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Textaufgaben: Mittelwert aus Klassenmitten

Fünf Sachaufgaben auf Abiturniveau — vom Paketband bis zur Pressemitteilung, jede mit Hinweisen und Erwartungshorizont zu jeder Teilaufgabe.

1

Paketmassen im Versandzentrum

AFB I

Ein Versandzentrum wertet die Pakete einer Nachtschicht aus. Von 100 Paketen ist die Masse \(m\) in Kilogramm erfasst worden, \([m] = \mathrm{kg}\); alle Pakete wiegen weniger als 10 kg. Aus Datenschutzgründen wird nur die klassierte Tabelle aufbewahrt (Material M1), die Urliste der 100 Einzelmassen wird gelöscht. Für die Kalkulation der Transportkosten wird die mittlere Paketmasse benötigt.

M1Klassierte Paketmassen einer Nachtschicht
Masse \(m\) in kg, Klassenbreite \(b = 2\,\mathrm{kg}\), \(n = 100\)
Klasse (m in kg)absolute Häufigkeit H
0 ≤ m < 224
2 ≤ m < 436
4 ≤ m < 620
6 ≤ m < 812
8 ≤ m < 108
Summe100
  1. Berechnen Sie die fünf Klassenmitten.
  2. Berechnen Sie aus den Klassenmitten den Näherungswert für die mittlere Paketmasse.
  3. Schätzen Sie die Gesamtmasse aller 100 Pakete ab und erläutern Sie, warum das Ergebnis nur ein Näherungswert ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Klassenmitte ist das arithmetische Mittel aus unterer und oberer Klassengrenze, \(m_i = \dfrac{a_i + b_i}{2}\). Weil alle Klassen gleich breit sind, liegen auch die Mitten im Abstand 2 kg.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis für jede Klasse.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

\(m_1 = \dfrac{0 + 2}{2} = 1\); \(m_2 = \dfrac{2 + 4}{2} = 3\); \(m_3 = \dfrac{4 + 6}{2} = 5\); \(m_4 = \dfrac{6 + 8}{2} = 7\); \(m_5 = \dfrac{8 + 10}{2} = 9\), jeweils in Kilogramm.

Hinweis zu Aufgabe b)
Es gilt \(\bar{x} \approx \dfrac{H_1 m_1 + H_2 m_2 + \ldots + H_5 m_5}{n}\) mit \(n = 100\). Lege dir eine Rechentabelle mit einer Spalte für die Produkte \(H_i \cdot m_i\) an.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis mit Einheit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Produkte: \(24 \cdot 1 = 24\); \(36 \cdot 3 = 108\); \(20 \cdot 5 = 100\); \(12 \cdot 7 = 84\); \(8 \cdot 9 = 72\), jeweils in Kilogramm.

Gewichtete Summe: \(24 + 108 + 100 + 84 + 72 = 388\), also 388 kg.

Stichprobenumfang: \(24+36+20+12+8 = 100\). Damit gilt \(\bar{x} \approx \dfrac{388\,\mathrm{kg}}{100} = 3{,}88\,\mathrm{kg}\).

Hinweis zu Aufgabe c)
Die Gesamtmasse ist die Summe aller Einzelmassen; sie steckt bereits in deiner Rechnung aus b). Überlege danach, an welcher Stelle im Rechenweg mit einem Ersatzwert statt mit einem Messwert gearbeitet wurde.„Abschätzen“ verlangt einen begründeten Näherungswert, „Erläutern“ die verständliche Darstellung der Ursache.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Die Gesamtmasse ist die gewichtete Summe aus b): rund 388 kg. Gleichwertig: \(100 \cdot 3{,}88\,\mathrm{kg} = 388\,\mathrm{kg}\).

