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Textaufgaben: Diagramme lesen und auswerten

Fünf Sachaufgaben auf Abiturniveau — vom Wertstoffhof bis zur Schlagzeile der Schülerzeitung, jede mit Hinweisen und Erwartungshorizont zu jeder Teilaufgabe.

1

Altbatterien am Wertstoffhof

AFB I

Ein Wertstoffhof veröffentlicht für das erste Halbjahr 2024 ein Säulendiagramm der monatlich abgegebenen Altbatterien (Material M1). Die Zahlenwerte stehen bewusst nicht an den Säulen; abgelesen wird über die Rasterlinien.

M1Abgegebene Altbatterien je Monat
050100150200250300JanuarFebruarMärzAprilMaiJuniMonat (Jahr 2024)gesammelte Masse in kg
  1. Bestimmen Sie, für welche Masse eine Rasterlinie steht, und lesen Sie die Werte für März und Mai ab.
  2. Berechnen Sie die im ersten Halbjahr insgesamt gesammelte Masse und den Anteil des stärksten Monats daran in Prozent (eine Nachkommastelle).
  3. Berechnen Sie die Zunahme von Februar auf April und erklären Sie, warum die beiden Sätze „Im April kamen 150 kg mehr zusammen als im Februar“ und „Im April kamen 150 % mehr zusammen als im Februar“ hier beide zutreffen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Die Skalierung findest du über \(\dfrac{\text{oberer Achsenwert}-\text{unterer Achsenwert}}{\text{Anzahl der Zwischenräume}}\). Endet eine Säule zwischen zwei Linien, gehört zu ihr die halbe Rasterweite.„Bestimmen“ verlangt den Rechenweg und das Ergebnis, „Ablesen“ den Wert mit Einheit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Die senkrechte Achse ist von \(0\) bis \(300\,\mathrm{kg}\) beschriftet, dazwischen liegen sechs Zwischenräume: \(\dfrac{300\,\mathrm{kg}-0\,\mathrm{kg}}{6}=50\,\mathrm{kg}\) pro Rasterlinie.

Die Märzsäule endet genau zwischen der Linie für 200 kg und der für 250 kg, also bei \(225\,\mathrm{kg}\). Die Maisäule endet zwischen 150 kg und 200 kg, also bei \(175\,\mathrm{kg}\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Erst alle sechs Monatswerte notieren, dann addieren. Der Anteil ist \(\dfrac{\text{Teil}}{\text{Ganzes}}\cdot 100\,\%\) mit der Halbjahressumme als Ganzem.„Berechnen“ verlangt Ansatz, Rechnung und Ergebnis mit Einheit.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Abgelesen ergeben sich 150, 100, 225, 250, 175 und 200 Kilogramm.

Summe: \(150+100+225+250+175+200=1100\,\mathrm{kg}\).

Stärkster Monat ist der April mit 250 kg: \(\dfrac{250}{1100}\cdot 100\,\% \approx 22{,}7\,\%\). Rund 22,7 % der Halbjahresmenge stammen aus dem April.

Hinweis zu Aufgabe c)
Die absolute Zunahme ist eine Differenz, die prozentuale Zunahme ein Quotient: \(\dfrac{\text{Zunahme}}{\text{Ausgangswert}}\). Sieh dir an, wie groß der Februarwert ist.„Berechnen“ verlangt beide Rechnungen, „Erklären“ die Ursache des Zusammenfallens.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Absolute Zunahme: \(250\,\mathrm{kg}-100\,\mathrm{kg}=150\,\mathrm{kg}\).

Prozentuale Zunahme: \(\dfrac{150}{100}=1{,}5=150\,\%\); die Menge ist auf das \(2{,}5\)-Fache gestiegen.

Dass beide Sätze dieselbe Zahl 150 nennen, ist ein Zufall des Ausgangswerts: Der Februarwert beträgt genau 100 kg, und 1 % von 100 kg ist 1 kg. Nur deshalb stimmen Kilogramm und Prozent zahlenmäßig überein. Wäre im Februar von 200 kg auszugehen, wären dieselben 150 kg nur noch 75 %. Die beiden Angaben messen also Verschiedenes und dürfen nicht gegeneinander ausgetauscht werden.

