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Textaufgaben: Der Median

Fünf Sachaufgaben auf Abiturniveau — von der Wartezeit an der Ausleihtheke bis zur Mietpreis-Schlagzeile, jede mit Hinweisen und Erwartungshorizont zu jeder Teilaufgabe.

1

Wartezeiten an der Ausleihtheke

AFB I

An der Ausleihtheke einer Stadtbibliothek wird an einem Nachmittag bei neun Personen gemessen, wie lange sie in der Schlange warten müssen (Material M1). Kurz vor Schluss kommt eine zehnte Messung hinzu: Diese Person wartet 26 Minuten, weil das Ausleihsystem zwischenzeitlich ausfällt.

M1Gemessene Wartezeiten
Neun Messungen in der Reihenfolge der Erhebung, alle Werte in Minuten
Messung1.2.3.4.5.6.7.8.9.
Wartezeit in min41173961458
  1. Bestimmen Sie den Median der neun Wartezeiten und geben Sie die Position an, an der er in der geordneten Reihe steht.
  2. Bestimmen Sie den Median der zehn Wartezeiten, nachdem die zehnte Messung von 26 Minuten hinzugekommen ist.
  3. Vergleichen Sie, wie stark sich Median und arithmetisches Mittel durch diese zehnte Messung verändern.
Hinweis zu Aufgabe a)
Schreibe die neun Werte zuerst vollständig der Größe nach auf. Erst danach ist die Position \(\dfrac{n+1}{2}\) sinnvoll ablesbar.„Bestimmen“ verlangt den Lösungsweg und das Ergebnis, „Angeben“ nur die Positionszahl.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Geordnete Reihe: 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 11, 14 (alle Werte in Minuten).

Es sind \(n = 9\) Werte, und 9 ist ungerade. Der Median steht an der Position \(\dfrac{9+1}{2} = 5\).

Der 5. Wert der geordneten Reihe ist 7, also \(x_{\mathrm{Med}} = 7\,\mathrm{min}\). Vier Personen warteten höchstens 7 Minuten, vier mindestens 7 Minuten.

Hinweis zu Aufgabe b)
Bei \(n = 10\) ist die Anzahl gerade. Dann gibt es zwei mittlere Positionen \(\dfrac{n}{2}\) und \(\dfrac{n}{2}+1\), aus deren Werten das arithmetische Mittel gebildet wird.„Bestimmen“ verlangt Positionen, Werte und das Ergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Neue geordnete Reihe: 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 11, 14, 26.

Jetzt ist \(n = 10\) gerade. Die mittleren Positionen sind \(\dfrac{10}{2} = 5\) und \(\dfrac{10}{2}+1 = 6\); dort stehen die Werte 7 und 8.

\(x_{\mathrm{Med}} = \dfrac{7+8}{2} = 7{,}5\,\mathrm{min}\). Dieser Wert wurde selbst gar nicht gemessen — bei gerader Anzahl ist der Median eine berechnete Zahl.

Hinweis zu Aufgabe c)
Berechne beide Mittelwerte einmal für neun und einmal für zehn Werte und stelle die vier Zahlen gegenüber. Die Differenzen sagen mehr als die Werte selbst.„Vergleichen“ verlangt Gemeinsamkeiten und Unterschiede nach einem klaren Kriterium, hier die Größe der Veränderung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Median: von 7 min auf 7,5 min, also \(+0{,}5\,\mathrm{min}\).

Arithmetisches Mittel vorher: \(\bar x = \dfrac{3+4+5+6+7+8+9+11+14}{9} = \dfrac{67}{9} \approx 7{,}44\,\mathrm{min}\).

Arithmetisches Mittel nachher: \(\bar x = \dfrac{67+26}{10} = \dfrac{93}{10} = 9{,}30\,\mathrm{min}\), also \(+1{,}86\,\mathrm{min}\).

Das arithmetische Mittel verschiebt sich rund dreieinhalbmal so stark wie der Median. Der Grund liegt in den Rechenvorschriften: In die Summe geht die 26 in voller Höhe ein, für den Median zählt sie dagegen nur als ein weiterer Wert am rechten Rand. Ob dort 26 oder 260 Minuten stehen, würde am Median nichts ändern.

