei der letzten Wahl hinzu. Wichtig ist auch die Erreichbarkeit: Wer nur über Festnetz befragt, verliert überwiegend jüngere Haushalte.

Hinweis zu Aufgabe c)
Achte bei der Recherche auf drei Stichworte: Zufallsauswahl der Telefonnummern, Gewichtung der Antworten nach den bekannten Anteilen in der Bevölkerung und Fehlertoleranz. Die Quellenangabe unter M1 nennt die letzte bereits.Zur Recherche gehört die Angabe der Quelle, aus der die Information stammt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Institute arbeiten überwiegend mit Telefoninterviews. Die Rufnummern werden dabei nicht aus dem Telefonbuch entnommen, sondern nach einem Zufallsverfahren erzeugt, damit auch nicht eingetragene Anschlüsse eine Chance haben; Festnetz und Mobilfunk werden in einem festen Verhältnis kombiniert. Daneben gibt es Online-Befragungen aus vorab rekrutierten Zufallsstichproben.

Anschließend werden die Antworten gewichtet, bis die Verteilung der erhobenen Merkmale mit der amtlichen Statistik übereinstimmt. Die verbleibende Unsicherheit wird als Fehlertoleranz angegeben — hier +/− 2,5 Prozentpunkte. Unterschiede, die kleiner sind als diese Toleranz, dürfen nicht als Veränderung gedeutet werden.

Damit ist auch klar, warum die Sonntagsfrage keine Wahlprognose ist: Sie beschreibt die Stimmung im Erhebungszeitraum — hier vom 25. bis 29.9.2017 — und nicht das Ergebnis eines künftigen Wahltags.

4

Eine Stichprobe für die Samstagabendshow

AFB III

„Nach den ersten Folgen einer neuen Samstagabendshow soll durch ein Umfrageinstitut ermittelt werden, ob die Show den Zuschauern gefällt. Da in den Pausen Werbezeiten verkauft werden, sind auch die Altersverteilung und das Geschlecht der Zuschauer interessant. Folgende Einschaltzahlen wurden erfasst:“ (Material M1). Die Altersgruppen „36–49“ und „49–65“ überschneiden sich in der Buchvorlage bei 49 Jahren.

M1Erfasste Einschaltzahlen
Einschaltzahlen einer Samstagabendshow nach Alter und Geschlecht
Alter der Zuschauermännlichweiblich
14–20123 252104 344
21–351 748 2151 245 109
36–491 305 418898 541
49–65749 556801 438
über 65508 174403 964
Summe4 434 6153 453 396
  1. Ermitteln Sie die Zusammensetzung einer repräsentativen Stichprobe, wenn etwa 1 000 Personen befragt werden sollen.
  2. Beurteilen Sie, welche Einschränkungen bei dieser Stichprobe zu nennen sind — sowohl mit Blick auf die Altersgruppen als auch auf die Aussagekraft der Befragung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Grundgesamtheit sind hier alle Zuschauerinnen und Zuschauer der Show, nicht die Bevölkerung. Bestimme zuerst \(N\), indem du alle zehn Zellen addierst. Danach gilt für jede Zelle Anzahl in der Stichprobe \(= n\cdot\dfrac{H}{N}\) mit \(n = 1000\); runde erst am Schluss. Kontrolle: Die zehn gerundeten Werte müssen zusammen wieder 1000 ergeben.„Ermitteln“ verlangt den Rechenweg für mindestens eine Zelle und das vollständige Ergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Gesamtzahl der Einschaltungen ist \(N = 4\,434\,615 + 3\,453\,396 = 7\,888\,011\).

Für jede Zelle gilt \(n\cdot\dfrac{H}{N}\), zum Beispiel für die 21- bis 35-jährigen Männer: \(1000\cdot\dfrac{1\,748\,215}{7\,888\,011}\approx 221{,}6\), also 222 Personen. Ebenso für die 14- bis 20-jährigen Frauen: \(1000\cdot\dfrac{104\,344}{7\,888\,011}\approx 13{,}2\), also 13 Personen.

Repräsentative Stichprobe, n = 1000
Zusammensetzung einer repräsentativen Stichprobe vom Umfang 1000
Alter der Zuschauermännlichweiblich
14–201613
21–35222158
36–49165114
49–6595102
über 656451
Summe1000

Die gerundeten Werte ergeben zusammen genau 1000. Insgesamt sind 562 Männer und 438 Frauen zu befragen — das entspricht den Anteilen von rund 56,2 % und 43,8 % in der Grundgesamtheit.