2

Zwei Bilder, dieselben Zahlen

AFB II

Ein Verkehrsverbund erhebt für eine Regionalbahnlinie die Pünktlichkeitsquote, also den Anteil der Fahrten mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Für die vier Quartale des Jahres 2024 liegen die Werte 86 %, 88 %, 87 % und 90 % vor. Die Pressestelle lässt beide Darstellungen in Material M1 anfertigen und veröffentlicht die rechte unter der Überschrift „Pünktlichkeit deutlich verbessert“.

M1Dieselben vier Quartalswerte in zwei Darstellungen
Darstellung 1 — Achse ab 0 %020406080100Q1Q2Q3Q4Pünktlichkeit in %Darstellung 2 — Achse ab 85 %85868788899091Q1Q2Q3Q4Pünktlichkeit in %
  1. Lesen Sie aus beiden Darstellungen die vier Quartalswerte ab und zeigen Sie, dass beide Diagramme dieselben Daten enthalten.
  2. Berechnen Sie in beiden Darstellungen das Verhältnis der Säulenhöhe des vierten Quartals zu der des ersten und vergleichen Sie es mit dem Verhältnis der tatsächlichen Werte.
  3. Erklären Sie, welche Vergleiche bei einer abgeschnittenen Achse noch zulässig sind und welche nicht.
Hinweis zu Aufgabe a)
Bestimme für jede Darstellung zuerst getrennt die Skalierung: links liegen zwischen zwei Linien 20 Prozentpunkte, rechts nur einer.„Ablesen“ verlangt die Werte mit Einheit, „Zeigen“ den Nachweis durch den Vergleich der acht abgelesenen Zahlen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Darstellung 1: Zwischen zwei Rasterlinien liegen 20 Prozentpunkte. Die Säulen enden bei 86 %, 88 %, 87 % und 90 %.

Darstellung 2: Zwischen zwei Rasterlinien liegt genau ein Prozentpunkt, die Achse beginnt bei 85 %. Die Säulen enden bei 86 %, 88 %, 87 % und 90 %.

Beide Darstellungen liefern paarweise dieselben vier Zahlen; es handelt sich um dieselben Daten. Unterschiedlich ist nur der Achsenausschnitt.

Hinweis zu Aufgabe b)
Die Höhe einer Säule über der Achse ist proportional zum Wert minus dem Achsenstart. Rechne rechts also mit \(86-85\) und \(90-85\).„Berechnen“ verlangt beide Quotienten, „Vergleichen“ die Gegenüberstellung mit dem wahren Verhältnis.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Darstellung 1 (Achse ab 0 %): Die Höhen sind proportional zu den Werten selbst, also \(\dfrac{90}{86}\approx 1{,}05\). Die vierte Säule ist rund 5 % höher als die erste.

Darstellung 2 (Achse ab 85 %): Die Höhen sind proportional zu \(\text{Wert}-85\), also zu 1, 3, 2 und 5 Prozentpunkten. Es gilt \(\dfrac{90-85}{86-85}=\dfrac{5}{1}=5\) — die vierte Säule ist fünfmal so hoch wie die erste.

Tatsächlich beträgt der Unterschied \(90-86=4\) Prozentpunkte, relativ \(\dfrac{4}{86}\approx 0{,}047=4{,}7\,\%\). Das Auge sieht in Darstellung 2 also den Faktor 5, wo in den Daten der Faktor \(1{,}05\) steht — ein rund hundertfach übertriebener Eindruck.

Hinweis zu Aufgabe c)
Frage dich, was bei einer Verschiebung der Achse erhalten bleibt: Abstände oder Vielfache?„Erklären“ verlangt die Rückführung auf die Konstruktion der Achse, nicht nur die Feststellung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zulässig bleiben Differenzen: Da die Skalierung gleichmäßig ist, entspricht ein fester Abstand auf der Achse in beiden Darstellungen demselben Prozentpunkt. Man darf also weiterhin sagen, dass Q4 um 4 Prozentpunkte über Q1 liegt, und man darf die Rangfolge der Quartale ablesen.

Nicht zulässig sind Verhältnisse, also Aussagen wie „doppelt so pünktlich“ oder „fünfmal so gut“. Ein Vielfaches der Säulenhöhe ist nur dann ein Vielfaches des Werts, wenn die Achse bei null beginnt; sonst wird ein willkürlicher Sockel abgeschnitten, der in die Höhe gar nicht eingeht.

