Wahlalter bei Bundestagswahlen
AFB II„In einer Umfrage aus dem Spätsommer 2015 wurden 716 Menschen gefragt, ob Sie es befürworten würden, wenn das Wahlalter bei Bundestagswahlen auf 16 abgesenkt werden würde:“ Die Antworten sind nach Altersgruppen aufgeschlüsselt (Material M1). Die Buchaufgabe lautet: „Stellen Sie jeweils einen Datensatz für eine Altersgruppe und für eine Antwortmöglichkeit in einem geeigneten Kreisdiagramm (Säulendiagramm) dar. Nennen Sie Vorteile und Nachteile der grafischen Darstellungen gegenüber einer Tabelle.“
- Berechnen Sie für die Altersgruppe 18–29 die drei Mittelpunktswinkel eines Kreisdiagramms (eine Nachkommastelle) und überprüfen Sie die Summe.
- Zeichnen Sie ein Säulendiagramm für die Antwortmöglichkeit „Es soll bei 18 Jahren bleiben.“ und begründen Sie, warum hier kein Kreisdiagramm passt.
- Nennen Sie Vorteile und Nachteile der grafischen Darstellungen gegenüber der Tabelle.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Zuerst der Umfang dieser Spalte: \(n = 25 + 72 + 13 = 110\). Damit ist \(n\) die Zahl der Befragten in dieser Altersgruppe — nicht 716.
\(\alpha_{16} = \dfrac{25}{110}\cdot 360^\circ \approx 81{,}8^\circ\), \(\alpha_{18} = \dfrac{72}{110}\cdot 360^\circ \approx 235{,}6^\circ\), \(\alpha_{\text{unentschieden}} = \dfrac{13}{110}\cdot 360^\circ \approx 42{,}5^\circ\).
Kontrolle: \(81{,}8^\circ + 235{,}6^\circ + 42{,}5^\circ = 360{,}0^\circ\). Die Abweichung von \(0{,}1^\circ\) kommt allein vom Runden auf eine Nachkommastelle und ist in Ordnung.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Fünf gleich breite Säulen mit den Höhen 7, 72, 110, 159 und 211. Die senkrechte Achse beginnt bei null und wird bis mindestens 220 beschriftet, sinnvoll in Schritten von 50.
Ein Kreisdiagramm wäre hier die schlechtere Wahl: Die fünf Altersgruppen sind unterschiedlich stark besetzt, ein Kreis würde also einen Vergleich suggerieren, den die Daten nicht hergeben.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Vorteile der Grafik: Größenverhältnisse sieht man auf einen Blick — dass die Älteren deutlich häufiger bei 18 Jahren bleiben wollen, springt aus dem Säulendiagramm sofort ins Auge. Nachteile: Die genauen Zahlen gehen verloren, man liest sie nur ungefähr ab; und die Wahl von Maßstab und Achsenausschnitt kann den Eindruck stark verändern. Die Tabelle bleibt exakt, zeigt aber keine Verhältnisse.
Antwortsatz: In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sprechen sich rund zwei Drittel der Befragten (\(235{,}6^\circ\) von \(360^\circ\)) dafür aus, das Wahlalter bei 18 Jahren zu belassen.
Juniorwahl 2017
AFB II„Um Jugendliche für Politik zu interessieren, wird vor der Bundestagswahl die Juniorwahl für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren durchgeführt. Ca. 1 Million Stimmen wurden abgegeben. Dabei kam es 2017 zu nebenstehendem Ergebnis. Stellen Sie das Ergebnis in einem Kreisdiagramm dar. Nennen Sie Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Darstellungen.“ Die Prozentwerte stehen in Material M1.
- Berechnen Sie alle sieben Mittelpunktswinkel und überprüfen Sie die Summe.
- Beschreiben Sie, wie Sie das Kreisdiagramm mit Zirkel und Geodreieck zeichnen.
- Vergleichen Sie Kreis- und Säulendiagramm: Wofür eignet sich welche Darstellung?
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Abkürzung für Prozentangaben: Der Anteil steht bereits als \(\dfrac{p}{100}\) da. Wegen \(\dfrac{360^\circ}{100} = 3{,}6^\circ\) gilt also einfach \(\alpha = p\cdot 3{,}6^\circ\).