Hinweis zu Aufgabe b)
Zwei Punkte gehören in die Antwort: die Überschneidung der Klassen bei 49 Jahren und die Frage, wer in der Erhebung überhaupt vorkommt. Frage dich, welche Menschen in der Tabelle systematisch fehlen.„Beurteilen“ verlangt ein eigenes, fachlich begründetes Urteil — nicht nur die Feststellung des Mangels.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Erstens überschneiden sich die Altersgruppen „36–49“ und „49–65“ bei 49 Jahren; wer genau 49 ist, wird doppelt gezählt oder willkürlich einer Gruppe zugeschlagen. Die Klassen müssten sauber getrennt werden, etwa 36–49 und 50–65.

Zweitens misst die Stichprobe nur unter denjenigen, die die Show bereits eingeschaltet haben. Wer sie gar nicht sieht, kommt darin nicht vor — über die Beliebtheit der Show in der Bevölkerung sagt die Befragung deshalb nichts aus.

5

Wahlalter 16 – ein stichhaltiges Argument?

AFB III

„In einer Umfrage aus dem Spätsommer 2015 wurden 716 Menschen gefragt, ob Sie es befürworten würden, wenn das Wahlalter bei Bundestagswahlen auf 16 abgesenkt werden würde:“ Die Antworten nach Altersgruppen zeigt Material M1.

M1Ergebnisse der Umfrage, 716 Befragte
Umfrage zum Wahlalter bei Bundestagswahlen, 716 Befragte, aufgeteilt nach Altersgruppen
Altersgruppen in Jahren
16–1718–2930–4445–5960 und älter
Ich fände 16 Jahre besser.1125202619
Es soll bei 18 Jahren bleiben.772110159211
Unentschieden, keine Angabe313121513
Befragte je Altersgruppe21110142200243

Die unterste Zeile steht nicht in der Buchvorlage; sie fasst die Spalten zusammen.

  1. Berechnen Sie den Anteil der 16- bis 17-Jährigen an allen Befragten und vergleichen Sie das Antwortverhalten dieser Gruppe mit dem der über 60-Jährigen.
  2. Beurteilen Sie, ob sich die Umfrageergebnisse als stichhaltige Argumente für bzw. gegen eine Absenkung des Wahlalters eignen. Begründen Sie Ihre Meinung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Rechne zuerst die Spaltensummen aus: Wie viele Befragte stecken überhaupt in jeder Altersgruppe? Setze anschließend in beiden Gruppen die Zustimmung ins Verhältnis zur jeweiligen Spaltensumme — nicht zu 716.„Vergleichen“ verlangt gleiche Bezugsgrößen; absolute Zahlen aus verschieden großen Gruppen sind nicht vergleichbar.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Insgesamt sprechen sich 101 von 716 Befragten für 16 Jahre aus, das sind rund 14,1 %; 559 Befragte (rund 78,1 %) wollen es bei 18 Jahren belassen, 56 (rund 7,8 %) sind unentschieden.

Der Anteil der 16- bis 17-Jährigen an allen Befragten beträgt \(\dfrac{21}{716}\approx 0{,}029\), also nur knapp 3 %. Ihr Antwortverhalten unterscheidet sich deutlich vom Rest: 11 von 21 Personen (rund 52 %) befürworten 16 Jahre, während es bei den über 60-Jährigen nur 19 von 243 (rund 8 %) sind.

Hinweis zu Aufgabe b)
Trenne zwei Fragen sauber: Ist die Stichprobe repräsentativ — und selbst wenn sie es wäre, ist eine Mehrheitsmeinung schon ein sachliches Argument für oder gegen eine Gesetzesänderung? Achte außerdem darauf, dass die Gruppen unterschiedlich breit sind: „16–17“ umfasst zwei Jahrgänge, „60 und älter“ ist nach oben offen.„Beurteilen“ verlangt ein eigenes Urteil mit fachlicher Begründung, keine Wiedergabe der Zahlen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Altersgruppen sind sehr ungleich besetzt: 21 Befragten im Alter von 16 bis 17 Jahren stehen 243 Befragte ab 60 Jahren gegenüber. Gerade die jüngste Gruppe ist von der Frage unmittelbar betroffen und in der Stichprobe zugleich am schwächsten vertreten.

Die Gruppen sind zudem unterschiedlich breit: „16–17“ umfasst zwei Jahrgänge, „18–29“ zwölf, „60 und älter“ ist nach oben offen. Ein direkter Vergleich der Spalten ist daher irreführend, und ob die Anteile denen der Bevölkerung entsprechen, lässt sich aus der Tabelle nicht ablesen. Auch der Umfang ist knapp: Bei nur 21 Befragten in der jüngsten Gruppe verschiebt eine einzige andere Antwort den Anteil um fast 5 Prozentpunkte.