Es handelt sich nur um einen Näherungswert, weil in der Rechnung nicht die gemessenen Massen stehen, sondern ihre Vertreter. Jedes der 24 Pakete der ersten Klasse ist mit 1 kg angesetzt worden, obwohl seine Masse irgendwo zwischen 0 kg und 2 kg liegt; entsprechend in allen anderen Klassen. Nur wenn die Massen innerhalb jeder Klasse symmetrisch um die Klassenmitte lägen, würden sich die Abweichungen vollständig ausgleichen. Da die Urliste gelöscht ist, lässt sich der exakte Wert nicht mehr bestimmen; deshalb steht in der Rechnung \(\approx\) und nicht \(=\).

2

Wartezeiten im Callcenter — Näherung und exakter Wert

AFB II

Ein Callcenter protokolliert für 20 Anrufe die Wartezeit \(t\) bis zur Annahme des Gesprächs; gemessen wird in vollen Minuten, \([t] = \mathrm{min}\). Die Urliste lautet:

2 · 13 · 6 · 22 · 4 · 11 · 31 · 7 · 20 · 12 · 5 · 15 · 24 · 3 · 36 · 12 · 2 · 24 · 14 · 7

Für den Monatsbericht sollen die Werte in vier Klassen der Breite 10 min von 0 min bis 40 min zusammengefasst und daraus die mittlere Wartezeit bestimmt werden.

  1. Bestimmen Sie die absoluten Häufigkeiten und die Klassenmitten der vier Klassen und berechnen Sie daraus den Näherungswert für die mittlere Wartezeit.
  2. Berechnen Sie den exakten Mittelwert aus der Urliste und vergleichen Sie ihn mit dem Näherungswert aus a).
  3. Erklären Sie, warum die Abweichung in diese Richtung ausfällt, und geben Sie eine Maßnahme an, mit der sich der Näherungswert verbessern ließe.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zähle zuerst nach der Randregel aus: \(0 \le t < 10\), \(10 \le t < 20\), \(20 \le t < 30\), \(30 \le t < 40\). Die Klassenmitten sind die arithmetischen Mittel der jeweiligen Grenzen. Kontrolliere mit \(\sum H_i = 20\).„Bestimmen“ verlangt einen dargestellten Lösungsweg, „Berechnen“ Ansatz, Rechnung und Ergebnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Auszählen: \(0 \le t < 10\): 2; 6; 4; 7; 5; 3; 2; 7, also \(H_1 = 8\). \(10 \le t < 20\): 13; 11; 12; 15; 12; 14, also \(H_2 = 6\). \(20 \le t < 30\): 22; 20; 24; 24, also \(H_3 = 4\). \(30 \le t < 40\): 31; 36, also \(H_4 = 2\). Probe: \(8+6+4+2 = 20 = n\).

Klassenmitten: \(m_1 = 5\); \(m_2 = 15\); \(m_3 = 25\); \(m_4 = 35\) (in Minuten).

Produkte: \(8 \cdot 5 = 40\); \(6 \cdot 15 = 90\); \(4 \cdot 25 = 100\); \(2 \cdot 35 = 70\). Gewichtete Summe \(40+90+100+70 = 300\).

\(\bar{x} \approx \dfrac{300\,\mathrm{min}}{20} = 15{,}0\,\mathrm{min}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Der exakte Mittelwert ist \(\bar{x} = \dfrac{x_1 + x_2 + \ldots + x_{20}}{20}\). Addiere die 20 Werte klassenweise, dann kannst du die Teilsummen in c) weiterverwenden.„Berechnen“ verlangt Ansatz und Ergebnis, „Vergleichen“ die Gegenüberstellung mit Angabe der Differenz.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Summe der Urliste klassenweise: \(2+6+4+7+5+3+2+7 = 36\); \(13+11+12+15+12+14 = 77\); \(22+20+24+24 = 90\); \(31+36 = 67\). Zusammen \(36+77+90+67 = 270\).

\(\bar{x} = \dfrac{270\,\mathrm{min}}{20} = 13{,}5\,\mathrm{min}\).

Vergleich: Der Näherungswert 15,0 min liegt um \(15{,}0 - 13{,}5 = 1{,}5\) Minuten über dem exakten Wert. Das sind bezogen auf 13,5 min rund \(\dfrac{1{,}5}{13{,}5} \approx 11\,\%\) — für einen Monatsbericht keine zu vernachlässigende Abweichung.