Eine abgeschnittene Achse ist deshalb nicht grundsätzlich verboten — bei Werten zwischen 86 % und 90 % macht sie kleine Unterschiede überhaupt erst sichtbar. Sie muss aber deutlich gekennzeichnet sein, etwa durch einen Achsenunterbrechungs­marker, und der Begleittext darf keine Verhältnisaussagen aus dem Bild ableiten. Die Überschrift „deutlich verbessert“ ist bei 4 Prozentpunkten irreführend.

3

Zwei Kataloge, zwei Kreisdiagramme

AFB II

Zwei Streaminganbieter werben mit Kreisdiagrammen für die Vielfalt ihres Katalogs. Anbieter A hat \(n_A = 1200\) Titel im Angebot, Anbieter B \(n_B = 4500\) Titel. Die Sektoren sind mit Prozentwerten beschriftet; die Gesamtzahl der Titel steht nur im Kleingedruckten (Material M1).

In einem Blogbeitrag heißt es: „Bei A gibt es mehr Dokumentationen als bei B — der Sektor ist fast doppelt so groß.“

M1Zusammensetzung der beiden Kataloge
Anteile der Genres am jeweiligen Gesamtkatalog
GenreAnbieter A (\(n_A=1200\))Anbieter B (\(n_B=4500\))
Serien40 %52 %
Spielfilme35 %28 %
Dokumentationen15 %8 %
Kinderprogramm10 %12 %
Summe100 %100 %
  1. Berechnen Sie für beide Anbieter die Anzahl der Titel in jedem Genre.
  2. Widerlegen Sie die Behauptung aus dem Blogbeitrag und erklären Sie den zugrunde liegenden Denkfehler.
  3. Erläutern Sie, welche Angabe zu jedem Kreisdiagramm zwingend gehört, und begründen Sie, welche Darstellung die beiden Kataloge besser vergleichbar macht.
Hinweis zu Aufgabe a)
Der Prozentwert ist gesucht, der Grundwert ist der jeweilige Gesamtkatalog: \(H=p\cdot n\). Achte darauf, für jeden Anbieter mit seinem eigenen \(n\) zu rechnen.„Berechnen“ verlangt alle acht Werte mit Ansatz; die Kontrolle ist, dass jede Spalte wieder \(n\) ergibt.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Anbieter A (\(n_A=1200\)): Serien \(0{,}40\cdot 1200 = 480\); Spielfilme \(0{,}35\cdot 1200 = 420\); Dokumentationen \(0{,}15\cdot 1200 = 180\); Kinderprogramm \(0{,}10\cdot 1200 = 120\). Kontrolle: \(480+420+180+120 = 1200\).

Anbieter B (\(n_B=4500\)): Serien \(0{,}52\cdot 4500 = 2340\); Spielfilme \(0{,}28\cdot 4500 = 1260\); Dokumentationen \(0{,}08\cdot 4500 = 360\); Kinderprogramm \(0{,}12\cdot 4500 = 540\). Kontrolle: \(2340+1260+360+540 = 4500\).

Hinweis zu Aufgabe b)
Vergleiche nicht die Prozentwerte, sondern die absoluten Zahlen aus a). Ein Sektor zeigt einen Anteil — und Anteile beziehen sich hier auf verschieden große Ganze.„Widerlegen“ verlangt ein rechnerisches Gegenargument, „Erklären“ die Ursache des Fehlschlusses.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Behauptung ist falsch. Anbieter A führt 180 Dokumentationen, Anbieter B dagegen 360 — B hat genau doppelt so viele, nicht weniger.

Richtig ist nur der erste Halbsatz über die Sektoren: \(15\,\%\) gegenüber \(8\,\%\) bedeutet einen Mittelpunktswinkel von \(54^\circ\) gegenüber \(28{,}8^\circ\), also fast den doppelten Sektor.

Der Denkfehler: Ein Kreissektor zeigt einen Anteil am jeweiligen Ganzen, keine Anzahl. Weil die beiden Ganzen verschieden groß sind (\(1200\) gegenüber \(4500\) Titeln), sind die Prozentwerte nicht miteinander vergleichbar. Der Katalog von B ist \(3{,}75\)-mal so groß; ein Anteil von nur \(8\,\%\) reicht dort bereits für die doppelte Anzahl.