Als stichhaltiges Argument taugen die Zahlen deshalb nicht. Sie zeigen bestenfalls, dass eine Absenkung des Wahlalters im Spätsommer 2015 mehrheitlich abgelehnt wurde — und zwar vor allem von denen, die davon gar nicht betroffen wären. Hinzu kommt ein grundsätzlicher Einwand: Selbst eine perfekt repräsentative Umfrage misst nur Meinungen. Ob 16-Jährige wählen dürfen sollen, ist eine Frage von Rechten und Verantwortung, die sich durch Mehrheiten nicht beantworten lässt. Wer die Umfrage verwenden will, muss außerdem den Wortlaut der Frage, den Erhebungszeitraum und das Auswahlverfahren mit angeben.

6

Projekt: die eigene Umfrage

AFB III

„Planen Sie in Gruppen eine eigene Umfrage zu einem selbstgewählten Thema (z. B. zur Berufs- und Studienwahl, zu Medienkonsum, zu politischen oder gesellschaftlichen Themen). Überlegen Sie sich geeignete Kriterien, um eine möglichst repräsentative Umfrage durchführen zu können und führen Sie diese durch. Bereiten Sie Ihre Ergebnisse grafisch und sprachlich so auf, dass Sie auf der Schulhomepage oder in der Schülerzeitung veröffentlicht werden können.“

  1. Planen Sie die Erhebung: Grundgesamtheit, Fragestellung, Merkmale und deren Anteile in der Grundgesamtheit.
  2. Bestimmen Sie den Stichprobenumfang \(n\) und die Sollzahlen \(n\cdot\dfrac{H}{N}\) für jede Gruppe, und beschreiben Sie, wie Sie innerhalb der Gruppen auswählen.
  3. Beurteilen Sie zum Schluss, für welche Grundgesamtheit Ihr Ergebnis gilt und welche Gruppen unterrepräsentiert sind.
Hinweis zu Aufgabe a)
Legt als Erstes schriftlich fest, über wen eure Aussage gelten soll: über alle Schülerinnen und Schüler der Schule, über einen Jahrgang oder über die Erwachsenen eures Ortes. Ohne diesen Satz lässt sich später nichts prüfen. Die Anteile der Merkmale in der Grundgesamtheit besorgt ihr mit Quelle, etwa aus dem Sekretariat.„Planen“ verlangt, dass alle Festlegungen vor der Erhebung getroffen und dokumentiert sind.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Eine feste Musterlösung gibt es hier nicht. Erwartet wird: Die Grundgesamtheit ist in einem Satz benannt und abgegrenzt, ebenso die Fragestellung. Die Fragen sind neutral formuliert und legen keine Antwort nahe. Die Merkmale, bezüglich derer die Stichprobe passen muss, sind vor der Erhebung festgelegt; ihre Anteile in der Grundgesamtheit sind mit Quelle dokumentiert (z. B. Schülerzahlen aus dem Sekretariat).

Hinweis zu Aufgabe b)
Rundet die Sollzahlen so, dass ihre Summe wieder \(n\) ergibt. Zieht die Befragten innerhalb jeder Gruppe zufällig, etwa über Losnummern aus der Klassenliste, und legt vorher fest, was ihr bei Nichtantwort tut — sonst entsteht genau dort eine Selbstauswahl.„Bestimmen“ verlangt die Rechnung, „Beschreiben“ das Auswahlverfahren in Worten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Der Stichprobenumfang \(n\) ist begründet, und die Sollzahlen \(n\cdot\dfrac{H}{N}\) sind für jede Gruppe berechnet. Rundungen sind so gewählt, dass die Summe wieder \(n\) ergibt. Die Auswahl innerhalb der Gruppen erfolgt zufällig und nicht über Freiwilligkeit; Ausfälle sind gezählt und im Bericht genannt, damit sichtbar bleibt, wer nicht geantwortet hat.

Hinweis zu Aufgabe c)
Nennt zu jeder Zahl den Umfang, auf den sie sich bezieht — also nicht „62 % sind dafür“, sondern „113 von 180 Befragten, das sind rund 63 %“. Zählt auch die Ausfälle und nennt sie im Bericht.„Beurteilen“ verlangt eine ehrliche Einordnung der Reichweite des Ergebnisses.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Auswertung nennt zu jeder Zahl den Umfang, auf den sie sich bezieht — also nicht „62 % sind dafür“, sondern „113 von 180 Befragten, das sind rund 63 %“. Der Bericht schließt mit einer ehrlichen Einordnung: Für welche Grundgesamtheit gilt das Ergebnis, welche Gruppen sind unterrepräsentiert, und wie groß ist die Unsicherheit bei diesem \(n\)?

Für die Veröffentlichung gehören außerdem der Erhebungszeitraum, der genaue Wortlaut der Fragen und das Auswahlverfahren in einen kurzen Methodenkasten. Personenbezogene Angaben werden nur anonym erhoben und ausgewertet; einzelne Antworten dürfen sich nicht auf bestimmte Personen zurückführen lassen.