Hinweis zu Aufgabe c)
Bilde für jede Klasse den tatsächlichen Mittelwert der dort liegenden Messwerte und vergleiche ihn mit der Klassenmitte. Achte darauf, ob die Werte eher am unteren oder am oberen Rand ihrer Klasse liegen.„Erklären“ verlangt die Rückführung auf die Ursache, „Angeben“ die Maßnahme ohne weitere Begründung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

In jeder einzelnen Klasse liegen die Messwerte im Mittel unterhalb der Klassenmitte:

\(0 \le t < 10\): tatsächliches Mittel \(\dfrac{36}{8} = 4{,}5\) gegenüber der Klassenmitte 5. \(10 \le t < 20\): \(\dfrac{77}{6} \approx 12{,}83\) gegenüber 15. \(20 \le t < 30\): \(\dfrac{90}{4} = 22{,}5\) gegenüber 25. \(30 \le t < 40\): \(\dfrac{67}{2} = 33{,}5\) gegenüber 35.

Die Wartezeiten häufen sich also innerhalb jeder Klasse am unteren Rand — typisch für Wartezeiten, bei denen kurze Zeiten häufiger sind als lange. Wenn jeder Wert durch eine zu große Zahl ersetzt wird, muss auch die gewichtete Summe zu groß werden: \(300\) statt \(270\). Die Fehler gleichen sich nicht aus, weil sie alle dasselbe Vorzeichen haben. Wären die Werte innerhalb jeder Klasse symmetrisch um die Mitte verteilt, so wäre die Abweichung nahezu null.

Verbesserung: schmalere Klassen wählen, zum Beispiel acht Klassen der Breite 5 min. Dann liegt jeder Messwert höchstens 2,5 min statt höchstens 5 min von seiner Klassenmitte entfernt, und die mögliche Abweichung halbiert sich.

3

Die offene Randklasse einer Volkshochschule

AFB II

Eine Volkshochschule veröffentlicht die Altersstruktur der 100 Teilnehmenden eines Sprachkurses. Das Alter \(a\) wird in Jahren angegeben, \([a] = \mathrm{a}\). Die letzte Klasse ist offen formuliert: „60 Jahre und älter“ (Material M1). Aus den Anmeldeunterlagen ist bekannt, dass die älteste teilnehmende Person 89 Jahre alt ist. Der Kursleiter möchte das mittlere Alter der Gruppe angeben.

M1Altersstruktur des Sprachkurses
Alter \(a\) in Jahren, \(n = 100\)
Klasse (a in Jahren)absolute Häufigkeit H
20 ≤ a < 3018
30 ≤ a < 4024
40 ≤ a < 5030
50 ≤ a < 6020
60 und älter8
Summe100
  1. Erläutern Sie, warum sich für die letzte Klasse keine Klassenmitte unmittelbar bestimmen lässt, und legen Sie zwei begründete Annahmen fest.
  2. Berechnen Sie das mittlere Alter für beide Annahmen und vergleichen Sie die Ergebnisse.
  3. In einem zweiten Kurs mit ebenfalls 100 Teilnehmenden lauten die Häufigkeiten 18, 20, 22, 10 und 30. Beurteilen Sie, wie stark das Ergebnis in beiden Kursen von der gewählten Annahme abhängt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Zur Klassenmitte \(m = \dfrac{a+b}{2}\) werden beide Grenzen gebraucht. Überlege, welche Zusatzinformation eine obere Grenze liefern kann — und welche Annahme sich allein aus der Tabelle rechtfertigen lässt.„Erläutern“ verlangt eine verständliche Darstellung mit Bezug auf die Formel, „Festlegen“ die begründete Entscheidung für jeweils eine Variante.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die Klassenmitte ist \(m = \dfrac{a+b}{2}\) und setzt eine obere Grenze \(b\) voraus. Die Angabe „60 und älter“ nennt nur die untere Grenze 60; nach oben ist die Klasse offen. Ohne eine zusätzliche Festlegung ist die Klassenmitte deshalb unbestimmt.