Hinweis zu Aufgabe c)
Ein Kreis stellt immer das Ganze dar — aber welches? Überlege, mit welchem Diagrammtyp man Anzahlen statt Anteile nebeneinanderstellt.„Erläutern“ verlangt die Angabe mit Beispiel, „Begründen“ die Stützung der Empfehlung durch Argumente.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Zu jedem Kreisdiagramm gehört zwingend die Angabe des Umfangs \(n\), also des Ganzen, für das der volle Kreis steht. Ohne sie lässt sich aus einem Sektor keine einzige absolute Zahl gewinnen: 15 % können 180 Titel bedeuten oder 15 — das Bild ist in beiden Fällen identisch. Im vorliegenden Fall steht \(n\) nur im Kleingedruckten, sodass der Blogbeitrag die Diagramme direkt nebeneinanderlegen und falsch deuten konnte.

Besser vergleichbar werden die Kataloge in einem gruppierten Säulendiagramm der absoluten Titelzahlen: Für jedes Genre stehen zwei Säulen nebeneinander (A und B), die Achse beginnt bei null und ist in Titeln beschriftet. Dann vergleicht das Auge genau das, worum es im Streit geht — Anzahlen —, und der Größenunterschied der Kataloge bleibt sichtbar.

Sollen die inneren Zusammensetzungen verglichen werden, bleiben Kreisdiagramme sinnvoll; dann gehört aber unter jeden Kreis das zugehörige \(n\), und der Text darf nur über Anteile sprechen.

4

Der Ausbau, der sich selbst überholt

AFB III

Eine Gemeinde wirbt in ihrer Bürgerbroschüre für den Ausbau der überdachten Fahrradstellplätze am Bahnhof. Unter dem Liniendiagramm (Material M1) steht: „Seit 2015 bauen wir gleichmäßig aus — Jahr für Jahr kommen rund 100 Stellplätze dazu.“

M1Überdachte Fahrradstellplätze am Bahnhof
010020030040050020152016201720182024Jahr (Bestand jeweils zum 31. Dezember)überdachte Fahrradstellplätze
  1. Lesen Sie die fünf Werte ab und berechnen Sie für jeden Abschnitt zwischen zwei Messpunkten die mittlere Zunahme pro Jahr.
  2. Beurteilen Sie die Aussage der Gemeinde.
  3. Entwickeln Sie eine Darstellung, die den Ausbau korrekt wiedergibt, und erläutern Sie, was sich dadurch am Bild ändert.
Hinweis zu Aufgabe a)
Notiere zu jedem Abschnitt beides: die Zunahme der Stellplätze und die Anzahl der Jahre, die dazwischenliegen. Erst der Quotient aus beidem ist das Tempo.„Ablesen“ verlangt die Werte, „Berechnen“ die vier Quotienten mit Ansatz.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Abgelesen (eine Rasterlinie steht für 100 Stellplätze): 2015: 100, 2016: 200, 2017: 300, 2018: 400, 2024: 500 Stellplätze.

2015–2016: \(\dfrac{100}{1\ \text{Jahr}} = 100\) Stellplätze pro Jahr. 2016–2017: ebenfalls \(100\) pro Jahr. 2017–2018: ebenfalls \(100\) pro Jahr.

2018–2024: \(\dfrac{500-400}{2024-2018}=\dfrac{100}{6}\approx 16{,}7\) Stellplätze pro Jahr.

Über den gesamten Zeitraum: \(\dfrac{500-100}{9}\approx 44{,}4\) Stellplätze pro Jahr.

Hinweis zu Aufgabe b)
Prüfe die Aussage getrennt für den Zeitraum bis 2018 und für den danach. Sieh dir dann an, wie die Jahre auf der waagerechten Achse angeordnet sind.„Beurteilen“ verlangt ein eigenständiges Urteil, gestützt auf die Rechnung aus a).
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die Aussage trifft nur für die Jahre 2015 bis 2018 zu: Dort kamen tatsächlich jedes Jahr 100 Stellplätze dazu. Seit 2018 ist das Tempo auf \(16{,}7\) Stellplätze pro Jahr gefallen, also auf ein Sechstel. Von einem gleichmäßigen Ausbau kann keine Rede sein; im Gegenteil, der Ausbau ist nach 2018 fast zum Erliegen gekommen.

Dass das Bild dennoch gleichmäßig aussieht, liegt an der waagerechten Achse: Die fünf Jahreszahlen sind in gleichen Abständen nebeneinandergesetzt, obwohl zwischen 2018 und 2024 sechs Jahre liegen und zwischen den übrigen Punkten jeweils nur eines. Die Achse ist damit keine Zeitskala mehr, sondern eine bloße Aufzählung von Messzeitpunkten. Weil ein Liniendiagramm seine Aussage aus der Steigung bezieht, wird genau die Größe verfälscht, um die es geht.