2

Haushaltsgrößen in einem Wohngebiet

AFB II

Für die Planung neuer Wohnungen erhebt eine Stadtverwaltung in einem Wohngebiet, wie viele Personen in jedem Haushalt leben. Erfasst wurden 250 Haushalte; das Ergebnis liegt nur noch als Häufigkeitstabelle vor (Material M1), die Liste der Einzelwerte wurde gelöscht.

M1Anzahl der Personen je Haushalt
Erhebung in 250 Haushalten
Personen je Haushalt \(x\)123456
Anzahl der Haushalte \(H(x)\)62785139155
  1. Ermitteln Sie die kumulierten absoluten Häufigkeiten und bestimmen Sie daraus den Median.
  2. Berechnen Sie das arithmetische Mittel der Haushaltsgröße und erklären Sie, warum es über dem Median liegt.
  3. Erläutern Sie, warum sich der Median hier bestimmen lässt, obwohl die 250 Einzelwerte gar nicht mehr vorliegen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Kumulierte Häufigkeit heißt: Addiere die Häufigkeiten von links nach rechts auf. Bei \(n = 250\) ist die Anzahl gerade, du brauchst also die Werte an zwei Positionen.„Ermitteln“ verlangt das Aufstellen der Werte, „Bestimmen“ den daraus abgeleiteten Median mit Begründung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Kumulierte absolute Häufigkeiten (aufaddiert von links):

bis 1 Person: 62; bis 2: \(62+78 = 140\); bis 3: \(140+51 = 191\); bis 4: \(191+39 = 230\); bis 5: \(230+15 = 245\); bis 6: \(245+5 = 250\).

Die letzte Zahl bestätigt \(n = 250\), es fehlt also kein Haushalt.

Bei geradem \(n = 250\) liegen die mittleren Positionen bei \(\dfrac{250}{2} = 125\) und \(126\). Bis einschließlich 1 Person sind es erst 62 Haushalte, bis einschließlich 2 Personen bereits 140. Beide gesuchten Positionen fallen also auf den Wert 2.

\(x_{\mathrm{Med}} = \dfrac{2+2}{2} = 2\) Personen je Haushalt.

Hinweis zu Aufgabe b)
Verwende die Produkte \(x \cdot H(x)\). Für die Erklärung: In welche der beiden Rechnungen gehen die großen Haushalte mit ihrer vollen Größe ein?„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis; „Erklären“ die Ursache des Unterschieds.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Produkte: \(1\cdot 62 = 62\), \(2\cdot 78 = 156\), \(3\cdot 51 = 153\), \(4\cdot 39 = 156\), \(5\cdot 15 = 75\), \(6\cdot 5 = 30\); Summe \(= 632\).

\(\bar x = \dfrac{632}{250} = 2{,}528 \approx 2{,}53\) Personen je Haushalt.

Der Mittelwert liegt um rund 0,53 Personen über dem Median. Ursache ist die unsymmetrische Verteilung: Nach unten ist sie bei 1 Person begrenzt, nach oben reicht sie bis 6. Die 20 großen Haushalte mit 5 oder 6 Personen gehen in die Summe mit ihrer vollen Größe ein und ziehen \(\bar x\) nach oben. Für den Median zählen sie dagegen nur als 20 Haushalte am rechten Rand — ihre Größe spielt dort keine Rolle.

Hinweis zu Aufgabe c)
Überlege, was du zur Bestimmung des Medians wirklich brauchst: die Werte selbst oder nur die Information, wie viele Werte höchstens so groß wie ein bestimmter Wert sind?„Erläutern“ verlangt eine verständliche Darstellung mit Bezug auf das Verfahren.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zur Bestimmung des Medians muss man nicht wissen, welcher Haushalt welchen Wert hat, sondern nur, an welcher Stelle der geordneten Reihe ein bestimmter Wert steht. Genau diese Auskunft liefert die kumulierte Häufigkeit: Sie sagt, wie viele Haushalte höchstens so groß wie ein gegebener Wert sind.