Annahme 1: Die Randklasse wird so breit angesetzt wie die übrigen Klassen, also \(60 \le a < 70\). Dann ist \(m_5 = \dfrac{60+70}{2} = 65\). Diese Annahme kommt ohne Zusatzwissen aus und behandelt alle Klassen gleich.

Annahme 2: Die Randklasse wird bis zum bekannten Höchstalter ausgedehnt, also \(60 \le a < 90\). Dann ist \(m_5 = \dfrac{60+90}{2} = 75\). Diese Annahme nutzt die Information aus den Anmeldeunterlagen und stellt sicher, dass alle Teilnehmenden tatsächlich in ihrer Klasse liegen.

Jede Annahme muss bei der Veröffentlichung des Ergebnisses ausdrücklich genannt werden.

Hinweis zu Aufgabe b)
Die ersten vier Klassen liefern in beiden Fällen denselben Beitrag; berechne ihn einmal und setze danach nur die Randklasse verschieden an.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis, „Vergleichen“ die Gegenüberstellung mit Angabe der Differenz.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Beitrag der ersten vier Klassen: \(18 \cdot 25 + 24 \cdot 35 + 30 \cdot 45 + 20 \cdot 55 = 450 + 840 + 1350 + 1100 = 3740\).

Annahme 1 (\(m_5 = 65\)): \(3740 + 8 \cdot 65 = 3740 + 520 = 4260\), also \(\bar{x} \approx \dfrac{4260}{100} = 42{,}6\) Jahre.

Annahme 2 (\(m_5 = 75\)): \(3740 + 8 \cdot 75 = 3740 + 600 = 4340\), also \(\bar{x} \approx \dfrac{4340}{100} = 43{,}4\) Jahre.

Vergleich: Die beiden Ergebnisse unterscheiden sich um 0,8 Jahre. Obwohl die angenommene Klassenmitte um 10 Jahre auseinanderliegt, wirkt sich das nur schwach aus, denn die Randklasse enthält lediglich 8 der 100 Teilnehmenden. Der Einfluss beträgt \(\dfrac{8}{100} \cdot 10 = 0{,}8\) Jahre.

Hinweis zu Aufgabe c)
Entscheidend ist nicht die Annahme allein, sondern ihr Gewicht. Rechne den zweiten Kurs mit denselben beiden Annahmen durch und vergleiche die beiden Differenzen miteinander.„Beurteilen“ verlangt ein selbstständiges Urteil, das sich auf die eigenen Rechnungen stützt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zweiter Kurs, Beitrag der ersten vier Klassen: \(18 \cdot 25 + 20 \cdot 35 + 22 \cdot 45 + 10 \cdot 55 = 450 + 700 + 990 + 550 = 2690\).

Annahme 1: \(2690 + 30 \cdot 65 = 2690 + 1950 = 4640\), also \(\bar{x} \approx 46{,}4\) Jahre. Annahme 2: \(2690 + 30 \cdot 75 = 2690 + 2250 = 4940\), also \(\bar{x} \approx 49{,}4\) Jahre.

Beurteilung: Im ersten Kurs unterscheiden sich die Ergebnisse um 0,8 Jahre, im zweiten um 3,0 Jahre — fast das Vierfache. Der Grund ist die Besetzung der Randklasse: Sie trägt mit dem Gewicht \(\dfrac{H_5}{n}\) in den Mittelwert ein, hier also mit 8 % gegenüber 30 %. Allgemein ändert eine Verschiebung der angenommenen Klassenmitte um \(\Delta m\) den Mittelwert um \(\dfrac{H_5}{n} \cdot \Delta m\).

Daraus folgt: Solange die offene Randklasse schwach besetzt ist, ist der Mittelwert gegenüber der Annahme robust und darf mit dem Hinweis auf die getroffene Annahme veröffentlicht werden. Ist sie dagegen stark besetzt, so ist der berechnete Mittelwert im Wesentlichen ein Ergebnis der Annahme und nicht der Daten. Im zweiten Kurs sollte deshalb entweder das Höchstalter erhoben oder statt des Mittelwerts ein Kennwert angegeben werden, der von der offenen Randklasse nicht abhängt.