Hinzu kommt: Für die Jahre 2019 bis 2023 liegen überhaupt keine Werte vor. Die durchgezogene Linie behauptet dort einen gleichmäßigen Verlauf, den die Daten nicht hergeben — der Ausbau kann 2019 abgeschlossen oder erst 2024 erfolgt sein.

Hinweis zu Aufgabe c)
Überlege zwei Dinge: Wo müssten die Messpunkte auf einer maßstäblichen Zeitachse liegen, und was darf man über die Jahre 2019 bis 2023 überhaupt behaupten?„Entwickeln“ verlangt einen begründeten Entwurf mit den einzelnen Schritten, „Erläutern“ die Wirkung der Änderung.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Schritt 1: Die waagerechte Achse wird maßstäblich angelegt, von 2015 bis 2024 mit gleichen Abständen je Jahr. Schritt 2: Die fünf Messpunkte werden an ihren richtigen Stellen eingetragen — die ersten vier dicht beieinander, der letzte weit rechts. Schritt 3: Die Strecke zwischen 2018 und 2024 wird gestrichelt gezeichnet und mit dem Hinweis „keine Erhebung“ versehen, weil dort keine Messwerte vorliegen. Schritt 4: Achsenbeschriftungen (Jahr; Anzahl der überdachten Stellplätze) und eine Quellenangabe ergänzen.

Am Bild ändert sich Entscheidendes: Die Linie steigt bis 2018 steil an und knickt danach sichtbar ab; die flache, lange Strecke bis 2024 macht den Stillstand unmittelbar sichtbar. Der Eindruck des gleichmäßigen Wachstums verschwindet, ohne dass eine einzige Zahl geändert wurde.

Ergänzend eignet sich ein Säulendiagramm der jährlichen Zuwächse. Es zeigt vier Säulen der Höhe 100 für 2016 bis 2018 und eine Lücke für 2019 bis 2023, die als solche gekennzeichnet werden muss — auch das ist eine ehrliche Information: Die Gemeinde hat in diesem Zeitraum offenbar nicht gezählt.

5

Ein Kreis, der nicht aufgeht

AFB III

Die Schülerzeitung befragt \(n = 200\) Jugendliche: „Welche App-Kategorien nutzt du täglich?“ Mehrfachnennungen sind ausdrücklich erlaubt. Die Redaktion stellt die Ergebnisse in einem Kreisdiagramm dar und titelt: „Messenger sind mit 45 % das beliebteste Angebot — fast die Hälfte des Marktes.“ Die Prozentangaben beziehen sich jeweils auf alle 200 Befragten (Material M1).

M1Ergebnis der App-Umfrage, \(n = 200\), Mehrfachnennungen erlaubt
Anteil der Befragten, die die Kategorie täglich nutzen
App-KategorieAnteil der Befragten
Messenger45 %
Videoplattform38 %
Musik-Streaming30 %
Spiele25 %
Nachrichten-App18 %
  1. Berechnen Sie für jede Kategorie die Anzahl der Nennungen, die Gesamtzahl aller Nennungen und die durchschnittliche Zahl der Nennungen pro befragter Person.
  2. Zeigen Sie, dass die fünf Angaben zusammen kein Kreisdiagramm ergeben können, und berechnen Sie die Mittelpunktswinkel, die entstehen, wenn man die Gesamtzahl der Nennungen als Ganzes nimmt.
  3. Beurteilen Sie die Schlagzeile und entwickeln Sie eine Darstellung, die zu dieser Erhebung passt.
Hinweis zu Aufgabe a)
Jede Prozentangabe bezieht sich auf dieselben 200 Befragten: \(H = p\cdot 200\). Die Gesamtzahl der Nennungen ist die Summe dieser fünf Anzahlen — sie muss nicht 200 sein.„Berechnen“ verlangt alle fünf Anzahlen, ihre Summe und den Quotienten mit Ansatz.
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)

Messenger: \(0{,}45\cdot 200 = 90\); Videoplattform: \(0{,}38\cdot 200 = 76\); Musik-Streaming: \(0{,}30\cdot 200 = 60\); Spiele: \(0{,}25\cdot 200 = 50\); Nachrichten-App: \(0{,}18\cdot 200 = 36\).

Gesamtzahl der Nennungen: \(90+76+60+50+36 = 312\).