\(\alpha_{\text{Union}} = 97{,}2^\circ\), \(\alpha_{\text{SPD}} = 69{,}48^\circ\), \(\alpha_{\text{Linke}} = 26{,}28^\circ\), \(\alpha_{\text{Gruene}} = 64{,}44^\circ\), \(\alpha_{\text{FDP}} = 31{,}68^\circ\), \(\alpha_{\text{AfD}} = 21{,}6^\circ\), \(\alpha_{\text{Andere}} = 49{,}32^\circ\).
Kontrolle: \(97{,}2^\circ + 69{,}48^\circ + 26{,}28^\circ + 64{,}44^\circ + 31{,}68^\circ + 21{,}6^\circ + 49{,}32^\circ = 360^\circ\). Die Summe stimmt exakt, weil die Prozentwerte zusammen genau 100 % ergeben und nirgends gerundet wurde.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Kreis mit Zirkel, Startlinie senkrecht nach oben, dann im Uhrzeigersinn abtragen: erst \(97{,}2^\circ\) für die Union, ab dieser Linie die nächsten \(69{,}48^\circ\) für die SPD und so weiter. Beim Geodreieck wird auf halbe Grad genau abgetragen — \(69{,}48^\circ\) zeichnet man als \(69{,}5^\circ\).
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
Das Säulendiagramm des Buches eignet sich zum Vergleich der Parteien untereinander: Man sieht sofort, dass die Union etwa anderthalbmal so viele Stimmen holt wie die Grünen. Das Kreisdiagramm zeigt dafür etwas, das die Säulen verschweigen: wie sich die Stimmen auf das Ganze verteilen — dass „Andere“ zusammen fast so viel Kreis belegen wie die SPD. Genaue Werte sind in beiden Darstellungen schlechter ablesbar als in der Tabelle.
Antwortsatz: Im Kreisdiagramm der Juniorwahl 2017 nimmt die Union mit \(97{,}2^\circ\) den größten Sektor ein; alle sieben Sektoren ergeben zusammen den vollen Kreis von \(360^\circ\).
Sonntagsfrage: vom Prozentwert zum Sektor
AFB II„Bei der Sonntagsfrage stellen Meinungsforschungsinstitute regelmäßig mindestens 1 000 Bundesbürgern die Frage: ‚Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?‘“ Im Buch ist dazu ein Kreisdiagramm abgedruckt (Material M1). Darunter steht die Quellenangabe: „Angaben in Prozent. 2505 Befragte vom 25. bis 29.9.2017. Fehlertoleranz: +/− 2,5 Prozentpunkte. Auftraggeber: stern und RTL. Quelle: Forsa“.
- Weisen Sie nach, wie die sieben Mittelpunktswinkel des abgedruckten Diagramms zustande kommen.
- Erklären Sie, warum der Stichprobenumfang \(n = 2505\) für die Berechnung der Winkel keine Rolle spielt — und wofür er trotzdem wichtig ist.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Für jede Partei gilt \(\alpha = \dfrac{p}{100}\cdot 360^\circ = p\cdot 3{,}6^\circ\):
\(\alpha_{\text{CDU/CSU}} = 32\cdot 3{,}6^\circ = 115{,}2^\circ\), \(\alpha_{\text{SPD}} = 20\cdot 3{,}6^\circ = 72^\circ\), \(\alpha_{\text{AfD}} = 12\cdot 3{,}6^\circ = 43{,}2^\circ\), \(\alpha_{\text{FDP}} = 11\cdot 3{,}6^\circ = 39{,}6^\circ\), \(\alpha_{\text{Linke}} = \alpha_{\text{Gruene}} = 10\cdot 3{,}6^\circ = 36^\circ\), \(\alpha_{\text{Sonstige}} = 5\cdot 3{,}6^\circ = 18^\circ\).
Kontrolle: \(115{,}2^\circ + 72^\circ + 43{,}2^\circ + 39{,}6^\circ + 36^\circ + 36^\circ + 18^\circ = 360^\circ\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
In die Winkelformel geht nur der Anteil ein. Ob 32 % von 2505 Personen oder 32 % von 1000 Personen gemeint sind: Der Anteil ist beide Male \(0{,}32\) und damit auch der Winkel derselbe. Anders gesagt: \(\dfrac{H}{n}\) kürzt den Umfang heraus.