4

Wie genau ist die Näherung? Zwei Klassenbreiten im Forstbetrieb

AFB III

Ein Forstbetrieb misst an 40 Buchen den Stammdurchmesser \(d\) in Zentimetern, \([d] = \mathrm{cm}\); alle Werte liegen zwischen 10 cm und 50 cm. Der Betrieb klassiert dieselben 40 Messwerte auf zwei Arten: einmal mit der Klassenbreite 5 cm, einmal mit der Klassenbreite 10 cm (Material M1). Da die Urliste noch vorliegt, ist auch der exakte Mittelwert bekannt: er beträgt \(\bar{x} = 30{,}80\,\mathrm{cm}\).

M1Dieselben 40 Stammdurchmesser in zwei Klassenbreiten
Absolute Häufigkeiten, \(n = 40\)
Klasse (d in cm), b = 5 cmHKlasse (d in cm), b = 10 cmH
10 ≤ d < 15110 ≤ d < 206
15 ≤ d < 205––
20 ≤ d < 25420 ≤ d < 3016
25 ≤ d < 3012––
30 ≤ d < 35230 ≤ d < 4013
35 ≤ d < 4011––
40 ≤ d < 45140 ≤ d < 505
45 ≤ d < 504––
Summe40Summe40
  1. Berechnen Sie für beide Klasseneinteilungen den Näherungswert des mittleren Stammdurchmessers.
  2. Vergleichen Sie beide Näherungswerte mit dem exakten Mittelwert und erklären Sie, warum die grobe Einteilung so deutlich danebenliegt.
  3. Leiten Sie her, dass der aus Klassenmitten berechnete Mittelwert vom exakten Mittelwert höchstens um die halbe Klassenbreite abweichen kann, und beurteilen Sie damit die Brauchbarkeit des Verfahrens.
Hinweis zu Aufgabe a)
Bei \(b = 5\,\mathrm{cm}\) lauten die Klassenmitten 12,5; 17,5; 22,5; …; bei \(b = 10\,\mathrm{cm}\) lauten sie 15; 25; 35; 45. Lege für jede Einteilung eine Rechentabelle mit den Produkten \(H_i \cdot m_i\) an und prüfe jeweils \(\sum H_i = 40\).„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis für beide Einteilungen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Feine Einteilung (\(b = 5\,\mathrm{cm}\)): Klassenmitten 12,5; 17,5; 22,5; 27,5; 32,5; 37,5; 42,5; 47,5.

Produkte: \(1 \cdot 12{,}5 = 12{,}5\); \(5 \cdot 17{,}5 = 87{,}5\); \(4 \cdot 22{,}5 = 90\); \(12 \cdot 27{,}5 = 330\); \(2 \cdot 32{,}5 = 65\); \(11 \cdot 37{,}5 = 412{,}5\); \(1 \cdot 42{,}5 = 42{,}5\); \(4 \cdot 47{,}5 = 190\).

Gewichtete Summe: \(12{,}5+87{,}5+90+330+65+412{,}5+42{,}5+190 = 1230\), also \(\bar{x} \approx \dfrac{1230\,\mathrm{cm}}{40} = 30{,}75\,\mathrm{cm}\).

Grobe Einteilung (\(b = 10\,\mathrm{cm}\)): Klassenmitten 15; 25; 35; 45.

Produkte: \(6 \cdot 15 = 90\); \(16 \cdot 25 = 400\); \(13 \cdot 35 = 455\); \(5 \cdot 45 = 225\). Gewichtete Summe \(90+400+455+225 = 1170\), also \(\bar{x} \approx \dfrac{1170\,\mathrm{cm}}{40} = 29{,}25\,\mathrm{cm}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Sieh dir an, wie sich die Häufigkeiten der feinen Einteilung innerhalb jeder groben Klasse auf untere und obere Hälfte verteilen. In welcher Hälfte liegen jeweils mehr Messwerte?„Vergleichen“ verlangt die Gegenüberstellung mit Differenzangabe, „Erklären“ die Rückführung auf die Ursache.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Exakt: 30,80 cm. Feine Einteilung: 30,75 cm, Abweichung \(-0{,}05\,\mathrm{cm}\). Grobe Einteilung: 29,25 cm, Abweichung \(-1{,}55\,\mathrm{cm}\) — also das Einunddreißigfache.