Pro Person: \(\dfrac{312}{200} = 1{,}56\) Nennungen. Jede befragte Person hat im Mittel gut anderthalb Kategorien angekreuzt — genau das ist mit „Mehrfachnennungen“ gemeint.

Hinweis zu Aufgabe b)
Ein voller Kreis fasst genau 100 % beziehungsweise \(360^\circ\). Addiere zuerst die fünf Prozentangaben. Für die Winkel wechselst du dann die Bezugsgröße: \(\alpha = \dfrac{H}{312}\cdot 360^\circ\).„Zeigen“ verlangt die Rechnung als Beleg, „Berechnen“ die fünf Winkel mit Kontrolle der Summe.
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)

Die fünf Prozentangaben ergeben zusammen \(45+38+30+25+18 = 156\,\%\). Ein voller Kreis steht aber für genau 100 %. Umgerechnet in Winkel wären es \(156\cdot 3{,}6^\circ = 561{,}6^\circ\), also mehr als eineinhalb volle Kreise. Die Sektoren müssten einander überlappen; ein Kreisdiagramm ist hier unmöglich.

Nimmt man stattdessen die 312 Nennungen als Ganzes, ergibt sich mit \(\alpha = \dfrac{H}{312}\cdot 360^\circ\):

Messenger \(\dfrac{90}{312}\approx 28{,}8\,\% \rightarrow 103{,}8^\circ\); Videoplattform \(\dfrac{76}{312}\approx 24{,}4\,\% \rightarrow 87{,}7^\circ\); Musik-Streaming \(\dfrac{60}{312}\approx 19{,}2\,\% \rightarrow 69{,}2^\circ\); Spiele \(\dfrac{50}{312}\approx 16{,}0\,\% \rightarrow 57{,}7^\circ\); Nachrichten-App \(\dfrac{36}{312}\approx 11{,}5\,\% \rightarrow 41{,}5^\circ\).

Kontrolle: \(103{,}8^\circ+87{,}7^\circ+69{,}2^\circ+57{,}7^\circ+41{,}5^\circ \approx 360^\circ\). Dieses Diagramm wäre zeichenbar, beantwortet aber eine andere Frage: Es zeigt, wie sich die Nennungen verteilen — nicht, wie viele Jugendliche eine Kategorie nutzen.

Hinweis zu Aufgabe c)
Prüfe die beiden Halbsätze der Schlagzeile getrennt: Ist „45 %“ richtig? Und worauf bezieht sich „des Marktes“? Überlege außerdem, welche Frage die Erhebung nicht beantwortet.„Beurteilen“ verlangt ein begründetes eigenes Urteil, „Entwickeln“ einen Entwurf mit seinen Bestandteilen.
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)

Der erste Halbsatz ist richtig: 45 % der Befragten, also 90 Jugendliche, nutzen täglich einen Messenger. Der zweite Halbsatz ist falsch. „Fast die Hälfte des Marktes“ behauptet einen Anteil am Ganzen aller Nennungen; dieser beträgt jedoch nur \(\dfrac{90}{312}\approx 28{,}8\,\%\), also noch nicht einmal ein Drittel. Die Schlagzeile setzt zwei verschiedene Bezugsgrößen gleich — Befragte und Nennungen — und genau diese Verwechslung erzeugt die Steigerung von 28,8 % auf „fast die Hälfte“. Die gewählte Kreisform legt den Fehlschluss zusätzlich nahe, weil ein Kreis dem Auge ein vollständiges Ganzes verspricht.

Die Erhebung lässt außerdem eine naheliegende Frage offen: Wie viele Jugendliche nutzen gar keine der fünf Kategorien? Aus den Daten folgt nur, dass mindestens 90 Personen mindestens eine Kategorie nutzen; es können also zwischen 0 und 110 Personen ohne jede Nennung sein. Auch Kombinationen — wer nutzt Messenger und Spiele? — sind nicht rekonstruierbar.

Geeignet ist ein Balkendiagramm: für jede Kategorie ein waagerechter Balken, die Achse von 0 % bis 100 % beschriftet, die Balken nach Größe sortiert. Dazu gehören \(n = 200\), die absoluten Anzahlen an den Balken und der ausdrückliche Vermerk „Mehrfachnennungen möglich, die Anteile addieren sich nicht zu 100 %“. Ein Kreisdiagramm ist erst wieder zulässig, wenn die Kategorien einander ausschließen und zusammen alle Fälle abdecken — etwa bei der Frage nach der meistgenutzten Kategorie mit genau einer Antwort pro Person.