Wichtig ist \(n\) trotzdem — aber für die Zuverlässigkeit. Genau darauf zielt die Fehlertoleranz von \(\pm 2{,}5\) Prozentpunkten in der Quellenangabe: Die 5 % der Sonstigen könnten in Wirklichkeit auch 2,5 % oder 7,5 % sein, ihr Sektor also zwischen \(9^\circ\) und \(27^\circ\) liegen. Bei kleinem \(n\) wäre diese Spanne noch größer. Das Kreisdiagramm zeichnet man scharf, obwohl die Daten unscharf sind — deshalb gehört die Quellenangabe unbedingt mit unter das Diagramm.
Antwortsatz: Die sieben Sektoren des Forsa-Diagramms messen 115,2°, 72°, 43,2°, 39,6°, 36°, 36° und 18°; zusammen ergeben sie den vollen Kreis. Die Winkel hängen allein von den Prozentanteilen ab, die Verlässlichkeit dieser Anteile dagegen von den 2505 Befragten.
Einschaltquoten einer Samstagabendshow
AFB III„Nach den ersten Folgen einer neuen Samstagabendshow soll durch ein Umfrageinstitut ermittelt werden, ob die Show den Zuschauern gefällt. Da in den Pausen Werbezeiten verkauft werden, sind auch die Altersverteilung und das Geschlecht der Zuschauer interessant. Folgende Einschaltzahlen wurden erfasst:“ (Material M1). Die Buchaufgabe lautet: „Stellen Sie die Daten geeignet grafisch dar. Ermitteln Sie die Zusammensetzung einer repräsentativen Stichprobe, wenn etwa 1 000 Personen befragt werden sollen.“
- Entscheiden Sie begründet, welche Diagrammarten zu diesen Daten passen, und berechnen Sie die beiden Mittelpunktswinkel eines Kreisdiagramms „männlich / weiblich“ (eine Nachkommastelle).
- Ermitteln Sie die Zusammensetzung einer repräsentativen Stichprobe von etwa 1 000 Personen.
- Beurteilen Sie die Einteilung der Altersgruppen in der Buchtabelle.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Sinnvoll sind hier zwei Diagramme, weil zwei verschiedene Fragen dahinterstehen. Ein Säulendiagramm zeigt die fünf Altersgruppen im Vergleich, am besten mit zwei Säulen je Gruppe (männlich und weiblich nebeneinander). Die senkrechte Achse beginnt bei null und wird in Millionen beschriftet, sonst werden die Zahlen unlesbar. Ein Kreisdiagramm passt zur Aufteilung nach Geschlecht, weil dort ein Ganzes in zwei Teile zerlegt wird.
\(n = 4\,434\,615 + 3\,453\,396 = 7\,888\,011\)
\(\alpha_{\text{m}} = \dfrac{4\,434\,615}{7\,888\,011}\cdot 360^\circ \approx 202{,}4^\circ\), \(\alpha_{\text{w}} = \dfrac{3\,453\,396}{7\,888\,011}\cdot 360^\circ \approx 157{,}6^\circ\). Kontrolle: \(202{,}4^\circ + 157{,}6^\circ = 360{,}0^\circ\).
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
Repräsentativ heißt: Jeder Anteil der Stichprobe stimmt mit dem Anteil in der Grundgesamtheit überein. Also rechnet man für jedes Feld der Tabelle \(\text{Anzahl} = 1000\cdot\dfrac{H}{7\,888\,011}\) und rundet auf ganze Personen.
Beispiel für die 21- bis 35-jährigen Männer: \(1000\cdot\dfrac{1\,748\,215}{7\,888\,011} \approx 221{,}6 \approx 222\) Personen.