Ursache: In jeder groben Klasse liegen deutlich mehr Messwerte in der oberen als in der unteren Hälfte. In \(10 \le d < 20\) sind es 1 gegen 5, in \(20 \le d < 30\) 4 gegen 12, in \(30 \le d < 40\) 2 gegen 11 und in \(40 \le d < 50\) 1 gegen 4. Die grobe Klassenmitte liegt damit systematisch zu weit links, und der Näherungswert fällt zu klein aus.

Der Effekt lässt sich sogar beziffern: Jeder Messwert, der von der unteren in die obere Hälfte wechselt, verschiebt die gewichtete Summe um eine halbe grobe Klassenbreite, hier um 5 cm. Der Überschuss der oberen Hälften beträgt \((5-1) + (12-4) + (11-2) + (4-1) = 24\) Messwerte, also \(24 \cdot 2{,}5\,\mathrm{cm} = 60\,\mathrm{cm}\) in der Summe — genau die Differenz \(1230 - 1170\). Geteilt durch \(n = 40\) ergibt das die Differenz der beiden Näherungswerte von 1,5 cm.

Die feine Einteilung trifft den exakten Wert fast genau, weil sie diese Unwucht innerhalb der Klassen sichtbar macht und richtig gewichtet. Die Verteilung ist hier zweigipflig (junger und alter Bestand); gerade solche Verteilungen vertragen breite Klassen schlecht.

Hinweis zu Aufgabe c)
Betrachte einen einzelnen Messwert \(x\) in der Klasse mit der Mitte \(m\) und der Breite \(b\). Wie weit kann er von \(m\) höchstens entfernt sein? Übertrage die Abschätzung anschließend auf die Summe aller \(n\) Messwerte.„Herleiten“ verlangt logische und mathematische Schlüsse aus Bekanntem, „Beurteilen“ ein begründetes eigenes Urteil.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Herleitung. Liegt ein Messwert \(x\) in der Klasse \(a \le x < a + b\) mit der Mitte \(m = a + \tfrac{b}{2}\), so gilt \(|x - m| \le \dfrac{b}{2}\); der größtmögliche Abstand wird an den Rändern der Klasse erreicht.

Für die beiden Mittelwerte gilt \(\bar{x}_{\text{klassiert}} - \bar{x}_{\text{exakt}} = \dfrac{1}{n}\sum_{j=1}^{n} (m_{(j)} - x_j)\), wobei \(m_{(j)}\) die Mitte der Klasse ist, in der \(x_j\) liegt. Mit der Dreiecksungleichung folgt

\(\left|\bar{x}_{\text{klassiert}} - \bar{x}_{\text{exakt}}\right| \le \dfrac{1}{n}\sum_{j=1}^{n} \left|m_{(j)} - x_j\right| \le \dfrac{1}{n} \cdot n \cdot \dfrac{b}{2} = \dfrac{b}{2}\).

Kontrolle an den Daten. Feine Einteilung: \(\dfrac{b}{2} = 2{,}5\,\mathrm{cm}\), tatsächliche Abweichung 0,05 cm. Grobe Einteilung: \(\dfrac{b}{2} = 5\,\mathrm{cm}\), tatsächliche Abweichung 1,55 cm. Beide Schranken sind eingehalten.

Beurteilung. Das Verfahren ist brauchbar, aber nur mit Angabe der Klassenbreite. Die Schranke \(\tfrac{b}{2}\) ist eine Garantie, die allein von der Klassenbreite abhängt und ohne Kenntnis der Urliste ausgesprochen werden kann — das ist ihre Stärke. Sie ist allerdings sehr grob: Der ungünstigste Fall tritt nur ein, wenn alle Messwerte am selben Klassenrand liegen. In der Praxis ist die Abweichung meist viel kleiner, wie die feine Einteilung hier zeigt.