Die Positionen 125 und 126 liegen zwischen 63 und 140, und alle Haushalte auf diesen Positionen tragen den Wert 2. Damit ist der Median eindeutig festgelegt, ohne dass eine geordnete Liste mit 250 Einträgen geschrieben werden muss.

Das ist der praktische Vorteil des Verfahrens: Bei großen Stichproben wäre das Sortieren von Hand unmöglich, das Aufaddieren von sechs Zahlen dagegen eine Sache von Sekunden.

3

Gehälter in einem Handwerksbetrieb

AFB II

Ein Handwerksbetrieb beschäftigt neun Personen. Material M1 zeigt die monatlichen Bruttogehälter; das höchste gehört dem Inhaber. In einer Betriebsversammlung wird über die Frage gestritten, was in diesem Betrieb „normal“ verdient wird.

M1Monatliche Bruttogehälter
Neun Beschäftigte, alle Beträge in Euro
PersonABCDEFGHInhaber
Gehalt in €2400255026002750290031003300360012 800
  1. Berechnen Sie das arithmetische Mittel und bestimmen Sie den Median der neun Gehälter.
  2. Untersuchen Sie, wie sich beide Kennwerte ändern, wenn das Gehalt des Inhabers von 12 800 € auf 20 000 € steigt.
  3. Ermitteln Sie eine Änderung an genau einem der neun Gehälter, durch die der Median um 200 € steigt, und geben Sie an, wie stark sich dabei das arithmetische Mittel ändert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Werte sind bereits geordnet. Bei \(n = 9\) steht der Median an der Position \(\dfrac{9+1}{2}\). Zähle anschließend ab, wie viele Gehälter unter dem arithmetischen Mittel liegen.„Berechnen“ verlangt Ansatz und Rechnung, „Bestimmen“ den Lösungsweg zum Median.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Summe: \(2400+2550+2600+2750+2900+3100+3300+3600+12\,800 = 36\,000\).

\(\bar x = \dfrac{36\,000\,\text{€}}{9} = 4000\,\text{€}\).

Die Reihe ist bereits geordnet, \(n = 9\) ist ungerade, der Median steht an der Position \(\dfrac{9+1}{2} = 5\): \(x_{\mathrm{Med}} = 2900\,\text{€}\).

Bemerkenswert: 8 der 9 Gehälter liegen unter dem arithmetischen Mittel. Nur der Inhaber verdient mehr.

Hinweis zu Aufgabe b)
Nur die Summe ändert sich, nicht der Nenner. Prüfe getrennt, ob sich die Position des mittleren Wertes in der geordneten Reihe verschiebt.„Untersuchen“ verlangt eine planvolle Betrachtung beider Kennwerte und die Darstellung des Ergebnisses.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Neue Summe: \(36\,000 - 12\,800 + 20\,000 = 43\,200\), also \(\bar x = \dfrac{43\,200\,\text{€}}{9} = 4800\,\text{€}\).

Das arithmetische Mittel steigt um 800 €. Die Kontrollrechnung bestätigt das: \(\dfrac{d}{n} = \dfrac{7200\,\text{€}}{9} = 800\,\text{€}\).

Der Median bleibt dagegen bei 2900 €. Der veränderte Wert steht weiterhin an der 9. Position der geordneten Reihe; der 5. Wert ist unberührt.

Das ist die entscheidende Eigenschaft: Der Median ist gegenüber Ausreißern robust, das arithmetische Mittel nicht. Nach der Erhöhung verdienen sogar 8 von 9 Personen weniger als 60 % des Durchschnitts.

Hinweis zu Aufgabe c)
Der Median ist der 5. Wert. Damit er steigt, muss dieser Wert selbst verändert werden — und die Reihe muss danach immer noch geordnet sein.„Ermitteln“ verlangt einen dargestellten Weg zu einer möglichen Lösung, „Angeben“ nur das zweite Ergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Erhöht man das Gehalt von Person E von 2900 € auf 3100 €, so lautet die geordnete Reihe 2400, 2550, 2600, 2750, 3100, 3100, 3300, 3600, 12 800. Der 5. Wert und damit der Median beträgt nun 3100 € — genau 200 € mehr.