Antwortsatz: Von den rund 7,9 Millionen Zuschauern sind etwa 56 % männlich; im Kreisdiagramm entspricht das einem Sektor von rund 202,4°. Eine repräsentative Befragung von 1 000 Personen müsste 222 Männer und 158 Frauen im Alter von 21 bis 35 Jahren enthalten, aber nur 16 bzw. 13 Personen aus der Gruppe der 14- bis 20-Jährigen.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
„36–49“ und „49–65“ überlappen sich am Rand. Eine 49-jährige Person passt in beide Zeilen und wird doppelt gezählt oder willkürlich einer Gruppe zugeschlagen. Für eine saubere Erhebung müssten die Klassen lückenlos und überschneidungsfrei sein, etwa „36–49“ und „50–65“. Solange das nicht der Fall ist, sind auch die daraus berechneten Stichprobenzahlen für diese beiden Zeilen mit einem Vorbehalt zu versehen.
Projekt: die eigene Umfrage veröffentlichen
AFB III„Planen Sie in Gruppen eine eigene Umfrage zu einem selbstgewählten Thema (z. B. zur Berufs- und Studienwahl, zu Medienkonsum, zu politischen oder gesellschaftlichen Themen). Überlegen Sie sich geeignete Kriterien, um eine möglichst repräsentative Umfrage durchführen zu können und führen Sie diese durch. Bereiten Sie Ihre Ergebnisse grafisch und sprachlich so auf, dass Sie auf der Schulhomepage oder in der Schülerzeitung veröffentlicht werden können.“ Beschränken Sie sich hier auf den grafischen Teil.
- Entscheiden Sie schon beim Entwurf des Fragebogens, welche Diagrammart zu welchem Fragetyp gehört, und begründen Sie die Zuordnung.
- Beschreiben Sie den Rechenweg für jedes Kreisdiagramm einschließlich der Kontrolle.
- Nennen Sie die Angaben, die unter jedem veröffentlichten Diagramm stehen müssen.
Hinweis zu Aufgabe a)
Erwartungshorizont zu Aufgabe a)
Vorher entscheiden, nicht hinterher. Welche Diagramme gebraucht werden, steht schon beim Entwurf des Fragebogens fest — jede Frage bekommt ihre Darstellung zugewiesen:
- AuswahlfrageEine Frage mit sich gegenseitig ausschließenden Antworten („Welches Medium nutzt du am häufigsten?“) zerlegt die Befragten in Teile eines Ganzen → Kreisdiagramm.
- VergleichsfrageWenn mehrere Gruppen oder Zeitpunkte gegenübergestellt werden („Nutzungsdauer je Jahrgang“) → Säulendiagramm mit gleicher Balkenbreite und Nulllinie.
- MehrfachauswahlDarf man mehrere Kreuze setzen, ist die Summe der Nennungen größer als \(n\). Ein Kreisdiagramm wäre dann falsch, denn die Winkel ergäben mehr als \(360^\circ\) → nur Säulendiagramm.
Hinweis zu Aufgabe b)
Erwartungshorizont zu Aufgabe b)
\(n\) als Zahl der gültigen Antworten bestimmen (nicht als Zahl der ausgeteilten Bögen), dann \(\alpha=\dfrac{H}{n}\cdot 360^\circ\) für jede Antwortmöglichkeit, zum Schluss die Kontrolle auf \(360^\circ\). Wer rundet, notiert das ausdrücklich.
Hinweis zu Aufgabe c)
Erwartungshorizont zu Aufgabe c)
- Frageder genaue Wortlaut der gestellten Frage, nicht nur ein Stichwort
- Umfang\(n\), also die Zahl der ausgewerteten Antworten, und der Zeitraum der Erhebung
- Gruppewer befragt wurde — ganze Schule, ein Jahrgang, eine Klasse; daraus wird sichtbar, worauf die Aussage überhaupt zutrifft
- Einheitob die Zahlen absolute Häufigkeiten oder Prozentwerte sind
- Rundungein Hinweis, falls die Anteile gerundet wurden und die Summe deshalb nicht exakt 100 % ergibt
Als Vorbild dient die Quellenangabe aus Aufgabe 3: „Angaben in Prozent. 2505 Befragte vom 25. bis 29.9.2017.“ Genau dieser Zweizeiler macht aus einem hübschen Bild eine nachprüfbare Aussage.
Häufigster Fehler beim Veröffentlichen: Ein Kreisdiagramm aus 14 Antworten sieht genauso überzeugend aus wie eines aus 1 400 Antworten. Der Kreis zeigt nur Anteile — wie belastbar sie sind, verrät allein das \(n\) in der Bildunterschrift.