Daraus folgen zwei Regeln: Erstens sollte die Klassenbreite so klein gewählt werden, dass \(\tfrac{b}{2}\) gegenüber der geforderten Genauigkeit klein ist — wer den mittleren Durchmesser auf 1 cm genau braucht, darf nicht mit \(b = 10\,\mathrm{cm}\) rechnen. Zweitens darf ein aus Klassenmitten gewonnener Mittelwert nie genauer angegeben werden, als die Klassenbreite es zulässt; die Angabe „29,25 cm“ täuscht eine Genauigkeit vor, die diese Rechnung nicht hergibt.

5

Eine Pressemitteilung zum Durchschnittseinkommen

AFB III

Eine Gemeinde veröffentlicht Angaben zum monatlichen Nettoeinkommen \(E\) ihrer 2000 erwerbstätigen Einwohnerinnen und Einwohner, \([E] = \text{€}\). Erhoben wurde nur in Klassen; die oberste Klasse ist offen (Material M1). Die Pressemitteilung lautet: „Das durchschnittliche Monatseinkommen in unserer Gemeinde beträgt 3 130,00 €. Unsere Bürgerinnen und Bürger stehen damit wirtschaftlich sehr gut da.“ Wie die offene Klasse angesetzt wurde, teilt die Pressestelle nicht mit.

M1Erhobene Einkommensklassen
Monatliches Nettoeinkommen \(E\) in €, \(n = 2000\)
Klasse (E in €)absolute Häufigkeit HKlassenmitte m in €
0 ≤ E < 1000120500
1000 ≤ E < 20003801500
2000 ≤ E < 30006202500
3000 ≤ E < 40004803500
4000 ≤ E < 60003005000
6000 und mehr100offen
Summe2000–
  1. Berechnen Sie das mittlere Monatseinkommen unter der Annahme, dass die offene Klasse durch die Klassenmitte 8000 € vertreten wird.
  2. Ermitteln Sie, welche Klassenmitte die Pressestelle für die offene Klasse angesetzt haben muss, um auf 3 130,00 € zu kommen.
  3. Beurteilen Sie die Pressemitteilung und entwickeln Sie einen Vorschlag für eine sachgerechte Veröffentlichung.
Hinweis zu Aufgabe a)
Berechne zuerst den Beitrag der fünf abgeschlossenen Klassen. Beachte, dass die Klasse \(4000 \le E < 6000\) doppelt so breit ist wie die vorherigen — ihre Klassenmitte ist trotzdem das Mittel ihrer beiden Grenzen.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis mit Einheit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Beitrag der fünf abgeschlossenen Klassen:

\(120 \cdot 500 = 60\,000\); \(380 \cdot 1500 = 570\,000\); \(620 \cdot 2500 = 1\,550\,000\); \(480 \cdot 3500 = 1\,680\,000\); \(300 \cdot 5000 = 1\,500\,000\).

Summe: \(60\,000 + 570\,000 + 1\,550\,000 + 1\,680\,000 + 1\,500\,000 = 5\,360\,000\) (in €).

Mit \(m_6 = 8000\,\text{€}\) kommen \(100 \cdot 8000 = 800\,000\,\text{€}\) hinzu, also insgesamt \(6\,160\,000\,\text{€}\).

\(\bar{x} \approx \dfrac{6\,160\,000\,\text{€}}{2000} = 3080\,\text{€}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Setze die gesuchte Klassenmitte als \(m\) an und stelle die Gleichung \(\dfrac{S + 100\,m}{2000} = 3130\) auf, wobei \(S\) der Beitrag der abgeschlossenen Klassen aus a) ist. Löse nach \(m\) auf und mache die Probe.„Ermitteln“ verlangt einen dargestellten Weg zum Ergebnis, hier über eine Gleichung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Ansatz: \(\dfrac{5\,360\,000 + 100\,m}{2000} = 3130\).