Das arithmetische Mittel steigt dabei nur um \(\dfrac{200\,\text{€}}{9} \approx 22{,}22\,\text{€}\) auf rund 4022,22 €.

Damit zeigt sich die Umkehrung von b): Eine Änderung in der Mitte der Verteilung bewegt den Median stark und das arithmetische Mittel kaum; eine Änderung am Rand bewegt das arithmetische Mittel stark und den Median gar nicht. Beide Kennwerte reagieren also auf ganz verschiedene Teile der Daten.

4

„Mehr als die Hälfte verdient weniger als der Durchschnitt“

AFB III

In einer Diskussionssendung sagt ein Gast: „Es ist ein mathematisches Gesetz — mehr als die Hälfte der Menschen verdient immer weniger als der Durchschnitt.“ Zur Prüfung liegen die Bruttogehälter der elf Beschäftigten einer Werbeagentur vor (Material M1).

M1Bruttogehälter in einer Werbeagentur
Elf Beschäftigte, geordnete Reihe, alle Beträge in Euro
Rang1.2.3.4.5.6.7.8.9.10.11.
Gehalt in €21002200230024002500260028003000340042009500
  1. Prüfen Sie die Aussage an den elf Gehältern des Materials M1.
  2. Entwickeln Sie eine Messreihe aus sieben Werten, für die die Aussage nicht zutrifft, und zeigen Sie das durch Rechnung.
  3. Beurteilen Sie, ob die Aussage ein allgemeingültiges Gesetz beschreibt, und formulieren Sie eine Aussage über den Median, die dagegen immer gilt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Berechne zuerst das arithmetische Mittel und zähle dann ab, wie viele der elf Gehälter darunter liegen. Bestimme zum Vergleich auch den Median.„Prüfen“ verlangt, die Aussage an den Daten zu messen und begründet zu bestätigen oder zu verwerfen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Summe: \(2100+2200+2300+2400+2500+2600+2800+3000+3400+4200+9500 = 37\,000\).

\(\bar x = \dfrac{37\,000\,\text{€}}{11} \approx 3363{,}64\,\text{€}\).

Unter diesem Wert liegen die Gehälter 2100, 2200, 2300, 2400, 2500, 2600, 2800 und 3000, also 8 der 11 Personen (rund 72,7 %). Darüber liegen nur 3400, 4200 und 9500.

Der Median steht bei \(n = 11\) an der Position \(\dfrac{11+1}{2} = 6\) und beträgt \(x_{\mathrm{Med}} = 2600\,\text{€}\) — deutlich unter dem Mittelwert.

Für diesen Datensatz trifft die Aussage also zu.

Hinweis zu Aufgabe b)
Kehre die Situation um: In M1 zieht ein sehr großer Wert den Mittelwert nach oben. Was passiert, wenn stattdessen ein einzelner sehr kleiner Wert die Reihe nach unten zieht?„Entwickeln“ verlangt ein selbst entworfenes Beispiel mit den einzelnen Schritten, „Zeigen“ den rechnerischen Beleg.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Gegenbeispiel: 2; 8; 9; 10; 10; 10; 11 (etwa erreichte Punkte in einem Test mit \(n = 7\)).

Summe \(= 2+8+9+10+10+10+11 = 60\), also \(\bar x = \dfrac{60}{7} \approx 8{,}57\).

Unter dem Mittelwert liegen nur die Werte 2 und 8, also 2 von 7 Personen (rund 28,6 %) — das ist weniger als die Hälfte. Über dem Mittelwert liegen dagegen 5 von 7 Werten.

Der Median beträgt hier \(x_{\mathrm{Med}} = 10\) und liegt damit über dem arithmetischen Mittel. Die Aussage des Gastes ist für diese Messreihe falsch.