Umformen: \(5\,360\,000 + 100\,m = 2000 \cdot 3130 = 6\,260\,000\), also \(100\,m = 900\,000\) und damit \(m = 9000\).

Die Pressestelle muss die offene Klasse also durch die Klassenmitte 9000 € vertreten haben; das entspricht der Annahme \(6000 \le E < 12\,000\).

Probe: \(\dfrac{5\,360\,000 + 100 \cdot 9000}{2000} = \dfrac{6\,260\,000}{2000} = 3130\) ✓

Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfe vier Punkte: die angegebene Genauigkeit, die Abhängigkeit von der unbekannten Annahme, die Form der Verteilung (bestimme dazu über die kumulierten Häufigkeiten die Klasse, in der der Median liegt) und die Frage, was „wirtschaftlich gut dastehen“ belegen würde.„Beurteilen“ verlangt ein selbstständiges, fachlich begründetes Urteil, „Entwickeln“ einen Entwurf mit den einzelnen Schritten.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Scheingenauigkeit. Der Wert wird auf den Cent genau angegeben, obwohl die Einkommen nur in Klassen von 1000 € (die vorletzte sogar 2000 €) Breite erhoben wurden und jeder Einzelwert durch seine Klassenmitte ersetzt worden ist. Schon die Schranke „halbe Klassenbreite“ erlaubt bei \(b = 1000\,\text{€}\) eine Abweichung von bis zu 500 €. Eine Angabe wie „rund 3100 €“ wäre ehrlich; „3 130,00 €“ täuscht eine Genauigkeit vor, die die Daten nicht hergeben.

Verschwiegene Annahme. Der veröffentlichte Wert hängt entscheidend davon ab, wie die offene Klasse angesetzt wird: 3080 € bei 8000 €, 3130 € bei 9000 €, und bei 12 000 € wären es \(\dfrac{5\,360\,000 + 1\,200\,000}{2000} = 3280\,\text{€}\). Allgemein ändern 1000 € mehr in der angenommenen Klassenmitte den Mittelwert um \(\dfrac{100}{2000} \cdot 1000\,\text{€} = 50\,\text{€}\). Wer eine solche Zahl veröffentlicht, muss die Annahme mitteilen — sonst ist das Ergebnis nicht nachprüfbar.

Schiefe Verteilung. Die kumulierten Häufigkeiten lauten 120; 500; 1120; 1600; 1900; 2000. Der Median liegt damit in der Klasse \(2000 \le E < 3000\), also deutlich unterhalb des Mittelwerts. Tatsächlich verdienen \(\dfrac{1120}{2000} = 56\,\%\) der Erwerbstätigen weniger als 3000 € und damit weniger als den veröffentlichten „Durchschnitt“. Bei rechtsschiefen Verteilungen wie Einkommen zieht das obere Ende den Mittelwert nach oben; er beschreibt dann nicht das typische Einkommen.

Schlussfolgerung. Die Aussage „wirtschaftlich sehr gut da“ wird durch die Zahl nicht getragen. Sie beruht auf einem Näherungswert mit unbekannter Annahme, auf einer schiefen Verteilung und auf einem Kennwert, unter dem mehr als die Hälfte der Betroffenen liegt. Ein Vergleichswert — etwa der Landesdurchschnitt — fehlt ohnehin.

Vorschlag. Erstens die vollständige Häufigkeitstabelle mit absoluten und relativen Häufigkeiten veröffentlichen, damit jede Leserin selbst rechnen kann. Zweitens die Annahme für die offene Klasse ausdrücklich nennen und angeben, wie sich das Ergebnis bei anderen Annahmen ändert. Drittens auf ganze hundert Euro runden und das Ergebnis als Näherungswert kennzeichnen. Viertens zusätzlich die Medianklasse und den Anteil unter 3000 € angeben, weil diese Kennwerte von der offenen Randklasse nicht abhängen und die schiefe Verteilung besser beschreiben. Fünftens einen Vergleichswert nennen, damit die Einordnung überhaupt möglich wird.