Hinweis zu Aufgabe c)
Unterscheide zwischen „gilt häufig“ und „gilt immer“. Für den zweiten Teil: Welche Eigenschaft hat der Median laut Definition — unabhängig davon, wie die Daten aussehen?„Beurteilen“ verlangt ein begründetes eigenes Urteil, „Formulieren“ eine präzise Aussage in Fachsprache.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Urteil: Die Aussage ist kein Gesetz, sondern eine Beobachtung, die für Einkommensverteilungen typischerweise zutrifft. Der Grund ist deren Form: Nach unten sind Einkommen begrenzt, nach oben nicht, sodass wenige sehr hohe Werte die Summe und damit \(\bar x\) nach oben ziehen, während die Masse der Werte darunter liegt. Solche rechtsschiefen Verteilungen haben \(\bar x > x_{\mathrm{Med}}\).

Bei umgekehrt geformten Daten gilt das Gegenteil, wie das Beispiel aus b) zeigt. Bei symmetrischen Verteilungen fallen \(\bar x\) und \(x_{\mathrm{Med}}\) sogar zusammen, und dann liegt genau die Hälfte darunter. Der Gast verallgemeinert also eine Eigenschaft von Einkommensdaten zu einem angeblichen Gesetz.

Was immer gilt: Mindestens die Hälfte aller Werte ist höchstens so groß wie der Median, und mindestens die Hälfte ist mindestens so groß wie der Median. Das folgt unmittelbar aus der Definition, denn der Median ist die Mitte der geordneten Reihe — unabhängig davon, wie die Daten verteilt sind. Wer eine Aussage über „die Hälfte“ treffen will, muss deshalb vom Median sprechen und nicht vom Durchschnitt.

5

Eine Schlagzeile über Mieten

AFB III

Eine Lokalzeitung wertet 15 Wohnungsangebote eines Stadtteils aus (Material M1) und titelt: „Durchschnittsmiete jetzt bei 9,80 € je Quadratmeter“. Im Text heißt es weiter: „2020 lag der Median noch bei 7,60 €/m² — ein Anstieg um fast 29 %.“

Der Mieterverein widerspricht: „Der richtige Wert ist 8,40 €/m².“ Drei der 15 Wohnungen sind neu gebaute, möblierte Apartments.

M1Angebotsmieten im Stadtteil
15 Wohnungsangebote, Nettokaltmiete je Quadratmeter, geordnete Reihe
Rang1.2.3.4.5.6.7.8.
Miete in €/m²6,206,807,107,407,908,108,208,40
Rang9.10.11.12.13.14.15.
Miete in €/m²8,608,909,309,8011,9015,6022,80
  1. Bestätigen Sie beide genannten Zahlen rechnerisch und geben Sie an, wie viele der 15 Wohnungen unter dem arithmetischen Mittel liegen an.
  2. Erklären Sie, warum sich die beiden Kennwerte um 1,40 €/m² unterscheiden, obwohl beide richtig berechnet sind, und berechnen Sie den Unterschied für eine 80 m²-Wohnung.
  3. Nehmen Sie begründet Stellung dazu, welcher Kennwert in eine Berichterstattung über die Mietbelastung gehört, und beurteilen Sie dabei den Vergleich „Median 2020 gegen Mittelwert 2024“.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die 15 Werte sind bereits geordnet. Berechne das arithmetische Mittel über die Summe und lies den Median an der Position \(\dfrac{15+1}{2}\) ab.„Bestätigen“ verlangt, beide vorgegebenen Zahlen durch eigene Rechnung zu belegen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Summe aller 15 Werte: \(6{,}20+6{,}80+7{,}10+7{,}40+7{,}90+8{,}10+8{,}20+8{,}40+8{,}60+8{,}90+9{,}30+9{,}80+11{,}90+15{,}60+22{,}80 = 147{,}00\).

\(\bar x = \dfrac{147{,}00\,\text{€}/\mathrm{m}^2}{15} = 9{,}80\,\text{€}/\mathrm{m}^2\) — die Zahl der Zeitung ist korrekt.

Bei \(n = 15\) steht der Median an der Position \(\dfrac{15+1}{2} = 8\); der 8. Wert ist \(x_{\mathrm{Med}} = 8{,}40\,\text{€}/\mathrm{m}^2\) — die Zahl des Mietervereins ist ebenfalls korrekt.

Unter dem arithmetischen Mittel liegen die Ränge 1 bis 11, also 11 der 15 Wohnungen (rund 73 %). Eine Wohnung liegt genau auf 9,80 €/m², nur drei darüber.

Hinweis zu Aufgabe b)
Schau dir die drei höchsten Werte an. In welche der beiden Rechnungen gehen sie mit ihrer vollen Höhe ein? Für die 80 m²-Wohnung multiplizierst du beide Kennwerte mit der Fläche.„Erklären“ verlangt die Ursache des Unterschieds, „Berechnen“ den Betrag mit Ansatz.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Beide Rechnungen sind richtig, aber sie beantworten verschiedene Fragen. In die Summe des arithmetischen Mittels gehen die drei möblierten Apartments mit 11,90, 15,60 und 22,80 €/m² in voller Höhe ein; zusammen tragen sie \(50{,}30\) von \(147{,}00\), also rund 34 % der Summe bei, obwohl sie nur \(\dfrac{3}{15} = 20\,\%\) der Angebote stellen. Besonders der Spitzenwert 22,80 €/m² wirkt als Ausreißer.

Für den Median zählen diese drei Wohnungen nur als drei Angebote am rechten Rand; ihre Höhe ist gleichgültig. Deshalb bleibt der Median bei 8,40 €/m² und beschreibt, was in der Mitte des Marktes verlangt wird.

Für eine 80 m²-Wohnung bedeutet das \(9{,}80\,\text{€}\cdot 80 = 784{,}00\,\text{€}\) gegenüber \(8{,}40\,\text{€}\cdot 80 = 672{,}00\,\text{€}\), also einen Unterschied von \(112{,}00\,\text{€}\) im Monat oder \(1344{,}00\,\text{€}\) im Jahr.

Hinweis zu Aufgabe c)
Frage dich zuerst, welche Frage beantwortet werden soll: „Was zahlt man hier typischerweise?“ oder „Wie hoch ist das gesamte Mietvolumen?“ Prüfe für den zweiten Teil, ob in beiden Jahren dieselbe Kennzahl verglichen wird.„Stellung nehmen“ verlangt eine eigene, abwägende Position; „Beurteilen“ ein begründetes Urteil über den Vergleich.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Welcher Kennwert gehört in den Bericht? Eine Berichterstattung über die Mietbelastung will die Frage beantworten, was man in diesem Stadtteil typischerweise zahlen muss. Dafür ist der Median die angemessene Kennzahl: Er teilt den Markt in zwei Hälften und wird von einzelnen Luxusangeboten nicht verschoben. Das arithmetische Mittel ist hier irreführend, weil 11 der 15 Wohnungen darunter liegen — es beschreibt keine einzige typische Wohnung.

Das heißt nicht, dass der Mittelwert wertlos wäre: Für Fragen nach dem gesamten Mietvolumen eines Stadtteils, etwa bei der Berechnung von Zuschussbedarf, ist gerade die Summe entscheidend, und dann ist \(\bar x\) die richtige Größe. Am ehrlichsten wäre, beide Zahlen zusammen mit \(n = 15\) und der Spannweite (6,20 bis 22,80 €/m²) zu nennen.

Zum Vergleich der Jahre: Er ist unzulässig, weil zwei verschiedene Kennzahlen gegeneinander gestellt werden. Der Anstieg von 7,60 auf 9,80 €/m² ergibt \(\dfrac{9{,}80}{7{,}60} \approx 1{,}289\), also rund 28,9 % — aber nur, weil 2024 der höhere der beiden Kennwerte gewählt wurde. Vergleicht man Median mit Median, so beträgt der Anstieg \(\dfrac{8{,}40}{7{,}60} \approx 1{,}105\), also rund 10,5 %. Die Zeitung stellt die Entwicklung damit fast dreimal so stark dar, wie sie tatsächlich ist. Ein Vergleich über die Zeit ist nur dann aussagekräftig, wenn in beiden Jahren dieselbe Kennzahl aus vergleichbar erhobenen Daten verwendet wird.